Chronik der Sparkasse 1870-1995

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von Manfred Albersmann


3.

Von der Gründung der Sparkasse Lobberich im Jahre 1870 bis nach dem 1. Weltkrieg im Jahre 1918

Nachdem der Kempener Landrat seine Absicht, eine Kreissparkasse zu gründen, aufgegeben hatte, dauerte es fast 20 Jahre, bis sich die Ratsmitglieder des Gemeinderates von Lobberich erneut mit dem Gedanken beschäftigten, wie in einigen umliegenden Gemeinden bereits geschehen, ebenfalls eine eigene Sparkasse zu errichten. Am 7. August 1869 erscheint erstmals im Protokollbuch der Gemeinde Lobberich ein Tagesordnungspunkt, der sich mit der Errichtung einer Sparkasse befaßt:

"Tagesordnung ad. 1: Errichtung einer Sparkasse betreffend"

Dieser Punkt wurde jedoch auf die nächste Sitzung vertagt. Zur weiteren Vorbereitung wird eine "Commission", bestehend aus dem Bürgermeister Winkelmann und den Gemeinderatsmitgliedern Notar Döhmer, Hoeren, Niedieck und Peltzers gewählt.

Am 27. November 1869 endlich, beschloß der Gemeinderat die Errichtung einer Sparkasse. Das Reglement wurde aufgestellt und dem Königlichen Landrat, dem Geheimen Regierungsrat Foerster in Kempen am 13.12.1869 zur Prüfung und Genehmigung übersandt. Die Königliche Regierung, Abtlg. des Inneren, Herr Claehsen teilte am 13.1.1870 verschiedene Änderungswünsche mit. Schließlich wurde dann am 26.2.1870 die endgültige Fassung des Reglements vom Gemeinderat genehmigt und unterschrieben. Gleichzeitig wurden die Gemeinderatsmitglieder Notar Wilhelm Döhmer und Julius Niedieck sowie die Bürgerschaftsvertreter Wilhelm Dammer jun. und Joachim Gartz zu "Administraten" für die neue Sparkasse bestellt. Diese fünf Herren bildeten die "Sparkassenverwaltung" und wurden für die Dauer von drei Jahren bestellt.

Ebenfalls im Jahre 1870 erreichte Preußens Kanzler Bismarck den Zusammenschluß des Süddeutschen mit dem Norddeutschen Bund und es kam zur Gründung des Deutschen Reiches als Bundesstaat mit dem König von Preußen als erblichem Kaiser, dem Bundesrat als Vertretung der Fürsten und Freien Städte und dem aus allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen hervorgegangenen Reichstag und Bismarck wurde Reichskanzler.

Am 29.4.1870 bestätigte der Oberpräsident der Königlich Preußischen Rheinprovinz, Graf von Villers, in Koblenz das Reglement der "Sparkasse zu Lobberich". Daraufhin be- schloß der Gemeinderat am 14. 5. 1870, daß das Gemeinderatsmitglied, der Ackerer Gerhard Peltzers (32 Jahre alt) 1. Rendant der Sparkasse sein sollte. Er hatte eine "Caution" von 1.000 Silbergroschen zu stellen und erhielt eine Besoldung, die auf 30 Sgr. jährlich fest- gesetzt wurde. Diesen Beschluß bestätigte die Königliche Regierung, Abtlg. des Inneren am 27.5.1870.

Am 3. Juni 1870 wurde den Mitgliedern der Gemeinde die Gründung der "Sparkasse zu Lobberich" und deren Reglement in einer Bekanntmachung mitgeteilt:

Bekanntmachung

"Es wird hiermit bekannt gemacht, daß die hiesige Gemeinde um den weniger bemittelten Einwohnern, namentlich den Dienstboten, Tagelöhnern, Fabrikarbeitern, Handwerksgesellen und Lehrlingen, überhaupt allen denen, welche sparen können und wollen, Gelegenheit zu geben, ihre Ersparnisse zinsbar und zugleich sicher unterzubringen, nebenbei aber auch, um den Wohlhabenderen der Commune die Möglichkeit zu gewähren, kleine Kapitalien vorübergehend nutzbar zu machen, die Errichtung einer Sparkasse beschlossen hat und ist die Anstalt subsidiarisch die Gemeinde den Einlegern gegenüber für ihre Einlagen und alle in dem Statut übernommenen Verbindlichkeiten verhaftet. Von dem hiesigen Gemeinderathe sind in den Vorstand der Sparkasse gewählt worden:

die Herren Notar Döhmer, Dammer Wilhelm junior, Niedieck Julius, und Gartz Joachim und ist der Herr Gerhard Peltzers als Rendant der Sparkasse gewählt und bestätigt worden.

Die regelmäßigen Sitzungen des Vorstandes zur Annahme und Rückzahlung von Einlagen finden am 1. und 3. Sonntage eines jeden Monats von 10 - 12 Uhr Morgens in der Wohnung des Rendanten, dem Geschäftslokale der Sparkasse statt und werden Einlagen von 10 Silbergroschen an daselbst in Empfang genommen. Wegen des auf den ersten Sonntag dieses Monats fallenden Pfingstfestes findet der erste Empfangstag am nächsten Sonntag, den 12. dieses Monats statt.

Lobberich, den 4. Juni 1870

Der Bürgermeister

Winkelmann

Anna Maibaum, Magd, der Pfarrer Ludwig Hegger und die Magd Wilhelmine Kaufmanns waren die ersten Kunden an diesem Tag, die der Sparkasse zu Lobberich insgesamt 245 Taler anvertrauten. Weitere Kunden an den ersten "Empfangstagen" waren der Briefträger Johann Diederichs, die Magd Cäcilie Schmeetz, der Knecht Peter Janhsen, der Lehrer Wilhelm Holthausen, der Fabrikarbeiter Arnold Heimes, alles Lobbericher Bürger. Der erste Breyeller Kunde war der Fabrikarbeiter Hubert Schlipes. Am 31.12.1870 hatten die Sparer laut Kassenabschlußbuch insgesamt 1.900 Taler eingezahlt. Insgesamt 23 Sparkunden weist der 1. "Nachweis über den Zustand der Sparkasse Lobberich" nach dem Abschluß von 1870 aus.

Die "wohlhabenderen Bürger" Lobberichs nutzten dagegen das Angebot, "Depositen" zu nehmen. So erhielt Notar Döhmer am 19.6.1870 50 Taler bis zum 1.10.1870 zu 4 % Zinsen. Bereits am 1. Geschäftstag erhielt der Ackerer Gerhard Ambaum aus Bracht 100 Taler gegen "hypothekarisches Unterpfand" zu 5 % Zinsen. Der Kaufmann Vicktor de Ball erhielt am 23.7.1870 eine "Deposite" von 150 Taler und die Kaufleute Niedieck-Schölvinck erhielten am 5.7.1870 120 Taler "Deposite".

Die von den Sparern hereingenommenen Gelder wurden jedoch nicht nur zur Gewährung von Hypothe-kendarlehn, Darlehn gegen Bürgschaft oder zur Herausgabe von "Depositen" verwandt. Schnell erkannte man, daß auch die Anlage in Wertpapieren Zinsgewinn brachte, wenn auch immer wieder Kursverluste drohten, die bei den Sparkassen in Preußen und in anderen deutschen Staaten beträchtliche Wertbe-richtigungen erforderlich machten.

