Erinnerungen Heinz Holterbosch


Heinz Holterbosch

Rückblick auf die Entwicklung der ROKAL-Modelleisenbahn

Als Schreiber dieser Niederschrift gehörte ich ab 1952 dem Team an, das entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der ROKAL-TT-Modelleisenbahn hatte. Zunächst als techn. Zeichner, dann als Detailkonstrukteur und ab 1959 als selbstständiger Konstrukteur; insbesondere ffir das gesamte rollende Material und für das Gleismaterial.

Über die ROKAL-Modellbahn hat es viele Berichte gegeben, die oft ohne Realitätsbezug geschrieben wurden. So wird z.B. Herr Eugen Engelhard über Gebühr mit der ROKAL-Modellbahn in Verbindung gebracht. Tatsache ist: dass Herr Engelhard 1946 der Initiator der elektrischen Spielzeugeisenbahn mit der 12 mm Spurweite war, aber bereits 1949 die Firma ROKAL verlassen hat. Somit hat er keinen Einfluss auf die Entwicklung von der Spielzeugbahn zur Modell-Eisenbahn genommen.

Der Inhaber und Chef der Firma ROKAL, Herr Robert Kahrmann, wurde von Herrn Engelhard für sein TT-Bähnchen gewonnen. Herr Kahrmann hat die Modell-Eisenbahn nicht als "Hobbyist" produziert, sondern als Unternehmer in der Absicht, mit der Modellbahn Gewinne zu erwirtschaften.

In der Betriebsorganisation war die Modellbahn der technischen Direktion unterstellt. Aufgrund ihrer elektrotechnischen und feinmechanischen Gegebenheiten, führte die Modelleisenbahn-Abteilung schon bald im Hause ROKÄL ein Eigenleben.

In den Anfangsjahren (vor 1954) hatten die ROKAL-Eisenbahn-Produkte noch keine Vorbildtreue. Auch ließ die Funktion der Bahn anfänglich sehr zu wünschen übrig. Als Antrieb für Loks und Triebfahrzeuge hatte man einen Rundmotor und ein Schneckengetriebe gewählt. Diese Antriebsart hatte hauptsächlich den Nachteil der "Selbsthemmung" des Schneckengetriebes. Die Antriebsräder der Lokomotiven konnte man nicht von Hand drehen. Wenn es trotzdem versucht wurde, gab es großen Schaden.

In den Jahren 1955-1958 begann eine Phase des Umdenkens. Der Schneckentrieb und der Rundmotor hatten sich in der Praxis nicht bewährt, und er sollte durch einen Einheitsmotor mit Zahnradgetriebe ersetzt werden. Ehe sich diese neue Antriebsart bei allen Tearnmitgliedern endgültig durchsetzte, hat es abteilungsintern heftige sachliche und unsachliche Debatten gegeben. Aber 1958/59 war es geschafft, der ROKAL-Einheitsmotor war serienreif .Jetzt war es an der Zeit, dass wir uns endgültig vom Schneckentrieb verabschiedeten. Der Einheitsmotor war als Normbauteil konzipiert und bestand aus-. Permanentmagnet, Feldbleche, Anker mit Kollektor und Kohlebürstenträgerplatte. Die Chassis der Lokomotiven und die Antriebsdrehgestelle der Triebfahrzeuge wurden so konstruiert, dass sie auch als Motorgehäuse genutzt wurden. Die Ankerwelle war gleichzeitig Antriebsritzel für die Zahriradgetriebe der Lokomotiven und der AntriebsDrehgestelle der Triebfahrzeuge.

Herr Kahrmann war von der Richtigkeit und Notwendigkeit der Maßnahme überzeugt und gab grünes Licht für die Umstellung aller bis dahin verbleibenden Loks und Triebfahrzeuge. Der neue Gleichstrom-Einheitsmotor mit Zahnradgetriebe war jetzt das Maß der Dinge.

