Fünfzehntes Kapitel: Die Adelssitze Lobberich's

Die Burg Bocholtz mit dem dazu gehörigen Ackerhofe, eine Viertelstunde von Lobberich, gehörte bis zum zehnten Jahrhunderte zu dem Erzstifte Köln, wurde dann mit dem Kirchspiele Lobberich, Venlo und Tegelen vom Erzbischofe Evergerus gegen die Kirchen Gladbach und Rheydt an das Bistum Lüttich abgetreten. Die Landeshoheit hatte das spätere Herzogtum Geldern. Nach dem Erlöschen der geldernschen Herzöge fiel sie 1543 auf Spanien und 1703 resp. 1713 auf Preußen, sodann 1794-1814 zeitweilig an Frankreich und seit 1814 endgültig an Preußen. Unter französischer Herrschaft gehörten diese und die nachgenannten Adelssitze,sowie das Dorf Lobberich zum Departement Roer, Arrondissement Cleve, Kanton Wankum, jetzt im Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Kempen, Landgericht Cleve, Amtsgericht und Bürgermeisterei Lobberich. Die Burg Bocholtz wurde stets bis zur französischen Okkupation, zu den Rittersitzen des Oberquartiers von Gelderland gezählt und war bis 1871 in die Ritterrolle der landtagsfähigen Güter (Rittergut) des Kreises Kempen eingetragen. Im Jahre 1871 zersplittert und verkauft, verlor sie ihre Qualität als Rittergut. Von den älteren Teilen der ehemaligen "Burg Bocholtz", dem Stammschlosse der einstigen Dynasten, späteren Freiherren und jetzigen Grafen von Bocholtz ist leider nicht viel mehr erhalten. Von der Burg steht nur noch das "Burgthor", massiv in Quadern gebaut, von vier Wachttürmchen flankiert und innen mit zwei Kreuzgewölben versehen; dasselbe scheint in der Mitte des 15. Jahrhunderts (1450 bis 1470) erbaut zu sein. In seinem Erdgeschosse befindet sich eine Kapelle und in der nördlichen Umfassungsmauer befinden sich in 1 Meter Höhe drei Schießscharten mit Haustein-Einfassung und der zirka 60 Fuß (genau 21 Meter 5 Zentimeter) hohe Wartturm, auch "Kaiserturm" genannten, der sich am eigentlichen Burghause befand. Derselbe ist ein Backsteinbau des 14. Jahrhunderts (1300-1400), in vier Stockwerken, (an einer Seite abgerissen), zu denen ein nur von oben zugängliches Kellergewölbe kommt. Derselbe hat 7 Meter 4 Zentimeter Seitenlänge; die Mauerstärke beträgt im unteren Geschosse 2 Meter. Das erste Stockwerk erhielt ebenfalls eine Kapelle, deren Gewölbe noch zum größten Teile erhalten ist. Die eigentliche Burg ist seit länger als 150 Jahre zerstört. als die Burg noch in ihrem vollen Stande war, bestand sie aus einem fast gleichseitigen Vierecke, welches aus Gebäuden gebildet war. An den 4 Ecken standen Türme, von denen drei rund und einer, der südöstliche, der vorhin genannte Kaiserturm, viereckig war. An diesem war an der westlichen Seite das Einlaßthor zur eigentlichen Burg, an welches weiter, in derselben Flucht, das herrschaftliche Wohnhaus grenzte. Die Burg war von einem Graben umgeben; etwas weiter war wiederum ein Graben, der von einem mit Holz bewachsenen Walle, der nebst dem äußeren (zweiten) Graben zu den beiden Seiten daran anschloß, lag das "Burgthor" oder die "Vorburg", die vorhin erwähnt ist und ebenfalls noch erhalten ist. Die Umwallung und der äußere Graben sind auf der West- und Südseite noch ziemlich vollständig erhalten resp. gut nachweislich und lassen sich auch an den beiden anderen Seiten noch gut in ihrem vollen Umkreise nachweisen. So ist die Burg auch auf der Karte abgebildet, die Goeurdt (Gört-Gottfried) Heutmacher, Landmesser in Dülken, am 10. Januar 1646 lieferte. An die genannte Vorburg schließen sich heute die Oekonomiegebäude und das Wohnhaus des Besitzers an, während die Stelle der eigentlichen Burg und ihres Grabens jetzt eine Wiese, hinter der Besitzung gelegen, bildet, in der als Mahnzeichen für Jahrhunderte die Ruine des "Kaisturmes" steht.

Bocholtz wird urkundlich zum ersten Male im Jahre 1096 erwähnt und befand sich in der Umgebung Ober- und Niederbocholtz im Besitz der Familie von Bocholtz. (Im Jahre 1862 hatte die Burg Bocholtz 2 Wohnhäuser, 4 landwirtschaftliche Gebäude und 16 Einwohner; Oberbocholtz 9 -Wohnhäuser, 16 landwirtschl. Gebäude und 70 Einwohner; Niederbocholtz 9 Wohnhäuser, 16 landwirtschl. Gebäude und 72 Einwohner u. der Weiler in Vierhöfe, 4 Wohnhäuser, 8 landwirtschl. Gebäude und 37 Einwohner.) Auch gehörten ehedem noch mehrere andere Güter, die wir noch finden werden, zum Hause Bocholtz. Die Gründung der Burg wird mit Wahrscheinlichkeit mit dem Baue der "Karlsstraße" von Aachen und Nimwegen in Verbindung gebracht, einer römischen Heerstraße, die von Sandte bei Stralen über Herongen, Krickenbeck und Hinsbeck nach Dülken führte und deren Spuren in einer Entfernung von 450 Meter nördöstlich von der Burg noch nachweislich sind.(Clemen). Nach dem Lehensbuche im Archive zu Arnheim waren vom Jahre 1326-1556 mit der Burg Bocholtz ? belehnt: Mit dem "hoff to Bocholt to Lobbroich Godert van Bochout 1326". "Johann van Boickholt" empfing das "huys tot Boickholt" mit seinem Zubehör, den "hoff tot Breuckel"(Lobberich), das Haus zu Wylre mit seinem Zubehör, den "hoff tot Lobborick (Ingenhoven) mit seinem Zubehör, das "penninckgelt gewinn und gewerft" im Kerspel van lobbroick und den "hoff tot genen Broicken" (Brockerhof) mit seinem Zubehör, im "Kerspel von lobbrick" mit 5 marxleen zu verheergeweden anno:1398; Mann von Leen waren Elert van Eyl und Ant Vinck. Der "olde" empfing das "Haus zu Boicholt" mit allem seinem Zubehör,den "hoff tot Lobbroeck", den "hoff tot Broecke" mit ihren Zubehören, das "gewinn, gewerft und penninckgelt" in dem Kerspelvon Lobbroick, das "Haus zu Wylre" (Swalmen) mit seinem Zubehör, einen "hoff tot Kaldenkircken", "so verre dat en gelders leen ist", goeden Hoppenbrouwers gut mit Zubehör, gelegen zu Swalmen, alles zu einem "pondigen leensrechte Ao.:1424. Willem van Boickholt, das "olden Johanns soon", Erbe seines Bruders Johann, empfing das Haus zu Bocholt mit seinem Zubehör, mannen und laeten Ao.:1439 (1444 wird Haus Bocholtz "Were"genannt.). Johann van Boickholt, Erbe seines Vaters Willem ao:1455 zu gelderschen Rechten; item das "huys to Boickholt" mit all seinem Zubehör so: 1465 Alyte (Adelheit= und Guetgen van Boickholt, Erben ihres Bruders Johann ao: 1470. Johann von Heymbach, Alyden soon und Willem van Holt, Guetgens, konsentreren dat Gadert Ketsken hulder sy. Egbert an Boichholt, Erbe seines Vaters Johann, 15 Okt. 1473, hierzu gehören "121 kleyne Mergen artlands daer omtrent gelegen syn, sie moder Katrein bocholt tucht." Werner Hont van den Bosch is syn momber en hulder. Gadert Ketzken erneut den Eid und transportirt auf seinen Sohn, den jungen Gadert Kezken, gelobend solches seinen ältesten Sohn Willem belehnen zu thun anno 1481. Joachim van Boickholt, Erbe seines Vaters Elbert, empfing das Haus zu Boickholt mit allen seinen "rechten und zubehör, gewin, gewerf, daß "penninckgelt" tot lobbroick", 120 kleine Morgen Erdland, unmittelbar um das Haus und in dem Kirchspiel gelegen, mit dem Holzgewächs, heyden und weyden, die dazu gehören, zu gelderschen Rechten, den 20. März 1536.(1486 Haus und Hof zu Bocholt genannt) Item den Eid erneut den 25. Okt. 1538. Item den Eid erneut den 11. Juli 1544. Werner van Boukholt belehnt um qualifiziert zu sein zur Verfolgung seines Rechtes, den 19. Mai 1551. Joachim van Boickholt erneute den Eid den 11. Juli 1556. Außer dem "Lehnsregister" zu Arnheim finden sich noch folgende Belehnungen: 1490, den 8. Juni, Johann Pieck, kaierlicher Amtmann und kommitierter Statthalter für Junker Adolph, Graf zu Nassau, belehnt Edwart von Bocholtz, für sich und seinen Bruder Johann, mit Haus und Hof zu Bocholtz, vorbehaltlich der Mutter die Leibzucht; 1536, den 20. März, Herzog Karl von Geldern und Jülich befiehlt seinem Amtsmann Franz Voß von Schwarenberg, den Joachim von Bocholtz, Sohn Eduards, den er mit dem Hause Bocholtz belehnt hat, in dies Lehen einzuführen und zu schützen. Lehnbrief des Herzogtums Geldern und der Grafschaft Zütphen für Arnold von und zu Bocholtz mit Zubehör, über das Pfennigsgeld zu Lobberich, 120 Morgen Ackerland im Kirspel Lobberich gelegen, mit 15 Goldgulden zu verheergeweden, gegeben in der Stadt Geldern, den 14. Juni 1636 und Zweite und dritte Vorladung der Statthalter der Lehen des Fürstentums Geldern an Arnold von Bocholtz, Herrn zu Lobberich, zur Mutung der geldernschen Lehen: das Haus zu Bocholtz, das Haus Ingenhoff hinter der Kirche, Meersenshof genannt in gen Sittard und 2 Dritteilen der Herrlichkeit Lobberich, gegeben zu Roermond, den 12. Mai und 16. Juni 1701. Am 21. Okt. 1743 wurde Gerhard Cremern als "hulder" von A.M.A. Freiherrin von Reck (ehedem Witwe Joh.Arn.Frhr. von Bocholz) mit "Haus Boeckholt" belehnt.

Zu Ende des Jahres 1724 ließ König Friedrich Wilhelm 1. von Preußen die rittermäßige Qualifikation der adelingen Güter des Herzogtums Geldern durch die Landstände untersuchen und feststellen und wurde demgemäß "Haus Bocholtz" im Besitz der Freifrau von Reck zu Witten (ehedem. Witwe Joh.Arn.von Bocholtz) als rittermäßig anerkannt.

Die Kapelle im "Kaiserturm" der Burg Bocholtz die zweifellos i.J. 1378 schon bestand, wird urkundlich nur i.J. 1531 und 1678 genannt. Die Eheleute Eduard von Bocholtz und Maria von Broyckhuysen vererbpachten nämlich am Vorabende St. Andreas, den 29. Nov. 1531 ein Stück Ackerland an Friedrich von der Stegen und dessen Frau Fyken für 4 Pfd. Wachs jährlich, welche auf den Altar der Kapelle zu Bocohltz geliefert werden müssen und am 20.Juli 1678 stifteten die Eheleute Johann Wilhelm von Bocholtz (gest.1682) und seine Ehefrau Anna von Hoesbroeck-Astham (Linie Bocholtz-Grevenbroich) in der Kapelle zu Haus Bocholtz eine wöchentliche Singmesse auf jeden Donnerstag. Über die Ausstattung der ehemaligen Burg geben zwei Inventare Aufschluß, deren erstes die Brüder Egbert und Johann van Bocholtz am 29. August 1584 und das zweite am 20. Dezember 1706 die Brüger Johann Arnold und Eduard Bernhard von Bocholtz aufnehmen ließen. Sämtliche Güter des Kichspiels Lobberich waren bis zur französischen Revolution entweder freie oder Latengüter und letztere entweder Erbzins- oder Leibgewinns- oder Curmutsgüter. Zu den freien gehörten:

  1. Burg Bocholtz, in Nieder-Bocholtz gelegen. Sie war, wie schon gesagt, Lehen von Geldern, lag an der Heeres- oder Steinstraße, die einen Teil der Karlsstraße ausmachte, war von zwei Gräben und einer Umwallung umgeben, einquartierungsfrei und stets der Familie von Bocholtz gehörig.Im Jahre 1432 wurden dazu gerechnet: die Mühle zu "Roexfort (Neumühle) Ackerland, Lehen, Laten, Zinsen, Hühner, Wiesen und Weiden, im Jahre 1840 mit einem Katastral-Reinertrag von 796 Thaler 23 Sgf. Es gehörten hierin der Brockerhof, neben der Pastorat gelegen, 52 Morgen 19 Ruten, 20 Fuß groß; die neue Windmühle und die Mühle Roexfort (Neumühle) groß 11 Morgen, 123 Ruten, 40 Fuß und die eigentliche "Hofstaat" der Burg 189 Morgen, 129 Ruten, 10 Fuß, worunter 26 Morgen, 152 Ruten,70 Fuß Hochwald waren. Diese "Hoffstaat" bestand i.J. 1748 in 172 Morgen Ackerland und in einer Zehntgerechtsame. Die Pacht betrug 1840 100 Thaler vom Bockerhof, 500 Thaler von der Mühle und 400 Thaler von der "Hoffstaat".

  2. Hof zu Oberbocholtz (mit den Cucumslaten) durch frühere Teilung der Grundherrlichkeit zum selbstständigen Hofe erhoben, dann 1545 unter die Familienglieder geteilt, zuletzt in den Teilen ganz verschwunden.

  3. Der Hof der Abtei Pantaleon zu Köln, genannt Bocholtz, gelegen mit Stücken an der Heeresstraße, worunter 2 Morgen an dem "Weingarten", 118 Morgen Ackerland und eine Gewalt im Forste hinter Bocholtz. Wüstenhof? worüber später mehreres.

  4. Der Rittersitz Broeck Brockerhof, worüber später mehreres.

  5. Der Hof zu Breuckel, worüber später mehr.

  6. Gartzhof, mit 641/2 Morgen.

  7. Hof zu Heithausen, an Haus Ingenhofen grenzend, das Hagelkreuz steht auf seinem Boden, wurde 1497 von Goert von Heithausen besessen und wird als ganz frei bezeichnet. Hierüber später mehr.

  8. Ingenhoven oder Hof zu Lobberich. Hierüber folgt mehr.

  9. Mersenhof (Merschelshof).Hierüber folgt mehr.

  10. Hof zu Sassenfeld.Hierüber folgt einiges.

  11. 11.Hof in ger Stegen. Hierüber folgt noch einiges.