Gewinne durch Kurssteigerungen konnten die Verluste bei weitem nicht wettmachen. Trotzdem erwarb man am 19.3.1872 erstmals für 1.000 Thaler eine 4 1/2%ige "Consolidierte Staatsanleihe". Aber nicht nur der Zinsgewinn war für die Entscheidung, Wertpapiere zu kaufen, relevant - noch etwas sprach für die Anlage in Wertpapiere: Sie ließen sich im Notfall schnell wieder zu Geld machen, indem man sie verkaufte oder einfach belieh. Dies hatte man von anderen Sparkassen in den beiden Kriegen von 1866 und 1870/71 mitbekommen.

Aus dem Jahre 1873 stammt das älteste noch vorhandene Sparkassenbuch der Sparkasse mit der Nummer 210. Es ist auf Wilhelm Hommes sen., Schaag ausgestellt. Die erste Eintragung datiert vom 5.1.1873. Theodor Stankeit aus Düsseldorf wurde im Jahre 1874 Bürgermeister von Lobberich und gleichzeitig Mitglied der Sparkassenverwaltung, nachdem sein Vorgänger Maximilian Winkelmann aus Krankheitsgründen (er starb am 7.12.1874 in Traar) zurückgetreten war.

Die Gründung der Reichsbank im Jahre 1875 und die damit verbundene Vereinheitlichung des Noten-bankwesens waren entscheidende Marksteine auf dem Gebiet des Bankwesens. In diesem Jahr wird in Deutschland auch die Zivilehe und die Reichsmark eingeführt.

Die Sparkassenverwaltung setzte die Zinsen im Jahre 1876 wie folgt fest: 1 - 75 Mark 5 %, für 75 - 150 Mark 4 1/2 %, für 150 - 300 Mark 4 %, für 300 - 1.000 Mark 3 1/3 % und für über 1.000 Mark 3 %.

Am 23.11.1876 schloß Karl Niedieck mit dem Webermeister Peter Anton Tappeser (angestellt bis 1875 bei Kreuels & Betten in Viersen) einen Vertrag, in dem sich Tappeser und seine beiden Mitarbeiter Johann Krankel und Jakob Killars verpflichteten, für die Firma Niedieck zu arbeiten. Diese 3 Personen hatten sich über Jahre mit der Herstellung eines mechanischen Webstuhles beschäftigt. Karl Niedieck kaufte von ihnen zum Preis von 1.500 Talern (=4.500 Mark) einen Webstuhl, den die drei vollständig aufstellen mußten. Dadurch wurde das weitgehend auf Handarbeit abgestellte Verlags- und Manufak-tursystem schwer erschüttert. Die Fabrikationsweise wurde auf Massen- oder Serienproduktion umgestellt und die Kapazität eines Handwebstuhles wurde um etwa ein 15faches übertroffen. Niedieck stellte zuse-hends neue Arbeitskräfte ein, konzentrierte die Branche durch den Aufkauf kleinerer, in derselben oder verwandten Brachen tätiger Firmen (sogenannte "Lobbericher Konzentration") und baute einen welt-weiten Handel mit Baumwollsamt, Plüsch und Bandweberei auf. Die Kehrseite dieser Expansion war die fatale Wettbewerbslage der Handweber; sie hatten Glück, wenn sie fortan als Fabrikarbeiter Beschäf-tigung fanden und nicht vollends arbeitslos wurden. Im Jahre 1877 gehörte Niedieck mit ca. 300 Beschäf-tigten zu den größten Webereien im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Im Jahre 1878 erhielt die Gemeinde Brüggen von der Sparkasse Lobberich ein Darlehn in Höhe von 16.700 Mark. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Funktion der Sparkassen im Rahmen des industriellen Wirtschaftswachstums. Dabei kann man davon ausgehen, daß die Sparkassen sich im allgemeinen in nur äußerst seltenen Fällen an der Finanzierung industrieller Anlagen beteiligt haben. Die Bereiche, deren Finanzierung durch Sparkassen vorgenommen wurden, waren der Wohnungsbau, der öffentliche Hoch- und Tiefbau, Eisenbahnen und die Landwirtschaft. Die Sparkassen stellten die Mittel als Hypotheken oder Kommunaldarlehn zur Verfügung. Man kann davon ausgehen, daß die Sparkasse Lobberich auch im Wirtschaftsraum Lobberich und Umgebung Beträchtliches geleistet hat; zumal wird dies in den folgenden Passagen sicherlich deutlich.

Im Unterschied zur heutigen Kreditwirtschaft mit der Tendenz zum universellen Angebot von Finanz-dienstleistungen aus einer Hand war das Kreditgewerbe des 19. Jahrhunderts bis zum Ende es ersten Weltkrieges in ganz bestimmte Segmente unterteilt. Was Privatbanken und Geschäftsbanken mit ihrer speziellen Aufgabenstellung nicht machen wollten, füllten die Sparkassen aus: die Betreuung der "kleine-ren Kapitalsummen". Die Sparkassen ergänzten die Angebotspalette der Kreditwirtschaft um ein vollkom-men neues Produkt, die Spareinlage. Die Produktqualitäten der Spareinlage machten diese auch für gesellschaftliche Gruppen attraktiv, die nicht ausdrücklich in die Zielgruppe nach Sparkassenstatut (der wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungskreise) fielen.

Der Rechnungsabschluß der Sparkasse Lobberich vom 1.4.1881 - 1.4.1882 weist eine Bilanzsumme von 516.800 Mark aus. Davon machen die Spareinlagen 481.200 Mark aus. Der Reingewinn von 5.900 Mark wurde dem Haushalt der Gemeinde Lobberich zugeführt.

Die Identität der Sparkassen hatte vieles mit anderen öffentlich-rechtlichen Institutionen gemeinsam. Daher rührt vielleicht auch der Vorwurf einer gewissen bürokratischen Behäbigkeit. In dem Maße, wie die "Anstalten für Selbsthülfe" dem Wettbewerb mit anderen Kreditinstituten ausgesetzt wurden, mußten sie auch den Charakter von Unternehmen gewinnen. Dazu war um so mehr Anlaß gegeben, als die Sparkassen gegen Ende des 19. Jahrhunderts allmählich auch untereinander in Wettbewerb traten, der sich im selben Maße verschärfte, wie die Zahl der Sparkassen wuchs.

Bereits 1859 hatte Hermann Schulze-Delitsch das Centralkorrespondenzbüro der Deutschen Vorschuß- und Kreditvereine als Zentralverband der gewerblichen Genossenschaften gegründet, und 1876 war unter der Ägide von Wilhelm Raiffeisen der erste national operierende Verband der ländlichen Genossenschaften entstanden. Damit wurde der Zusammenschluß der Sparkassen überfällig. Die Zinspolitik schließlich war es, die 1881 zur Gründung des ersten Sparkassenverbandes führte. Am 11. Juli d. J. trafen sich in Essen Vertreter der Sparkassen Bochum, Essen, Mühlheim und Stehle, um sich - bei allgemein rückläufigem Zinsniveau - über eine abgestimmte Herabsetzung des Sparein-lagenzinssatzes (von 4 auf 3 1/2 %) zu verständigen. Wegen der Auswirkung einer solchen Maßnahme auf die Sparkassen benachbarter Gebiete, hielt man es für angebracht, eine Verständigung mit den übrigen Sparkassen der Regierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg sowie des südlichen Teils des Regierungsbezirks Münster herbeizuführen. Es wurde daher kurzfristig zu einer zweiten Sitzung am 28.6.1881 nach Essen eingeladen. An ihr nahmen Vertreter von 56 Sparkassen und der Regierungsbehörden Düsseldorf und Arnsberg teil. Vertreter der Sparkasse Lobberich nahmen nicht teil. Es sollte noch 20 Jahre dauern, ehe die Sparkasse Lobberich Mitglied des Rheinischen Sparkassen-verbandes würde.

