Neunzehntes Kapitel - die neue romanische Pfarrkirche

Die Verzögerung des so dringend notwendigen und lange ersehnten Neubaues der Pfarrkirche findet ihre Erklärung in der so schwierigen Wahl eines ausreichenden Bauplatzes. Nicht weniger als 5 verschiedene Baustellen standen in Frage; viele Einwohner wollten nicht gerne, wenn nicht unumgängliche Hindernisse im Wege ständen, die Stelle aufgeben, wo ihr Gotteshaus bereits viele Jahrhunderte gestanden hatte; dieser Ort galt ihrem religiösen Sinne für alle Zeiten Gott geweiht und dürfe nicht mehr zu profanen Zwecken benutzt werden. Im Jahre 1888 wurden die Herren Everding, königl. Baurat und Julius Busch, Regierungsbaumeister, angegangen, ein Gutachten über die Auswahl eines Bauplatzes für die Kirche zu Lobberich abzugeben. Nach Einsicht der Akten, örtlicher Besichtigung der fünf vorgeschlagenen Baustellen und Anhörung der Parteien, wurde von den beiden genannten Herren, durch ein aus Krefeld, den 18. Mai 1888 datiertes Gutachten, der "Platz an der Linde", als von allen der geeignetste, vorgeschlagen. Die vorgeschlagenen 5 Baustellen waren:

  1. Der Bau auf der alten Stelle. Nach dem Gutachten sprach für dieses Projekt:

    1. das diese Stelle seit Jahrhunderten als Cultusstätte gedient und durch Alter und Pietät Allen teuer ist;

    2. die Lage mitten im Orte und

    3. 3. dass alle Parteien damit zufrieden sein mussten. Dagegen aber sprachen so viele schwerwiegende Gründe, dass man am Besten von diesem Projekt absah. Die Gründe gegen das Projekt waren: 1 Bei der erforderlichen Größe der Kirche von 800 bis 900 Quadratmetern Laienraum, also von einer Breite von 32 und einer Länge von 55 Metern, war die Erwerbung sämtlicher umliegenden Häuser, auch des Hauses von Hasencor, notwendig und würde der Platz mindestens 100 000 Mark kosten. 2. Mußte der schöne Turm, weil er dann mitten in die Kirche fiel, abgerissen werden.

    4. Der Abbruch des Turmes und der alten Kirche würde bedeutende Kosten verursachen und den Bauplatz noch erheblich verteuern, so für in den gewonnenen Materialien kein Aquivalent zu finden war.

    5. Während der Bauzeit wäre die Errichtung einer Notkirche erforderlich, welche ca. 15 000 Mark kosten würde. Unter diesen Verhältnissen waren die beiden Sachverständigen der Ansicht, dass von dem Bau an der alten Stelle auf alle Fälle Abstand genommen werden müsse. Für diese Ansicht sprach noch, dass die alte Kirche nach einer gründlichen Reparatur des Daches ohne viele weitere Kosten erhalten bleiben könnte und früher oder später, wenn die Gemeinde gewachsen wäre, als zweite Kirche dienen könnte. Endlich traten bis zur Vollendung der neuen Kirche keinerlei Störungen ein.

  2. Der Bauplatz auf dem Grundstück von Schmitter. Dieser lag zu sehr zwischen Nachbargrundstücken eingeengt, und wären deshalb noch Teile von den Grundstücken von Dammer und Krichel erforderlich gewesen. Aber auch in dieser veränderten Lage war der Bauplatz als solcher nicht zu empfehlen, weil der Hauptzugang zur Kirche auf die sehr schmale, nur 7 Meter breite Marktstraße mündete und besonders, weil der in der Nähe liegende "Königs`sche Bauplatz" sich viel besser zum Kirchenbau eignete.

  3. Der Bauplatz auf dem Königs-Erbe. Für diesen Platz sprach die Nähe des alten Kirchplatzes, so dass sich bei demselben die Bewohner de Marktes in ihren Interessen nicht geschädigt glaubten. Als Nachspiel würde in ersten Linie der Kostenpunkt kommen. Es müssten außer dem genannten Hause und Garten von Königs, die Gärten der Versorgungsanstalt, von Dohmes, Heythausen und zum Teil von Dammer zu erwerben gewesen sein. Wie hoch sich dieser Bauplatz stellen würde, konnten die beiden Sachverständigen nicht übersehen. Von sachverständiger Seite wurden ohne allen Widerspruch die Kosten des Bauterrains nach Abzug des dafür (vom Eigentümer R. Königs, gest. 65 Jahre alt, 1889) bestimmten Geschenkes und nach Veräußerung des van den Berg`schen Hauses auf 67 000 bis 70 000 Mark veranschlagt; von Freunden und Gegnern des Platzes wurde diese Summe als nicht hinreichend bezeichnet. Nach dem Gutachten der Regierungs-Baumeister wäre die Kirche auf diesem Platze 146 Meter von dem Marktplatze und 22 Meter von der Steegstraße zu liegen gekommen; der Zugang vom Markte wäre an Stelle des Hauses Königs (genannt Schouten) gekommen. Als Nachteil für den Platz war zu betrachten, dass man die Kirche vom Orte aus nur zum geringsten Teile sehen konnte. Ferner würde bei dem Mangel einer Verbindung der Marktstraße mit der Steegstraße und weiterhin mit der Bahn, die nach der Kirche führende Straße bald eine sehr belebte Passage gebildet und durch das entstehende Geräusch den Gottesdienst gestört haben.

  4. Der Platz hinter dem Hause von Michels auf der Hochstraße. Um diesen Platz benutzen zu können, mussten die Häuser von Michels und Pollen gekauft werden, was sich vielleicht mit 25-30 000 Mark erreichen ließ, ebenso mussten zum Bauplatze noch 40 bis 50 Aar (ca. 2 Morgen) erworben werden. Die Nachteile dieses Platzes mit seinem schmalen Zugange, welcher noch dazu auf die Hochstraße mündete, waren so groß, dass dieser Platz zur Auswahl ernstlich gar nicht in Frage kommen konnte. Da auch die Interessenten und die Vorstände der Kirchengemeinde diesen Platz von vornherein verworfen hatten, brauchen weitere Gründe gegen und für denselben nicht angeführt zu werden.

  5. Der Platz "an der Linde". Dieser wurde gebildet aus einem Teile des Gartens von Jansen, aus dem Baumgarten des Pfarrers und aus 30 Ar (ca. 1 1/5 Morgen), welche zum Bauplatz der Kirche vom Grafen von Mirbach geschenkt worden waren. Die Vorteile desselben waren:

    1. Er kostete nur etwa 6240 Mark, da der Nutznießer des Baumgartens, der Pfarrer, gern bereit war, denselben unentgeltlich abzutreten. Nach Abzug des vom Pfarrer angebotenen Geschenkes von 6000 Mark blieben die Erwerbungskosten nur ca. 240 Mark.

    2. Die Kirche kam von Osten nach Westen zu liegen.

    3. Der Platz ist so groß, dass für die zu erbauende Kirche vor und neben der Kirche außer der Straßenbreite von 12 Metern noch ein freier Raum, an der schmalsten Stelle von 10 Meter bleibt, so dass rings herum die Kirche vollständig frei zu stehen kommt und niemals durch Häuserbauten eingeengt werden kann.

    4. Vor der Kirche kommt ein großer, freier Platz zu liegen, auf welchem 5 Straßen münden, ferner war die Anlage zweier neuer Straßen in Aussicht genommen, so dass sich die Kirchengänger nach allen Teilen der Gemeinde leicht verteilen können.