  12. Dieckhof zu Vleen.

  13. Haus und Hof auf dem Wirdtgen, worüber noch einiges folgt; 1624 Abspließ von Ingenhoven.

  14. Wüstenhof, wohl mit 2 und 3 früher ein Gut.

In der Herrlichkeit Lobberich gab es keine Hörige oder eigenen Leute, nicht einmal für ihre Person Dienstpflichtige, sondern nur Laten, das heißt im gegebenen Falle solche, die in Folge der vom Grundherrn unterhabenden Scholle so lange, als sie diese besaßen, zum Teil zu Curmut, in der Regel aber nur zu jährlichen Geld-, Frucht- und Hühner-Abgaben (auch zur Gerichtsfolge)verpflichtet waren. Darnach teilten sich ihre Güter in Curmuts- und Leibgewinngüter, beide standen auf zwei Händen. (Das zweite Lagerbuch des Hauses "in gen hove" zu Lobberich hat folgende Nachricht aus 1705:"Die nachstehenden Leibgewinne, Zins- und Curmutsgüter gehören in den gedachten Hof zu Lobberich: Ingenhoven.Da aber Ingenhoven durch Erbschaft 1653 wieder an Bocholtz fiel, zähle ich Laten usw. der beiden Güter hier auf.)Zwischen Leibgewinn und Curmut ist der Unterschied, daß alles, was curmütig auch leibgewinnpflichtig ist, dagegen ist im Leibgewinn nicht allezeit Curmut einbegriffen. Leibgewinn besteht in der Verpflichtung, beim Absterben des Besitzers, sowie bei Veräußerung unter Lebenden durch Zahlung gewisser Taxen (Leibgewinngelder)bei dem Gutsherrn eine Hand an das Gut zu erwerben, d.h. dessen Behandigung mit dem Gute auszuwirken, hierdurch wird der Behändigte Besitzer. Nur Zwei können gleichzeitig behandigt sein; hat man aber versäumt, eine zweite Hand zu stellen, bevor die erste Hand stirbt, so verfällt das Gut an den Grundherrn oder besser an den Haupthof zurück, aus dem es ursprünglich abgesplissen war. Doch kann die Familie des Letztbehandigten es wieder gewinnen, wenn sie sich mit dem Gutsherrn abfindet, von dessen Güte die Höhe des zur zahlenden Rückgewinnpreises abhängt, der sogar bis zu 2/3 des Gutswertes gesteigert werden kann. Außer diesem Falle bestehen die Leibgewinngelder für eine Hand nur in 5 bis 12 Thaler für ein Haus und 1 1/2 bis 3 Thaler für einen Morgen Land, je nachdem Haus oder Land zu den geringsten oder besten gehören. Für das Eintragen der neuen Hand in das Leibgewinnbuch erhält der Lehnschreiber 2 Gulden klevisch und der Laten-Schultheiß und Laten-Scheffe, die bei der Beurkundung anwesend sind, 1 Gulden klevisch. Von den beiden Händen muß die eine immer eine Mannshand, die andere eine Frauenhand sein. Die Curmutsgüter müssen bei jeder toten Hand in derselben Weise wie die Leibgewinnsgüter und für dieselbe Taxe wieder gewonnen werden, außerdem aber muß man bei ihnen beim Absterben der Manneshand das beste Pferd und beim Absterben der Frauenhand die beste Kuh des zu gewinnenden Gutes, oder den Wert dafür an den Leibgewinnsherrn entrichten.Damit die Taxen nicht zu oft wiederkehrten, war es Praxis, die jüngsten Kinder der Familie zu der Behandigung zu gestellen. Viele der Leibgewinns- und Curmutsgüter zahlten auch noch einen jährlichen kleinen Zins; da es nicht lohnte, ihn jedes Jahr einzuziehen, so ließ man ihn oft bis zur neuen Behandigung auflaufen. Für den Verkauf und die Verpfändung der Leibgewinn und Curmutsgüter ist die Einwilligung des Grundherrn einzuholen. Er erhält beim Verkaufe 12 Thaler und den zehnten Pfennig des Kaufpreises;bei der Verpfändung 6 Thaler. Wurde die Erlaubnis nicht eingeholt, so betrug die Strafe noch besonders 6 Thaler. Unter den Laten traten später auch Erbzinsgüter auf. Die Laten, um ein Erbrecht an dem Gute zu erhalten, fanden sich mit dem Grundherrn ab, zahlten ihm eine gewisse Summe und er verzichtete auf Curmut, Leibgewinn, sowie auf alle Abgaben, hielt sich nur ein kleines festes Jahrgeld, und zur Anerkenntnis der Hörigkeit des Gutes zu dem Haupthofe, eine zweite Summe ( in der Regel das Doppelte des Jahrgeldes) beim Absterben einer jeden Hand vor.

Wie schon gesagt, waren die Curmutsgüter alle gewinn- und zinspflichtig, die Leibgewinngüter nur leibgewinn- und zinspflichtig. Die einen wie die anderen mußten wenigstens von einer Hand besessen werden und durften nicht mehr als zwei Händen, einer Frauen- und einer Mannshand gehören. Starb eine Hand, ohne daß eine zweite noch fortlebte, so verfiel das Gut dem Grundherrn, der, wie wir sahen, sich jedoch abfinden ließ. Die Curmut und der Leibgewinn bestanden in Abgaben an den Grundherrn bei dem Tode jedes einzelnen Behandigten. Bei der Curmut bestanden sie, wie bereits erwähnt, für die Frauenhand in der besten Kuh, für die Mannshand in dem besten Pferde des Hofes.Statt des Curmuts-Geldes zahlt man heute die Sterbeaktgelder oder die sogenannte "Erbschaftssteuer" an den Landesherrn, resp. an das Erbschaftssteueramt. Bei den zersplitterten (aufgeteilten) Curmutsgrütern ist in der Regel eine feste Geldabgabe an die Stelle der Tiere gesetzt. Der Leibegwinn bestand in der Zahlung einer gewissen Geldsumme beim Ableben jeder einzelnen Hand. Die Zinsen und anderen Naturalrenten der beiden Güter Bocholtz und Ingenhoven werden gleich aufgezählt werden. Außerdem war die gutsherrliche Erlaubnis notwendig, wenn das Gut aus der Familie verkauft oder vertauscht werden sollte, wofür gewisse Summen zu bezahlen waren. Die Abtretung mußte in diesem Falle "mittelst Hand, Halm und gichtigem (offenem) Munde erfolgen", wie dieses aus verschiedenen Latenbüchern zu ersehen ist. Der Abtretende mußte übrigens persönlich erscheinen; eine Abtretung vom Krankenbette aus war eine unzulässige.

Die Latengüter der von Bocholtz zu Lobberich (Bocholtz und Ingenhoven) waren nach Ausweis der Latenbücher und Latenrollen die Lobbericher in vier Honschaften und das Heidenfeld eingeteilt; die übrigen lagen in den Kirchspielen Hinsbeck, Grefrath, Boisheim, Kaldenkirchen und Süchteln. Die erste Latenrolle der Bocholtz ist aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts, später sind mehr und minder ausführliche Bücher über die einzelnen Latschaften nach den vier verschiedenen Honschaften unter Berücksichtigung des Heidenfelds und Hinsbeck's durch Hermann von Bocholtz (gestorben 1396) und dessen Sohn Goert (Gottfried, gest.1463) angefertigt, die von Arnt von Bocholtz (gest. 1483) und dessen Sohn Goert (gest.1532) weiter vererbt wurden, und aus diesen und andern Hilfsmitteln hat endlich Letzterer eine Reinschrift am 16. September 1519 begonnen, welche, eine Foliobuch von 282 Blättern, Joh.Arn. von Bocoltz, Domherr zu Lüttich, in Leder mit Messingkrämpen einbinden ließ. Dieser Reinschrift sind nachstehende Einkünfte, ihres Inhaltes nach entnommen. An dieses schließen sich zwei andere Bände an, in denen sich die Verhandlungen und Uebertragungen der Güter bis zum Jahre 1780 fortgesetzt finden. In die Latenrolle der "Dorper Honschaft" zu Lobberich sind 55 Nummern, teils Häuser und Zubehör, teils einzelne Ackerparzellen, eingetragen; von diesen waren 6 auch zugleich curmutspflichtig. Die "Bocholtzer Honschaft", eingeteilt in Ober- und Nieder-Bocholtz, durchschnitten von der Heeresstraße und der Bockender- d.h. Bocholtzer Straße. In dieser Honschaft lag das Heidenfeld; zu ihr gehörten die Kukumslaten; diese zählte 18 Laten-Nummern, wovon 3 curmutspflichtig waren. Die "Dicker" oder "Dycker-Honschaft" zählte 19 Nummern, wovon 9 curmutspflichtig waren und die "Sassenfelder Honschaft", worin auch noch Heidenfeld und Mehr- oder Meefeld vorkommen; diese zählte 22 Laten-Nummern, von denen 3 curmutspflichtig waren. Zu Hinsbeck waren 13 Laten-Nummern, wovon 3 curmutspflichtig; zu Boisheim 4, wovon 2 curmutspflichtig waren und 16 Latenzinszahler; zu Süchteln 40 Latenzinszahler; zu Anrath 21 Latenzinszahler(diese mußten im Dinkhofe zu Süchteln zahlen).Die Laten von Kaldenkirchen scheinen alle Absplisse eines Hofes (Beckmannshofes) zu sein. Auch das Gasthaus zu Venlo hatte Stücke von Beckmann's Land, vergaß aber Zins zu zahlen. In Kaldenkirchen zahlten 6 Personen Latenzins. 29 Personen in Lobberich und Bussem (Boisheim) zahlten Latenzins. Auf Elftausend-Jungfrauentag zahlten sodann noch 71 Personen Lobberich's Latenzins, auf Palmtag 6 Personen. Auf Thomastag mußten 3 Personen 7 1/4 Pfund gehechelten Flachs liefern; Erbpacht zahlten 4 Personen; Hühner lieferten 39 Personen Lobberichs. Auf Kirchmeßtag zu Hinsbeck lieferten 16 Personen Hinsbeck's Latenzins. Das ganze bis hierhin aufgezählte Einkommen zusammengezählt, ergiebt für den Grundherrn (außer den Gewinngeldern)jährlich im Dinkhofe zu Süchteln 7 Höhner oder 3 1/2 Faß Hafer, 40 lüttichsche Deut und 202 Heller; von Kaldenkirchen 36 Heller; aus Lobberich auf Lambertus 233 Albus 75 Heller; auf Elftausend-Jungfrauen 487 Albus 44 Heller, Palmtag 17 Albus, St. Thomas 7 1/4 Pfund Flachs, an Erbpacht 60 Albus, 12 Heller, 77 Hühner, aus Hinsbeck 70 Albus, 9 Heller und endlich zu Blein 11 Albus, 37 Heller und 12 Hühner. Diesen letztgenannten Posten lieferten 14 Personen auf St. Lambert "unter der Pforte" zu Blein oder "an dem Strauche" daselbst. Der Dinkhof zu Blein lag in der Gemeinde Lobberich.In den Hof zu Oberbocholt gehörte die "Kokum-" oder "Kukum-Latschaft", bestehend aus 5 Höfen, 3 Häusern und 13 zum Teile große (15 1/4 ,14 1/2 Morgen) Ackerparzellen. Die zerstreute Lage dieser Pertinenzien, die zusammen gegen 150 Heller und 2 Albus, auch einige Hühner zahlten, scheint Folge einer Teilung der Herrschaft. Der Lobbericher Albus, zu 12 schwere oder 32 clevische Heller, war der 30. Teil eines Speziesthalers (30 Silbergroschen) und gleich 2 clevischen Stübern, also soviel wie ein früherer Silbergroschen zu 12 Pfg.Die übrigen Münzen giebt das Lobbericher Leibgewinnbuch also an:1 Mörken ist 2 Stüber clevisch, oder 6 Deut (Heller) oder 1/2 Stüber brabantisch. Der alte "Meller" ist gleich einem "Mörken" des Leibgewinnbuches.1 Opferpfennig ist 1 1/4 Stüber brabantisch, 1 Nymwegischer und Roermonder Stüver sind dasselbe war ein "Liliard" nämlich 1 Stüver, 2 Heller clevisch; 24 kölnische Weißpfennige (alte Albus) oder ein alter, rheinischer Gulden ist 1 Reichsthaler 6 Albus, 8 Hellerkölnisch. Der "Morgen" zu Lobberich hatte nach dem Leibgewinnbuche 150 Ruten, 1/4 Platz oder "Blex", 37 1/2 Ruten, eine Sesterstadt 30 Ruten. In Nachstehendem wollen wir einige Auszüge aus dem vorerwähnten Latenregister, Lobberich betreffend, mitteilen:

a) Dorper Honschaft

Nr.6.Broustes, Haus und Hof im Dorfe, Zins 3 Albus, und 1/2 Morgen im Bockender Felde, durch das Jaeck, Zins 1 Albus. /Brousters-Erbe, im Besitze der Familie Thodam, brannte 1899 ab und ging 1900 an den Nachbar Tophoven über, welcher das Haus aufbaute).

Nr.7 Haus und Hof an St. Claus, mit Ländereien am Hinsbecker Wege; gegen 1580 gehandigt Gerard Backes und seine Frau Liesgen.

Nr.8 Cremers Gut, Haus und Hofraum im Dorfe, (1636 zwischen Lenert Leenen oder Rangers Gut und Broustes) mit 7 Morgen im Cremerkamp und 2 Morgen und 1 Sesterstatt; Zins 3 Albus. (Jetzt"Eicker-Hof", Herrn Wilhl. Dammer gehörend).

Nr.10 Doerkens- (Daerkens-) Haus, Haus, Hof und Hofraum, (1630 zwischen Heinrich Wolters, des Schatzhebers Erbe, der Kirchenmauer, (auch Kirchenthür) und dem Turm, vorhaupts auf Hilger Rosentritt's Scheune, hinterwärts auf den Baumgarten des Hauses Ingenhoven, Zins 8 Albus, 2 Hühner. 1605 verkaufte Fey Daerkens einen Abhang davon an Johann von Dahr, der darauf das Dahren-Haus baute. (Dahr-Haus wurde von der Kirche angekauft und abgebrochen, sein Platz ist jetzt Einfahrt zur alten Pfarrkirche).

Nr. 11.Doussen- auch Mertens-Gut, Haus, Hof und Hofraum unten im Dorfe und 2 Morgen von dem Jaeck, längs des Frauenwegs, behandigt Neet Merten, dann Merten Merten, Trein Merten, dann ihr Sohn Johann Merten, der Rentmeister, endlich 1654 Johann Doussen (Jetzt Peltzers).

Nr. 12 Draecken-Gut, Haus, Hof, Hofraum, Garten, Baumgarten, an der gemeinen Straße, neben Fyts oder Schmidtergut, mit 5 Morgen hinter dem Hause, schließend an den Mühlenweg. Gegen 1530 behandigt Peter Darken und seiner Frau Jenne, deren Descendenz es noch 1750 besaß. 1550, den 17. September,, durch Johann von Bocholtz, und seiner Garttin Johanna von Dript in ein Erbzinsgut verwandelt und zahlte als solches "auf Lamberti mit der Sonne" 1 Raderalbus.

Nr.13 Ebberts Haus und Hofraum, zwischen Meister Rembold Bolten und Goert Sassenfeld an dem gemeinen Platze, Zins 4 1/2 Albus, 2 Hühner und 2 Morgen Landam Mühlensteeg, Zins 7 1/2 Heller; behandigt Peter von Bocholtz, Egbert von Bocholtz, Engen, Haus zu des Jan an der Stegen, Tonis Ebbertz, Peter von Bocholtz und dessen Ehefrau Grietgen von Weuelinghouen, dann Arnold Ebbertz und seine Descendenz bis 1728. (Spätere Eigentümer: Dammer, Königs, jetzt Straeten).

Nr.15 Fyts auch Byts und Schmidtergut, zwischen Draecken und Broustes, Zins 1/2 Albus, mit Garten vor dem Dorfe, Zins 9 Albus. (Blieb bis vor ca. 10 Jahren im Besitze der Familie Schmitter, ging dann duch Kauf an Tophoven über).