Anfang bis Mitte der 80er Jahre häuften sich die Neugründung von Sparkassen im hiesigen Raum erneut. Damals entstanden u.a. die Sparkassen in Waldniel (1882), Breyell (1884), St. Hubert, Grefrath und Kaldenkirchen (1885).

Seit dem 25.10.1885 besitzt Lobberich auch ein Krankenhaus. Drei Jahre hatte es gedauert, ehe der Bau durch die Lobbericher Baufirma Tümmers fertiggestellt werden konnte. Dr. Pistor war der erste Krankenhausarzt. Ebenfalls im Jahre 1886 wurde mit dem Neubau eines Postgebäudes an der Bahn- straße begonnen. Eine "Briefsammelstelle" wurde bereits 1826 im "Hotelbetrieb" Kessels (heute "Hotel Stadt Lobberich) eingerichtet. Auch für diesen Neubau stellte die Sparkasse Lobberich ein Darlehn in Höhe von 18.000 Mark zur Verfügung. Als Sicherheit wurde an dem Grundstück des Gastwirtes Kessels (10 Morgen Land, gelegen am Hagelkreuz), eine hypothekarische Sicherheit bestellt.

Das Darlehn wurde mit einem Zinssatz von 4 1/3 % und einer Tilgung von mindestens 1.000 Mark jährlich ausgestattet.

In der Sitzung der Sparkassenverwaltung vom 21.3.1886 wurde dem Königlichen Rentmeister Prinz Herselbeck ein Darlehn von 6.000 Mark auf zwei Schuldscheine à 5 % unter folgenden Bedingungen bewilligt:

"3.000 Mark müssen bis zum 1.4.1887, der Rest in 6 Jahren von diesem Termin an zurückgezahlt werden. Die Solidarbürgschaft übernehmen die Firma Niedieck & Co, Lobberich und die Herren Hermann van der Upwich, Kaufmann und Hermann Reifenstuhl, Kaufmann aus Lobberich."

Im Jahre 1887 ging der Lobbericher Bevölkerung das "Gaslicht" auf. Mit Hilfe eines Darlehns der Sparkasse Lobberich wurden Gasleitungen in Lobberich verlegt, die eine Straßenbeleuchtung ermöglichte und vielen Haushalten nützlich waren. Ein neuer "Gasometer" für die Gasfabrik der Firma Niedieck hatte die Gemeindeväter dazu veranlaßt, in der Gemeinderatssitzung vom 18.3.1887 den Tagesordnungspunkt "Gasanlage" zu genehmigen. Bereits im September 1887 erstrahlten Lobberichs Straßen im Glanz der Gaslaternen.

==> mehr zum Gaslicht in Lobberich

Am 12. November 1887 wurde das Statut und die Gründung einer Alterssparkasse (s. Kapital 1) beschlossen. Die Zielsetzung dieser Kasse war, ortsansässigen Sparern, die dem Stande der Handlungs- und Gewerbegehilfen, der Lohnarbeiter, Dienstboten usw. angehörten, Gelegenheit zu bieten, sich durch fleißiges Sparen für die Zeit des Alters und der Arbeitsunfähigkeit einen Rückhalt zu verschaffen.

Als Mittel, das Sparen zu erleichtern, bewährte sich auch die Anfang der achtziger Jahre eingeführte Sperre von Sparkassenbüchern. Sie bestand darin, daß auf Antrag des Einlegers, sei es für sein eigenes Guthaben, sei es für eine von ihm zugunsten eines Dritten gemachte Einlage, in das Sparkassenbuch ein Sperrvermerk dahin eingetragen wurde, daß Rückzahlungen nur unter Beobachtung der in dem Sperrvermerk enthaltenen Verfügungsbeschränkungen erfolgen durfte. Solche Sperrvermerke dienten sehr verschiedenen Zwecken, z.B. der Sicherung eines Kapitals zur Bestreitung der Kosten für Aussteuer, Konfirmation, Militärdienst usw. Namentlich wurden sie bei Einlagen von Mündelgeldern angewendet. Sie bildeten einen Schutz gegen vorzeitige Rücknahme der Einlagen und hatten einen ähnlichen Charakter wie die "abgekürzte Lebensversicherung". Für die Rheinprovinz empfahl der Oberpräsident am 17.1.1889 die Benutzung eines Musters für gesperrte Sparkassenbücher. Die Sparkassenverwaltung der Sparkasse Lobberich beschloß jedoch am 25.7.1889, daß die Einführung gesperrter Sparkassenbücher bei der hiesigen Sparkasse nicht erforderlich sei, da für die ärmere Volksklasse eine noch weiterführende Einrichtung, nämlich die am 17.1.1889 ins Leben gerufene Alterssparkasse, vorhanden sei.

Die Verbesserung der Straßen war infolge des zunehmenden Fuhrverkehrs und der stetig wachsenden Bevölkerung den Lobbericher Stadtvätern ein großes Anliegen. Hierfür wurde auch eine Verschuldung der Gemeinde in Kauf genommen. In den achtziger Jahren stellte die Sparkasse immer wieder Darlehn zur Deckung von Mehrausgaben der Gemeinde zu Verfügung. Die gute Ertragslage der Sparkasse kam umgekehrt dem Haushalt der Gemeinde wieder zugute. Große Teile des Überschusses wurden jährlich der Gemeinde zur Ausgabendeckung zur Verfügung gestellt.

Dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf wurde am 21.11.1889 vorgeschlagen, die Sparkasse zur Annahme von Mündelgeld als geeignet zu erklären.

Nach vielen Diskussionen um den Neubau einer katholischen Kirche (Anbau oder Neubau, Standortfrage) wurde dem Kirchenvorstand am 23.1.1891 zum Neubau der Kirche ein Kapital von 150.000 Mark zu 3 3/4 % Zinsen und 1 1/2 % Tilgung (Amortisation) bewilligt. Im Juli 1891 wurde mit dem Neubau der Kirche begonnen. Die Grefrather Baufirma P.H. Schmitz übernahm den Neubau. Die neue Pfarrkirche wurde am 15. Oktober 1993 eingeweiht. Sie hat eine Fläche von 950 qm und faßt ungefähr 3.000 Menschen.

Im April 1891 wurde erstmals die Sparkasse bei der Aachen-Münchener Feuerversicherung gegen Einbruchsdiebstahl bis zur Höhe von 55.000 Mark versichert.

Aus dem Überschuß des Jahres 1891 wurde der Gemeinde für die Anschaffung eines "Dampf-Desinfektions-Apparates" und die Errichtung eines "Baracenbaues" 3.266 Mark zur Verfügung gestellt.

