Testbericht

aus der Zeitschrift DM TEST vom 13. Dezember 1963, 3. Jahr, Nr 50, S. 54-61.

veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Verlagsgruppe Handelsblatt online (Sales Manager Content)


ELEKTRISCHE EISENBAHNEN

 

TEST

Vor einem Jahr testete DM die wichtigsten sechs deutschen Modellbahnsysteme.  (Link) Bei ihnen hat sich in der Zwischenzeit nur wenig geändert. DM untersucht diesmal zwölf Anfängerpackungen mit elektrischen Eisenbahnen. Anfängerpackungen enthalten die nötigsten Bestandteile einer fahrbereiten Eisenbahnanlage: Gleise, Lokomotive, zwei oder mehr Wagen und einen Transformator. Damit sollen Kinder spielen: Rangieren, Güterwagen be- und entladen und Züge zusammenkoppeln. Das kann bald langweilig werden. Die Eisenbahn muß deshalb ausbaufähig sein. Mit Gleisen, Signalanlagen und Weichen. Zwei Fabrikate können nur wenig ausgebaut werden, eines überhaupt nicht.

Empfehlenswert

Fleischmann 300 Start (50 Mark), Arnold Rapido 042 (39,75 Mark ohne Transformator) und Märklin 3200 (35 Mark ohne Transformator): Drei gut zusammengestellte Packungen mit verhältnismäßig viel Spielmöglichkeiten.

Rokal-Anlage prima 101103 (49 Mark) und Fleischmann 1111 Favorit (37,50 Mark): Gute Zugzusammenstellungen. An den Fleischmann-Trafo können aber keine Weichen angeschlossen werden. Die Rokal-Gleise haben Mängel.

Weniger empfehlenswert

Märklin 2953 (36 Mark), Trix Express 1521, (49 Mark) und TriX Express 1523 (37 Mark): Drei modellgetreu nachgebildete Züge mit Mängeln. Der Märklin-Motor fiel zweimal aus. Außerdem zu enge Gleiskurven. Von großen Lokomotiven können sie nicht durchfahren werden. Bei Trix sind die Lokomotiven nicht zuverlässig. Die Gleise können beim Spielen zu leicht auseinandergehen. Rokal boy 01101 (39,80 Mark): Lokomotive und Transformator sind einfach ausgeführt. Gleise haben Mängel.

Nicht empfehlenswert

Egger-Bahn 501 (56 Mark): Eine neu auf den Markt gekommene, sehr modellgetreue, sorgfältig gefertigte Feldbahn. Zu kurze Lebensdauer. Für Kinderhände zu zierlich. Wenig ausbaufähig.

Bub Electric HO Nr. 14856 (39,50 Mark) und HWN-Packung 11186 (19,90 Mark). Zwei Zusammenstellungen von mangelhafter Qualität. Die Züge wirken zusammengestoppelt. Sie hatten auch nicht lange. HWN kann nicht ausgebaut werden, Bub nur beschränkt.


Zwölf Uhr mittags.

Strahlende Herbstsonne.

Der Zug hält. Steht einige Augenblicke und setzt dann seine Fahrt fort. Durchfährt das halbe Gleisoval und hält wieder. Fährt wieder an. Hält. Bis die Sonne verschwindet. Testzug Nummer 1 regelt bei Schönwetter seinen Fahrplan selbst. Ein Märklin-Transformator schert sich nicht um das Testprogramm. Im DM-TEST-INSTITUT wurden 12 Anfängerpackungen mit elektrischen Eisenbahnen untersucht. Es sollte festgestellt werden:

Warum soll das kleine Kind, nur weil der Vater wenig verdient, seine Eisenbahn immer aufziehen müssen?" fragt Trix-Vertreter Henkel. .Mit der Anfängerpackung haben Modelleiserbahn-Hersteller auch dem einfachen Mann die Möglichkeit gegeben, dem Sohn eine elektrische Eisenbahn zu kaufen."

FRITZCHEN WILL MEHR

Ob Fritzchen damit viel glücklicher wird, wollen Hersteller nicht wissen. Fest steht, Kinder merken spätestens am zweiten Weihnachtsfeiertag, daß zum Spielen noch einiges fehlt. Dann will das Kind mehr. Nicht nur vor- und rückwärts fahren. Für den Hersteller hat die Packung ihren Zweck erreicht.

Wie erweitert wird, davon haben Hersteller klare Vorstellungen. Erst zwei Weichen, dann noch ein paar Gleise, eine zweite Lokomotive und ein Signal. Damit läßt sich dann schon vie! anfangen." So Prokurist Fritz Rau von Fleischmann.