Nr.16 (Auch curmutspflichtig.) Hegges, Hofreidung in der Kaetmühle mahlpflichtig, 1546 in Erbzinsgut verwandelt, mit 1 Goldgulden auf Lamberti und ebensoviel bei Sterbefall. Zuerst behandigt Wilhelm Hegges, dann in 3 Teile geteilt. Einen Teil erhielt die Familie Kessels, welche ein Haus "Kessels-Haus" darauf baute; es wurde behandigt: Rütger Kessels, nach dessem Tode (1681) sein Sohn Paul und 1695 des vorgenannten Paul erster Sohn Rütger und 1727 sein zweiter Sohn Johann, 12 Jahre alt. (Von diesem ging es an seinen gleichnamigen Sohn Johann, gest. 1835, sodann an seinen Sohn Joh.Hein. Kessels, gest. 1864 und von diesem an dessen Sohn Mathias Kessels, noch lebens, über, der es an Conrad Bispels verkaufte.) Der andere Teil behielt den Namen Heggesgut, zwischen Kessels und Trepkes-Erbe, Zins 5 Albus, 2 Hühner; dazu gehörte 1 Bachus-Morgen, Zins 1 Albus und 2 1/2 Morgen im Leyendecker Kamp (jetzt Michels). Der dritte Abspließ hie Trepkesgut. (Jezt von Krüchten.)

Nr.20. Kirchhofsland, 1 Morgen am Kirchweg von Niederbocholtz, 1 Morgen am Hagelkreuz, behandigt 1636-1738 die Familie Kirchhof.

Nr.21 Kirchhofs-Haus an der gemeinen Straße, 1558 neben dem Gute des Egbert, natürlichen Sohnes des verstorbenen Peter von Bocholtz, dem Menskes-Gut und der Peperstraße.

Nr.23 Kox-Gut im Dorfe, Haus, Scheune, Stallung, Baumgarten, zwischen Peter Roelkens und Küster Lensen, mit 2 Morgen am Hagelkreuz am Frauenwege, 1 Morgen an der Hohenstraße und dem Kirchpfade nach der Maaren, behandigt 1530 bis 1750 die Familie Kox, (Jetzt schon seit langen Jahren Heythausen's Hotel; auch heute noch "Kox" genannt.)

Nr.25 Menskes-Gut (auch curmutspflichtig) mit Länderei, 1563 in ein Erbzinsgut verwandelt und zahlte als solches 1/2 Stüver.(Jetzt Lücker.)

Nr.30 Palmengut, Haus, Hof, Hofraum, zwischen Meister Adrian und Peter Daerkens, und 2 Morgen Land im Jaeck, behandigt Peter von Bocholtz und seine Desecendenz.

Nr.43 Trepkes, neben Hegges, Haus und Hof. (Jetzt Math. Heinr. von Krüchten.)

Nr.45 Witlings-Haus, Scheine, Baumgarten an der gemeinen Straße, zwischen Doussen und Johann Schmitz, hinterwärts Brocherkamp, mit 1 Morgen auf dem Sande.Zins 5 1/2 Albus, behandigt 1553-1646 die Witlings.

Nr. 46 Wolfsbusch, Haus, Hof, Hofraum und 3 Morgen Acker, behandigt 1544 Jan in den Wolfsbusch.

Nr. 52 und 53 Zwei neue Häuser wurden 1660 mit Genehmigung des Freiherrn Arnold von Bocholtz und seiner Frau Eva von Velbrück neben dem Kirchhofe und dem Rathause erbaut, von denen das neue "Haus des Peter Horrix" genannt ward.

b) Bocholtzer Honschaft

Nr.2 Berendahls-Gut, auch Pawels-(Pauels-)Hoft genannt, in Nieder-Bocholtz, mit 20 Morgen Land beim Hofe im Vinneken (kleinen Venn), Zins 20 Albus, 4 Morgen im Heidenfeld, Zins 2 Albus. Im 17. Jahrhundert zersplittert. (Vielleicht gehörten zu diesem Gute früher auch die unter Nr. 18 aufgeführten 8 Morgen.)

Nr.4 Conis, Coenis- oder Koyenhaus, in der Coenis (Cunos-Haus) besaß zuletzt der Gewinnherr von Bocholtz. Zins 7 Albus und beim Todesfall als Gewinngeld den doppelten Zins (Jetzt Könes genannt.)

Nr.7 Heydenfeld's- (auch Heyenfeld's) Gut, Haus und Hof, 8 Morgen vor dem Hause und 6 1/4 Mrg. "an den Moertel" hinter dem Hause gelegen; die 8 Morgen zahlten als Zins 8 Albus jährlich, die 6 1/4 Morgen nur Leibgewinn (Gartz.)

Nr.10 Pascher-Erbe, schon 1518 zersplittert und werden genannt: 3/4 Blex Acker im Pascherkamp neben dem Paschererbe, Zins 3 Mörkens 2 Hühner. 2 Morgen Benden hinter dem Gut des Tilman in der Pasch und der Heeresstraße, Zins 1 Albus, (Später Peltzers, jetzt Küppers.)

Nr.12 Scheiffelergut an der Gemeindestraße eigenem Hofe und eigenem Erbe, und Berendahlsgut Zins 1/2 Stüver brabantisch oder 6 Mörken, ward mit doppeltem Zins gewonnen. 1700-1765 Besitzer die Familie Scheiffeler.

Nr.18 8 Morgen, genannt Ruth-Hillen-Kamp, gelegen "an dem Berendael" an dem Wege nach Grefrath, neben Holtzschlegers, Mevissen und Scheiffelers Ländereien, Zins 6 Albus 3 Heller.

c) Dycker Honschaft

Nr.9 Hollenbenders-Gut, (curmutspflichtig,) Haus, Hofraum, 18 Morgen Ackerland, Zins 12 Albus, 10 Mörken, vor 1519 freigekauft als Leibgewinnsgut und zahlte seitdem nur 2 Morken Zins (Jetzt Weiers.)

Nr.14 Roenkaeuen oder Runckhoven (Rennekoven) 1700 Heinenhof, Haus, Hof, Hofraum, 30 Morgen Ackerland an Awerhof, der Gemeinde, der alten Heide und der Rouenkouer Mühle, Zins 23 Albus (Heinen, jetzt Straeten.)

d) Sassenfelder Honschaft

Nr.3 Broeckerhof, (curmutspflichtig,) Haus, Hof, Hofraum, seit 1570 auch Garten, Baumgarten mit einem Kamp vor dem Garten und einer Pesch.

231/2 Morgen Ackerland, darunter 5 Morgen, genannt "der Schlotel", Zins 27 Albus (siehe auch Nr. 13; Hartges).

Nr. 8 Ketelsbeuters-Gut, 4 Morgen Acker aus demselben, im 17. Jahrhundert zersplittert, Zins 25 Mörken.

Nr.13 In dem Pasch oder Heythausen, Haus,Hof, Hofraum, seit 1579 auch Garten, Baumgarten und 1/2 Morgen Ackerland aus Broeckerhof, nimmt jährlich von Hasert 4, von Strucks 1 1/2 Albus ein, zahlt 22 Albus Zins.

Die 6 Mühlen: Pletz-, Koth-, Nelsen-, Neu- und Leuther-(Lühten-)Mühle und die Windmühle zu Roixfort, mit Ausschluß des Neumühle , sind uralt. Bekanntlich gehörten den Herren der Herrlichkeiten bis zur französischen Revolution der Wind und das Wasser; Mühlen konnten daher nicht ohne ihre Erlaubnis errichtet werden und auf diesen Mühlen waren die Untergebenen der Herrlichkeit gezwungen, mahlen zu lassen, damit der Mahllohn der Herrschaft zu Gute kam. Die Lobbericher Mühlen hatten keine durchweg geschlossene Grenze, so daß z.B. einzelne Häuser des Dorfes Lobberich mitten aus der Banngrenze ander anderen Mühle, an die Kotmühle gewiesen waren, deren Latenzahl urkundlich feststeht. (Fahne, Bocholtz, II.Bd.S.58) Es erscheint dieses ebenfalls als das Resultat einer früheren Teilung der Grundherrlichkeit. Auf die Kot-. Neu- und Windmühle soll am Schlusse dieses Kapitels noch einmal zurückgekommen werden.

Nach dieser nötigen Abschweifung müssen wir uns der Geschichte der Burg Bocholtz speziell wieder zuwenden.

Egidius Werner von Bocholtz, ältester Sohn des 1682 verstorbenen königlichen spanischen wirklichen Geheimrates, erhielt duch Testament vom 5. März 1651 von Johann von Bocholtz, Domherr und Propst zum hl. Kreuz in Lütttich, gestorben 1653, auch das Haus Ingenhoven zu Lobberich mit seinen zugehörigen Gütern.Am 27. November 1673 kaufte er vom Könige Karl von Spanien die Herrlichkeit Lobberich. Durch Vertrag vom 20. Juni 1674 setzten Egidius Werner Freiherr von und zu Bocholtz und sein entfernter Verwandter Johann Wilhelm Freiherr von Bocholtz zu Grevenbroeck und Orey, fest, daß ersterer zu 2/3, letzterer zu 1/3 die vom König von Spanien als Herzog von Geldern gekaufte Herrlichkeit Lobberich besitzen soll und das dieselbe in dieser form ein "ewiges Fideikommis" sein soll. (Seine Kinder verkauften i.J. 1717 ihr 1/3 der Herrlichkeit an die Witwe Arnold v. Bocholtz, der Schwiegerin des auch schon längst verstorbenen Egidius Werner von Bocholtz.) Die Verwandtschaft setzte sich zwischen den Bocholtz zu Bocholtz, Bocholtz zu Ingenhoven und den Bocholtz zu Grevenbroeck-Orey folgendermaßen zusammen:

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Arnold von Bocholtz, gest. 1682, hatte 17 Kinder, von denen 13 großjährig wurden, unter denen 6 Söhne waren. Ihm wurde am 23. Sept. 1672 die landesherrliche Erlaubnis vom Rat des Fürstentums Geldern im Namen König Karls von Spanien, als Herzog von Geldern, erteilt, über seine Geldrischen Lehngüter nach Willkür zu testieren. Dennoch mißlang es, sowohl seinen Stamm, als das Erbe der Familie von Bocholtz zu erhalten. Egidius Werner, der älteste Sohn, fürstl. Geldrischer Geheimrat, geb. 1642, gest. 1696, war ein habsüchtiger, geiziger Mann und blieb unverheiratet. Nach seinem Tode versuchte es sein Bruder Johann Arnold, Lüttichscher Geheimrat, auch zur Zeit Gesandter in Rom, geb. 1646, gest. 1711, der sich durch Studien und Wissen ausgezeichnet und sogar eine Domherrnstelle in Straßburg erlangt hatte, den Stamm zu erhalten. Er heiratete mit päpstlicher Erlaubnis im 60. Jahre. Seine Ehe war aber mit 4 Töchtern gesegnet, von denen 2 im Kindesalter starben. Der Heiratsvertrag, worin alles Erbe samt den Gold und Silbergeräten zu einem Fideikommis der Bocholtzer Familie erklärt worden war, ernannte in diesem Falle den Bruder Eduard Bernard, evtl. die beiden Schwestern Johanna Margaretha und Agnes Adriana, Abtissin zu Willich, zu Erben, mit der Verpflichtung, wenn auch Eduard Bernard keine Söhne bekommen sollte, das ganze Fideikommiß den Bocholtz zu Störmede in Westfalen zu hinterlassen. Es wurde auch diesem gemäß gehandelt und zuerst zwischen 1715-18 durch einen Familienvertrag , den auch A.M. Amalia von Gymnich, Witwe Johann Arnold von Bocholtz vollzog, - dann durch Testament des Eduard Bernard von Bocholtz zu 1722 das Familienfideikommis den von Bocholtz zu Störmede übertragen; - allein fruchtlos. A.M.A. von Gymnich, Witwe von Bocholtz, welche sich 1718 mit dem Freiherrn v.d. Reck von neuem verheiratete, und ihre beiden Töchter verweigerten die Herausgabe des Fideikommis-Vermögens.

Kaspar Arnold von Bocholtz zu Störmede(geb. 27. April 1701, gest. 20. Dez. 1789, dessen Sohn Theodor Werner 1803 vom Könige von Preußen in den Grafenstand erhoben wurde, als Testamentserbe, konnte weder die Hand einer der beiden Töchter des Johann Arnold gewinnen, was sein Erblasser gewünscht hatte, noch auf gerichtlichem Wege den Besitz des Fideikommisses erlangen. Der Prozeß zog sich in die Länge, bis durch die Aufhebung des Reichskammergerichtes seine Fortführung unmöglich gemacht wurde. Dann hoben die französischen Gesetze alle Fideikommisse auf und der Anspruch erlosch in dem Gedächtnisse. So kam "Haus Bocholtz" an die Familie von Mirbach - "Haus Ingenhoven" an die Familie von Bentinck. Als nämlich der Freiherr Gerhard von der Reck zu Witten im August 1747 starb und seine Gattin Anna Maria Amalia von Gymnich, Witwe Johann Arnold von Bocholtz ihm schon am 11. Juli 1747 im Tode vorangegangen war, schritten die beiden Erbtöchter Johanna Arnolds und deren Gemahle zur Teilung des Nachlasses am 17. Juni 1748. Zu dieser Teilung wurde zum Voraus bestimmt, daß Maria Margaretha Baronesse von Bocholtz, Gemahlin des Wilhelm Ludwig Joseph, Freiherr von Mirbach zu Harff, ältere Erbtochter des Gutes, das "Haus Bocholtz" mit seiner Umgebung, ca. 13 Morgen, als ein adeliges Gut voraus haben soll.

In das 1. Loos für die Eheleute Wilhelm Ludwig , Josef, Freiherr von Mirbach und Maria Margaretha, Freiin von Bocholtz wurde sodann gestellt:

  1. Der "Rittersitz Bocholtz", welcher 1748 verpachtet war an 2 Pächter Wilhelm und Kaspar Hauß, (1767 war Heinrich Hauß Pächter des einen und 1768 Peter Gartz Pächter des zweiten Hofes,) bestehend in Haus, 2 Wohungen für die Pächter, Stallungen u. Baumgarten u.s.w.,ca 13 Morgen groß, teilweise zwischen den Gräben gelegen, erhielt, wie gesagt, Frau von Mirbach vorab. Sodann wurden hierzu noch gestellt 153 3/4 Morgen 33 Ruten 8 Fuß, so daß der Rittersitz ca. 167 Morgen ausmachte. (Damals bestand also die eigentliche Burg noch, aber nur noch wenige Jahre.) Der Rittersitz bezahlte in jeder "Schatting" 23 Gulden 12 Stüber 2 Deuten Steuer, war zehntpflichtig an das Kloster zu St. Pantaleon in Köln, hatte dagegen aber auch Einkommen an Zehnten und Erbpächtern, und noch 4 1/2 Morgen Wiesen zu Grefrath, die auch schatz- und zehnt'pflichtig waren; mit diesen zählte er ca. 172 Morgen. Sodann war der Rittersitz lehnrührig an das Herzogtum Geldern zu geldern'schen Rechten.

  2. Gartzhof (Lobberich) mit seinen Ländereien, Holzgewächs und Wiesen, zusammen groß 64 1/2 Morgen, 3 Ruten5 Fuß, bezahlt in jeder "Schatting" 9 Gulden, an die kurfürstliche Rentmeisterei zu Brüggen 11 Viertel Roggen und 11 Viertel Hafer und an "Zehnten" 10 Faß Roggen und 10 Faß Hafer. Auch ist dieser Hof verpflichtet die Steuer von einem "Torfbent" unter Leuth zu bezahlen.