Am 1.10.1897 öffnete die "Spar- und Darlehnskasse des Landkreises Krefeld" im Hause Ostwall 161 ihre Pforten. Mit Ausnahme von Mittwoch und Samstag hatte sie vormittags von 9 - 12.30 Uhr und nachmittags von 15 - 17 Uhr geöffnet. Die Spareinlagen von "kleineren Handwerkern, Arbeitern und Dienstboten" wurden mit 4 % (bis in Höhe von 600 Mark), alle anderen Einlagen mit 3 % verzinst. Einlagen unter 40 Mark wurden nicht verzinst.

Kurze Zeit später war in der Zeitschrift "Rhein und Maas" zu lesen:

"Die Landkreissparkasse arbeitet anscheinend nicht mit festen, für alle Fälle geltenden Zinssätzen, legt den Zinssatz für die Einlagen verschiedener Art und Höhe oder nach der Kündbarkeit fest, sondern gibt ihren Beamten Bewegungsfreiheit ....."

Dies führte im benachbarten Land- kreis Kempen zwangsläufig ebenfalls zu einem aggressiven Konditionen- wettbewerb, von dem auch die Spar- kasse in Lobberich nicht verschont blieb.Um die Jahrhundertwende bildeten Hypothekarkredite und fest- verzinsliche Inhaberpapiere die bei- den Schwerpunkte als Anlageformen für Sparkassengelder. Diese Ge- schäftspraxis war auch bei der Spar- kasse Lobberich üblich, hatte sich je- doch erst im Verlauf der Geschichte entwickelt. Die Anteile des Personal-kredits gingen stark zurück. Diese Entwicklung wurde den Sparkassen nicht nur von Außenstehenden zum Vorwurf gemacht. Auch Kritiker aus den eigenen Reihen fanden daran etwas auszusetzen, wie etwa Christian Eberle, der "Vater des Spargiroverkehrs". Er forderte die Sparkassen auf, aus gesellschafts- politischen Gründen und zur För- derung des gewerblichen Mittel- standes ihr Engagement im Personal- kredit gegen Schuldschein mit Bürg- schaft oder Wechsel zu verstärken. Hier ist jedoch die "Arbeitsteilung" zwischen den Kreditgenossenschaften und Sparkassen zu berücksichtigen, die im Verbandsorgan des Deutschen Sparkassenverbandes, der Zeitschrift "Sparkasse" wie folgt beschrieben wurde:

"Die Raiffeisen'schen Darlehnskassen haben den Zweck, den Personalkredit zu pflegen; die Sparkassen allgemein nicht oder nicht hauptsächlich."

Erst später erkannte man, daß diese Auffassung "falsch und schädlich" sei und somit wurde der Perso- nalkredit wieder eine wichtige Aufgabe der Sparkassen.

Um die Jahrhundertwende, als die Firma Niedieck mit etwa 1.500 Arbeitern und Angestellten und einem Jahresumsatz von fünf Millionen Mark einen vorläufigen Höhepunkt ihrer unternehmerischen Entwicklung erreicht hatte, wurde der Industriezweig als solcher von Erschütterungen erfaßt, die mehr weltwirt-schaftlich bzw. weltpolitisch bedingt waren und mit denen die Lobbericher Unternehmen wie Niedieck, de Ball u.a. mit Unterbrechungen und bei vorübergehender Besserung bis zum Ende des Zweiten Welt-krieges zu kämpfen hatten. Ursache der Krise, in deren Verlauf nicht nur die Unternehmergewinne, sondern auch die Beschäftigtenzahlen zurückgingen, war die Anhebung der Importzölle in den Ländern, deren Bedarf in zunehmendem Maße auch von der dort heimischen Textilindustrie gedeckt wurde: Frankreich, die USA und nach dem Ersten Weltkrieg auch England. Mit 7.800 Einwohnern hatte Lobberich im Jahre 1900 (1904 = 7.931) die höchste Einwohnerzahl bis zum Jahre 1946.

Am 23.11.1901 beschloß die Sparkassenverwaltung der Sparkasse Lobberich, dem Rheinischen Sparkassenverband beizutreten. Ebenfalls im Jahre 1901 wurde beschlossen, am Übertragbarkeits-verkehr, einer historischen Variante des heutigen "Umzugs-Services" teilzunehmen. Es ging darum, Ein-lagen von Sparern, die den Arbeits- oder Wohnort wechselten, ohne Zinsverlust und lediglich gegen Er-stattung der Postgebühren von einer Sparkasse auf die andere zu übertragen. Gelegentlich wurde in diesem Zusammenhang auch vom "Überweisungsverkehr" gesprochen.

Das Jahr 1901 ist darüber hinaus bekannt geworden als das Jahr der "Kreditvereins-Katastrophe", die durch den Zusammenbruch einer Leipziger Bank veranlaßt wurde und eine allgemeine Unsicherheit auf dem Geld- und Kapitalmarkt nach sich zog. Bei vielen Sparkassen dürfte sich die damalige wirtschaftliche Depression, die erst im Jahre 1903 ein Ende fand, bemerkbar gemacht haben. Es sahen sich viele Sparkassen ganz plötzlich einem Ansturm beunruhigter Sparer ausgesetzt. In ähnlicher Weise erlebte die Kreissparkasse Krefeld im Jahre 1904 einen Ansturm, der ohne jeden Grund, lediglich infolge eines haltlosen Gerüchts, in den Schlußtagen des März ausgelöst wurde. Obwohl das Ereignis ganz überraschend kam, so daß selbst Spareinlagen mit jährlichen Kündigungsfristen auf Verlangen ohne weiteres ausgezahlt wurden. Es heißt, daß sehr viele öffentliche Sparkassen benachbarter Gemeinden und Städte bereit waren, ihre disponiblen Bestände der Kreissparkasse zur Verfügung zu stellen. Die Krefelder Kasse brauchte jedoch nicht auf dieses Angebot einzugehen.

Im Jahre 1902 wurde Bürgermeister Max Heckmann Vorsitzender der Sparkassenverwaltung und löste Bürgermeister Ludwig Bender ab, der das Amt seit 1886 innehatte.. Das Curatorium der Sparkasse bestand aus den Herren Johann Feldges, Wilhelm von Bergh, N. Gipkens und Dietrich Olfenius, der u.a. auch Vorsitzender des seit 1861 bestehenden Turnvereins Lobberich war.

Die in wirtschaftlicher Hinsicht nicht einfachen Jahre zu Beginn dieses Jahrhunderts mag auch auf die Entwicklung unserer Sparkasse Einfluß gehabt haben. So schrieb der Vorsitzende des Kreisausschusses an das Bürgermeisteramt in Lobberich folgenden Brief:

"Die Entwicklung der Sparkasse Lobberich könnte durch Vermehrung der Kassenstunden und die Benutzung eines geeigneten Lokals beträchtlich gefördert werden. Jetzt ist die Sparkasse nur an den Vormittagen zweier Werktage im Privathaus des 69jährigen Rendanten geöffnet, außerdem in einem anderen, dem Rathause gegenüberliegenden Lokal."

