Wiederherstellung der alten katholischen Pfarrkirche.

Aus: "Bericht über die Thätigkeit der Provinzialkommission für die Denkmalpflege in der Rheinprovinz"
Bonn 1902, S. 43-45


6. Lobberich (Kreis Kempen). Wiederherstellung der alten katholischen Pfarrkirche.

Die alte katholische Pfarrkirche in Lobberich war ursprünglich eine ein schiffige Kreuzanlage des 15. Jahrhunderts, besonders merkwürdig durch die geringe, nur ein Joch umfassende Ausdehnung des Langhauses (Grundriss und Details Fig.25. - Querschnitt und Masswerke Fig. 26). Die Formen des Langhauses sind wie bei allen spätgotischen Bauten des Niederrheines äusserst schlicht, mehrfach abgetreppte Strebepfeiler, ein durchlaufendes Kaffgesims und ein Hauptgesims von einfachem Kehlprofil. Der Turm allein zeigt eine reichere Gliederung durch hohe Blenden mit reichem Masswerk und einem Treppentürmchen an der Südseite. Als Material ist für den Bau des Chores Tuff verwendet worden, wahrscheinlich das Material des niedergelegten romanischen Kirchenbaues; im (übrigen ist es ein reiner Ziegelbau, bei dem nur die Gesimse, Strebepfeilerabdeckungen und Masswerke aus Tuff hergestellt sind.

Im Lauf der zeit wurde der Bau mannigfach -verändert ; im Jahre 1710 sind die Gewölbe im Chor entfernt worden oder eingestürzt. Endlich im Jahr 1819 wurden zwei auch die Seiten des Turmes umfassende Seitenschiffe angebaut. Schon seit 1870 erwies sich die Kirche als zu klein; da sie eng eingebaut, an der einen Seite durch eine Häuserreihe vorn Marktgeschieden und an der andern von dein Park des Hauses Ingenhoven begrenzt liegt, so war eine brauchbare Erweiterung ziemlich ausgeschlossen. Der im Jahre 1893 eingeweihte Neubau

liegt ausserhalb des alten Lobberich; seitdem wurde bis zum Jahre 1896 zeitweise noch Gottesdienst in der alten Kirche gehalten, für die Unterhaltung des Baues geschah aber so gut wie nichts. In den von 1896 -1898 gepflogenen Unterhandlungen war die Kirchgemeinde zu der Übernahme einer dauernden Erhaltung der Kirche nicht zu bewegen; der bauliche Zustand, namentlich die Verfassung der Dächer, war mittlerweile so schlecht geworden, dass im Frühjahr . 1898 der Kirchplatz polizeilich gesperrt werden musste.

Unter den Umständen erteilte die Königliche Regierung die Genehmigung zum Abbruch der Kirche mit Ausnahme des Turmes. In diesem Moment höchster Gefahr gründete sich ein Verein zur Erhaltung der alten Kirche, der die Verpflichtung der baulichen Instandsetzung.

Fig. 25 Lobberich. Grundriss u. Details der alten kathol. Pfarrkirche.

der Kirche übernahm. Zu den Kosten der Wiederherstellung der Kirche, die rund 24 000 Mk. betragen, haben die Königliche Staatsregierung 2000 Mk., der 42. Rheinische Provinziallandtag 4000 Mk. beigetragen; der Rest ist von dem Verein zur Erhaltung der alten Pfarrkirche durch Anleihe und freiwillige Beiträge aufgebracht worden.

Die Arbeiten begannen im Frühjahr 1898 und waren am Ende des Jahres 1901 im wesentlichen abgeschlossen. In den Jahren 1898 und 1899 wurden das Mauerwerk, die Gesimse und Masswerke der Blenden, sowie das Dach des Turmes in Stand gesetzt; im Inneren des Turmes waren grössere Breschen auszumauern, die durch die Herausnahme des alten Glockenstuhles entstanden waren. Im Jahre 1899 kamen ausserdem die Herstellung des sehr defekten Langhausdaches, das Ausflicken am Mauerwerk des Langhauses, Herstellung der wohl schon im 18. Jahrhundert entfernten Masswerke der Langhausfenster, Ergänzung der Gesimse. und Strebepfeilerabdeckungen zur Ausführung. Die Bauperiode des Jahres 1900 umfasst die Anbringung einer schlichten Rautenverglasung in den Fenstern, sowie die Instandsetzungsarbeiten im Inneren; hier

Fig. 26. Lobberich. Querschnitt u. Masswerke der alten kathol. Pfarrkirche.

war namentlich eine Isolierung gegen die aufsteigende Bodenfeuchtigkeit notwendig, der Fussbodenbelag wurde ergänzt, das ganze Innere erhielt einen einfachen Kalkanstrich. Im Jahre 1901 endlich wurde das Äussere des Chores wiederhergestellt; hier waren grosse Teile der Tuffverblendung, der ganze Sockel, der grösste Teil der Gesimse zu ersetzen. Zu diesen Arbeiten wurde der besser haltbare, grobkörnige Tuff der Niedermendiger Gegend verwendet.

Die Oberaufsicht über die Arbeiten führte der Königliche Kreisbauinspektor, Baurat Ewerding in Krefeld; die örtliche Bauleitung lag in den

Jahren 1898 1899 in den Händen des Baugewerksmeisters Joh. F Feldges, für den Rest der Arbeiten in den Händen des Baugewerksmeisters Pau1 Mertz in Lobberich.

Über die Kirche vgl. ausführlich: Clemen, Die Kunstdenkmäler des Kr. Kempen, S. 104. Clemen.


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