Lobberich im
2. Weltkrieg:
Vertreibung, Tod und Zerstörung

(...) Einen Abend nach dem Einmarsch unserer Truppen in Holland in der Nacht vom 11./12. Mai 1940 fielen in Höhe des jetzigen Werner Jaeger-Gymnasiums die ersten Bomben.
Ab 1942 wurde sogar der Unterricht am Morgen in den Schulen durch Fliegeralarm gestört. Dann ging es in die Keller. Dort wartete man bis die Sirenen "Entwarnung" gaben. (...)
(Am) 19.2.1945 (brach auch über Lobberich) ganz unvermittelt der Krieg herein. (...) "Wenige Minuten nach 1/2 1 sahen wir ein von Nordosten kommendes Ungetüm, einem Flugzeug ähnlich, mit flammendem Feuerstrahl, der heulende Koloß ändert seinen Kurs mit einer scharfen Kurve, geht bodenwärts, und Sekunden später erschüttert ein ungeheurer Stoß die Erde. Fast alle Fensterscheiben zerspringen, Ziegel prasseln von den Dächern, erschreckte Menschen rennen auf die Straße und sehen eine finstere Wolke aus Feuer und Rauch im Westen hochgehen...

Ansicht der Hochstraße nach dem Treffer der V1
Ein defektes V1-Geschoß hatte seine Bahn verlassen und war auf der unteren Hochstraße eingeschlagen...
Auf der Straße und zwischen den Trümmern lagen nackte Leichen, denen der unvorstellbare Luftdruck die Kleider vom Körper gerissen hatte, das Hotel Köster und 3 Nachbarhäuser waren dem Erdboden gleichgemacht, die weiter abliegenden zum Teil schwer beschädigt, viele Dächer abgehoben und im weiten Umkreis keine Fenster mehr heil. In den Bäumen des Ingenhovenparks hingen Kleiderfetzen und Eingeweide; von einem Pferdegespann fanden sich nur noch die Köpfe der beiden Pferde."
Die Bergung der Toten und Verletzten war schwierig.
"Eine Frau, die noch einmal das Tageslicht erblickte, wurde bei dem Versuch,
ihr einen Ausgang aus dem Keller zu verschaffen, verschüttet... eine
Mutter mit ihrem Kind blieb noch verschollen.
Ihre Leichen fand man zwei Monate später im Kellergewölbe des Hotels
Köster."
(...) Im linken Seitenschiff (der Pfarrkirche) kam nachträglich während des Gottesdienstes noch eine Frau durch herabstürzendes Gestein zu Tode. Die Leichen wurden in der Alten Kirche eingesargt. Dort zählte man 25 Lobbericher Opfer.
Die Zahl der ums Leben gekommenen Soldaten wurde nicht bekannt. (...)

Man zählte insgesamt 279 Kriegstote. Wenn man bedenkt, daß im
März 1950 noch 232 Lobbericher als Wehrmachtsvermißte und 32
Zivilvermißte gemeldet waren (darunter allerdings auch die Wehrmachts-
und Zivilvermißten der über 2000 FIüchtlinge, die in Lobberich
eine zweite Heimat gefunden hatten), dann ist die Zahl noch beträchtlich
größer.(...)
Für viele (begann) die Zeit des Hungerns nach 1945.
(Durch die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten und durch Zuwanderung
von Flüchlingen aus der Sowjetischen Besatzungszone) wuchs die
Bevölkerung (Lobberichs) von 1945 bis 1955 von etwa 7000 auf 10 000.
<= Die Alte Kirche nach dem Beschuss durch die Amerikaner