    5. Trotz der vielen Straßen, welche bei der Kirche auslaufen, ist eine Störung des Gottesdienstes schwerlich zu befürchten, weil die Hochstraße, welche ein Verkehr hauptsächlich vermittelt, fast 60 Meter von der Kirche entfernt bleibt.

    6. Möchte für die Lage die Nähe der Pfarrerwohnung und des Krankenhauses, sowie ein in der Nähe zu erbauendes Schulhaus sprechen. Gegen diesen Platz sprach nur, dass derselbe ca. 300 Meter vom alten Kirchenplatz entfernt liegt, und sich daher die Marktstraßenbewohner bei der Wahl dieses Bauplatzes geschädigt glaubten.

Betrachtet man nun die Platzfragen im Allgemeinen, so geht aus dem Vorhergesagten hervor, dass von allen Bauplätzen nur der Platz "an der Linde", und der Platz "auf Königserbe" in Frage kommen konnte, und soll das Für und Wider für beide Plätze hier nochmals gegenüber gestellt werden. Beide Bauplätze liegen, wie aus der Karte von Lobberich ersichtlich ist, ziemlich in die Mitte des Ortes. Werden die genannten 2 projektierten Straßen wirklich ausgeführt, so erscheint der Platz an der Linde noch mehr in der Mitte des Ortes als auf Königserbe. Lobberich hat überhaupt 2 Richtungen, nach welchen dasselbe bebaut wird, die eine ist die Fabrik von Niedieck und Comp. an der Breyellerstraße, und die andere ist die Bahnstraße mit der Fabrik von J.L. de Ball un. Comp. Nach beiden Richtungen ist in der neueren Zeit bedeutend gebaut worden, während die anderen Straßen, Süchtelner, Kempener und andere, bedeutend zurück geblieben sind und auch in der Folge zurückbleiben werden. Unter diesen Verhältnissen erschien der Platz "an der Linde" für die spätere Vergrößerung des Ortes geeigneter, als der Platz auf "Königserbe", wenn auch Letzterer im Augenblick mehr in der Mitte, besonders des alten Ortes zu liegen schien. Für die von den Sektionen Dyck, Flothend, Sittard, Rennekoven, Ober- und Nieder-Bocholt, Sassenfeld usw. kommenden Kirchenbesucher waren beide Plätze vollständig gleichwertig. Für den Platz "Königserbe" sprach das ebene Terrain, was bei dem Platz an der "Linde" etwas abschüssig war. Die durch das Ebnen und Anfüllen des abschüssigen Terrains entstehenden Mehrkosten waren verschwindend klein gegen die des bei "Königserbe" zu kaufenden Bauterrains und werden den Betrag von 3000 Mark wohl nicht überstiegen haben.

Nachdem der vorhin beschriebene Platz an der Linde als Baustätte fest gewählt, war endlich die "Platzfrage" gelöst. Nunmehr wurde eine Konkurrenz für das Projekt einer größeren Kirche in Lobberich ausgeschrieben. In dieser Konkurrenz errangen die Architekten Rüdell u. Odenthal in Köln, die bereits eine größere Anzahl romanischer Kirchen, welche eine Zierde des Rheinlandes bilden, erbaut hatten, mit dem Projekte einer größeren romanischen Kirche im August 1890 den Sieg. Dieses Projekt wurde im September 1890 in der permanenten Kunstausstellung von Eduard Schulte in Köln ausgestellt. Die Genehmigung dieses Bauplanes seitens der bischöflichen Behörde zu Münster erfolgte im Februar 1891, der die staatlichen Genehmigung bald folgte. Durch die Vermittlung des Mfgr. De Waal, Rektor des deutschen Campo Santo in Rom, gelang es, anfangs März 1891 einen Stein aus den Katakomben in Rom für die zu erbauende Pfarrkirche zu erhalten. Der Stein ist ein Stück von einer Grabplatte, womit die Gräber der ersten Christen in den Katakomben geschlossen wurden, derselbe ist dem Grundsteine der neuen Pfarrkirche eingefügt. Im Herbste 1890 und im Frühjahr 1891 arbeitete man eifrig an der Ebnung und Anschüttung des neuen Kirchenplatzes; durch Verfügung der königl. Regierung mussten jedoch Anfangs April 1891 die Erdarbeiten plötzlich eingestellt werden. Zum Glück wurde diese Kalimität wieder bald gehoben. Nunmehr wurde auch bald die Gesamtausführung des Kirchenneubaues ausgeschrieben, welche bis zum 10. Juni 1891 eingereicht sein mussten. Am Sonntag, den 21. Juni wurden die Offerten eröffnet. Es waren 7 Offerten für Gesamtausführung, außerdem mehrere auf Teilarbeiten eingereicht. Nach vorgenommener Prüfung betraute die Kommission am Dienstag, den 23. Juni das Baugeschäft P.H. Schmitz, Grefrath, mit der Ausführung des Kirchenbaues. Dieser Firma, welche unter Anderem vor einigen Jahren den schmucken Turm der Pfarrkirche zu Hinsbeck aufführte, ging ein guter Ruf voraus. Am Tage des hl. Heinrich, am 14. Juli 1891, legte Pfarrer Hegger den "ersten Stein zum Kirchenneubau, der nunmehr flott gefördert wurde.

