Glocken für St. Sebastian in Lobberich

Nettetaler Spätlese. Zeitung für ältere Menschen Nr. 31 (2008)


Egon Bongartz hat in seinem Fotoalbum geblättert

Fern der Heimat, in der Ortenau in Südbaden, erinnert sich der frühere Drogist und Fotograf Egon Bongartz (88) immer noch an sein Lobberich. Er hat nun in seinem Fotoalbum geblättert und zwei Bilder mit neuen Glocken für Lobberichs Pfarrkirche St. Sebastian aus den Jahren 1923 und 1957 gefunden. Das dritte Bild mit der Übersicht der Glocken 1923 fand sich im Archiv des "Spätlese"-Redakteurs Manfred Meis.

An das Geschehen 1923 hat Egon Bongartz keine Erinnerung mehr, war er damals doch ein Kniprs von knapp vier Jahren. Sein Vater Paul hat ihm später erzählt, dass drei Glocken während des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen wurden. Mit Spenden aus der Bürgerschaft wurden sie schon schnell wieder neu beschafft, die vierte Glocke (rechts auf dem Übersichtsbild) spendeten Tillmann Schmetz und seine Frau Johann geb. Thielen.

Die Glocken wurden in der Glockengießerei in Hemelingen bei Bremen hergestellt. Sie sind damals mit der Bahn gekommen und am 21. Oktober 1923 mit großem Geleit und Musik vom Güterbahnhof über die Bahnstraße zum Platz neben der Kirche gefahren worden. Und dort wurden sie dann anderntags von vielen Kindern genau inspiziert.

Vom Glockenguss 1957 weiß Egon Bongartz noch etwas mehr, denn damals fuhr er mit nach Bremen. In der Lobbericher Gruppe waren, so erinnert er sich, neben anderen die Lehrerin Maria Kämpchen, Sparkassendirektor Bernhard Kuhnert, Oberstudienrat i. R. Dr. Albert Fenkes und Willy Bongartz (Sägewerk). Der Glockenguss verzögerte sich um Stunden, da die Legierung eine gewisse Temperatur haben musste. Zu Beginn des Gusses wurde der Anfang von Schillers "Lied von der Glocke" zitiert: "Fest gemauert in der Erden / steht die Form, aus Ton gebrannt, / heute soll die Glocke werden, / frisch, gesellen, geht zur Hand…" Nach einem andächtigen Gebet war der Glockenguss zu Ende.

Auch diese Glocken wurden feierlich vom Bahnhof abgeholt und zur Kirche geleitet, von Messdienern und "Bräutchen" begleitet.

Postkarte mit Abbildung der vier Glocken, die am 21. Oktober 1923 geweiht wurden.

An den neuen Glocken für den Fotografen zu posieren war für die Kinder ein großes Vergnügen. Fünf sind bekannt: Egon Bongartz (links sitzend), Willi Passmann (5. von links, hinter dem großen Mädchen stehend), Hans Passmann (links von der großen Glocke, hinter dem kleinen Mädchen), Jean Optekamp (neben der Glocke oben rechts) und Josef Bruns (3. von rechts mit dem Fahrrad).

Glockenbesetzer Egon Bongartz im Jahre 1957.


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