  3. Die Roxforter Wasser- und Windmühle /Neumühle zu Lobberich, die Windmühle an der jetzigen Bleiche seit einigen Jahren abgebrochen). Dieselbe bestand aus Haus, Scheine, Wasser- und Windmühle Baumgarten und Ackerland, zusammen 11 Morgen, 123 Ruten, 40 Fuß groß, gegenwärtig (1748) gebraucht durch Jöris Schorren. Dieselbe zahlt an "Schatting" jedesmal 1 Gulden, an Zehnten vom Land 1 1/2 Faß, Rotten, 1 1/2 Faß Hafer und 5 Pfund Flachs; von 5 Morgen an die "Mörsische Pfandschaft" an Zehnt 10 Stüber brabantisch, und an dieselbe für den Wasserstrom 16, und für den Wind 21 Gulden brabantisch.

  4. Der Rittersitz Broich (Brockerhof, an der Pastorat zu Lobberich) bestehend in Haus, Baum- und Hausgarten, Ländereien und Holzgewächs, zusammen 43 Morgen, 17 Ruten, sodann die Wiese an Nelsenmühle groß 2 Morgen und eine neue Wiese unter Breyell groß 4 Morgen, zusammen also 49 Morgen, 17 Ruten, bezahlt in jeder Schatting 4 Gulden, 8 Stüber, 3 Deut, an Zehnten 4 1/2 Faß Roggen, 4 1/2 Faß Hafer und 2 Steine Flachs; derselbe ist Lehne des Herzogtums Geldern, nebst dem "Weggenhof" in Schlibeck unter Grefrath, welcher ein besonderes Lehen des Herzogtums Geldern ist, dagegen ist derselbe Unterlehen des Hauses Broich. Ferner ist die Erbpächte und Gewinne und zwei Kapitale von jedes 50 Reichsthaler. (Derselbe hielt 1871 54 1/2 Morgen.)

  5. Der Hof und der Zehnte zu Velden (bei Venlo) mit der Hälfte vom Vieh, als Pferde und Kühe, gebend an Steuer in jeder Schatting 11 Gulden 4 Stüber; und

  6. Der Zehnte zu Wansum (Holland) mit einigen Erbpächtern und Zehnten aldar und einer Weise unter Broeningen, giebt jährlich an Steuer 19 Pattakons, 1 Schilling; an den Pastor zu Geisteren jährlich für das Jahrgedächtnis des Herrn von Eyll 1 Gulden, 5 Stüber, an den Convent zu Oostrum jährlich 3 Pattakons und an die Kirche zu Geisteren 2 Malter Roggen, wofür Retourgeld wird empfangen, und 2 Faß Roggen ohne Retourgeld; auch gehörte in diesen Zehnten 1/3 des "schmalen Zehnten" und muß dieser Zehnte den "Beer" (Eber-Schwein) unterhalten.

In das 2. Loos für die Eheleute Adrian Konstantin Freiherr von Bentinck Herr zu Limbrecht u. und Anna Franziska, Baronesse von Bocholtz, wurden gestellt:

  1. Der Rittersitz zum Hofe (Ingenhoven, Lobberich) bestehend in Haus, Oekonomiegebäuden, Wohnung des Pächters, Hofraum, Haus- und Baumgarten, Weyer, Ländereien und Holzgewächs, zusammen groß 88 1/2 Morgen, 21 Ruten, 11 Fuß ; dieser Rittersitz ist lehnrührig am Herzogtum Geldern zu geldernschen Rechten, bezahlt an Steuer in jeder "Schatting" 12 Gulden, 1 Deut, am Zehnten 5 Malter, 1 Faß, 1 Viertel Hafer und 3 Steine 3 Pfung 12 Lot Flachs.

  2. Merselshof (Merschelshof, Lobberich) ist ebenfalls lehnrührig am Herzogtum Geldern zu geldernschen Rechten, woraus einige Ländereien gesplissen, die mittragen müssen, zusammen groß 47 1/2 Morgen, 36 Ruten, giebt an Steuer in jeder Schatting 8 Gulden, 10 Stüber, 6 Deut, an Erbpacht 2 Malter, 5 Faß 1/2 Viertel und an Zehnten 7 Pfund Flachs. - Bei dem "Haus zum Hofe" bleiben alle Zehnten, die jährlich bezahlt werden an Stroux zu Lobberich, auf Doncks Hof, und zu Hinsbeck, sowie die Erbpächte und Lehngüter, die an dasselbe Haus gehören.

  3. Das Leibwinnsbuch mit seinen Geldzehnten, Hühner- und Erbpächtern.

  4. Die "Kaetmühle" (Kotmühle, Lobberich) mit ihrem Hause, Ländereien und Holzgewachs, zusammen groß 7 3/4 Morgen, 8 Ruten, 5 Fuß; giebt an Steuer in jeder Schatting 2 Gulden, 2 Stüber, 4 Deut, an Zehnten 7 Viertel Roggen und 7 Viertel Hafer und 2 Malter Roggen Erbpacht an das "Kloster die Weyde" zu Venlo.

  5. Höserhoft, /jetzt auch Stapper genannt, Lobberich-Bocholtz,) bestehend in Haus, Scheune, Hofraum, Ländereien, Wiesen und Holzgewächs, zusammen groß 59 1/2 Morgen 30 Ruten, 1 Fuß, und noch 83/4 Morgen, die vorhin Paulus Jan und jetzt Joris Schorren in Pacht hat. Derselbe Hof giebt an Steuer in jeder "Schatting" 9 Gulden, 6 Stüber, an Zehnten 10 Faß Roggen, 10 Faß Hafer und 1 Stein Flachs. Bei demselben verbleiben auch die 2 1/2 Morgen Wiese unter Grefrath, wovon die Steuer und die Zehnten dorten müssen gegeben werden.

  6. Breuckelshof (Lobberich, Bocholtz,) lehnrührig am Herzogtum Geldern zu Geldernschen Rechten, mit Haus, Scheune, Hofraum, Ländereien und Holzgewächs, zusammen groß 64 1/4 Morg., 3 Ruten, 8 Fuß, beschwert mit einem Kapital von 200 Pattakons, stehend beim Scheffen Tillmann Schmitter hier zu 3 3/4 % bezahlt an Steuer in jeder Schatting 9 Gulden, 10 Stüber, an Zahnten 3 Malter Roggen, 3 Malter Hafer und 1 Stein Flachs. Zu diesem Hofe sollen auch verbleiben die 2 1/2 Morgen Wiesen unter Grefrath, gegen Zahlung der Steuer und Zinsen, die dort gegeben werden müssen.

  7. Der Hof, genannt der "Weerhof" zu Well (Holland) mit seinen zugehörigen Ländereien, Weiden-, Holz- und Torfplätzen.

  8. Die Zehnten zu Arcen und Lom (Holland.)

  9. Keunissenhof (Lobberich) bestehend in Haus, Scheune, Ländereien und Holzgewächs, groß 23 Morgen 28 Ruten; bezahlt an Steuer in jeder "Schatting" 10 Stüber, an zehnten 1 Faß Roggen und 1 Faß Hafer, und von 8 Morgen, unter Süchteln gelegen, von jedem Morgen 1 Reichsthaler, 30 Stüber.

  10. Die Erbpächte in der Vogtei Geldern in der Gemeinde Rheurdt, gewinnrührig an die Geldernschen Domänen. - dies zweite Los soll dem ersten ausgeben: 56 Reichsthaler 17 1/2 Stüber.

Sodann wurde noch vereinbart, daß die Herrlichkeit Lobberich, d.h. die ganze, angekaufte, hohe, mittlere und niedere Jurisdiktion mit allen ihren Rechten und Einkünften unter den teilenden Parteien noch gemeinschaftlich bleiben sollen; - daß das Haus zur Roermond und der 3. Teil des Hofes "ob de Hepeney" und fernere Güter unter Horst gemeinschaftlich bleiben sollen; (Dieses Gut Helpeney lag in der Rentei Horst (Holland) und trug obiges Drittel jährlich ein: 7 Malter, 2 Faß Roggen, 1 Malter, 2 Faß Buchweizen, 5 Reichsthaler, 20 Stüber klevisch an Geld, 4 Pfund Butter, 33 Eier und 2 Hühner; es ist später dernen von Bentinck zugefallen.) daß der Torfbent unter Leuth, soweit derselbe noch nicht ausgetorft, gemeinschaftlich in 2 egalen Teilen sein soll; ebenso daß schon vorhandene Wasser; ebenso sollen beide Teile die Steuern und ferneren Lasten gemeinschaftlich tragen. der "Vorst" unter Süchteln, worüber seit langem Proezß vor der Kaiserlichen Kammer zu Wetzlar schwebte, blieb ungeteilt und soll später in 2 egale Teile geteilt werden. Im Jahre 1652 begann nämlich ein Grenzstreit zwischen den Feiherren von Bocholtz zu Haus Bocholt, in der Person des Junkers Arnold von Bocholtz und der Gemeinde Süchteln, um die sogenannte "Lauseichen oder Vorstheide", ca 70 Morgen. Die Bocholter Dynasten, die auch sonst mit Süchteln im Verkehr standen, beanspruchten nämlich die Vorstheide auf Grund eines vom Herzog Eduard von Geldern i.J. 1365 ausgestellten Kaufaktes und einer mit Genehmigung des Abtes von Pantaleon angetretenen Erbpacht von 1469.- Dieser Streit, oft mit Erbitterung geführt, auch unter den Bocholter Herren, der Freifrau von der Recke zu Witten, 1736, endigte erst unter der Rechtsnachfolgerin der verwitweten Freifrau von Mirbach, i.J. 1801, indem beide Parteien das Streitobjekt teilten. (Die Bocholter Beziehungen zu Süchten beweist folgendes:"Auch soll Johann ende Kathryn (s. von Bocholt) habben die saet, eben tot Süchteln, ende pennynikgelt, mit alle dem rechten ende toebehoere, so wie Wilhelm von Boickholt seligher die gegolden ende in gebruicke gehabt heeft." Teilungsbrief von 1456.) Zum Schluß wurde noch vereinbart, daß ein Prozeß über einen Jahrzins von 17 Reichsthaler seitens der Abtei St. Pantaleon zu Köln gegen das Haus Bocholtz schwebe, und alle hieraus entstehenden Kosten u. gemeinschaftlich getragen werden sollen; sowie: da am "Hause Hove" noch einige nötige Reparaturen gemacht und ein Stall neben dem Kuhstall sowie eine Wohnung für den Halfmann mit 2 oder 3 Zimmer und Wände von Lehm gemacht werden müssen, so wird die Kost der Arbeiter gemeinschaftlich, der Lohn jedoch vom Besitzer bezahlt. So wurde die Erbteilung auf dem "Hause Hove" zu Lobberich am 17. Juni 1748 gethätigt. Im Besitze der Freiherren und seit 1840 (*) Grafen von Mirbach-Harff sind die im ersten Lose genannten Güter zum Teil über 100 Jahre geblieben und ist ein Teil noch heute in ihrem Besitze. Zuerst wurde die "Neumühle" verkauft, sodann verkaufte Johann Wilhelm, Graf von Mirbach-Harff zu Schloß Harff bei Königshofen, ein Ururenkel der letzten, älteren Erbtochter von Bocholtz, i.J. 1817 das "Haus Bocholtz" d.h. die beiden Ackerhöfe mit den noch vorhandenen Resten der Burg; (dieselben erwarb ein auswärtiger Kaufmann namens Asser) ein Hof wurde parzellenweise verkauft und abgebrochen. Der andere, nebst den noch stehenden Resten der ehemaligen Burg wurde von den Brüdern Franz und Konrad Wallrafen erworben; dieser Ackerhof 22 Hektar 72 Ar (ca.91 Morgen) ist jetzt Eigentum des vorgenannten Franz Wallrafen, von dem er bewohnt wird. Durch die Zersplitterung ging die Qualität als Rittergut verloren.

Der "Brockerhof" i.J. 1871 zusammen 54 1/2 Morgen groß, ist noch heute im Besitze des Herrn Grafen Mirbach-Harff zu Harff. Im Jahre 1888 bei der Feststellung des Bauplatzes und der Umgebung der jetzigen Pfarrkirche, schenkte der i.J. 1901 verstorbene Graf Ernst von Mirbach-Harff, Majoratsherr auf Schloss Harff, ein hierzu nötiges, 1 1/4 Morgen großes Stück Ackerland aus Brockerhof, weshalb des Grafen von Mirbachs Wappen über dem Portale (der geschenkten) Südseite in dankbarer Erinnerung angebracht ist. Auch kurze Zeit vor seinem Tode tauschte er der Kirche ein Stück Ackerland aus Brockerhof, gelegen zwischen dem Hofe und dem Pfarrhause, zur Erbauung von Kaplanei-Wohnungen, gegen ein anderes Stück aus. Bereits früher hatte er aus genanntem Hofe zur Vergrößerung des Pfarrgartens eine Parzelle aus Brockerhof (an der Seite gelegen) abgetreten.

Die Herren der Burg Bocholtz zu Lobberich.

Für die weitaus meisten Adelsgeschlechter ist das 12. Jahrhundert die Grenze, über welche hinaus ihre Genealogie nicht zu erweisen ist. In dieser Lage befinden sich auch die Herren von Lobberich und Bocholtz, indem ihr erstes Vorkommen nicht früher, und ihre urkundlich nachweisbare, ununterbrochene Abstammung noch viel später datiert. Sie gehörten ursprünglich zu den Dynasten, haben aber vor der Zeit unserer Urkunden diese Qualität durch Verlust der Grundherrlichkeit eingebüßt und scheinen bish dahin einen anderen Namen geführt zu haben. Eine deutsche Grundherrlichkeit hatte ursprünglich stets einen Dynasten und dieser kann im gegebenen Bezirk nur das Geschlecht Bocholtz gewesen sein, weil dieses sich viele Jahrhunderte hindurch im Besitze des Grundeigentumes der ganzen Herrlichkeit befunden hat, mit der ursprünglich auch die volle Grundherrlichkeit verbunden gewesen sein muß. Nur der Verlust der Grundherrlichkeit macht erklärlich, daß ein Geschlecht, welches mit einer so bedeutenden Grundherrlichkeit, und in einer an Urkunden nicht armen Gegend ansässig war, in dem 12. und Anfang des 13. Jahrunderts unter seinem späteren Namen von Bocholtz nicht vorkommt, während doch viel weniger begüterte Geschlechter, sogar häufig namhaft gemacht sind. Der erste Name der Bocholtz kann "Hove" gewesen sein, denn unter diesem Namen kommt 1277 Wilhelm Hove als geldrischer Dynast vor, was füglich auf Sitz "in dem Hove" zu Lobberich bezogen werden kann. - Zuerst wird uns Wibrecht von Bocholte zwischen 1127 und 1131 genannt. Als geldrischer Mann war er mit noch anderen bei einer Schenkung zugegen, die Graf Gerhard von Geldern, seine Frau Ermgard und sein Sohn Heinrich, der Kapelle zu Elinhem der Zütphen'schen Kirche machen; ob er hierzu gehört, ist fraglich. Unter dem Namen Bocholtz erscheint sodann urkundlich und wahrscheinlich hierher gehörig 1240 Heinrich im Gefolge des Edelherrn Otto von Wickerode. Mit Sicherheit läßt sich ein zweiter Heinrich von Bocholtz hierher zählen, der Stiftsherr von Utrecht war und 1283, am Tage nach Petri-Kettenfeier, starb, denn sein im vorigen Jahrhundert noch vorhandenes Grabmal in der Petrikirche zu Utrecht hatte nach den darüber erhaltenen Nachrichten drei Leopardenköpfe im Wappen. Die Familie von Bocholtz zu Lobberich führten als Wappen im grünen Schilde 3 (2,1) abgerissene, silberne Leopardenköpfe mit ausgestreckter roter Zunge.