Mit dem Erlaß des Reichsscheckgesetzes vom 11.3.1908 erhielten die Sparkassen die "passive Scheckfähigkeit", d.h. die Fähigkeit, Schecks auf sich ziehen zu lassen. Dadurch wurde die Reichsbank entlastet und der bargeldlose Zahlungsverkehr gefördert. In Preußen wurde, allerdings auch erst nach ausgedehnten Verhandlungen erreicht, daß durch Erlaß vom 20.4.1909 den Sparkassen unter bestimm- ten Voraussetzungen (tägliche Verzinsungen der Einlagen, ordnungsgemäße Buch- und Gegenbuch-führung, sachverständige und periodische Revisionen) der Scheckverkehr für Sparguthaben und der Scheck- und Giroverkehr für Kontokorrentguthaben erlaubt wurde. Dabei erlangte der Scheckverkehr für Sparguthaben von Anfang an kaum an Bedeutung. Für die Sparkassen am linken Niederrhein findet erst im Jahre 1910 eine Sparkassen-Konferenz in Krefeld statt, um über die Einführung des Scheck- und Überweisungsverkehrs zu sprechen.

Am 15.2.1909 wurden in Preußen Angaben zu Einkommen- und Steuerfragen veröffentlicht. Registriert waren 17.957 Steuerzahler mit einem Einkommen von 30.500 - 100.000 Mark, 3.796 über 100.000 Mark, 190 500.000 - 1 Million Mark und 77 Personen mit einem Einkommen von mehr als 1 Million Mark. Ein offizieller Kommentar der preußischen Finanzbehörde dazu lautete: "Von Verelendung der Massen kann angesichts dieser Zahlen keine Rede sein. Während im Jahre 1893 der Durchschnittslohn des deutschen Arbeitnehmers 671 Mark betrug, konnte er im Jahre 1909 durchschnittlich über 894 Mark verfügen."

Am 1.5.1909 erfolgte ein weiterer Wechsel in der Sparkassenverwaltung: Peter Felder aus Vorst wurde neuer Bürgermeister und gleichzeitig auch neuer Vorsitzender der Sparkassenverwaltung.

Am 3.3.1910 beschloß die Sparkassenverwaltung, die Rendantenstelle bei der Sparkasse dem Gemein- derentmeister Koopmann zu übertragen. Außerdem soll die Gegenbuchführerstelle zum 1.10. neu besetzt werden. Diese Stelle wurde dem Sparkassenassistenten Max Schmitz aus Essen-Borbeck übertragen. Beide brauchten keine Kaution mehr zu stellen. Die Besoldung wurde von der Sparkasse übernommen. Die vom Gemeinderentmeister für die Gemeindekasse hinterlegte Kaution sollte auch für die Sparkasse haften. Der bisherige Rendant Peltzers wurde am 5.8.1910 in die Sparkassen-Kommission gewählt. Er bekam von der Gemeinde Lobberich für die fast 40jährige Tätigkeit eine Silberplakette im Werte von 11 Mark überreicht.

Am 1.10.1910 erfolgte die Zusammenlegung der Gemein-desparkasse mit der Gemeindekasse. Die gemeinsame Verwaltung wurde dem Gemeinderentmeister und Rendanten der Sparkasse Lobberich Heinrich Koopmann übertragen. Koopmann war es, der dafür sorgte, daß im Dezember d. J. erstmals Kontenkästen angeschafft wurden und beim Postscheckamt in Köln das heute noch bestehende Postscheckkonto Nr. 10340 eröffnet wurde.

Zur Ausweitung des Geschäfts beschloß im Dezember 1910 die Sparkassenverwaltung, daß ein Sparkassenlokal und ein Geschäftsbetrieb eingerichtet werden soll. Die Verwaltung sprach sich dafür aus, daß das für die Sparkasse / Gemeindekasse erworbene Gebäude von Rath anstatt umge-baut, völlig niedergerissen und neu aufgebaut werden soll. In den Neubau soll eine Kasseneinrichtung, die Wohnung des Gegenbuchführers und wenn möglich noch eine Beamten-wohnung kommen. Mit den Bauarbeiten wurde im Frühjahr 1911 begonnen. Der Jahresüberschuß der Sparkasse in Höhe von 8.000 Mark wurde dem Gemein-dehaushalt für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt. Der heiße und trockene Sommer 1911 hatte auch im Kreis Kempen zu einer Mißernte geführt. Während die Weizen-, Roggen-, Gerste- und Haferernte etwas besser ausfiel als 1910, ging die Kartoffelernte um ein Viertel zurück und die Zucker-rübenernte um 40%. Die Heu- und Futtermittelernte war katastrophal. Der Markt reagierte mit einer erheblichen Verteuerung der Grundnahrungsmittel.

Das Jahr 1911 ist überschattet vom Tod des langjährigen Bürgermeisters Louis Bender (1886-1902). Bender, der u.a. maßgeblich am Bau des Lobbericher Wasserwerkes beteiligt war, verstarb am 1.4.1911. Im gleichen Jahr beschloß der Gemeinderat einstimmig, das Marienhospital, das im Jahre 1885 erbaut wurde, umzubauen und zu erweitern. Die Anfertigung der Pläne wurde dem Kreisbaumeister Ledschor aus Kempen übertragen. Ebenfalls im Jahre 1911 wurde an der Ecke Eremiten-/Alleestraße ein Spritzenhaus für die Freiwillige Feuerwehr gebaut. Das Sparkassenverwaltungs- und Kirchenvorstands-mitglied Gerhard Peltzers, Sparkassenrendant a.D., erhielt durch Bürgermeister Felder den "Kronenorden", eine hohe Auszeichnung für verdiente Bürger. Im September d. J. wurden die Geschäfte der Armen-, Krankenhaus- und Bongartzstiftkasse der Gemeindekasse übertragen. Die Alleestraße (heu-tige Düsseldorfer Straße) erhielt im Oktober 1911 einen Basalt-kleinschlag zur Befestigung. Und noch ein bedeutender Lobbericher Bürger verstarb am 20.11.1911: Karl Niedieck, einer der bedeu-tendsten Industriellen der Samt-branche.

Auf der 21. Versammlung des Sparkassenverbandes hatten sich in Bad Oeynhausen 681 Vertreter der verbandsangehörigen Spar-kassen getroffen, darunter auch die Herren Bürgermeister Felder und Rendant Koopmann. Auf dieser Versammlung wurde aus-führlich über Schulsparkasse, Haussparbüchsen, Sparautoma-ten sowie über reklamehafte Zei-tungsanzeigen und das Ge-schäftsgebaren einzelner Spar-kassen gesprochen. In der Ein-richtung der Haussparkasse feier-te die gute alte Sparbüchse ihre Auferstehung. Im Ausland war ihre Benutzung schon recht verbreitet, ehe sie sich in Deutschland ein-bürgerte. Technisch wickelte sich dieses System so ab, daß die Sparkassen ihren Einlegern auf Wunsch Sparbüchsen leihweise zur Verfügung stellten. Sie wurden verschlossen ausgegeben, während die Schlüssel bei der Sparkasse selbst verwahrt blieben. Die Sparer übernahmen durch die Abnahme der Sparbüchse die stillschweigende Verpflichtung, die in die Büchse eingeworfenen Geldstücke an die Sparkasse als Spareinlage abzuführen. Sobald der Sparer eine genügende Summe in der Büchse angesammelt zu haben glaubte, trug er sie zur Sparkasse. Hier wurde die Büchse vor seinen Augen geöffnet, entleert und der Betrag seinem Sparkassenbuch gutgeschrieben. Jeder Pfennig, der sich einmal in der Sparbüchse befand, wurde hierdurch dem Zweck des Sparens, für den er bestimmt war, zugeführt. Der Sparer selbst wurde an der oft unwirtschaftlichen Verausgabung kleinerer oder größerer Beträge gehindert.