Anfängerpackungen genügen oft nicht den Mindestforderungen. Kinder bauen meist die Gleise auf dem Fußboden auf. Dafür müssen sie stabil sein, trittfest. Am leichtesten können die Märklin-Schienen zusammengedrückt werden. Sie haben einen hohlen Blech-Unterbau. Alle anderen Schienen liegen auf Plastik- oder Pappschwellen. Sie sind strapazierfähiger.

Beim Spielen auf dem Boden werden die Gleise oft hin- und hergerückt. Dabei sollten sich die Verbindungen der einzelnen Gleisteile nicht lösen. Der Test ergab: Die Gleise von Trix und Bub gehen viel zu leicht auseinander.

Für einfache Anlagen sind schon Güterwagen eine wesentliche Bereicherung der Spielmöglichkeiten. Kinder können auf- und abladen und transportieren. Die Märklin-Bahn zu 36 Mark hat lediglich zwei Personenwagen.

Damit kann nur hin- und hergefahren werden.

Die Lokomotiven sollen lange halten. Märklin-Chef Safft gibt den Maßstab: Wir rechnen mit einer Mindestlebensdauer von 800 Stunden. Aber die Loks können auch gut 1000 oder 1200 Stunden halten."

DM ließ alle zwölf Züge 350 Stunden lang laufen. Das entspricht einer durchschnittlichen Benutzung von etwa drei Jahren, Bei Test-Ende waren zwei Loks so kaputt, daß die Reparatur nicht mehr lohnte: Bub und HWN.

Die Egger-Feldbahn-Lokomotive holperte nach 200 Stunden. Sie warf immer wieder die Wagen aus dem Gleis. Ihre Räder waren ungleichmäßig abgefahren.

AUSGETRIXT

Die Trix-Loks liefen unzuverlässig. Beim Dauertest blieben sie mehrere Male stehen.

Ein Kontakt setzte aus. Der Fehler ist allerdings leicht zu beheben.

Mehrere Lokomotiven kamen mit ein paar Tropfen Öl und einem Austausch der Kohlebürsten aus: Geringe Wartung. Man muß sich einmal überlegen, was diese kleinen Dinger für 20 Mark ohne Schmieren und Ölwechsel leisten. Ein Auto läge da spätestens nach 10.000 Kilometern endgültig auf der Nase." Meint Trix-Henkel.

Die Eisenbahnen werden meistens vom Transformator, nur HWN und Rokal Prima 1 von einem Extra-Fahrpult aus gesteuert. Transformatoren für Anfängerpackungen sind meistens schwach. Zwei Lokomotiven auf einem Gleis schaffen die meisten nicht mehr. Weichen können nur an einige angeschlossen werden.

Wer mit zwei Loks auf seinem Gleis spielen will und wer Weichen in seine Anlage bauen möchte, muß einen neuen Transformator kaufen. Der ist recht teuer. Wie an Transformatoren gespart wird, zeigt Märklin: Der kleinste Märklin-Transformator schafft gerade den Zug und zwei oder drei Birnchen. Wenn dazu noch die Dezembersonne auf das Gehäuse scheint, fängt er an zu denken: Er schaltet für einen Moment ab, dann wieder an. Der Transformator regelt, damit er nicht zu heiß wird und kaputtgeht. Wenn der Zug auf geringere Geschwindigkeit geschaltet wird, schafft er es wieder.

FRÜHER WAR'S SCHÖNER

Zumindest einige Birnchen sollten an einen Transformator anzuschließen sein. Licht ist am Ladentisch eines der wichtigsten Werbeargumente", meint Trix-Vertreter Hüftle. Das ist eine Spielmöglichkeit mehr. Kinder freuen sich, wenn der Zug wie eine richtige Eisenbahn beleuchtet ist und sie ihn im Dunkeln fahren sehen.

"Bei Kindern kommen die Loks und Wagen am besten an, die den Originalen am meisten gleichen", meint Trix-Henkel. HWN ist eine Phantasiebahn, die Bub ist sehr schlecht nachgebildet. Beide schauen primitiv aus. Die anderen deutschen Hersteller bringen recht ordentliche, maßstabgerechte Nachbildungen .

Allerdings sind alle Bahnen ziemlich klein.

Früher waren sie größer. Ein Spielzeugvertreter wehmütig: Richtiges Spielen ist doch heute mit keiner Bahn mehr möglich. Ich habe früher mit meiner Eisenbahn meiner Mutter die Briketts an den Ofen gefahren,"

Hersteller fangen früh an, für ihr System zu werben. Mit Anfängerpackungen, Die verkaufen sich gut an Eltern, denen die Auswahl aus dem umfangreichen Programm schwer fällt. Anfängerpackungen enthalten die einfachsten Artikel: Kleine Loks, Wagen, kleines Gleisoval, billige Trafos. Packungen sind meistens billiger als der stückweise eingekaufte Inhalt.