Die bekannte Genealogie ist folgende:

Gottfried (I) von Bocholtz; sein Sohn ist;

Gottfried (II.( von und zu Bocholtz; dessen Sohn ist:

Gottfried (III.) von und zu Bocholtz;Sohn dieses ist:

Gottfried (IV.) von und zu Bocholtz, Hove, Broeck, Breuckels, Wilre, wird 1326 vom Grafen von Geldern mit den Höfen zu Lobberich und Bocholtz belehnt und soll nach dem Stammbaum eine Tochter des Heinrich Roest von Krickenbeck zur Frau gehabt haben. (Gleichzeitig mit ihm lebte Johann von Bocholtz, der am 25.März 1318 als Vasall und Bürge des Grafen Theodorich von Cleve auftritt. Aus einer dieser vier Linien muß eine Seiten-Linie hervorgegangen sein, die sich nach Gouda in Holland verzweigt hat, denn an die späteren Generationen finden Floris von Bocholtz, Amtmann zu Gouda und seiner Bruder Wilhelm, welche gegen 1448, während sie in amtlicher Thätigkeit waren, von Aufrührern erschlagen wurden, keinen Anschluß mehr.) Sohn Gottfried IV. war Gerhard I. von Bocholtz. Die Stammtafel nennt ihn Ritter und giebt ihm Alix, die Tochter seines Bruders, Erbin zu Bocholtz, Hove, Horst und Krickenbeck, zur Frau, was indessen nicht glaubwürdig erscheint. Er starb 1359 auf St. Ulrich (den 4. Juli) und wurde nach der Stammtafel der Familie in der Kirche zu Lobberich begraben. Von ihm könnte also der Leichenstein mit alten Verzierungen und dem Bocholtzer Wappen herrühren, der sich noch, wenn auch nur in schwachen Umrissen kenntlich, unter dem Turme vorfindet. Gerhard I. hinterließ 6 Kinder: 1. Hermann, der älteste Sohn, welcher in der Teilung mit seinem Bruder die Häuser Ingenhoven, Broeck und die Güter in Hinsbeck erhielt und Stammvater der Linie zu Ingenhoven (Hove), Horst, Tongerlo, Broeck im Curland, Braunschweig und der allein noch lebenden Linien in Westfalen und Preußen wurde; er heiratete erstens Adelheit von Bellinghausen, zweitens Katharina von Wachtendonk. 2. Winand, Stammvater der Linie zu Bocholtz, Busch und Waldniel; heiratete Adriana von Byland (folgt unter A., seines Bruders Hermann's Linie erst bei Haus Ingenhoven.) 2. Heinrich, besaß Wilre und starb ehelos. (Nicht Wilre unter Venlo.) 4. Gerhard, Droste zu Brüggen, starb kinderlos daselbst; seine Frau hieß Elisabeth von Huckinck.6. Dina, starb ehelos; und 6. Adelheid, heiratete Peter von Broichhusen zu Gribbenvorst.

Winand von und zu Bocholtz (A), Sohn, Gerhard I. erhält in der Teilung mit seinen Brüdern, 24. Juni 1360, das Haus Bocholtz zu Lobberich, heiratete Adriana von Byland und starb vor 1394. Sein Sohn ist:

Johann (I.) von und zu Bocholtz und zu Waldniel. Er wurde 1398 und 1424 belehnt und starb 1432; er heiratete Katharina von Brede, welche ebenfalls 1432 starb. Er zog 1387 mit dem Krickenbecker Amtmann gegen die Raubritter von Alpen und Reifferscheid, auch 1387 mit Herzog Wilhelm von Geldern zur Verteidigung seines Landes. Der Krickenbecker Amtmann Heinrich von Wickrath lag im Herbste 1387 mit 18 Mann, unter ihnen Johann von Bocholtz, 3 1/2 Woche (von St. Georg bis St. Servatius) zu Caster. Ebenfalls unter dem geldernschen Herzoge Wilhelm, unter dem Befehle des genannten Amtmannes mit 30 Edelen des Gelderlandes lag Johann von Bocholtz im Herbste 1387 von Montag nach Remigius bis Donnerstag nach Gallus mit 19 Mann in Lobberich, von da an bis Martinsabend in Rieustadt, zwischen Martinsabend und Stephanstag bald in Echt, Venlo und Lobberich, dann trat kurze Waffenruhe ein. Zu diesen 20 Edelen gehörte außer Johann von Bocholtz zu Burg Bocholtz, auch sein Vetter Hermann von Bocholtz zu Haus Ingenhoven. Auch wurde Johann v. Bocholtz 1387 von dem Sohne des Besitzers des Grefrather Manngutes Heithausen in einer Fehde, mit Umgehung des rechtsmäßigen Gerichtsverfahrens, in seinem eigenen Hause Bocholtz gefangen gesetzt, wofür der Heithausener mit 61 alten Schilden bestraft wurde. Johann hatte 7 Kinder:

(...)

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dame zu Vilich, woselbst sie am 12. Oktober 1643 aufgeschworen war, und errichtete als solche daselbst am 24. März 1690 ihr Testament und bestimmt, "in der Kirche zu Vilich, wo sie lange Jahre Stiftsdame gewesen ist, auf dem "Fräulein-Chor", an dem Bogen nach der Oberkirche ausgehend, begraben zu werden und ihre Gruft mit einem Grabsteine zu belegen; bald nachher ist sie gestorben.

2. Maria Katharina Margaretha von Bocholtz, geboren zu Burg Bocholtz den 2. September 1649 und daselbst den 8. September getauft, heiratete Georg Franz Wilhelm von Hersel-Bochum.

3. Gottfried Wilhelm von Bocholtz, geboren zu Burg Bocholtz den 13. August 1641 und daselbst am 26. August getauft, starb bereits am 27. August 1641 und wurde in der Kirche zu Lobberich begraben.

4.Werner Aegidius von und zu Bocholtz, geboren zu Lüttich den 15. Juli 1642, wurde "Jelis Werner" und "Egidius-Werner genannt. Im Jahre 1658 war Egidius Werner von Bocholtz Rektor St. Beata Virginis zu Lüttich und in Roermond wohnhaft. Im Jahre 1662 am 27. Okt. wurde Jelis der geldernschen Ritterschaft aufgeschworen; desgleichen wegen Bocholtz am 8. Februar 1697. Bereits i.J. 1656 war er als Ritterschaftsmitglied zum Landtage nach Roermond verschrieben, ebenso 1679 und fernerhin. Er kaufte am 27. November 1673 von König Karl von Spanien die Herrlichkeit Lobberich. (Der Kaufakt nennt ihn Jelis Werner von Bocholtz zu Bocholtz.)Am 20. Juni 1674 überläßt er ein Drittel der Herrlichkeit Lobberich an seinen Verwandten Johann Wilhelm, Freiherr v. Bocholtz zu Grevenbroich und Orey. Durch Testament seiner Eltern vom 15. Januar 1680 erhielt er als ältester Sohn außer anderem die Burg Bocholtz samt deren zwei Ackerhöfen, die im Vorhofe stehen, vorab.Durch Testament seines Verwandten (des Vetters eines Vaters) Johann von Bocholtz zum Hove, Domherr in Lüttich, vom 21. September 1651, erbte er auch das Haus Ingenhoven (Zum Hove) zu Lobberich, mit der Bestimmung, daß da mit ihm, dem Testator, seine Linie im Mannesstamm erlösche und erlöschen solle, alsdann die Agnaten der Linie von Bocholtz zu Störmede in Westfalen folgen sollen. Domherr Johann starb 1653 und bereits im November 1652 nahm Edigius Werner Ingenhoven in Besitz. Am 16. Mai 1680 ernannte König Karl von Spanien als Herzog von Geldern den Egidius Werner von Bocholtz Herrn zu Lobberich an Stelle seines Vaters zum Geheimrat des Fürstentums Geldern und der Grafschaft Zütphen.Edigius Werner Freiherr von und zu Bocholtz Herr zu Lobberich starb unverheiratet zur Roermond am 9. Okt. 1696.

5. Eva Katharina v. Bocholtz, geb. zu Burg Bocholtz den 17. Juni 1643 und getauft daselbst den 23. Juni, Nonne zu Heinsberg. Im Januar 1660 legte sie im adeligen Prämonstratenser-Ordenkonvente U.L.Fr. zu Heinsberg ihre Profeß ab und war 1678 Superiorin zu Heinsberg.

6. Gottfried Arnold von Bocholtz, geboren zu Burg Bocholtz, den 26. Juli 1644 und getauft daselbst den 29. Juli, er starb bereits am 6. Sept. 1644.

7. Johann Arnold von Bocholtz geboren 1646, folgt unter H.

8. Anna Magdalene von und zu Bocholtz, geboren zu Burg Bocholtz den 6. August 1647, getauft daselbst den 21. August; ebenfalls, wie ihre Schwester Nonne zu Heinsberg. Am 15. Oktober 1663 legte sie im adeligen Kloster Heinsberg ihre Profeß ab, war 1678 Kellnerin zur Heinsberg, wurde daselbst am 16. Januar 1691 zur Priorin erwählt und schenkte 1704 mit ihrem Bruder Johann Arnold die silberne Monstranz

zu Heinsberg. Sie starb im Kloster zu Heinsberg am 7. April 1716.

9. Elisabeth von Bocholtz, geboren zu Burg Bocholtz den 3. Okt. 1648, getauft daselbst den 9. Oktober, war Nonne zu Dalheim. Sie legte 1664 im Cisterzienser-Kloster zu Dalheim, im Jülischen, in der Diözese Lüttich ihre Profeß ab und wurde am 7. Februar 1672 zur Abtissin des Klosters Dalheim erwählt.

10. Eduard Bernard, Freiherr von und zu Bocholtz, geb. zu Burg Bocholtz den 2. Okt. 1649 und daselbst getauft den 9. Oktober, wurde, nachdem er vorher die notwendigen geistlichen Weihen erhalten hatte, am 19. Februar 1670 vom Papste Clemens X. zum Kanonikus an der königl. Kollegiatkirche Beatae Mariae Virginis zu Aachen in der Diözese Lüttich ernannt und nahm dieselbe am 28. April desselben Jahres in Besitz. Am 25. April 1689 wurde er, auf Vorschlag des zu Düsseldorf residierenden Pfalzgrafen Johann Wilhelm, zum Scholaster an derselben Kirche angestellt. Am 14. September 1700 löste er mit seinem Bruder Johann Arnold von den Erben von Roffart alle Güter ein ( es war die Hälfte der Güter des Hauses Ingenhoven,) welche der Maria von Spee am 23. Juni 1612 mit ihrem ersten Gemahl Arnold von Bocholtz (Ingenhoven) königl. spanischen Kapitän, aufgerichteten Eheberedung wegen ihrer Morgengabe in Pfandschaft gegeben waren. (Diese Maria Spee hatte in erster

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Ehe keine Kinder, heiratete in zweiter Ehe den Junker Roffart und die Kinder und Erben des Letzteren behielten die Pfandschaft an diesen Gütern. Am 11. Februar 1697 wurde er wegen des Gutes, "op der Spycker" bei der geldernschen Ritterschaft aufgeschworen; sodann am 11. August 1697 wurde er bei derselben Ritterschaft wegen des "Hauses Geisteren" aufgeschworen; ferner noch am 21. März 1715 wurde Eduard Bernhard von und zu Bocholtz Herr zu Steinhaus, genannt zu Plittersdorf, wegen des Rittergutes Plittersdorf bei der kölnischen Ritterschaft aufgeschworen. Am 19. Februar 1702 wohnte Eduard Bernhard, Feiherr von Bocholtz zu Geisteren (als Herr zu Geisteren) ebenfalls seitens der geldernschen Ritterschaft in Roermond der Huldigung für König Philipp von Spanien bei. Ebenfalls am 13. September 1713 wohnte Eduard Bernhard von Bocholtz seitens der Krickenbeck-Geldernschen Ritterschaft der Huldigung für König Friedrich Wilhelm I. von Preußen zu Geldern bei. Am 20. Dezember 1706 nahm er mit seinem Bruder Johann Arnold ein Inventar der Mobilien aus den Häusern Bocholtz und Ingenhoven zu Lobberich auf. Am 9. Juli 1715 wurde der Kanonikus und Scholaster Eduard Bernhard Freiherr von Bocholtz, weil er eines Auges beraubt und über 60 Jahre alt ist, vom Kurfürsten Joseph Clemens von Köln, von gewissen geistlichen Amtshandlungen dispensiert. Am 23. Dezember 1722 errichtete er ein Testament und setzte, da mit ihm der Mannesstamm der Bocholtz-Lobberich Linie erlosch, die von Bocholtz zu Störmede zu Erben der Gesamtgüter ein (die dieselben aber, wie bereits gesagt, nicht erhielten). Auch bestimmte er, daß einer der Söhne von Bocholtz-Störmede, der die Lobbericher Güter erhalte, sich allen Fleißes bemühe, eine der beiden Töchter seines Bruders Johann Arnold zu Bocholtz-Lobberich zur Gemahlin zu erhalten, - eine Bestimmung, die, da genanntes mißlang, nach seinem Tode einen Prozeß absetzte. Auch stiftete er in der Kapelle zu Plittersdorf eine sonntägliche hl. Messe. Nachdem er 1725 das adelige Rittergut "Haus zum Steege" (bei Issum) erworben, schloß er in einem Codizil vom 15. März 1726 dieses in dem Fideikommiß mit ein und stiftete daselbt, weil dort viele Andersgläubige seien, eine neue Kapelle nebst einer sonntäglichen hl. Messe und Christenlehre. Er starb auf dem Rittergute Plittersdorf bei Königswinter a.Rh., als letzter männlicher Sprosse der Bocholtz-Lobbericher Linie, am 23. März 1726 und wurde, seinem letzten Willen gemäß, in der Kapelle zu Plittersdorf, neben dem von ihm gestifteten nördlichen Seitenaltare zur letzten Ruhe gebettet. Der noch vorhandene Grabstein des Stiftsherrn Eduard Bernard von Bocholtz zeigt in der Mitte das Bocholtz'sche Wappen mit der Freiherrnkrone geschmückt, von zwei stehenden Löwen getragen; links die Wappen der von Bocholtz,von Eyll, von Pollart, von und zu Bockhausen, Hundt von Busch, Asselt von Geistelen, Goor von Aldengoor und von Asselt, rechts der von Velbrück, Eyll von der Heiden, Wolf-Metterich zu Gracht, Bernsau zu Hardenberg, von und zu Metternich, von Bonenburg zu Honten, Buschfeld zu Buschfeld und von Plettenberg. Seine Inschrift lautet: Ao. 1726, den 23. Martii ist der Hochwürdige Hochwohlgeborene Eduard Bernard, Fryherr von und zu Bocholtz, Herr zu Lobbruch, Plittersdorf und Steegen, im 77. Jahr seines Alters, dem Herrn entschlaffen." Er war der Letzte der Familie des Schlosses (Bocholtz zu Lobberich.) Requiescat in Pace. Amen." (Die Worte Bocholtz zu Lobberich, eingeklammert, sind ausgetreten.) Das Gut "Haus Steeg" gehört noch heute der älteren gräflichen Familie Bocholtz-Alme in Westfalen.