Das "Amtsblatt der königl. Regierung zu Düsseldorf" publizierte anfangs August 1891 unter anderen folgende Schenkungen im ersten Halbjahre 1891: Ernst Graf von Mirbach-Harff und dessen Gattin Wilhelmine geb. Gräfin von Thun-Hohenstein zu Schloß Harff, Kreis Bergheim, sowie der katholische Pfarrer Ludwig Hegger zu Lobberich haben der katholischen Pfarrgemeinde zu Lobberich im Gemeindebezirke Lobberich gelegene Ackerparzellen zum Neubau einer Pfarrkirche geschenkt. Im Frühjahr1892 wurde der Weiterbau mächtig gefördert und hatte bereits eine beträchtliche Höhe erreicht, als die feierliche Grundsteinlegung zum Kirchenbau stattfand. Die feierliche Grundsteinlegung fand durch den hochwürdigsten Herrn Bischof von Münster, Dr. Hermann Dingelstadt, am Sonntag den 16. Mai 1892 in eigener Person statt. Der Bauplatz war prächtig geschmückt; auch wurde auf dem nunmehrigen Kirchenplatze, zwischen den bereits hohen Mauern, ein feierliches Hochamt gehalten, wozu auf der Stelle des jetzigen Hochaltares ein provisorischer Altar errichtet war und welches durch die Bruderschaften, Gesellen- und Männergesangverein, von letzterem noch durch herrliche Gesänge, verschönert wurden. Während dieses Hochamtes hielt Sr. Bischöfl. Gnaden, mit Mitra und Stab, von seinem Throne auf dem Chore aus eine Anrede an die sehr zahlreich erschienenen Pfarrangehörigen, worin er dieselben ermahnte: "Bauet, bauet weiter, - aber bauet weiter in Einigkeit." Gottes Segen ruhte auf dem Bau und war die Bautätigkeit der Jahre 1891 und 1892 eine sehr befriedigende, die im folgenden Jahre 1893 zu Ende geführt wurde. Leider sollte der Bau nicht ohne Unglücksfall vollendet werden. Im August 1892 stürzte ein Maurer aus Hinsbeck in der Höhe des Gewölbes des Mittelschiffes am Bogen des Chores im Innern der Kirche vom Gerüste und war sofort eine Leiche. Am 11. August 1893 war die Bedachung des südlichen und letzten der beiden Türme fertig gestellt; und am innern Verputz fehlte nur noch weniges, so dass schon 8 Tage vorher mit dem Flurbelag begonnen werden konnte, welcher im August vollendet wurde. Sodann wurde bereits mit dem Einsetzen mehrerer gemalten Fenster und dem Aufstellen der marmornen Altarmensa`s begonnen. Blicken wir nun zurück und lassen noch einmal im Geiste die großen und gefahrvollen Arbeiten an unserem Auge vorüberziehen, so müssen wir Gott danken, dass außer dem bereits genannten, keine weiteren Unglücksfälle vorgekommen sind. Wir wollen aber auch die Geschicklichkeit der betreffenden Arbeiter nicht unerwähnt lassen. Vor allen gebührt dem Herrn Valentin Müller aus Neuwied volle Anerkennung, denn er hat die gefahrvolle Arbeit, die Schieferdeckung der Türme, in verhältnismäßig kurzer Zeit geschafft und ohne jeden Unfall ausgeführt. Durch Dekret des hochwürdigsten Herrn Bischof Hermann, datiert von Münster den 20. September 1893, erhielt Pfarrer Hegger die kirchliche Erlaubnis, ein neues Glöcklein für die Kirche zu weihen, welche Feier an einem Sonntag-Nachmittag stattfand und welches Glöcklein bereits am Einweihungstage der Kirche seine eherne Stimme erschallen ließ. Erst einige Jahre später wurdendie beiden großen Glocken aus dem Turme der alten Pfarrkirche zur neuen überführt. - Der von der katholischen Pfarrgemeinde so lang ersehnte Tag, wo das neue Gotteshaus geweiht und seiner Bestimmung übergeben werden sollte - ein für einen Ort seltenes Ereignis einer Kirchweihe - rückte immer näher heran. Die neue Kirche - ein längst gefühltes Bedürfnis der stark angewachsenen Gemeinde - stand nun da als ein großartig schöner bau. Reich verziert in romanischem Style, tragt sie 2 schlanke Türme - und künstlich bemalte Fenster, von edlen Geschenkgebern gestiftet, erhellten bereits den domähnlichen Raum. Voll Freude über die glückliche Vollendung des herrlichen Werkes, der würdigen Wohnung des höchsten Herrn, rüstete sich die ganze Gemeinde mit rastlosem Eifer auf die erhabene Feier der Konsekration, welche am 17. Sonntag nach Pfingsten, dem Kirchweihfeste, den 15. Oktober 1893, durch den hochwürdigsten Herrn Dr. Hermann Dingelstadt, Bischof am Eingang der Kempenerstraße ; Zug zur alten Pfarrkirche und von dort zum Pastorat. Um 8 Uhr bringen die vereinigten Gesangvereine Sr. Bischöfl. Gnaden vor dem Pastorat eine Serenade. Am Sonntag Morgen, den 15. Oktober wird die Kirchweihe gegen 7 ½ Uhr beginnen. Vermutlich gegen 9 Uhr findet die feierliche Abholung der Reliquien von der Kapelle des Krankenhauses statt; dann Konsekration des Altares, und zum Schluss feierliche Hochamt mit Pontifikal-Assistenz und Te Deum. Die Abfahrt de hochw. Herrn Bischofs erfolgt Sonntag Nachmittag. Abends gegen 6 Uhr wird feierliches Complet in der neuen Pfarrkirche gehalten. Dann im Anschluss daran mit Eintritt der Dunkelheit Feuerwerk und bengalische Beleuchtung der neuen Kirche. Das Fest der Einweihung der neuen Kirche nahm trotz des wenig günstigen Wetters einen schönen Verlauf. Am Samstag Nachmittag, (den 14. Oktober), um 5 Uhr, traf der hochw. Herr Bischof von Mühlhausen und Grefrath kommend, ein, begleitet von einer stattlichen Reiterschar, in feierlicher Prozession, an deren Spitze die gesamte Schuljugend zog, von den beiden Schützenbruderschaften und dem Gesellenvereine, mit ihren Fahnen, und von einer übergroßen Menschenschar am Eingange des Ortes empfangen, und zur alten Pfarrkirche geleitet, wozu Lobberich, besonders die Straßen, die er passieren musste, und der neue Kirchenplatz, Festgewand und Schmuck angelegt hatten. Der fortwährend strömende Regen war für die feierliche Einführung, die mit schönstem kirchlichem Schmuck stattfand, sehr störend, wodurch die gewünschte Wirkung große Einbuße erlitt. An der alten Kirche wurde er in üblicher Weise empfangen. Se. Bischöflichen Gnaden erfreute nach kurzem Gebete die Gemeinde, welche das Gotteshaus füllte, mit einer Ansprache, in welcher er seine Freude ausdrückte, wieder Lobberich besuchen zu können, und erteilte diesen dann seinen bischöflichen Segen, worauf hoch derselbe sich unter feierlicher Begleitung zum Pfarrhaus begab. Gegen 8 Uhr wurde Sr. Bischöflichen Gnaden von den Lobbericher Gesangvereinen ein Ständchen gebracht, welches durch den gemischten Chor des Kirchengesangvereins eröffnet und mit einem Gesamtchore der 3 Männer-Gesang-Vereine geschlossen wurde. Nach kurzer Ansprache wurde dem hochw. Herrn ein weit schallendes Hoch ausgebracht. Die Weihefeier nahm am Sonntag Morgen, (den 15. Oktober), gegen 8 Uhr, ihren Anfang; es wurde vom Krankenhause, wo die Reliquien für die Altäre aufgestellt waren, ausgezogen, der hochw. Bischof n feierlicher Prozession, in der auch wieder die beiden Schützenbruderschaften und der Gesellenverein mit ihren Fahnen vertreten waren, vom Pfarrhause abgeholt und zum nahe gelegenen, neuen Gotteshause geführt. Große Scharen betender Gläubige umzogen trotz des ungünstigen, regnerischen Wetters den prachtvollen Bau, indeß der Akt der Weihe vollzogen wurde. Zunächst begannen die Funktionen vor der Kirdche, dann ging der Bischof mit der Geistlichkeit, und dem Chor in die Kirche, und vollzog die Weihe im Innern, bis zur feierlichen Abholung der Reliquien. Hier auf die vorgeschriebenen Gebete und Zeremonien, welche innerhalb und außerhalb des zu weihenden Gotteshauses stattfanden, genauer einzugehen, würde zu weit führen. Dann wurde die Kirche auch dem Volke geöffnet. Nach Öffnung der Türen des Tempels strömte schnell eine große Menge Andächtiger, von hier und aus der ganzen Umgegend kommend, in den weiten Raum, ein, welche dann dem feierlichen Akte und den bedeutungsvollen Zeremonien in Ehrfurcht und Andacht bis zum Schlusse beiwohnten. Das neue Gotteshaus wurde den Patronen "St Joseph und St. Sebastianus, Märtyrer" geweiht. Sodann begann das feierliche Hochamt, -- das erste hl. Opfer in der neu geweihten Kirche, -- welches Herr Pfarrer Hegger celebrierte. Demselben wohnte der hochw. Herr Bischof auf dem am Chor angebrachten Thronsessel bei, von wo aus hoch derselbe nach dem Evangelium eine kurze Predigt in recht klaren, deutlichen Worten hielt und die Gemeinde auf die Bedeutung des Gotteshauses hinwies, die in schlichtem Kleide, alle Herzen ergriff. Mögen die Mahnworte des hohen Kirchenfürsten willige Beachtung gefunden haben, dann wird das neue Gotteshaus ein Haus des Friedens, eine reiche Quelle der Gnaden sein, welche uns allen zuströmt! Ein feierliches Te Deum schloss die hehre Feier, die gewiss allen Teilnehmern unvergesslich bleiben wird. Es war gegen ¼ 1 Uhr, als der hochw. Herr Bischof nach Beendigung der Feier in festlichem Zuge zum Pastorat zurückgeleitet wurde mit großer Teilnahme der Pfarrangehörigen.