Am 1.1.1912 schied der erste Rendant der Sparkasse, Gerhard Peltzers, aus gesundheitlichen Gründen aus dem Sparkassenvorstand aus. An seine Stelle trat Peter Johann Katzer.

Im Protokollbuch der Gemeindesparkasse Lobberich ist im Januar 1912 erstmals von der Einrichtung von Safes zu lesen, die es den Kunden ermöglichen sollen, Wertgegenstände aufzubewahren. Der Jahres-abschluß zum 1.4.1912 weist einen Spareinlagenbestand in Höhe von 2.756.000 Mark aus. Der Sparkas-senvorstand beschloß die tägliche Öffnung der Sparkasse. Personelle Probleme sollten so gelöst werden, daß der Rendant durch den Gegenbuchführer vertreten und dieser dann durch den "Kasssengehülfen Cürvers" vertreten werden mußte.

Nach fast zweijähriger Bautätigkeit war der Umbau des Hauses neben dem Rathaus fertiggestellt und die Sparkasse konnte in den angebauten Trakt einziehen. Im Januar 1914 erkrankte Bürgermeister Felder schwer (Nierenversagen) und erhielt drei Monate Genesungsurlaub. Regierungsreferendar Freund über-nahm seine Vertretung. Felder konnte sein Amt nicht wieder aufnehmen.

Auf der Sparkassenverbandsversammlung von 1914 in Saarbrücken, sprach Dr. Christian Eberle aus Nossen zum Thema. " Ist der geldlose Zahlungsverkehr eine Sparkassenaufgabe?". Dr. Eberle ist im Bereich der öffentlich-rechtlichen Sparkassenorganisation eine Persönlichkeit von historischer Bedeu-tung. Das Verdienst von ihm besteht insbesondere darin, daß er die Sparkassenorganisation veranlaßt hat, ihre Aktivitäten auf den örtlichen Bereich zu beschränken. Zugleich setzte er sich mit Erfolg für die Schaffung der zur Durchführung des Giroverkehrs erforderlichen Einrichtungen ein und war ebenso erfolgreich um den Verbundgedanken und die darin ruhenden Möglichkeiten der Leistungssteigerung der gesamten Sparkassenorganisation.

Im März 1914 wurde der Sparkassenrendant Koopmanns zum Militärdienst eingezogen und der Spar-kassenvolontär Max Peerbooms übernahm seine Vertretung.

Am 31. Juli 1914 wurde für ganz Deutschland der Kriegszustand erklärt. Am Tage darauf, am 1. August 1914 folgte der Mobilmachungsbefehl. Dieser Befehl kam gegen 6.00 Uhr morgens nach Lobberich. Im "Eisernen Buch" der Gemeinde Lobberich ist zu lesen: "Erleichtert atmete mit allen Deutschen auch Lobberichs Bürgerschaft nach der unnatürlichen Spannung, die in den letzten Wochen die Gemüter beherrschte, auf." Bei der Durchfahrt von Militärautos kam es zwar zu begeisternden Kundgebungen. Aber es lag in dieser Begeisterung kein "übermütiger Jubel". Die älteren Leute, die den Krieg 1870/71 miterlebt hatten, wußten zu genau, was Kriegsnot heißt und der Ernst der Lage war vielen bewußt. Bereits in der Frühe des 2. August, dem ersten Mobilmachungstag, mußten sich die Lobbericher "Kriegspflichtigen" beim Bezirkskommando in Rheydt stellen.. Der Verlag "Rhein und Maas" schloß mit dem "Wolff'schen Depeschendienst Berlin" einen Vertrag über die Lieferung der Tagesberichte der obersten Heeresleitung, Sonderberichte und Depeschenbriefe ab. Der Verlag war hierdurch in der Lage, die amtlichen Berichte des deutschen Hauptquartiers früher als die Tageszeitungen den Lobbericher Bürgern zur Kenntnis zu bringen. Die anfängliche Begeisterung der Bevölkerung für den Krieg und ein großer Patriotismus veranlaßten das Reichsbankdiretorium 5%ige Reichsschatzanweisungen, 5%ige Deutsche Reichsanleihe, unkündbar bis 1. Oktober 1924 (Kriegsanleihe) zur Zeichnung aufzulegen. Am 12. September 1914 erschien in der Lobbericher Zeitung "Rhein und Maas" der Aufruf:

ZEICHNET DIE KRIEGSANLEIHEN!

Auf die erste Kriegsanleihe im September 1914 wurden in Lobberich gezeichnet:
Gemeindesparkasse Lobberich 200.000 Mark
Von privater Seite 50.000 Mark
Katholische Kirchengemeinde 30.000 Mark
Betriebskrankenkasse Niedieck 20.000 Mark
Betriebskrankenkasse de Ball 5.000 Mark

Auf die zweite Kriegsanleihe im März 1915 zeichneten:
Gemeindesparkasse Lobberich 100.000 Mark
Sparer derselben 212.000 Mark
Katholische Kirchengemeinde 30.000 Mark
Katholischer Gesellenverein 5.000 Mark
Postamt Lobberich 7.100 Mark
Spar- und Darlehnskassenverein 51.900 Mark
Betriebskrankenkasse de Ball 5.000 Mark
AOK Lobberich, Breyell 5.000 Mark

Insgesamt 9 Kriegsanleihen wurden bis Oktober 1918 aufgelegt. Insgesamt zeichnete die Gemeinde Lobberich 4.726.200 Mark an Kriegsanleihen, darunter 2.622.700 Mark allein durch die Sparkasse.

Bereits im ersten Kriegsmonat beschloß der Gemeinderat die Einrichtung einer "Kriegsunter-stützungskommission", ein Ausschuß, der Fürsorgeansprüche, die seitens der Gemeinde den durch Kriegseinwirkungen ärmeren Familien bewilligt wurden, prüfen mußte. Im November 1914 wurde von der Gemeinde Vorsorge für die Einkellerung von Speisekartoffeln getroffen. Die Kartoffeln wurden von einer Reihe von Lobbericher Landwirten zum Preise von 3,50 Mark für 100 Pfund der Gemeinde zur Verfügung gestellt, die diese dann den Bedürftigen von 3 Mark überließen. Die Firma Niedieck kaufte ebenfalls 160.000 Pfund Kartoffeln, die sie an ihre Arbeiter 1 Mark unter Selbstkostenpreis pro Zentner abgab.

Kaum hatte der Krieg begonnen, begann auch die "Kriegshilfe" - Hilfeleistung in Geld- und Sachspenden durch die Bürgerschaft. So richtete der Verlag "Rhein und Maas" eine Sammelstelle ein. Alle ortsan-sässigen Vereine riefen zu Sach-, Lebensmittel- und/oder Geldspenden auf. In der Zeit vom 18. - 24. Januar 1915 fand in ganz Deutschland eine "Reichswollwoche" statt. Ihr Zweck bestand darin, für die Truppen und für die ärmere Bevölkerung Kleidungsstücke zu sammeln. Mehrere Eisenbahnwagen voll alter Wollsachen wurden in dieser Zeit vornehmlich von Lobbericher Schulkindern in Lobberich einge-sammelt. Die Sachen wurden im Krankenhaus desinfiziert und gereinigt und vom Bongartzstift aufbe-reitet. Mehrere Karren Kupfer und Messing lagerten im Februar 1915 vor dem Spritzenhaus an der Alleestraße. Die Katholische Pfarrgemeinde mußte im Juni 1917 ihr komplettes Geläute abgeben.