11. Gottfried Degenhard Otto, Feiherr von Bocholtz, geboren zu Burg Bocholtz, den 9. Februar 1651 und daselbst den 14. Februar getauft. Am 6. Juni 1664 erhielt er laut Zeugnis des Bischofs Eugenius Albertus von Roermond die Tonsur-Weihe. Als Deutsch-Ordens-Ritter wurde er am 19. September 1665 in der Deutsch-Ordens-Kommende zu Altenbiesen aufgeschworen und durch Patent, datiert Brüssel den 2. September 1673, als Hauptmann im spanisch-deutschen Regiment Prinz von Baden angestellt, war 1726 verstorben.

12. Ferdinand Adrian, Freiherr von Bocholtz, geboren zu Roermond, den 27. Mai 1752, daselbst am 1. Juni getauft, war später Domherr und ebenfalls 1726 verstorben.

13. Philipp Johann, Freiherr von Bocholtz, geboren zu Roermond, den 15. Oktober 1653 und daselbst am 21. Oktober getauft. Am 3. April 1677 wurde er zum Priester geweiht. Am 21. August 1672 legte er im Dominikaner-Kloster zu Sittard seine Profeß ab und wurde Pater des Dominikaner-Ordens, auch er war 1726 schon verstorben.

14. Johanna Margaretha Isabella, Freifräulein von Bocholtz, geboren zu Roermond, den 14. Mai 1656, am 10. Mai getauft. Sie war am 7. Mai 1684 Stiftsdame zu St. Maria im Kapitol zu Köln und errichtete als Pröpstin und Kammeraria des genannten Klosters, am 19. März 1714 ihr Testament, worauf sie schon bald verstarb.

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15. Johann Wilhelm von Bocholtz, geboren zu Roermond, den 1. Februar 1658 und daselbst getauft den 16. Februar, er starb am 1. März 1658 und wurde in der Kirche zu Lobberich begraben.

16. Agnes Ardriana, Freifräulein von und zu Bocholtz, geboren zu Roermond, den 7. März 1659, daselbst getauft den 11. März. Sie war am 24. März 1690 Stiftsdame zu Vilich, war bereits im Juli 1693 Abtissin des "Hochadelig frei weltlichen Stiftes Vilich" und erhielt als Abtissin zu Vilich vom Kurfürsten Clemens August von Köln am 5. November 1726 die Erlaubnis, ihr Testament zu errichten; schon bald darauf ist sie gestorben. Sie ruhet in der Abteikirche zu Vilich, vor dem Altare im nördlichen Seitenschiffe, wo ihr Grabstein noch erhalten ist. Derselbe hat die 16 Wappen, sowie das Bocholtzer Wappen, wie das ihres Bruders Eduard Bernard; von der Inschrift ist noch erhalten:"Ao. Domini ..... von und zu Bocholtz, des Hochadeligen ..... Frey Weltlichen Stifts ..... in dem Herrn entschlaffen;" die punktierten Buchstaben sind ausgetreten.

17. Konstantina Eleonore von Bocholtz, geboren zu Roermond, den 21. November 1660, getauft daselbst den 26. November; dieselbe ist als Kind gestorben.

Johann Arnold, Freiherr von und zu Bocholtz (G) Herr zu Lobberich, geboren auf Burg Bocholtz (Lobberich) den 6. September 1646, getauft daselbst den 30. September, erhielt laut Zeugnis des kurkölnischen Generalvikars am 26. Dezember 1656 die Tonsurweihe. Am 6. März 1661 versprach ihm Friedrich Wilhelm Markgraf von Brandenburg, als Herzog von Cleve, die erste Kanonikats-Präbende, welche in den klevischen Landen in den Stiften Xanten, Kranenburg oder Wissel in einem landesherrlichen Monate erledigt würde; den ersten Anspruch auf eine Propstei oder Kanonikastelle im klevischen Lande versprach ihm Markgraf Wilhelm von Brandenburg am 15. August 1673. Bereits am 22. Februar 1667 wurde er in der Person seines Bevollmächtigten, in den Besitz einer Dom-Präbende zu Lüttich eingesetzt. Am 30. Mai 1679 verlieh ihm Papst Innocenz XI. eine Präbende als Domherr zu Straßburg. Ihm wir nachgerühmt, daß er sich durch Studien und Wissen ausgezeichnet habe. Durch Patent des Kurfürsten Joseph Clemens von Köln wurde er am 7. April 1696 zum Geheimrat des Bistums Lüttich ernannt; als solcher war er auch zur Zeit Gesandter in Rom. Im Jahre 1700 löste er mit seinem Bruder Eduard Bernhard, wie schon gesagt, von seinen Verwandten verschiedene Güter ein. Am 8. Februar 1697 wurde Johann Arnold, Freiherr von Bocholtz wegen "Hove" (Ingenhoven) bei der geldern'schen Ritterschaft zum Landtag zu Roermond aufgeschworen, dem er seitdem angehörte. Am 19. Februar 1702 wohnte Johann Arnold, Freiherr von Bocholtz seitens der Krickenbeck-Geldern'schen Ritterschaft ebenfalls in Roermond der Huldigung für König Philipp von Spanien bei. Mit päpstlicher Dispens heiratete er in seinem 60. Jahre i.J. 1705 mit Anna Maria Amalia von Gymnich zu Blatten, Tochter des Franz Egon, Freiherr von Gymnich zu Blatten und der Maria Isabella, Freiin von Geldern zu Arcen. In seiner Eheberedung vom 11. November 1705 werden, wenn er ohne männliche Erben stirbt, die von Bocholtz zu Störmede als Erben subsituiert, zuerst jedoch 3 seiner Geschwister Leibzucht. Am 15. November 1706 errichtete er in Köln sein Testament. Wie uns die Eheberedung vom 11. November 1705 besagt, hatte er Haus Bocholtz, Haus Ingenhoven und die anderen Bocholtzer Güter, nach seines älteren Bruders Egidius Werner's Tode, am 12. rep. 18. Dezember 1695 erhalten. Im Jahre 1706, am 20. Dezember, nahm er mit seinem Bruder Eduard Bernard ein Inventar der Mobilien in den Häusern "Bocholtz" und "zum Hove" auf. (Das Testament ernennt seinen Bruder Eduard Bernard und seine beiden Schwestern, die Abtissin zu Vilich und die Stiftsdame in Köln, zu seinen Erben. Johann Arnold, Freiherr von und zu Bocholtz, Herr zu Lobberich, starb zu Lobberich, den 22. August 1711 1). Aus seiner Ehe entstammen 4 Kinder, von denen 2 im jugendlichen Alter starben; dieselben folgen unter H.

Durch Familien-Vertrag (zwischen 1714-18) erklärten sämtliche Mitglieder der Linie zu Bocholtz zu Bocholtz und Ingenhoven, darunter auch die Witwe Arnolds, welcher 1711 verstorben war, ihr sämtliches Vermögen für ein Fideikommis. Trotz all dieser bereits erwähnten Akte, ist aber, wie schon vorn bemerkt, weder Bocholtz, noch Ingenhoven nach Eduard Bernards Tode 1726 an männliche Familienmitglieder von Bocholtz gekommen. -- Anna Maria Amalia, geborene von Gymnicht zu Blatten, Witwe Johann Arnolds, Baron von Bocholtz zu Lobberich, kaufte 1717 von ihren Verwandten, den Kindern resp. Schwiegerkindern Johann Wilhelms, Freiherr von Bocholtz zu Grevenbroich und Orey für 10.000 Pattakons das Gut "Broock" (Brockerhof) und das eine Drittel der Herrlichkeit Lobberich welch letzteres ihr Schwager Edigius Werner dem Vater resp. Schwiegervater der Verkäufer 1674 überlassen hatte, so daß ihre Kinder nunmehr in den Besitz

Anm. 1 er starb dem Anschein nach auf Haus Ingenhoven)

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der ganzen Herrlichkeit waren. Es scheint, daß Freiherr Johann Arnold von Bocholtz, gestorben 1711, seit seiner Heirat auf dem "Hause Ingenhoven" wohnte; denn noch i. J. 1715 wurde es von seiner Gattin bewohnt, ebenso 1718. Diese hatte noch bis zu ihrem Tode, 1747, ihre eigenen, möbilierten Zimmer auf demselben. Im Jahre 1718 vermählte sie sich zum 2. Male mit Gerhard Freiherr von der Reck, Herrn zu Witten, Berge, Scheppen und Mallinkrodt, königlich preuß. Kammerherr des Markgrafen Albrecht Friedrich, Hofmarschall und Hauptmann des Johannitter-Ordens. (Eheberedung vom 16. Juli 1718 auf Haus zum Hove zu Lobberich.) Diese Ehe war kinderlos. Am 19. April 1731 präsentirte Anna Maria Amalia, Freifrau von der Reck, Frau zu Lobberich, als Eigentümerin der Häuser Broeck (Brockerhof) und Lobberich (Ingenhoven) einen Priester für das vakante Beneficium (Vikarie) des Liebfrauen- und Antonius-Altares in der Pfarrkirche zu Lobberich. Freiherr Gerhard von der Reck starb im August 1747, seine Gattin, die frühere Witwe Johann Arnold von Bocholtz, wenige Wochen vorher, am 11. Juli 1747.

H.

Der Ehe Johann Arnold's, Freiherr von und zu Bocholtz, Herr zu Lobberich und Anna Maria Amalia, Freiin von Gymnich, entsprossen folgende 4 Kinder:

1. Isabella Johanna Adrianna, Freiin von und zu Bocholtz, geboren zu Lobberich, den 21. Juni 1701, ist als Kind gestorben.

2. Theresia Agnes Katharina, Freiin von und zu Bocholtz, geboren zu Lobberich den 1. Oktober 1708, gestorben als Kind zu Lobberich, am 5.März 1714.

3. Maria Margaretha, geboren den 12. Okt. 1710, folgt mit ihren Nachkommen unter (I.)

4. Anna Franziska, geboren den 21. November 1711, 3 Monate nach dem Tode ihres Vaters, folgt mit ihren Nachkommen unter (II.)

Maria Margaretha, Freifräulein von und zu Bocholtz (I.) geboren zu Lobberich, den 12. Oktober 1710, heiratete am 6. Januar 1739 Wilhelm Ludwig Joseph, Freiherr von Mirbach, Herr zu Harff, Honstorf, Nierhoven, Obhoven, Immendorf, Ruhrkempen, Virnich, Enthen, Fürth, Gutstorf und Broeckhoven, Kurpfalz-Neuburgischer Kämmerer und Amtmann zu Randerath; sie starb zu Düsseldorf, am 3. November 1786. Ihr Gemahl war ihr schon am 3. Januar 1777 im Tode vorgegangen. Die von Mirbach haben als Wapppen ein Hirschgeweih im Wappenschilde. Im Jahre 1738 schenkte Maria Margaretha, Freifräulein von und zu Bocholtz der Pfarrkirche zu Lobberich ein selbst angefertigtes Antependium, mit großblumigen Ornamenten, welches ihren Namen trägt und noch vorhanden ist. Im Jahre 1759 übte Frau von Mirbach, geborene letztes und ältestes Fräulein von Bocholtz, Herrin von Lobberich, im Verein mit ihrer Schwester, Frau von Bentinck, geboren letztes und jüngeres Erbfräulein von Bocholtz, Herrin von Lobberich, welche beide Stimmen ein Votum ausmachten, ihr Recht bei Besetzung der Lehrerstelle in Lobberich aus.

In der Teilung mit ihrer Schwester Anna Franziska von Bocholtz, 1748, erhielt sie u.a. Haus Bocholtz, Brockerhof und Neumühle, alle in der Gemeinde Lobberich gelegen. Die Eheleute Mirbach und Bocholtz hatten 6 Kinder, davon seien genannt:

1. Isabella, Freiin von Mirbach, starb als Kind zu Lobberich, am 4. September 1747.

2. Wilhelm Ludwig Freiherr von Mirbach war i.J. 1775 Oberamtmann zu Wassenberg; und

3. Gerhard Johann Wilhelm Joseph Freiherr v. Mirbach, Herr zu Harff, Fürth, Sahr, Lobberich, Entzen, Immendorf, Neuerburg, Vorst, Graven, Schraffenberg, Hülsen, Bruickhoven, Bocholtz, Broich, Entzelburg, Eichen, Klettenheim usw. Kurpfalz-Baierischer Kammerherr, Oberamtmann zu Mettmann, darauf zu Windeck, geboren den 12. Oktober 1739, gestorben den 5. Februar 1794, heiratete den 3. August 1769 Maria Elisabeth Augusta, Reichsgräfin von Vellbrück zu Landquit, Sternkreuzdame, gestorben den 25. September 1814. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder und zwar:

1. Johann Wilhelm Joseph, Graf von Mirchbach zu Harff, Rheinischer Ritterhauptmann, Major Ritter pp.: bei Gelegenheit der Erbhuldigung des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen i.J. 1840 wurde er in den Grafenstand erhoben. Er hat seit 1819 vermählt mit Antonette Gäfin von Wolf-Metternich zu Gracht, welche Ehe kinderlos blieb. Er war geboren den 3. Februar 1784 zu Düsseldorf und starb zu Dresden am 23. Dezember 1849 und wurde in der St. Cäcilienkapelle zu Harff beerdigt. Seine Gattin starb zu Harff am 14. Mai 1855. Der Erbe seiner Güter, seines Namens und seines Wappens war Richard, der jüngere Sohn seiner Schwester.

2. Anna Odilia Josephine Freiin von Mirbach, Sternkreuzordens-Dame, getauft den 29. März 1778, heiratete den 13. August 1800 Maximilian Friedrich, Freiherr von Vorst-Lembeck-Gudenau, Burggraf zu Drachenfels und kaiserlicher Kammerherr. Derselbe wanderte im Aufust 1813 nach Oesterreich aus, nachdem er seine Besitzungen am Rhein und in Brabant verkauft hatte und kaufte in Mähren die Herr

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schaft Ziadlowitz; aus seiner Ehe stammen 4 Töchter und 2 Söhne - davon: Richard (Freiherr von Vorst-Lambeck) Graf von Mirbach-Harff (zweiter Sohn seiner Eltern) königlicher preußischer Geheimer Regierungsrat, geboren zu Gedenau den 24. August 1810, gestorben zu Bonn am 14. Dezember 1853, Erbe seines Onkels den 23. Dezember 1849, mit königlicher Genehmigung vom 31. Mai 1850 Universalerbe der Fideikommißgüter: Harff, Gustorf, Neurath, Bocholtz, Fürth, Neuerburg, Vorst, Graven, Dückenburg, Galkhausen und Hülsen und statt seines bisherigen Namens den Namen, das Wappen und den Titel des Grafen von Mirbach-Harff zu führen. Er heiratete am 20. November 1840 Elisabeth Juliana, Gräfin von Hoyos-Sprinzenstein, geboren den 7. Juli 1816. Kinder: 2 Söhne und 2 Töchter:

1. Johann Wilhelm, Graf von Mirbach-Harff, Inhaber der vorgenannten Fideikommißgüter und der Allodialgüter Immendorf, Honstorf, Entzen, Rheindorf bei Bonn und Leidenhausen, geboren den 11. Feb. 1842.