Am Nachmittag verließ der hochwürdigste Herr Bischof wieder die Gemeinde, nachdem er wiederholt seine Befriedigung über das neue Gotteshaus, sowie über die Feier ausgesprochen. Am Abend wurde vor der neuen Kirche ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt, womit die denkwürdige Feier ihren Abschluss fand. Da nunmehr die Bauperiode bis zur feierlichen Einweihung des Gotteshauses eingehend geschildert, müssen wir jetzt des Baues und seiner inneren Ausstattung ausführlich gedenken.

Von jeher ist hier am Niederrhein die kirchliche Baukunst so gepflegt worden, wie kaum in einem anderen Teile unsers Vaterlandes. Zeugnis hiervon geben die herrlichen Kirchen aus alter und neuerer Zeit, wie man sie sowohl in den Städten, wie auch in kleinen Landgemeinden findet. Vorwiegend ist aber bei den meisten Kirchen der gotische Baustil. Die in den letzten 40 Jahren vollendeten Kirchen sind fast ausschließlich in diesem Stile erbaut. Nachdem die kirchliche Baukunst in den letzten 4 Jahrzehnten so hohe Beachtung gefunden, und sich wie gesagt, die Anwendung des gotischen Stiles gewählt hatte, scheint die Stylfrage seit 15 Jahren in ein neues Stadium treten zu wollen, namentlich im rheinischen Anteile des Bistums Münster ist man in neuester Zeit dazu übergegangen, den ehrwürdigen romanischen Baustil wieder mehr zur Geltung zu bringen. Die in den letzten ca. 15 Jahren fertig gestellten größeren Kirchen, wie die St. Jakobskirche in Aachen, St. Josephskirche in Krefeld, St. Laurentiuskirche in Uedem und anderen sind mit besonderer Vorliebe im romanischen (Rundbogen-) Stile gehalten und zeichnen sich bei allem architektonischem Schmucke durch edle Einfachheit und würdevolle Schönheit im Äußeren und Inneren aus. "Es dürfte", so heißt es in der "Zeitschrift für christliche Kunst", Jahrgang 1890, Seite 379, "einmal an der Zeit sein, ein Wort für den bis jetzt ziemlich stiefmütterlich behandelten romanischen Stil einzulegen. Dass derselbe seine besonderen Schönheiten hat und speziell mit seiner majestätischen wuchtigen Ruhe im Äußern und seinem bunten Bilderschmucke im Innern so recht den Typus eines christlichen Gotteshauses zum Ausdruck bringt, wird wohl nicht leicht Jemand abstreiten können." In der Tat, die romanische Stilform, besonders die später blühende, hatte in frühren Zeiten, bei richtiger Anwendung der baulichen Gesetzte, ebenso ihre besonderen Verehrer, wie die gotische und groß ist die Zahl der Gemeinden in unserem Vaterlande, welche herrliche, in der Vorzeit aufgeführte romanische Kirchen aufzuweisen haben. Wir brauchen nur an einige Baudenkmäler in der Nähe zu erinnern, an die schöne Abteikirche zu Knechtsteden, die prächtige Abteikirche Maria-Laach und an manche andere, welche in den edlen charakteristischen Formbildungen des romanischen Stiles gehalten und meistens jüngst von fachkundiger Hand in angemessener Weise restauriert worden sind.

Daher ist nicht zu leugnen, dass bei einem etwaigen Neubaue auf eine glückliche Wahl des Stiles hoher Wert zu legen ist. Die Nähe anderer Bauwerke, selbst der in der eigenen Gemeinde vorhandenen, kann von großem Einflusse sein; es empfiehlt sich, bei darbietender Gelegenheit die Eintönigkeit der in den letzten Decennien ausschließlich in gotischem Stile neu erbauten Kirchen, wie sie unsere Nachbargegend in so großer Zahl aufweist, angenehm und würdevoll zu unterbrechen, schöne Abwechslung in die kirchlichen Bauwerke zu bringen und die Zahl derselben um ein prachtvolles Exemplar in romanischem Stile zu vermehren.

Es berührte deshalb angenehm, als man annahm, dass sich die zuständige Bauverwaltung in Lobberich bei dem Neubaue für die Anwendung des romanischen Stiles entschieden und bei bewährten Meistern einen dahin zielenden Plan bestellt hatte. Dieser Plan wurde von der geistlichen und weltlichen Behörde in allen Teilen geprüft und zur Ausführung genehmigt. Die nach diesem Plane erbaute, auf eine Seelenzahl von ca. 10 000 berechnete viertürmige Pfarrkirche zu Lobberich, die an Großartigkeit ihres Gleichen sucht, übertrifft alle romanischen Kirchen der neueren Zeit und verdient sicher, des näheren beschrieben zu werden.

Die katholische Pfarrgemeinde Lobberich hat hinsichtlich der äußeren Entwicklung welche seit dem Aufkommen der dortigen Industrie eingetreten, bald um das Dreifache zugenommen und wächst noch immer an. Dieselbe war so in die Zwangslage versetzt, einem größeren umfangreicheren Kirchenbaue näher zu treten und neben der kleinen, alten, gotischen Kirche, welche für die Altvorderer völlig ausreichte, ein neues, der stark anwachsenden Bevölkerung und den erhöhten Kultuszwecken entsprechendes Gotteshaus herzurichten. Demselben trägt das nach dem Plane der Architekten Rüdell und Odenthal in Köln ausgeführte Gotteshaus in gewünschter Weise volle Rechnung.

Es würde zu weit führen, alle Vorzüge dieses Baues einzeln zu schildern; es sei nur vergönnt, auf einige hervorragende Formen der äußeren und inneren Ausstattung flüchtig hinzuweisen. Großartig angelegt und in richtigem Verhältnisse der Länge und Höhe, mit zwei stattlichen hochragenden Türmen von je 60 Meter Höhe am Haupteingang und zwei zierlichen, flankierenden Türmchen an den Seiten des Chores geschmückt, stellt die neue Kirche sich schon im Äußeren dar als eine ebenbürtige Schwester im Kranze der vielen, schönen Kirchen des Niederrheins. Sie bekundet für ferne Zeiten ausgezeichnet befähigte Baumeister, welche in erster Linie dafür sorgten, dass ihr Werk den Eindruck des Erhabenen und Kraftvollen nicht verfehlte und dann dasselbe mit vielen sinnigen und zierlichen, streng romanischen Formen schmückten, welche dem Reichtume in den gotischen Bildungen nichts nachgeben. Diese Ornamente sollen dem Bau den Ausdruck des Massigen und Schwerfälligen benehmen und gleichsam spielend als Knospen und Blüten den kräftigen Stamm umranken. Sie zeigt ferner eine glückliche Entwicklung des romanischen Stiles; wir meinen jedoch nicht eine Entwicklung des so genannten "Übergangsstiles", der schon vielfach Spitzbogen aufweist, sondern im Sinne des eleganten romanischen Stiles. Das Schwerfällige, was sonst vielen romanischen Kirchen alter Zeit anhaftet, ist glücklich vermieden worden, ohne dass die Kirche ihren monumentalen Charakter verliert. Das erkennt man schon an den beiden Haupttürmen, deren Dachstühle nach dem Muster der St. Bernhard-(Münster-)Kirche im Roermond konstruiert sind. Die Türme selbst erheben sich auf quadratischer Grundfläche und teilen sich nur wenig verjüngt und ohne Strebefeiler, durch horizontale Gesimse und Gliederungen in 4 übereinander liegende Stockwerke. In den selben befinden sich Bogenblendungen und Bogenfriese, in den oberen Etagen reich gegliederte Arkaden- und Fenstersysteme, so dass dadurch eine wesentliche Lichtung des Mauerwerkes von unten nach oben erzielt und den Türmen eine gewisse Eleganz verliehen wird. Das Dachwerk derselben legt sich sattelförmig auf die 4 Giebel nach den 4 Kanten.