Ein Vorschlag, für die Sparkasse eine Additionsmaschine zu kaufen wurde vom Gemeinderat mit dem Hinweis abgelehnt, daß die Geldmittel in diesen Kriegszeiten zu anderen Zwecken notwendiger gebraucht würden. Mit längerer Kriegsdauer wurde die Versorgungslage der Bevölkerung immer schlechter. Zwar stiegen die Spareinlagen in den Kriegsjahren an, dürfte jedoch nur ein zahlenmäßiger Ausdruck für die sogenannten "Steckrübenwinter" mit sehr viel Hungerleid sein. Weil es nichts fürs Geld zu kaufen gab, sparte man eben - notgedrungen. Dadurch fiel es den Sparkassen natürlich leichter, Aufgaben zu erfüllen, die ihnen die Kriegsfinanzwirtschaft zuwies, und die der allgemeine emotionale Patriotismus ohne Vorbehalt akzeptierte: Zeichnung von Kriegsanleihen. Nach den Erfahrungen einer Kreditkrise im Jahre 1907 waren die "bargeldschonenden" Zahlungsformen immer mehr in Mode gekom-men. Das Ausfüllen eines Schecks in den Kriegsjahren wurde zu einer patriotischen Tat hochstilisiert. Das ausgedehnte Netz der Sparkassen in den Dienst der bargeldlosen Zahlung zu stellen, erschien ebenso als ein Erfordernis der Kriegswirtschaft wie ihr Beitrag zum Absatz von Kriegsanleihen. Die rheinischen Sparkassen waren in einem Zahlungssystem verbunden, das ihrer künftigen Entwicklung ent-scheidende Impulse geben sollte. So wurde die kriegswirtschaftlich motivierte Propaganda für den Scheck letzten Endes zu einem gewichtigen Faktor für die Modernisierung der Sparkassen und für den Übergang zu jenen Aktivitäten, mit denen sie die "große Inflation" überleben sollten.

In der ersten Sitzung der Sparkassenverwaltung im Jahre 1915 wurde sehr vielen Darlehnsnehmern die Zahlung der Zinsen und der Amortisation (Tilgung) gestundet und zwar zunächst bis zum 1.7.1915. Die von vielen Militärexperten genährte, aber, wie es sich zeigte, irrige Hoffnung auf ein rasches Kriegsende, erfüllte sich nicht. Die Wünsche der Darlehnsnehmer liefen schließlich darauf aus, die Zins- und Tilgungsleistungen "bis nach dem Krieg" zu stunden. In vielen Anzeigen ("Rhein und Maas", Lobberich, "Niederrheinische Volkszeitung", Krefeld, "Lobbericher Zeitung", Breyell, "Kreisblatt Kempen", Kempen, "Westdeutsche Zeitung", Mönchengladbach, "Niederrheinische Tageblätter", Kempen) wird das Bestreben herausgestellt, durch das Einrichten eines Scheckkontos sich selbst und vor allen Dingen dem Vaterlande einen Dienst zu leisten, zumal durch Förderung des bargeldlosen Geldverkehrs die Finanzkraft des Reiches gestärkt werden sollte.

Brot und Salzhering, einst das sogenannte "Armeleutegericht", wurden immer knapper und damit zur Luxusware. Nachdem die Engländer im November 1914 die Nordsee zum Kriegsgebiet erklärt hatten, fuhren die Fischkutter nicht mehr aus. Auf dem deutschen Markt gab es keinen Hochseefisch mehr. Als Ersatz für die verlorenen Fanggebiete in der Nordsee kam die Ostsee nicht in Frage, weil deren Fischbestand zu gering war. Auch die Käuferschlangen vor den Bäckereien und Fleischereien wurden immer länger und das Angebot nahm ab. Im Januar 1915 kam ein "Kriegsbrot" auf den Markt. Es war ein Roggenbrot mit Kartoffelmehlzusatz. Fleisch und Wurst wurden seltener und teurer. Ab Februar 1916 gab es kein Frischfleisch mehr zu kaufen, Milch und Butter fehlten ebenfalls.

Am 3.6.1916 übernahm der Königliche Steuersekretär Greiffenberg kommissarisch das Bürgermeisteramt und damit auch den Vorsitz der Sparkassenverwaltung.

Die Mißernte von 1916 führte zum Hungerwinter 1917. Nur mit Mühe wurde eine Ernährungskatastrophe verhindert. Alle Lebensmittel wurden scharf rationiert. Zu allem Überfluß herrschte im Februar sibirische Kälte. Die Temperaturen sanken auf 14 - 16 Grad minus im Rheinland. Warme Kleidung gab es nicht zu kaufen. Neue Schuhe erhielt der Bürger nur, wenn er alte zum Tausch einlöste. Die Preise stiegen sprunghaft. Die Versorgungsrationen wurden weiter gekürzt: So wurden beispielsweise in Lobberich in der Zeit vom 2. Oktober bis 4. November 1916 (5 Wochen) folgende Lebensmittel auf den Kopf der Bevölkerung verteilt:

1. Woche

2. Woche

3. Woche

4. Woche

5. Woche

Fleisch

57 g

100 g

100 g

150 g

100 g

Fett

-

100 g Butter

50 g Butter

75 g Margarine

-

Zucker

250 g

250 g

125 g

125 g

-

Kartoffeln

10 Pfd.

10 Pfd.

7 Pfd.

7 Pfd.

7 Pfd.

Die Selbstversorgung mit Fleisch, Kartoffeln und Gemüse nahm im Laufe des Krieges deutlich zu. Auf dem Markt war schließlich nicht mehr alles erhältlich. Wer keine Möglichkeit zum Anbau von Früchten oder Gemüse im eigenen Garten hatte, war auf die von den Gemeinden verteilten oder verkauften Waren angewiesen. Eine wichtige Ergänzung dieses Angebotes in den Kriegsjahren stellt auch der Lob-bericher "Ferkesmarkt" dar. Die regelmäßigen Schweineversteigerungen wurden monatlich durchgeführt. Manchem im Grenzland hat das Angebot von Nahrungsmitteln vor Ort nicht gereicht. In den be-nachbarten Niederlanden versuchten viele Lebensmittel zu kaufen. Der Grenzübertritt war jedoch wegen des Krieges strikt untersagt. Wer sich in einem Abstand von 3 km zur Grenze aufhielt, brauchte dafür eine ausdrückliche behördliche Erlaubnis. Nicht nur der Bedarf nach Lebensmitteln war der Grund zum "Grenzgehen", auch Profitgier stellte sich häufig in den Vordergrund. Gegen Jahresende 1916 ver-schärften sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiter. Nicht nur die Rationierung von Grun-dlebensmitteln erschwerte das Leben, auch die Energieversorgung war nicht mehr gewährleistet. Ab dem 1. Dezember 1916 blieb es auf Lobberichs Straßen dunkel. Die Niedieck'sche Gasanlage versagte infol-ge Kohlenmangels ihren Dienst.