2. Ernst, Graf von Mirbach-Harff, nach dem Tode seines Bruders Inhaber der vorgenannten Fideikommißgüter, verheiratet mit Wilhelmina Gräfin von Thun-Hohenstein. Er und seine Gattin schenkten einen großen Teil des Bauplatzes der neuen Pfarrkirche zu Lobberich, nämlich 30 Ar, ca 1 1/4 Morgen. Graf Mirbach, Majoratsherr auf Schloß Harff, starb in Folge einer Operation im Karmelitessenkloster zu Düsseldorf in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 1901. (Seine Schwester drittes Kind seiner Eltern, ist: Antonia, Freiin von Mirbach-Haff, geboren den 5. Juni 1846, heiratete den 25. Juli 1865 Wilderich Graf von Spee-Heltorf, Landrat a.D. des Kreises Düsseldorf; eine Tochter dieser Eheleute, die Gräfin Paula von Spee-Maubach (letzteres Wohnsitz ihrer Eltern) trat i.J. 1901 in das Kloster der armen Klarissen zu Düsseldorf ein, woselbst sie den Namen "Schwester Maria Aloysia" erhielt.

Der Graf von Mirbach-Harff verkaufte von seinen Lobbericher Gütern (von seiner Ururgroßmutter Maria Margaretha v. Bocholtz herkommend) zuerst die Neumühle mit ihrer Windmühle und sodann, 1871, auch den Rittersitz Haus Bocholtz, wogegen der Brockerhof, in der Nähe der neuen Kirche und der Pastorat gelegen, noch heute sein Eigentum ist. Von letzterem schenkte er i.J. 1888 20 Ar Ackerland zur Vergrößerung des Kirchenbauplatzes , weshalb auch sein Wappen zur ehrenden Erinnerung in Dankbarkeit über dem Portale der Kirche der Südseite (der geschenkten Stelle) angebracht ist.

Anna Franziska Freifräulein von und zu Bocholtz (II.) geboren den 21.November 1711, - 3 Monate nach ihres Vaters Tode - heiratete den 3. Oktober 1729 Adrian Konstantin Freiherr von Bentinck, Herr von Wolfradt (Nieuwstadt) und Limbrecht (zwischen Neustadt und Sittard, niederländische Provinz Limburg,) kurpfälzischer Geheimrat, Präsident des Jülich- und Bergischen Kammergerichts, Ritter des kurpfälzischen Löwenordens, geboren 1699, gestorben zu Düsseldorf den 6. Februar 1779 und wurde am 15. Februar auf dem Chore der Kirche zu Limbrecht begraben. Die von Bentinck führten als Wappen in blauem Felde ein silberner Ankerkreuz. Seine Gattin überlebte ihn und starb zu Limbrecht am 5. Mai 1787.

In der Teilung mit ihrer Schwester Maria Margaretha von Bocholtz i.J. 1748 erhielt sie außer anderem folgende in der Gemeinde Lobberich gelegenen Güter: Haus Ingenhoven, die Kothmühle, Bröckelshof, Höserhof (jetzt Stapperhof genannt), Merschelshof zu Sittard und Könishof. Alle diese Güter brachten der Familie Bentinck wenig Heil, wie wir sehen werden. Die Eheleute Bentinck und Bocholtz hatten 15 Kinder:

1. Gerhard Franz Joseph Freiherr von Bentinck, geboren zu Limbrecht, den 11. November 1730, Domherr zu Halberstadt 1769, starb zu Geldern den 6. Februar 1774 und wurde zu Limbrecht begraben.

2. (4,5,6,8,9 und 11 starben jung.) Friedrich Wilhelm Freiherr von Bentinck, geboren 1741, Deutsch-Ordens-Ritter, jung gestorben.

2. Elisabeth Maria Gerardina Bernardina Freiin von Bentinck, geboren zu Limbrecht den 14. August 1733, Kanonissin des adeligen Stifts Ardenne bei Namur in Belgien, gestorben zu Limbrecht den 3. April 1792.

7. Maria Theresia Wilhelmina Antonette Freiin von Bentinck, geboren den 5. November 1739, zu Fürst-Abtissin des kaiserlichen Stiftes Münsterbilsen (Belgisch-Limburg) erwählt im Juli 1780; sie starb während der "Emigration" in ihrem Stift zu Paderborn am 5. Mai 1799.

10. Maria Isabella Christina Freiin v. Bentinck, geboren zu Limbrecht den 31. Juli 1743, Kanonissin zu Münsterbilsen, starb während der "Emigration" in ihrem Stift zu Düsseldorf am 31. August 1800.

12. Wilhelmina Maria Theresia Freiin von Bentinck, geboren zu Limbrecht den 5. Januar 1748, Kanonissin zu Andenne bei Namur, starb daselbst den 24. Februar 1808.

13. Maximilian Joseph Hyacinth Alexander, Freiherr von Bentinck, Herr von Wolfradt, Limbrecht und Lobberich, geboren zu Limbrecht den 10.Nov. 1749.

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Er war ursprünglich zum geistlichen Stande bestimmt und Domherr zu Speyer, resignierte aber und trat in den Justizdienst. Er war Jülich-Bergischer Geheimrat und bereits am 12. Februar 1789 Präsident der jülich-bergischen Hofkammer, als letzterer ist er wohl seinem 1770 verstorbenen Vater, der auch diese Stelle bekleidete, gefolgt. Er blieb Kammerpräsident bis zur Aufhebung der Hofkammer i.J. 1815. Am 6. November 1786 wohnte er mit 9 anderen Adeligen, seitens der Ritterschaft Geldern's in Geldern der Huldigung König Friedrich Wilhelm II. von Preußen bei. Im Jahre 1814 vermählte er sich mit Maria Margaretha Adelheid Adolphine Warlburgis Freiin von Grein, geboren 1750, Witwe von Ignaz Anton Bernhard Freiherr von Reibeld, kurpfälzischen Regierungs-Präsidenten und Gesandten, gestorben 1810. Seine Gattin starb vor ihm. Im Jahre 1818 schenkte er, damals in Köln wohnhaft, der Kirche zu Lobberich 7 Ruten 128 Fuß vom Hause Ingenhoven zur Vergrößerung des Kirchhofes, welcher durch den in diesem Jahre erfolgten Ausbau der Pfarrkirche zu sehr eingeschränkt war, unter der Bedingung, für ihn und seine Familie ein jährliches Jahrgedächtnis in der Pfarrkirche zu Lobberich zu halten. Dem Freiherrn Max von Bentinck - dem letzten männlich Sprossen der Bentinck-Limbrechter Linie - war ein trauriges Geschick beschieden. Kinderlos, als Letzter seines Stammes, sah er seine Gattin und alle seine Geschwister vor sich in das Grab sinken vor und nach mußte er sämtliche Erbgüter der Familie, sowohl die väterlichen Güter Wolfradt und Limbrecht, als auch die mütterlichen Güter, worunter auch die Güter zu Lobberich: Kothmühle, Bröckelshof, Höserhof jetzt Stapper, Merschelshof-Sittard und Köneserbe, verkaufen. Es blieb ihm von diesen aber noch das Rittergut Haus Ingenhoven. Die Herrschaft Limbrecht verkaufte er zu Aachen i.J. 1810. Zuletzt aber, i.J. 1820, mußte er zu seinem großen Schmerze auch noch sein so liebes Haus Ingenhoven schuldenhalber verkaufen. (Ankäufer war Peter Dammer, sein Pächter auf Ingenhoven, dessen Familie das Ackergut des Hauses über 50 Jahre in Pacht gehabt.) Als Schuld kann ihm nur Sorglosigkeit in der Verwaltung seiner Güter und zu großes Vertrauen auf andere, zugeschrieben werden. Verschiedene gegen ihn gesponnene Intriguen beschleunigten seinen finanziellen Ruin. (Eine noch blühende Seitenlinie der Familie von Bentinck ist von Kaiser Karl IV. in den Grafenstand erhoben worden.) Maximilian Joseph Hyacinth Alexander Freiherr von Bentinck, Präsident der ehemaligen Jülich- und Bergischen Hofkammer, Ritter des Königlichen Bayrischen Kronen-Ordens, starb zu Pempelfort, Stadtgemeinde Düsseldorf, Haus= Nr. 88, im 82. Jahres seines Lebens, am Samstag, den 2. April 1831, morgens 8 Uhr.

14. Karoline Friederika Alexandrine Freiin von Bentinck, geboren zu Limbrecht den 3. März 1752, heiratete den 27. November 1779 Hugo Anton Joseph Freiherr von Leerode, zu Leerodt, Kreis Geilenkirchen, Amtmann zu Sittard.

15. Karl Wilhelm Joseph, Freiherr von Bentinck, geboren zu Limbrecht, den 27. Mai 1756, k.k. Hauptmann, starb unvermählt zu Jülich am 15. September 1804.

2. Das Haus Ingenhoven und seine Besitzer.

Mit der Burg Bocholtz eng verbunden war das neben der (alten) Pfarrkirche liegende Haus Ingenoven. Während der Jahre 1612 bis 1624 war Godart von Bocholtz vom Hause Ingenhoven unter Lobberich als Ritterschaftsmitglied zum geldernschen Landtage verschrieben. Als zu Ende des Jahres 1724 König Friedrich Wilhelm I. von Preußen die rittermäßige Qualifikation der adeligen Güter des Herzogtums Geldern durch die Landstände untersuchen und feststellen ließ, wurde auch das "Haus ten Hove" (Ingenhoven) im Besitz der Freifrau v. Reck zu Witten (vordem Wittwe Johann Arnold von Bocholtz) als rittermäßig anerkannt. Das Haus Ingenhoven wurde bis zur französischen Occupation stets zu den Rittersitzen des Oberquartiers von Gelderland gezählt und war bis nach dem Tode des Herrn Bürgermeisters Kessels (gestorben 1864) als "Rittergut" in die Rolle der landtagsfähigen Rittergüter des Kreises Kempen eingetragen. Nach dem Tode des Herrn Kessels, 1864, teilten dessen Kinder die Ländereien des Hauses, wodurch das Haus seine Qualität als Rittergut verlor. Von den Gebäuden des Hauses Ingenhoven steht noch da i.J. 1544 erbaute Herrenhaus; die Wohnung des Pächters und die Oekonomiegebäude sind nach der nach Bürgermeister Kessels Tode erfolgten Teilung der Ländereien abgebrochen worden. Kommerzienrat Karl Niedieck, der Schwiegersohn Bürgermeister Kessels, der u.a. auch das Haus Ingenhoven mit seiner großen Umgebung 1866 erhielt, überließ einen großen Teil dieser Umgebung an seinen Bruder, Kommerzienrat Julius Niedieck, der zu Ende der sechsziger Jahre eine schöne Villa darauf erbaute. Der Rittersitz Ingenhoven (zuweilen auch Haus Lobberich) liegt in dem Dorfe Lobberich selbst, unmittelbar hinter der

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(alten) Pfarrkirche; er wurde deshalb noch im 14. und 15. Jahrhundert in den Urkunden mehrfach nur der "Hof hinter der Kirche zu Lobberich " genannt; sonst hieß er "der Hof" oder "zum Hove", weil er der erste Sitz in der Herrlichkeit Lobberich war. Da die Namen der Sitze im Gelderlande meist decliniert wurden, so entstand daraus der Sitz "In gen (den) Hove", woraus später durch Kontraktion Ingenhoven geworden ist. Der Sitz wird zuerst 1326 erwähnt. Diese Burg lag ehemals auf einer künstlichen Insel, rings von breiten Gräben umgeben und mit den südwestlich anstoßenden größeren Haus Lobberich durch eine Brücke verbunden. Seitdem letzteres vom Erdboden verschwunden ist, sind vor und nach die Gräben ausgefüllt worden ; der einzige von den Gräben noch vorhandene Wasserlauf ist nordöstlich vom Rittersitz zu einem Teiche umgewandelt. Das noch jetzt erhaltene Herrenhaus Ingenhoven ist ein fast quadratischer, zweistöckiger Hauptbau mit vier Eckdachtürmchen, einem Flügelanbau und dem Frontgebäude mit den beiden flankierenden Rundtürmen. In dem westlichen Eckturme ist die Kapelle, mit nach Westen gerichtetem Altar. Der Flügel des Hauptgebäudes ist im Jahre 1866 im Innern umgebaut. Das Portal zwischen den beiden Rundtürmen , das von der Hofterasse in das Treppenhaus führt, ist im Rundbogen geschlossen. Ueber der Thür ist ein Täfelchen, eingemauert mit der Jahreszahl 1544, den Scheitel schmückt ein Wappen, der Schild halbirt, rechts die 3 Leopardenköpfe (Bocholtz,) links im Querbalken mit einem Vogel: letzteres ist, das Wappen der Vinck von Langenfeld. (Fahne, II. Abtl. S. 174.)(Die Vinck von Langenfeld führten folgendes Wappen: im goldenen Schilde einen schwarzen Sparren, auf dessen Spitze ein roter Vogel sitzt. Arnold (I.)von Bocholtz zu Hinsbeck, (aus der Linie Haus Broeck-Lobberich) 1532, dessen Vater, Peter von Bocholtz vom Hause Ingenhoven gebürtig war, (vergleiche Haus Broeck)heiratete Alexandrine Franziska von der Vinck zu Langenfeld, Tochter Sanders (Alexander) und der Elisabeth von der Eick, i.J. 1545 war sie Witwe. Das Wappen der von Bocholtz, die 3 Leopardenköpfe, mit der Freiherrnkrone und der Jahreszahl 1700 befindet sich auch in Blaustein gehauen, an den beiden Pfeilern des Einfahrtsthores und in der Mauer des Gartenhäuschens an der Straße. Ueber die noch im 18. Jahrhundert in "Haus Ingenhoven" befindlichen, zahlreichen, älteren Mobilargegenstände und Kunstwerke geben ebenfalls 2 Inventare Aufschluß, die am 20. Dezember 1706 durch Johann Arnold und Eduard Bernhard von Bocholtz und am 3. April 1748 durch Freiherrn von Mirbach und A. Freiherrn von Bentinck aufgenommen wurden. Nach dem Inventare vom Jahre 1748 waren außer vielen anderen Gemälden allein 43 Gemälde (Porträts) der Familie von Bocholtz, Velbrück, Reck, Gymnich, Mirbach u. auf Haus Ingenhoven damals noch vorhanden. Die Inventare sind abgedruckt bei Fahne, Bocholtz, II. Bd. und zwar das v. J. 1706 S. 250 - 52, das v.J. 1748 S. 272-80. Nach dem Inventar von 1748 war das ganze Silberwerk 126 Pfund 1 1/4 Lot schwer, bestand meistens aus 13 lötigem Silber, 11 Stück waren 12-lötig, 1 Stück 14-lötig, 2 Stück 15-lötig und 1 Stück 16-lötig. Das Lot 12-lötig ist zu 12, 13-lötig zu 13, 14-lötig zu 15, 15lötig zu 15 und 16-lötig zu 16 Blaffert geschätzt. Bei Vergoldung ist per Lot 1 Blaffert und bei starker Vergoldung 2 Blaffert zugesetzt. Nach dem Lehnsregister des Herzogtums Geldern, welches mit dem Jahre 1326 beginnt, sind mit Ingenhoven bis 1559 belehnt: Eynen hoof achter der kerken tot Lobbroeck gelegen, tot eenen Dienstmanns leenrechten by Goedert von Boicholt ontfangen, Anno 1403." Derselbe erhält den "hoff tho Lobberick gelegen achter der kerken" mit den darin gehörenden Laten und anderem Zubehör, zu Dienstmanns-Lehnrechten 1424; auch erhielt er zugleich den "hoff tot Haendom mit seinem Zubehör, gelegen in dem Lande von Kempen, zu einem geldernschen Lehn." Da zu diesem Sitze Ingenhoven eine große Latenschaft (Layschaft) und Lank gehörte, ist ein Beweis, daß der Sitz einst ein Dynastensitz war, wie solches auch schon im vorigen Abschnitt über Haus Bocholtz ausgesprochen ist. Arnt von Boickholt, Erbe seines Vaters Gaderts, empfing den "hoff achter der kerken tot Lobbrock gelegen", mit seinem Zubehör zu geldernschen Rechten. Ao. 1464. Auch mit Zustimmung seines ältesten Bruders Hermann Ao. 1465 zu Dienstmanns-Lehnrechten. Auch den Eid erneuert den 4. Oktober 1473. Gadert von Heythausen an der einen Seite und der Hof "ter Sittart" zur andern Seite, zu geldernschen Rechten. Goert von Boickholt, thut selbst den Eid, den Peter für ihn gethan hat, 25.Juni 1486. Die Kinder Goert's van Boickholt, Arnts Sohn, belehnt mit dem "haus und dem Hof, gelegen in dem Lande von Krickenbeck, in em Kirspel von Lobbroick achter der Kerken", mit allen seinen Rechten und Zubehören, laten, achterlehnen, leibgewinns und kurmütigen Gütern, "hophen, legen, diepen en drogen," gelegen, zu geldernschen Rechten den 10. Juni 1533. Goert von Boickholt, Goert's Sohn, ist ihr "mombaer" (Vormund). Johann von Boickholt, Goert's Sohn thut selbst den Eid 18. Oktober 1538. Erneuert

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den Eid den 8. August 1544. Sein ältester Sohn kriegt "Ausstell" den 30. Oktober 1557. Ebenso werden die unmündigen Kinder belehnt den 15. März 1559 durch Jakob Peik, Rath. Am 21. Oktober 1743 ist Gerhard Cremeren als "huldet" von M. Margaretha, Freifrau von Mirbach, geborene van Boickholt, mit dem "Haus zum Hove" belehnt.