Denselben riechen Charakter des romanischen Stiles wie die Türme, trägt so dann auch das gesamte Äußere des eigentlichen Kirchenbaues, das sich dem Auge als Hauptschiff mit Querschiff in gleicher Dachhöhe, samt 2 Seitenschiffen und je einer Erweiterung des Seitenschiffes und Anbauten von 2 geräumigen Sakristeien darstellt. Die beiden Seiten des Kreuzschiffes schließen sich rechtwinkelig an und gewähren durch ein Portal und darüber angebrachtes großes Rundfenster nebst Friesen und Nischen eine anmutige und reich ausgebildete Gliederung. Ebenso die Chorpartieen; dieselben bestehen aus einer größeren, im Halbkreis konstruierten Absis, an welche sich zwei kleinere, ebenfalls, im Halbkreis konstruierte Absiden anlehnen. In die letzteren sind 2 schlanke Türmchen mit achteckiger Verjüngung eingeschoben, welche im Verein mit den hochragenden Haupttürmen dem Ganzen reiche Entfaltung und Abwechslung bieten. Eine gleiche schmuckvolle Behandlung ist der Giebelfassade zwischen den beiden Haupttürmen, an welcher oben die Uhr angebracht ist, zu Teil geworden. Unten, zu ebener Erde, stellt sich unserem Blicke ein stattliches Portal vor, gebildet aus je 4 Rundsäulen von mäßiger Höhe mit schön gearbeiteten Kapitälen und geschmückt mit rundbogigen Stäben. Dieses Portal ist als großes Hauptportal auf das fleißigste in seinem steinernen Maßwerk behandelt - außer demselben gibt es noch 6 Eingänge und 2 Sakristeitüren - und über dem Hauptportal erhebt sich, im dreieckigen Hauptgiebel, ein mächtiges Rundfenster, Fensterrose genannt, welches das Licht für das mittlere Langschiff und die Orgelbühne in reicher Fülle einströmen lässt.

Das Innere des Kirchengebäudes steht den im Vorhergehenden besprochenen äußeren Partieen an Reichtum der Verzierungen nicht bedeutend nach. An mannigfaltigen, dem romanischen Stile entsprechenden Ornamenten, an Säulen und Diensten, an Friesen und Gesimsen, fehlt es nicht. Tritt man in die Kirche hinein, so empfängt man gleich einen überraschend günstigen Eindruck. Sogleich fallen uns die schwarz polierten Säulen und Pfeiler in die Augen. Dieselben sind aus Granit und deshalb von nicht großem Umfange; das hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass man auch von den Seitenschiffen einen Ausblick auf den Altar erhält, was bei den altromanischen und gotischen Kirchen sonst vielfach nicht der Fall ist. Für den Gottesdienst ist das von großem Werte. Zur Fortsetzung der herrlichen Säulen und Pfeiler haben die Rippen des Gewölbes einen schwarz-grauen Anstrich erhalten. Die Wandflächen des Hauptschiffes sind durch kleine Galerien mit Säulchen verziert. Durch alles dieses ist jede Einförmigkeit, woran romanische Kirchen mitunter wohl leiden, auf`s Beste vermieden worden. Es liegt allerdings im Wesen des romanischen Stiles, im Innern das Hochanstrebende des Gotischen mit der Horizontallinie, die hohen Spitzbogengewölbe durch das Rundbogengewölbe zu vertauschen, und so mehr große und glatte Mauerflächen zu schaffen, auf welchen sich später der Schmuck der Wandmalerei in erbaulichem Sinne entfalten kann. Statt der Öde, welche die Wände mancher Kirchen zur Schau tragen, will die romanische Bauart, wie es in ihrer früheren Blütezeit der Fall war, besonders das Innere der Kirche im glänzenden Gewande einer reichen polygromatischen Bemalung ausstatten. Es bedarf dann nur eines Anblickes der Ornamente und Symbole, wie einzelner Figuren und ganzer Gruppen, und ein Gefühl der frommen Befriedigung wird erregt, der Geist der Andacht erweckt, und das Herz mächtig zum Himmel emporgezogen.

Allerdings hat es mit der angedeuteten, farbigen Ausstattung der Lobbericher Kirche noch gute Wege. Doch ist dieselbe angebahnt, und schon jetzt beim Eintritt zeigen sich einfache und würdige Bauformen, reicher sich gestaltend im Querschiff und im Chore. Es scheint hier mehr Wert auf die Gesamtwirkung, als auf viele und reiche Details gelegt zu sein. Mit hohem Genusse schaut das Auge an den hohen Kreuzgewölben der 3 Schiffe entlang bis zu den halbrund entwickelten Chorabschlüssen, man empfängt einen überwältigenden Totaleindruck, und fühlt sich sogleich in einem christlichen Gotteshause. Die Kirche hat vom Turme bis zur Chorwand eine Länge von 50 Meter, bis zur Kommunionbank 36 Meter; im Mittelschiffe eine Breite von 29,94 Meter und im Kreuzschiffe 31 Meter, also nach Abzug der Feiler einen Laienraum von zirka 90 Quadratmetern. Hinsichtlich der Größe wird dieselbe zu den mittelgroßen Kirchenbauten gehören, und für die große Gemeinde hinreichend Platz bieten. Sie hat im Mittelschiffe eine Höhe, von 20 Meter, und gewährt den schätzbaren Vorteil, dass sie nur mit verhältnismäßig wenigen Pfeilern - zwischen 2 größeren ist 1 dünner - bedacht ist, so dass sie überall recht durchsichtig und der Priester am Altar allen leicht sichtbar sein wird. Die beiden Seitenschiffe sind nur 10 Meter hoch und werden dadurch sicher zur Erzielung einer guten Akustik Vieles beitragen. Die drei wuchtigen Radfenster in den Giebeln, die hohen Doppelfenster im Mittelschiffe, wie auch die zierlich gebildeten Arkadenfenster in den Seitenschiffen erhellen in Gemeinschaft mit den 5 Fenstern im Hauptchore genügend das große Gebäude. Sehr vorteilhaft ist in dem unteren Teil, dem Erdgeschoß des linken (südlichen) Hauptturmes die Taufkapelle eingerichtet worden, während an der anderen Seite, in der rechten (nördlichen) Turmhalle ein offenes Oratorium - eine zu jeder Zeit für den einzelnen Andächtigen offen stehende Betkapelle - mit nach der Kirche hin geschlossenem Gitterwerk geschaffen wird. Zwischen beiden Türmen resp. Kapellen ist in der ganzen Breite des Mittelschiffes (des zwischen den Türmen stehenden Giebels) auf der Etage über dem Haupteingange ein großer und umfangreicher Platz als Bühne für Orgel und Sänger gewonnen, wie er höchst selten in so passender Weise zu finden ist. Die Orgelbühne ist so groß, dass sie allen Bedürfnissen genügt und die Orgel, zu der schon ein bedeutender Teil gesammelt ist, in zwei Teilen aufgestellt werden kann, so, dass die Sänger den Altar sehen können. Das Gebläse wird in einem besonderen Raume neben der Orgel untergebracht. Zur Orgelbühne führt eine steinerne Wendeltreppe, so dass kein starkes Geräusch weder die Besucher der Kirche, noch die Sänger stört. Das Rundfenster des Giebels auf der Orgelbühne bleibt in der ganzen Kirch sichtbar. Schließlich sei noch bemerkt, dass in Bezug auf die Ausführung die romanischen Kirchen den gotischen gegenüber den Vorzug der Billigkeit haben.