Ab 1960 wurden alle Lokomotiven mit dem neuen Einheitsmotor ausgerüstet. Die Gehäuse der Lokomotiven waren zum Teil aus Zinkdruckguß und andere aus Kunststoffspritzguß hergestellt. Zur Verbesserung der Zugeigenschaften wurden die Kunststoffgehäuse mit Zusatzgewichten ausgestattet. Die Einführung der Kunststoffgehäuse hatte den Vorteil, dass die wichtigen Details der Fahrzeuge ausgezeichnet nachgebildet werden konnten.

Die Gehäuse der Personenzuglok Baureihe 24, Achsfolge 1 C, der Schnellzuglok Baureihe 03, Achsfolge 2CI und der schweren Güterzuglokomotive Baureihe 85, Achsfolge 1 EI, wurden aus Zinkdruckguß gefertigt. Wuchtig und kraftvoll wirkten die formvollendeten Nachbildungen dieser Modelle. Die Gehäuse der Old-Timer-Tenderlok T3 der Baureihe 89, der dreiachsigen Güterzuglok der Baureihe 80 und der Rangierlok der Baureihe 89 sowie die Diesel-Rangierlok V 60, der Diesellok V 200 und der E-Loks wurden aus schlagfestem Polystyrol gefertigt.

Als letzte große Lokneuheit erschien die Elektrische Schnellfahrlokomotive TEE, Modell der Baureihe E 03, Achsfolge Co.Co.. Die 3 Achsen des Antriebsdrehgestells wurden, wie auch alle anderen Lokomotiven, über Zahnräder durch den inzwischen bewährten ROKAL-Einheitsmotor angetrieben. Die Drehgestelle waren aus Zinkdruckguß, das Gehäuse aus schlagfestem Polystyrol.

Unsere Lokomotiven und Triebfahrzeuge waren ausgereifte Konstruktionen. Viele Modellbahnfreunde sprachen von kleinen technischen Wunderwerken. Unsere Fachleute der Modellbahnkonstruktion, des Modellbaus, der Gießtechnik, des Werkzeugbaus, der Elektrotechnik und der Fertigungstechnik haben ihr ganzes Können und ihre große Erfahrung an die ROKAL-Modellbahn weitergegeben.

(...) Ich (möchte) einige Bemerkungen über mein Ausbildungsteam machen. Als ich 1952, nach Abschluss meiner praktischen Ausbildung im Wekzeugbau, zunächst als Technischer-Zeichner-Lehrling in die damalige Eisenbahnabteilung kam, wurde ich von meinen Ausbildern: Heinz Thieme, Otto Gothe und Siegfiied Klaumünzner empfangen. Bis zum Abschluss meiner Lehre wurde ich insbesondere von Heinz Thieme betreut. Alle meine Führungspersonen waren gesund aus dem Kriege zurückgekommen, waren verheiratet und verfügten über Berufs- und Lebenserfahrung. In der Eisenbahnabteilung herrschte ein bestes Betriebsklima, so dass ich mich ohne Frust und Verklemmung entwickeln konnte. Nach Abschluss meiner Lehre 1953 wurde ich zunächst als techn. Zeichner für die Eisenbahn-Produkte beschäftigt. Aufgrund der guten Anleitung durch meine Führungspersonen, konnte ich mich bis 1959 zum selbstständigen Konstrukteur entwickeln. Auch Dipl.Ing. Klaus Lorenz, Mitglied der kaufinännischen Abteilungsleitung, prägte meine weitere Entwicklung ganz wesentlich. Er sorgte dafür, dass ich von 1958-1960 die Techniker-Schule bis zum erfolgreichen Abschluss durch die TechnikerPrüfung besuchte.

Alle Herren haben sich in diesen Jahren mir gegenüber in so dankenswerter Weise verhalten. Sie haben mein ganzes Wesen nachhaltig geprägt. (...)


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