Für den ganzen Monat Februar 1917 konnte an ca. 7.000 Versorgungsberechtigte der Gemeinde Lobbe-rich nur 600 kg Grieß, 800 kg Graupen, 400 kg Teigwaren, 90 kg Suppenwürfel, 70 Zentner Sauerkraut und 3 Faß Heringe verteilt werden.

Der Nachschub an Kohle blieb aus, da die Flüsse zugefroren waren. Von einer Beheizung der Wohnungen konnte nicht die Rede sein. Einige Betriebe mußten wegen Kohlenmangel wochenlang stillgelegt werden. Am 15.4.1917 stockte die Kohlenzufuhr völlig. Im April 1917 konnte kaum noch alle 3 Wochen ein Zentner Kohlen abgegeben werden. Bei der Firma de Ball & Co. wurden an sämtliche bei ihr beschäftigten Personen Teuerungszulagen gegeben. Im Juni 1917 zahlte die Firma Niedieck ihren verheirateten Arbeitern eine Teuerungszulage von 10 - 20 Mark.

Als Kriegshumor ist wohl das in der "Rhein und Maas" am 29.9.1917 erschienene "zeitgemäße Küchenrezept" zu verstehen:

"Man schlägt die Eierkarte, legt die Butterkarte an mäßiges Kohlenkartenfeuer bis sie braun wird und darin schmort man die Fleischkarte. Die Kartoffel- und Gemüsekarten werden abgekocht und dazu gereicht. Als Nachmahl kann man eventuell noch vorhandene Kartoffelkarten heiß abbrühen, fügt die Milchkarte hinzu, süßt das Ganze entsprechend mit der Zuckerkarte und legt endlich die Brotkarte hinein. Nachher wäscht man sich mit der Seifenkarte die Hände und trocknet diese mit dem Bezugsschein ab."

Am 4. Oktober 1917 rief der Staat zur Zeichnung der 7. Kriegsanleihe auf. Bei einem Ausgabepreis von 98 RM brachte das Papier 5,1 %. Die "Frankfurter Zeitung" urteilte in einem Kommentar: "Das ist schon eine Verzinsung, wie sie vor dem Krieg kein anderes auch nur annähernd so sicheres Wertpapier aufzuweisen hatte".

Im Verlauf des 1. Welt-krieges trat eine Ver-knappung des Klein-geldumlaufs immer deutlicher zutage, weil die Bevölkerung einer-seits das Silbergeld hortete, da sein Metall-wert über den Nenn-wert gestiegen war, und der Staat anderer-seits das umlaufende Nickelgeld einzog, um dessen Metall für Kriegszwecke zu ver-wenden. Diesem Man-gel halfen mit staat-licher Genehmigung regionale Körper-schaften, Städte, Ge-meinden und Firmen ab, die sogenanntes Notgeld aus Metall - meist Eisen oder Zink - und papierne Gut-scheine ausgaben. Als Beispiele der näheren Umgebung seien hier die eisernen achtecki-gen Kleingeldersatz-marken der Firma Girmes aus Oedt zu 20 Pfennig (ohne Jahres-zahl) sowie die papier-enen Gutscheine der Stadt Kempen zu 50 Pfennig vom 30. August 1918 erwähnt. Am 16. April 1917 wurde auf einer Versammlung, zu der außer den Mitgliedern der Handelskammer München-Gladbach (wie es damals noch hieß) auch die Landräte, Oberbürgermeister und mehrere Bürgermeister des Handels-kammerbezirkes geladen waren, beschlossen, daß die Handelskammer zur Behebung des vorhandenen großen Mangels an Kleingeld Gutscheine herstellen werde, die durch die Gemeinen des Handels-kammerbezirkes, zu denen auch Breyell, Kaldenkirchen und Lobberich gehörten, Gutschein-Kontingente nach Zahlung von 10 Prozent des Wertes. Diese 10 Prozent dienten zur Deckung der Herstellungs- und Vertriebskosten. Dr Vertrieb erfolgte über die Deutsche Bank, Zweigstelle M.Gladbach. Es war vorgesehen, daß die Gutscheine bis spätestens 6 Monate nach Friedensschluß gültig sein sollten. Die Gutscheine wurden bei der Firma Schött AG, Rheydt gedruckt. Nach den Unterlagen des Kreisarchivs Viersen erhielten die Gemeinden folgende Kontingente:

Breyell Ende Mai 1917 je 3.750 Scheine zu 20 und 50 Pfennige im Gesamtwert von 2.625 Mark, Kaldenkirchen Anfang Juni 1917 je 4.500 Scheine zu 20 und 50 Pfennig im Gesamtwert von 3.150 Mark, Lobberich im Juni 1917 Scheine im Gesamtwert von 4.900 Mark (Aufteilung unbekannt; wahrscheinlich je 7.000 Stück). Nachdem der Regierungspräsident der Handelskammer eine Ausgabe von weiteren Gutscheinen im Wert von 100.000 Mark bewilligt hatte, erhielten Breyell im September 1917 weitere 3.600 Scheine zu 20 Pfennig und 500 Scheine zu 50 Pfennig im Gesamtwert von 970 Mark und Lobberich im Oktober 1917 Scheine im Gesamtwert von 960 Mark. Im November 1918 übernahm Lobberich weitere Scheine im Gesamtwert von 3.300 Mark.

Am 11.11.1918 war der 1. Weltkrieg zu Ende mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes beendet. Am 9.11.1918 gab Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelm II. bekannt. Am gleichen Tag proklamierte Karl Liebknecht die "freie sozialistische Republik Deutschland". SPD und USPD vereinbaren eine Koalition und bilden mit dem sechsköpfigen "Rat der Volksbeauftragten" eine gemeinsame Regierung. Am 11. Februar 1919 wählte das Parlament Friedrich Ebert zum vorläufigen Reichspräsidenten. "Für das Vaterland im Weltkriege zu bluten und zu sterben, war das Los von 345 Lobbericher Bürgern" - so steht es im "Eisernen Buch der Gemeinde Lobberich" von 1929.

Da auch nach Beendigung des 1. Weltkrieges der Kleingeldmangel in der jungen Weimarer Republik nicht behoben wurde, konnte die ursprüngliche Gültigkeitsdauer der Gutscheine nicht aufrechterhalten werden. Die Handelskammer erkundigte sich daher in einem Rundschreiben vom 26.2.1919 an die Gemeinden des Kammerbezirks nach der Anzahl der verschlissenen Gutscheine und dem Bedarf an neuen Scheinen. Nach Feststellung des Neubedarfs an Notgeldscheinen ersuchte die Handelskammer um die Genehmigung zur Neuausgabe weiteren Notgelds in der bisherigen Ausführung , die auch für Scheine im Werte von 250.000 Mark erteilt wurde.

Der Versailler Vertrag, der den 1. Weltkrieg staatsrechtlich beendete, wurde am 28.6.1919 in Versailles unterzeichnet und trat am 10.1.1920 in Kraft. Er brachte außer umfangreichen Gebietsabtrennungen auch die alliierte Besatzung des linksrheinischen Gebietes. Im Gebiet des heutigen Nettetal war die belgische Besatzungsbehörde die oberste Instanz.

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