Bevor wir auf die herrlichen gemalten Fenster der Kirche, die jetzt alle vollendet sind, näher eingehen, müssen wir der bisher erfolgten inneren Ausstattung auch noch in Kürze gedenken. Bereits vor Einweihung der Kirche (15. Oktober 1893) waren eine provisorische alte Orgel, die zur Zeit noch vorhanden, vom Orgelbauer Tibus in Rheinberg aufgestellt, die 3 Mittelfenster des Chores, geschenkt von Geschw. Bongartz, und die beiden großen Rundbogenfenster der Querschiffe, im nördlichen geschenkt vom Gesellenverein, im südlichen geschenkt von den Erben von Nikolaus und Wilhelm Königs, eingesetzt, diesem folgte bald die Anlage von Gasbeleuchtung und Luftheizung; außer dem Hochaltare, der noch seiner Ausführung harret, wurden die 2 größeren und die 2 kleineren Altäre ausgestattet, neue Bänke, 4 neue Beichtstühle und eine neue Kommunionbank aus Marmor angeschafft; zudem wurden bis jetzt sämtliche gemalten Fenster, große und kleinere, von bekannten und nicht genannt sein wollenden Schenkgebern - worunter eines der Dienstmädchen, ein kleineres von einem Arbeiter und das Gegenstück von einer Arbeiterin - geschenkt. Andere Geschenke erfolgten bei Gelegenheit des silbernen Amtsjubiläums des Herrn Hegger, als Pfarrer von Lobberich im Herbste 1892. Bei dieser Gelegenheit schenkten u. a. der "Paramentenverein" einen schönen Chormantel, andere verschiedene Pallen, die Lehrer und Lehrerinnen eine prachtvolle Stola in Goldbrokat nach alten Kölner Mustern, in der Fabrik des Herrn Gotzes in Krefeld angefertigt; und ein kostbares, romanisches Altarkreuz für den Hochaltar der neuen Pfarrkirche, geschenkt von den Fabrikarbeiterinnen Lobberich`s; dasselbe verdient, des Näheren beschrieben zu werden. Das prachtvolle Kreuz wurde in der Werkstatt der Gebrüder Bausch zu Kevelaer nach einem alten, in der alten Pfarrkirche durch Pfarrer Hegger aufgefundenem Muster angefertigt. Das alte Kreuz war bis dahin wenig beachtet worden und diente als Vortragkreuz bei Beerdigungen von Kinderleichen. Nachdem es von der aufgestrichenen Farbe gereinigt, zeigten sich Reste von Vergoldung und eine sorgfältige Gravur mit wertvollen Email-Einlagen. Der bekannte Kunstkenner, Kanonikus Dr. Bock aus Aachen war der Ansicht, es stamme aus der Kölner Schule und sei um das Jahr 1180 von dem Meister des St. Heribertschreines in Deutz verfertigt. Das neue Kreuz ist eine genaue Nachbildung des alten; in dem Email finden wir genau dieselben edlen Farbtöne. Weiß, grau, blau, grün, gelb, rot in goldener Umrahmung geben hier eine wunderbar schöne Harmonie der Farbenwirkung. An der Vorderseite sehen wir die Hand des Vaters, welche auf den sich opfernden Sohn hinweist, daneben eine bildliche Darstellung der Sonne und des Mondes, zur Rechten und zur Linken ein Bild der Muttergottes und des kl. Johannes; auf der Rückseite die 4 Zeichen der Evangelisten, welche das Lamm Gottes in der Mitte umgeben. Das prachtvolle, für den Hochaltar der neuen Kirche bestimmte Kreuz gereicht dem Meister, wegen der kunstgerechten Arbeit, zur Ehre, - mehr jedoch den braven Jungfrauen, welche es geschenkt; sie verdienen deshalb auch für spätere Zeiten die kurze Erwähnung in der Inschrift des Kreuzes, welche zu deutsch lautet: "Dem Hochw. H. Jubilarpfarrer Hegger widmen dies die Fabrikarbeiterinnen von Lobberich 1892". Dasselbe traf Ende 1892 ein und war am Dreikönigsfeste 1892 ausgestellt. Ferner stifteten die Verwandten des Jubilars ein Fenster mit dem Bilde des hl. Ludwig, dem Namenspatrone des hochw. Jubilars, zu Andenken an diesen Tag. Es bleibt uns jetzt noch eine nähere Beschreibung der Glasgemälde der neuen Pfarrkirche. Die sämtlichen Fenster der Kirche sind alle von dem Maler Friedrich Stummel in Kevelaer entworfen und von Glasmalermeister Wilhelm Derir in Goch in dessen Kunstwerkstatt hergestellt worden. Die 5 Fenster im hohen Chore stellen Ereignisse aus dem Leben der hl. Familie dar, die ein jeder sich leicht deuten kann und sind gewählt worden zur Erinnerung an die Bruderschaft der heil. Familie, welche im Jahre 1890 errichtet wurde. Sie bilden einen Zyklus von 10 Darstellungen aus dem Leben des hl. Joseph, je 2 geschickt in 5 Fenstern übereinander ausgeführt. Im ersten Fenster erblicken wir die Verkündigung und Heimsuchung Mariä; im zweiten die Geburt Christi und die Anbetung der hl. 3 Könige; im dritten, gerade über dem Hochaltare, die Aufopferung im Tempel, (also jenen Moment, in welchem Jesus zum ersten Male im Tempel erscheint und sich aufopfert, hinweisend auf das täglich auf dem Altare statthabende Opfer Christi in der hl. Messe) und die Aufforderung zur Flucht nach Ägypten durch den Engel; im vierten: die hl. Familie auf der Flucht nach Ägypten und Wiederfinden des lehrenden Jesusknaben im Tempel; im fünften und letzten: die hl. Familie zu Nazareth und der Tod des hl. Joseph. Sämtliche Bilder sind in äußerst sauberer, peinlicher Durchführung des streng romanischen Charakters, welcher einen tieferen Farbenton erfordert, auf so genanntem Kathedralglas, welches angenehme Brechung des Lichts bewirkt, fertig gestellt worden und ist das Durchstrahlen des nötigen Lichtes in vollkommen befriedigender Weise gewahrt. Über jeder einzelnen Gruppe erhebt sich ein stylgemäßer Baldachin mit Zierblumen und architektonischen Formen, wie es dem romanischen Stile eigen ist. Die Figuren sind edel gehalten und treten klar hervor; die Gewandungen sind in Farben von großer Tiefe und Wärme sorgfältig ausgeführt und das Ganze zu noch größerer Belebung, mit reicher, farbiger Einfassung umrahmt. Trotz der kräftigen Farben herrscht eine einheitliche Stimmung und im ganzen Chor keine zu schwer drückende, schwache Beleuchtung, wie es leider bei neuen Kirchenfenstern so oft geschieht, sondern dem Auge eines jeden Zuschauers eine genügend helle, entzückende Harmonie des Lichtes. Die Fenster 2, 3 und 4 sind vom Geschwisterpaar Bongartz geschenkt und Anfang September 1893 eingesetzt worden. Die Fenster 1 und 5 wurden von zwei nicht genannt sein wollenden gestiftet und im Herbste 1895 eingesetzt.

