Stiftung hält Andenken an
van der Upwich wach

Grabanlage auf dem Friedhof in Lobberich wurde erneuert -
Namen wieder lesbar

aus: Nettetaler Spätlese. Zeitung für ältere Menschen 29/ 2007


Wie groß die Familie van der Upwich einst in Lobberich war, ist wieder sichtbar geworden: Die Tafeln auf der Grabanlage sind restauriert worden, sodass nun die Namen wieder lesbar sind. Die repräsentative Gruft einer der bedeutendsten Industriellenfamilien Lobberichs steht auch im Mittelpunkt der Führungen während der Friedhofskulturtage am 22. und 23. September.


Steinmetz Mangold bei den Arbeiten

"Nachdem Wind und Wetter dem Grabstein über viele Jahre hinweg zugesetzt hatten, waren die in Goldschrift angelegten Namen der dort bestatteten Familienmitglieder fast nicht mehr zu lesen und ein Stück Lobbericher Geschichte drohte in Vergessenheit zu geraten", befürchtete Ewald Meier.

Der Mitarbeiter der Nettetaler Friedhofsverwaltung machte die van der Upwich-Schleßsche Stiftung in Rees am Rhein, die sich um die Unterhaltung und Pflege der Grabstätte auch nach Ablauf der üblichen Ruhezeiten kümmert, darauf aufmerksam und stieß dort auf offene Ohren.

Die Stiftung griff gerne den Vorschlag auf, die Namen wieder lesbar zu machen, und beauftragte den örtlichen Steinmetzbetrieb Mangold mit der Restaurierung. "Der Grabstein gibt nun wieder über viele Jahre hinweg Zeugnis von den Menschen, die dort ihre letzte Ruhestätte fanden", freut sich Meier.

Die Erhaltung der alten Grabmale auf den Nettetaler Friedhöfen ist der Stadtverwaltung ein besonderes Anliegen, da diese Zeugnis von der Geschichte der Stadt und ihren Bürgern ablegen.

Im Rahmen seiner privaten Nachforschungen zur Geschichte der Familie van der Upwich konnte Ewald Meier bei der Stiftung in Rees zahlreiche Unterlagen einsehen. Die Geschichte der Familie van der Upwich ist dann auch ein Hauptpunkt der Führungen Meyers während der Friedhofskulturtage; sie geht zurück auf den Geheimen Kommerzienrat Hermann van der Upwich, der als Inhaber der Firma De Ball die Entwicklung Lobberichs maßgeblich mitgestaltet hat und durch sein soziales Engagement in Erinnerung geblieben ist. Seinem Wirken ist mit zu verdanken, dass es in den 1960er Jahren zur Gründung der Van der Upwich-Schleßschen Stiftung kam.

Der Stiftungsgründer Carl Hermann Gisbert van der Upwich, am 7. Dezember 1901 in Lobberich geboren und am 4. Oktober 1967 in Wesel verstorben, wurde am 9. Oktober 1967 in der Familiengruft in Lobberich beigesetzt. Der Wirtschaftsjurist (Studium in Köln) und Landwirt wohnte bis Ende Oktober 1952 in der jetzt nicht mehr existierenden elterlichen Villa an der Bahnstraße (heute Niedieckstraße). Dann verzog er nach Haffen bei Wesel, wo er im "Haus Örtgen" bis zu seinem Tode wohnte.

Kurz vor seinem Tod hatte er beim Notar Suchsland ein Testament abgegeben. "Um das Andenken seiner Vorfahren, die zum heutigen Wohlstand der Stadt Lobberich wesentlich beigetragen haben, insbesondere des Geheimen Kommerzienrats van der Upwich, zu erhalten, und um einen Ersatz zu schaffen für die Stiftungen seiner Vorfahren, die infolge der Geldentwertung durch die Währungsreform erloschen sind," beabsichtigte Carl Hermann Gisbert van der Upwich eine Stiftung zu errichten, deren Erträge zu 75 Prozent den Einwohnern der Stadt Lobberich und zu 75 Prozent den Einwohnern der Stadt Xanten zugute kommen sollten. Der Xanten-Anteil geht auf die Mutter van der Upwichs, Berta Schles zurück, deren Vater viele Jahre Bürgermeister der Nibelungenstadt war.

Das Stiftungsvermögen besteht vor allem aus Grundbesitz, Wertpapieren, Einrichtungsgegenständen und Wertgegenständen. Nachdem Anfechtungen des Testaments erfolglos verlaufen waren, hat der NRW-Innenminister die Stiftung am 20.März 1973 mit Satzung genehmigt. Der Sozialausschuss der Stadt Nettetal hat die Stiftung am 27. Februar 1975 ausdrücklich begrüßt. Seither werden jährlich etwa 30 Anträge von bedürftigen Einzelpersonen aus Lobberich beim Sozialamt geprüft und an den Vorstand der Stiftung weitergeleitet.

Im Besitz der Stadt Nettetal ist aus dem Nachlass des Stifters eine Marmorbüste, die seinen Großvater Hermanus Johannes Petrus van der Upwich zeigt, der am 4. November 1835 in Nunspeet in Holland geboren war und am 11. September 1922 in Lobberich gestorben ist. 1851 war er, 16 Jahre alt, als Lehrling in die Firma de Ball eingetreten. Zehn Jahre später übernahmen er und Hermann Reifenstuhl das Unternehmen, das dann "J.L. de Ball & Cie. Nachf" hieß. Am 13. Juni 1903 wurde Hermann van der Upwich zum Königlich Preußischen Kommerzienrat ernannt, weitere zehn Jahre später war er Geheimer Kommerzienrat. Der Fabrikant kümmerte sich aber auch um die Gemeinde, in der seine Firma stand. So schreibt Theo Optendrenk in dem Buch "Lobberich im Aufbruch" über van der Upwich: "Als Unternehmer mit großem sozialem Engagement und als Beigeordneter der Gemeinde nahm er gestaltend Einfluss auf die Entwicklung Lobberichs."

In der van der Upwich-Gruft sind auch die Eltern des Stifters beigesetzt: der Fabrikbesitzer Karl van der Upwich (geboren am 19. November 1869 in Lobberich, verstorben am 11. August 1949 in Lobberich) und Berta geb. Schleß (geboren am 22. Mai 1872 in Xanten, verstorben am 12. Januar 1945 in Lobberich).

Interessant ist auch ein Blick in alte Adressbücher. 1898 wie auch 1912 war Anton van der Upwich auf der Steegstraße 14 (heute Steegerstraße) gemeldet, während der Kommerzienrat Hermann van der Upwich im Hause Hochstraße 70 (früher Notariat Veith/Dr. Carl) wohne. Dort war 1898 auch Karl van der Upwich gemeldet, 1912 dann im Hause Bahnstraße 38, der "van-der-Upwich-Villa". Alle werden als Geschäftsführer der Firma J.L. de Ball geführt.

Manfred Meis


Nachträge:


(Führung am Grab derer von Upwich bei den Friedhofskulturtagen 2007 - Foto: Lobberland e.V. - )

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