Kinder sollen für wenig Geld eine Eisenbahn haben. Und damit Spielen lernen. DM stellte Fest: Anfängerpackungen haben wenig Spielwert. Deshalb müssen sie ausgebaut werden können. Im Rahmen des Systems des jeweiligen Herstellers. Die Systeme wurden von DM bereits vor einem Jahr untersucht. Inzwischen hat sich kaum etwas geändert. DM stellt daher die vor einem Jahr gefällten Urteile über die Eisenbahnsysteme den Testergebnissen der Anfängerpackungen gegenüber. Für erfahrene Eisenbahnspieler untersuchte DM Signale, Weichen und Entkupplungsgleise.


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Rokal-Tischbahn boy 01101 (mit Transformator) 39,80 Mark

In der Packung sind: Eine Tenderlokomotive mit grünem Kunststoffgehäuse, zwei geschlossene Güterwagen, ein Gleisoval, ein Transformator. Maßstab TT 1:120.

Robuste, sehr einfache, laute Lokomotive mit genügender Zugkraft. Sie hat eine lange Lebensdauer. Wenig Wartung. Die Wagen sind nicht ganz modellgerecht. Sie sind recht stabil. Dächer sind abnehmbar. Wagen können beladen werden. In Kurven können sie nicht angehängt werden. Die Gleise brechen etwas leicht und sind nicht ganz trittsicher. Spurweite 12 Millimeter. Die Schienenverbindungen können sich beim Spielen zu leicht lösen: Zug entgleist. Die Geschwindigkeit kann am Transformator stufenlos eingestellt werden. Weichenanschluß am Trafo ist nicht möglich. Insgesamt: Sehr einfache Ausführung bei Trafo und Lokomotive, Gleise haben Mängel.

Weniger empfehlenswert.

DM schrieb beim letzten Test: Rokal fährt mit Zweileiter-Gleichstrom. Vorteil des Systems ist Platzersparnis. Beschränkte Ausbaumöglichkeit, verhältnismäßig teuer. Als Kinderspielzeug brauchbar.


Rokal-Anlage prima 1 01103 (mit Transformator) 49 Mark

In der Packung sind: Eine beleuchtete Tenderlokomotive mit schwarzem Kunststoffgehäuse, ein Kesselwagen, ein offener und ein geschlossener Güterwagen aus Kunststoff, ein Gleisoval, ein Transformator und Fahrpult. Maßstab TT, 1: 120.

Robuste, einfache Lokomotive mit genügender Zugkraft. Sehr laut. Sie hält lange. Während des Dauertests brauchte sie nur zwei Kohlebürsten und einige Tropfen 01. Die Wagen sind nicht ganz modellgerecht. Sie sind recht stabil. In Kurven können sie nicht angehängt werden, Die Gleise brechen etwas leicht und sind nicht ganz trittsicher. Spurweite 12 Millimeter. Die Schienenverbindungen können sich beim Spielen leicht lösen: Zug entgleist. Die Geschwindigkeit kann am Fahrpult stufenlos eingestellt werden. Weichen und Signalanschluß ist am Fahrpult möglich. Insgesamt. Gute Zugzusammenstellung zum Spielen. Gleise haben Mängel. Noch empfehlenswert

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DM testete Signale und prüfte, was sich bei Weichen und Entkupplungsgleisen geändert hat. Alle diese Zubehörteile wurden in einem Dauerversuch bis 140 000mal geschaltet. DM prüfte außerdem, ob sie bei versehentlich ausgelösten längeren Schaltimpulsen kaputtgehen.

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Rokal

Bei Rokal hielten nur die Weichen und ein neues Form-Vorsignal mit großen Spulen 140 000 Schaltungen aus. Die alten Rokal-Formsignale haben zu kleine Spulen. Sie können nur wenig belastet werden und gehen bei längeren Impulsen schnell kaputt.

Die Weichen vertragen auch lange Impulse. Züge können Weichen nicht sehr langsam überfahren, ohne stehen zu bleiben. Rokal hat zwei Formhaupt- und -vorsignale, ein Lichthaupt- und -vorsignal. Sie sind nicht gut gestaltet. Für Lichtsignale ist Zugbeeinflussung nur durch einen besonderen Schalter möglich, für Formsignale nur über einen anderen Schalter in Verbindung mit einer Weiche. Nur einfache Lichtsignalschaltungen sind für Anfänger verständlich. Für kompliziertere Schaltungen braucht man elektrotechnische Kenntnisse. Kaputte Birnchen sind beim Lichtsignal schlecht auszutauschen.

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Übersicht Rokal TT

 


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