Nicht minder anerkennenswert und wirksam sind die Glasgemälde, welche über den beiden Portalen des Kreuzschiffes, in den großen, kreisförmigen Fenstern angebracht sind und welche ebenfalls, wie alle andern, von denselben Meistern gezeichnet und gemalt sind. Diese Prachtfenster heißen auch wohl "Marienrose", "Katharienrad" und "Rundfenster", und sind meistens sehr zierlich mit Farben und Figuren geschmückt. So auch hier. Die südliche Rose enthält in sinnreicher Zusammenstellung folgende figürliche Darstellungen: in der Mitte in einem Rundbogen den hl. Sebastianus, den ersten Patron der Pfarrgemeinde, umgeben von 8 Landesheiligen, die in näherer oder entfernterer Beziehung mit Lobberich gestanden haben oder noch stehen, nämlich: Bonifacius, Suitbertus und Norbertus, sämtlich in Medaillonform und mit ihren kirchlich traditionellen Attributen versehen. Dieses Rundfenster wurde Anfangs Oktober 1893 eingesetzt und von den Erben der verstorbenen Gebrüder Nikolaus und Wilhelm Königs gestiftet.

Gegenüber befindet sich die Fensterrose des nördlichen Kreuzschiffes. Auch dieses zeigt, wie das südliche und das der Orgelbühne, ein reiches Farbenspiel, wenn auch nicht die dunklen Farbtöne wie die Chorfenster. Der Künstler musste bei diesen Fenstern dem praktischen Bedürfnisse des nötigen Lichtes Rechnung tragen, bei diesem Fenster um so mehr, weil es im nördlichen Kreuzschiffe liegt. Die großen Rosen sind die Hauptlichtbringer für die Kirche, deshalb sind sie, wie auch die vier großen Fenster der Seitenschiffe, so hell verglast. Die Anordnung der Figuren ist ebenfalls eine sehr sinnreiche. Wir sehen den hl. Nährvater Joseph, den Patron des Gesellenvereins und der Arbeit, umgeben von den verschiedenen Handwerkspatronen, in Medaillonform, soweit Raum dafür vorhanden war. Oben in der Mitte steht: 1. der hl. Nikolaus, der Patron der Bäcker, rechts von demselben (vom Zuschauer aus gerechnet) 2. die hl. Gertrudis, die Patronin der Gärtner und Ackersleute; 3. der hl. Paulus, der Patron der Weber, er war bekanntlich ein Zeltweber. Auf diesen folgt 4. der hl. Bartholomäus; es wurde diesem Heiligen bei seinem Martyrium die Haut abgezogen, weshalb er Patron der Gerber und Fleischer genannt wird; 5. sehen wir den hl. Crispinus, den bekannten Patron der Schuhmacherzunft; 6. den hl. Lukas, welchen die Maler, Glaser und Anstreicher als den ihrigen in Ehren halten; 7. den hl. Johannes den Täufer, der sein Gewand von Kamelhaaren, der Tradition zufolge, selbst verfertigt hat, weshalb er Patron der Schneider ist; er wird zudem als Patron der Maurer, der Sänger und Musiker verehrt. Zur Linken des hl. Nikolaus finden wir dann noch 8. den hl. Eligius, den Patron der Schmiede und Sattler. Mit den verschiedenen Symbolen der Arbeit geschmückt, umgeben sie in schönem Kranze den heiligen Joseph, dem sie wegen seiner hohen Würde den Vorrang lassen, daher sein Bild auch in besonderem Strahlenglanze in der Mitte leuchtet. Den Künstlern gereicht die kunstvolle Darstellung dieses Ende Sept. 1893 eingesetzten Fensters zur größten Empfehlung. Vor allem aber verdient hervorgehoben zu werden, dass der Gesellenverein von Lobberich sich in diesem Prachtfenster ein Ehrendenkmal für ferne Zeiten gesetzt hat; denn durch die Opferwilligkeit seiner Mitglieder und Ehrenmitglieder wurde die Ausführung dieses herrlichen Kunstwerkes zur Ehre Gottes ermöglicht. Es war am Fronleichnamsfeste des Jahres 1883, als unter dem früheren geistlichen Präses, Herrn Rektor Pickers, dem Gründer des hiesigen Gesellenvereins im Jahre 1865, zur Zeit Pfarrer in Alpen, der Beschluss gefasst wurde, Beiträge für ein Kirchenfenster zu sammeln. 7 Jahre hindurch haben die Mitglieder und Ehrenmitglieder monatlich 5 Pfg. für diesen schönen Zweck beigetragen. Diese kleinen Beiträge wuchsen zu einer Summe an, welche die Kosten des Fensters deckten. Möge die Mit- und Nachwelt durch den Anblick des schönen Fensters angeregt werden, gleichen opfermutigen Sinn in der Gemeinde zu erhalten und zu betätigen.

Das dritte Rundfenster in dem Ostgiebel, zwischen den beiden Haupttürmen auf der in dem Ostgiebel, zwischen den beiden Haupttürmen auf der Orgelbühne, enthält die Patrone der Musik und des Gesanges in Medaillonform. In der Mitte befindet sich das Bild der hl. Cäcilia mit ihrem Attribut, umgeben von den Heiligen: David, Augustinus, Ambrosius, Gregorius, Leo, Notker, Philippus Neri und Jeremias. Dieses Fenster wurde von einem nicht genannt sein wollenden gestiftet und vor einigen Jahren eingesetzt. In den unteren Teilen der Seitenschiffe finden sich 4 große Fenster, welche Momente darstellen aus dem Leben des hl. Sebastianus, des hl. Antonius, der hl. Elisabeth von Thüringen, Patronin aller, welche Barmherzigkeit üben, und der hl. Brigida von Schottland, deren Verehrung schon vor 1 000 Jahren von dem hl. Willibrordus in unserer Gegend eingeführt worden ist, als Fürbitterin gegen Viehseuche. Diese 4 Fenster, den genannten vier Heiligen gewidmet, wurden ebenfalls vor mehreren Jahren eingesetzt. Ihre Stifter wollen ebenfalls ungenannt sein; teilweise haben auch mehrere eines dieser Fenster gestiftet. Im Quer- oder Kreuzschiffe befinden sich 6 kleinere Fenster, in welchen dargestellt sind 1. im nördlichen Teile: der hl. Heinrich, Kaiser, Geschenk der Familie Bäumges, 1895; 2. im südlichen Teile: die hl. Elisabeth, dem Andenken seiner Mutter deren Namenspatronin gestiftet vom Pfarrer Hegger; die hl. Rothburga, geschenkt von den Dienstmädchen Lobberichs; und der hl. Ludwig, dem Herrn Pfarrer Hegger zur Ehre seines Namenspatrons, bei Gelegenheit seines 25jähr. Jubiläums als Pfarrer zu Lobberich, i. J. 1892, geschenkt von den Verwandten des Pfarrjubilars. Über den Türen sind angebracht: die Sinnbilder der Taufe (Taufkapelle) und der Buße (Betkapelle), der hl. Wilhelmus, Geschenk des früheren Kaplans Wilh. Anderhenden, zur Zeit Pfarrer in Nieukerk; Friederikus, Geschenk des früheren geistlichen Schulrektors Friedrich Franzen, zur Zeit Pfarrer in Nütterden; die Erscheinung Gottes, wie er dem Moses im brennenden Dornbusche erscheint und ihm den Auftrag zur Rettung des israelitischen Volkes erteilt, Geschenk eines Arbeiters; und wie Gott später dem Moses die 10 Gebote auf steinernen Tafeln überreicht; Geschenk einer Arbeiterin.

Über dem Hauptportale des Mittelschiffes thront im Fenster der Weltheiland in majestätischer Gestalt, wie er das christliche Volk segnet, lehrt und zum Himmel weist. Zu seinen Füßen steht rechts die hl. Katharina, links der hl. Erzengel Michael und das Datum 1872 - 1897. Obwohl die Schenkgeber ungenannt sein wollen, kann man aus den Daten und Heiligenfiguren entnehmen, dass es ein Geschenk bei Gelegenheit einer silbernen Hochzeit ist.

Sämtliche eben genannte Glasfenster sind im vollen Sinne des Wortes Kunstwerke und machen sowohl demjenigen, der die Zeichnungen zu denselben entworfen, als auch demjenigen, der sie auf Glas ausgeführt hat, alle Ehre. Wir müssen gestehen, diese Arbeiten bezeugen in der Behandlung der Köpfe und des stilistischen Beiwerkes seines Verständnis und beste Schulung; wir finden in der Berechnung der Höhe und Entfernung der Fenster vom Zuschauer das richtige Verhältnis, so dass die Bilder in ihrer Farbe mit großer Klarheit und Wärme hervortreten, Auge und Herz erquicken und fern von aller seelenlosen Affekthascherei, nachhaltige pietätvolle Stimmung erwecken.

Den hochherzigen Stiftern der Fenster gereicht es zu großer Ehre, in so hervorragender Weise zur würdigen Ausstattung des neuen Gotteshauses, zu Gottes Ehre und der Gläubigen Andacht beigetragen zu haben. Bis in spätere Jahrhunderte wird man die Namen der Bekannten in dankbarer Gesinnung nennen und ihres Edelmutes gedenken; denn solche Botivfenster währen über Jahrhunderte hinaus und geben fortwährend erhebendes Zeugnis von dankbarer und tiefgläubiger Gesinnung.

Eine neue Gelegenheit zur Verschönerung des Gotteshauses und des Gottesdienstes bot die Feier des 50jährigen Priesterjubiläums des hochw. Herrn Pfarrers Hegger am 14. Juni 1901, da dieser für sich persönlich alle Geschenke verbeten hatte. War demselben beim 25jährigen Amtsjubiläum als Pfarrer Lobberich`s, im Herbste 1892, schon manches schöne Stück zur Ausschmückung der neuen Kirche geschenkt, so sollten diese jetzt ihren Höhepunkt erreichen. Fast alle Stände und Vereine wetteiferten, irgend ein passendes und schönes Geschenk zum goldenen Jubelfeste, welches hier am 19. Juni festlich gefeiert wurde, durch ihre Vertreter am Vorabende zu überreichen. Zu ihrer großen Ehre muß es bemerkt werden, dass unter den vielen schönen und sinnigen Geschenken, worunter Duplikate vermieden waren, wiederum die Fabrikarbeiterinnen, sowie auch die Fabrikarbeiter, nicht fehlten, die durch ihre Vertreter passende Geschenke überreichen ließen. Es wurden u. a. geschenkt: 2 Missalen, 2 Missalenpulte, Messgewänder. Unter allen diesen Geschenken verdient das des "Vereins christl. Mütter" besonders erwähnt zu werden. Dasselbe bestand aus einer silbernen, innen vergoldeten Taufschüssel, nebst dazu gehöriger siberner innen vergoldeter Wasserkanne, und den 2 Pollen, ebenfalls silber-vergoldet, in feinster Arbeit und Ausschmückung.

Zum Schlusse muss auch noch der Geschenke Erwähnung getan werden, welche die dankbare Pfarrgemeinde Lobberich ihrem verehrten Herrn Pfarrer Hegger zu seinem goldenen Priester-Jubiläum gewidmet. Es sind Geschenke, würdig der Feier, die mit einem Kostenaufwande von ca. 8 000 Mark beschafft wurden; wir meinen nämlich das schöne Ciborium und die prachtvolle Kanzel der neuen Pfarrkirche.

Das Ciborium nebst Deckel ist von Silber, innen und außen stark vergoldet und von feinster Arbeit und Ausführung; am Fuße ist die Widmung angebracht. Dasselbe wurde am Vorabende überreicht.

Die Kanzel nebst Treppe ist vollständig aus verschiedenfarbigem Marmor hergestellt, stand am Jubelfesttage (19. Juni 1901) vollendet an ihrem bestimmten Platze, und wurde an diesem Tage zuerst in Benutzung genommen. Nachdem Pfarrer Anderheyden von Nieukerk, früher erster Kaplan hierselbst, von derselben aus Namens der Pfarrgemeinde dieselbe als Geschenk dem Pfarr-Jubilar gewidmet hatte, bestieg dieser selbst die Kanzel, um der Pfarrgemeinde seinen tief gefühlten Dank für das herrliche Geschenk auszusprechen. Die Kanzel ist hochelegant in romanischem Stile ausgeführt und präsentiert sich dem Auge des Beschauers als ein ganz hervorragendes Meisterwerk der Kunstarbeit. Der Marmor, der dem Ganzen ein besonders schönes Aussehen verleiht, wurde von der Firma Comuth in Venlo geliefert; ebenfalls wurde von dieser Firma die sehr kunstvolle Bearbeitung des ganzen Werkes ausgeführt. Unten im Fuße, der aus 4 Säulchen besteht, ist zwischen diesen, auf einer schwarzen Marmortafel die vergoldete Widmung angebracht. Der Schalldeckel, von Gebrüder von Breemen in Kevelaer geliefert, ist aus Eichenholz angefertigt und reich mit Ornamenten verziert; in der Mitte befindet sich das Symbol des hl. Geistes.

Auch Se. Majestät der Kaiser ehre den Jubilar-Priestergreis, indem er denselben an seinem Jubeltage zum Ritter des Roten Adler-Ordens ernannte.

Möge vom neuen Gotteshause, dieser Stätte aller Gnaden, ein Strahl des göttlichen Segens über die ganze Pfarrgemeinde Lobberich kommen, damit der innere Friede die Herzen aller erfülle und sie vereine im Dank und zum Lobe des Herrn; möge es als ein hohes Kleinod der Gemeinde und der Baukunst den kommenden Geschlechtern das strahlende Zeugnis ablegen, dass das jetzt lebende eifrig und opferwillig die Zierde des Hauses des Herrn geliebt habe.

Das walte Gott!


weiter: Kapitel 20. Die Pfarrer

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