Ingenhoven oder Hof zu Lobberich, 1626 "Hof zu Lobbroick". 1403 "Hof achter der kerken, Dienstmanns-Lehn" genannt, grenzte 1473 an einer Seite an die Sittard, an der anderen an Goddert von Heithausen. (Die Belehnungen von Ingenhoven von 1326 bis 1403 resp. 1426 siehe unter Belehnungen mit Bocholtz im vorigen Abschnitt.) Im Jahre 1500 wird bei Ingenhoven ein Baum und 1646 ein Gemüsegarten genannt; 1748 gehörten dazu 88 1/2 Morgen Ackerland. Im Jahre 1862 gehörten zu dem Rittergute Ingenhoven 160 Ruten 70 Fuß Haus und Hof, 3 Morgen 62 Ruten 40 Fuß Garten und Baumhof, 74 Morgen 159 Ruten 50 Fuß Ackerland, 14 Morgen 140 Ruten 60 Fuß Wiesen und Weiden, 17 Morgen 35 Ruten 60 Fuß Holzung, 5 Morgen 129 Ruten 30 Fuß Weyer und Sumpf und 1 Morgen 19 Ruten 50 Fuß Haide, zusammen mit 418 Thaler 14 Sgr. 7 Pfg. Reinertrag. Außer den Kellern war auch ein ehemaliges Gefängnis noch vorhanden. Wohl der "Stock oder das Amtsgefängnis" des Amtmannes Jeles von Bocholtz, 1581.)Soweit die Urkunden zurückreichen, hielten die Bocholtz stets auch den Sitz "Haus Ingenhoven" inne, bis er im 18. Jahrhundert durch die 2 Erbtöchter faktisch dem Geschlechte verloren ging. Durch 5 Generationen blieben die Burg Bocholtz und das Haus Ingenhoven vereinigt, sodann erhielt in der Bruderteilung 1360 Wienand Haus Bocholtz und Hermann, gestorben 1396, Haus Ingenhoven. Im Besitze seiner Nachkommen verblieb Ingenhoven bis zum Tode des Dompropstes Johann von Bocholtz zu Lüttich, gestorben 1653, der es testamentarisch 1651 dem Sohne seines Vetters zu Bocholtz vermachte. Sein Vater Egidius von Bocholtz-Ingenhoven war nämlich mit Margaretha von Bocholtz-Bocholtz verheiratet gewesen. Der Erbe Werner Egidius, Freiherr von Bocholtz starb 1696 unverheiratet und so kam Ingenhoven 1696 an dessen Bruder Johann Arnold, Freiherr von Bocholtz zu Bocholtz, dieser starb 1711 und hinterließ nur 2 Töchter. In der Teilung 1748, wie schon unter Bocholtz ersehen, fiel Ingenhoven der jüngeren Erbtochter Anna Franziska von Bocholtz zu, welche mit dem Freiherrn Adrian Constantin von Bentinck geheiratet war. Dieser Familie brachte Ingenhoven wenig Heil. Der Sohn vorgenannter Eheleute, Freiherr Maximilian von Bentinck, gestorben 1831, mußte schuldenhalber i.J. 1820 Haus Ingenhoven verkaufen Ankäufer war Peter Dammer, Pächter des Gutes Ingenhoven, welche Familie das Gut schon von Vater und Sohn über 50 Jahre in Pacht gehabt hatte. Peter Dammer starb 1844 und ging Ingenhoven nun auf dessen Schwiegersohn, Bürgermeister Kessels zu Lobberich über, der dasselbe auch früher in Köln für seinen Schwiegervater angekauft hatte. Kessels, Bürgermeister a.D. Rittergutsbesitzer und Ritter des roten Adlerordens, starb 1864, und wurden nach seinem Tode die Ländereien u. des Rittergutes geteilt wodurch die Qualifiaktion als Rittergut verloren ging. Das " Haus Ingenhoven" selbst ging an seinen Schwiegersohn, Herrn Kommerzienrat Karl Niedieck über,in dessen Besitz es sich noch heute befindet.

Die Herren des Hauses Ingenhoven zu Lobberich bis zur Wiedervereinigung desselben mit Haus Bocholtz.

Die ersten bekannten 5 Generationen der Familie von Bocholtz besaßen die Burg Bocholtz und das Haus Ingenhoven gemeinschaftlich. Erst bei der Teilung i.J. 1360 erhielt Wienand von Bocholtz, der jüngere Sohn, die Burg Bocholtz und wurde Stammvater der Linien zu Bocholtz, Waldniel (auch Rittersitz Niel, Burgwaldniel, Brockerhof, Brockerhof und Haus Bocholtz genannt) Lüttelforst, Busch und Ingenraedt (Wankum), welche alle im Mannesstamme längst erloschen sind; dagegen erhielt Hermann von Bocholtz der älteste Sohn, die Häuser Ingenhoven, Broeck, (Brockerhof bei Lobberich) und die Güter in Hinsbeck und wurde Stammvater der Linien zu Hoven, (Ingenhoven) Broeck (Brockerhof, Lobberich) Horst, Grave, Tongerlo, Mürz, Lüder (hessen), Braunschweig und Aldenhof, sowie der allein noch bestehenden Linien in Curland und Westfalen. -

Hermann (I.) von Bocholtz zu Hove, Broeck und Hinsbeck, ältester Sohn Gerhard I. von Bocholtz. Er und seine 3 Brüder teilten am 24. Juni 1360 die elterlichen Güter, wobei u.a. ihm Ingenhoven und Brockerhof zufielen. Am 29. November 1375 gaben Herzog Wilhelm von Jülich und Geldern und Maria seine Gattin, ihm 28 Morgen Land zu Lobberich in Erbpacht, womit er am selben Tage belehnt wird. Im Herbste 1387 lag Hermann von Bocholtz mit seinem Vetter Johann von Bocholtz-Bocholtz und achtzehn anderen Edelen unter dem Krickenbecker Amtmann

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Heinrich von Wickrath von Montag nach Remigius bis Donnerstag nach St. Gallus mit 16 anderen Edlen (unter ihnen Gisbrecht von Bocholtz) zu Lobberich, von da an bis Martinsabend in Neustadt, zwischen Martinsabend und Stephanstag bald in Echt, Venlo und Lobberich, um für Herzog Wilhelm von Geldern gegen den Herzog von Burgund sein Land zu verteidigen; dann trat kurze Waffenruhe ein. Er starb am 26. Januar 1396 und wurde in der Pfarrkirche zu Lobberich beigesetzt. Sein Universarium wurde bei den Kreuzbrüdern zu Dülken gestiftet. Er heiratete erstens Adelheid von Bellinghausen, wovon keine Kinder und zweitens Katharina von und zu Wachtendonk, Tochter Arnolds. Der Ehe entstammen 2 Kinder:

1.Margaretha von Bocholtz, wird 1455 genannt; sie starb den 18. Februar 1467 und war verheiratet mit Johann von und zu Wachtendonk.

2. Godart oder Gottfried (V.) von Bocholtz zu Hove, Horst, Broeck, wurde 1403 belehnt, starb am 10. Februar 1463 und wurde zu Lobberich beigesetzt; er war verheiratet mit Johanna von Ghoer zu Caldenbroich; sie bekömmt 1445 eine Leibzucht an dem Hofe Broich, starb am 1. April 1464 und wurde zu Lobberich beigesetzt. Diese Eheleute Godart von Bcholtz und Johanna von Ghoer und ihr Sohn Arnold belehnten am 24. Februar 1453 Hennicke (Joh.) Kettelbuiter mit 4 Morgen Land zu Sassenfeld bei Lobberich. Daselbst lebte noch i.J.1693 eine Familie Kettelbuiter. Vorgenannte Eheleute hatten 14 Kinder:

1. Hermann (II.) von Bochotz zu Hove, ältester Sohn, wird 1455, 56 und 65 genannt; er starb am 26. Juni 1485, und war verheiratet mit Agnes von Bellinghausen, welche am 8. Juni 1481 starb. Sie hinterließen 1 Tochter, Barbara von Bocholtz, welche unverheiratet starb. (Hermann von Bocholtz schenkte 1479 bei der Stiftung des Dülkener Kreuzherrenklosters eine Rente, die 1505 von seinen Neffen Gödert und Arnt, den Söhnen seines unter Nr. 13 genannten Bruders Peter von Bocholtz (zu Brockerhof, Broeck) abgelöst wurde mit 7 Morgen Ackerland. Die Verpflichtung des Dülkener Klosters war, jährlich zwei Priester des Klosters nach Lobberich zu schicken und dort Messe zu lesen, an dem Tage, an dem Junkers Peter von Bocholtz Jahrgedächtnis daselbst ist. Der Bruder Peter's und Hermann's, Namens Wilhelm v. Boichholz, war im genannten Jahre 1470 Pfarrer in Dülken. Die von Bocholtz besaßen auch zwei Latenbänke in Dülken, so gegen 1480 der genannte Hermann von Bocholtz; 1554 hatten Wilhelm v. Bocholtz zu Waldniel , Joachim von Bocholtz zu Lobberich und Godart von Bocholt zu Wachtendonk jeder eine Latbank in Dülken. Die erstere ging in späterer Zeit an die Abtei Gladbach über. Es findet sich nämlich in einem Gladbacher Zinsregister vom Jahre 1777, daß die betreffenden Latengüter, ebenso wie die Bocholtzer Latbank in Boisheim, die ebenfalls 1554 Joachim von Bocholtz zu Lobberich zustand, in dem Besitz der Abtei übergegangen waren. Das betreffende Latenregister von 1777 war angefertigt auf Grund eines älteren von 1632, welches Arnold von Huyn zu Geleen zu Wachtendonk und seine Frau Margaretha von Bocholtz hatten anfertigen lassen; letztere Eheleute ruhen in der Pfarrkirche zu Wachtendonk, wo ihr Grabstein, mit beider Wappen, noch vorhanden ist. Im Jahre 1401 war ein Johann von Bocholtz Pächter des Schultheißenhofes zu Dülken, ebenfalls wird derselbe 1407 als Nachbar in einer Verkaufsurkunde daselbst genannt.)

2. Godert (VI.) von Bocholtz, war 1455 außer Landes in Preußen und befürchteten seine Eltern, daß er nicht heimkehre, für den Fall sie Bestimmungen betreffs ihres Hauses Ilem in Viersen treffen; er starb unverheiratet.

3. Johanna von Bocholtz, Stiftsdame zu Kaisersbosch, 1455.

4. Margaretha von Bocholtz, Stiftsdame zu Kaisersbosch, 1455.

5. Arndt oder Arnold (I) von Bocholtz folgt und A.

6. Gertrud von Bocholtz, Abtissin des Stiftes Dietkichen, starb daselbst am 13. Juni 1491 und ist im Kreuzgange daselbst begraben, wo ihr Leichenstein nebst ihrem Bild noch vorhanden ist.

7. Katharina von Bocholtz, Priorin und Reformatorin des adeligen Prämonstratenserstiftes U.L.F. in Heinsberg im Herzogtum Jülich. Sie stellte daselbst die alte, strenge Ordensregel wieder her und starb daselbst am 16. Juni 1479.

8. Digna von Bocholtz, Abtissin oder Frau des Prämonstratenser-Ordens-Stiftes U.L.F. zu Heinsberg im Herzogtum Jülich.

9. Wilhelem (I.) von Bocholtz, Propst zu Gladbach und Bocholtz im Brohlthal 1455, Pastor in Dülken, zugleich Propst zu Bocholtz im Brohlthal 1465, 1479 Benediktinermönch.

10. Adelheid von Bocholtz, Stiftsdame zu Kaisersbosch in der Grafschaft Hornen.

11 Fie (Sophie) von Bocholtz, Abtissin des adeligen Benediktinerordensklosters zu Neuwerk bei Gladbach im Herzogtum Jülich.

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12. Gerhard (II.) von Bocholtz, Mönch im Benediktinerordenskloster in M-Gladbach.

13 Peter (I.) von Bocholtz zu Brock (Brockerhof zu Lobberich) Stifter der Linien zu Brock, Grevenbroich, Pesch, Orey u. derselbe folgt unter Adelssitz Brockerhof.

14. Gisbert v. Bocholtz, ging nach Culand in Preußen und heiratete daselbst. Er ist der Stifer der noch heute daselbst blühenden Familie von Bocholtz, deren Mitglieder fast alle Militär- und Beamtenstellen inne haben.

Arndt oder Arnold (I.) von Bocholtz (A) wird 1453 zum Hove, Horst u. Droste zu Kessel a.d. Maas, 1455, wurde 1464 und 1473 belehnt und starb am 24. August 1483; er wurde zu Lobberick begraben. Er war verheiratet 1461 mit Eva von der Horrick, Tochter des Egidius (Julis) und der Elise van Brede. (Eheberedung vom 29. November 1461.) Sie brachte in die Ehe den Hof zu Kesseleyck u. Sie starb 10 Tage vor ihrem Manne, am 14. August 1483 und wurde zu Lobberich begraben. - Kinder 9 resp. 10, siehe folgend:

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Arnold (II.) von Bocholtz zu Tongerlo, Breberen u. Gouverneur zu Grave und Euyck, 1506, 15 und 1534, heiratete Johanna von Merwyck zu Kessel, 1545 Witwe Tochter Frasm. und Margaretha von der Donck Er wurde Stammvater der Linien zu Grave, Horst und Tongerlo, woraus ein Domherr entsproß, die aber auch heute im Mannesstamme längst erloschen sind.

2. Egidius (I. von Bocholtz, ältester Sohn, Pastor zu Dülken, (Benediktiner-Mönch) 1492 und 1504, wurde am 9. Januar 1595 zum 32. Abt des Klosters und der Benediktiner-Abtei zu M.-Gladbach erwählt, und starb als solcher im Alter von 70 Jahren, am 30. April 1538. Sein Grabstein zu M.Gladbach zeigt in der Mitte das halbirte Wappen seiner Eltern von Bocholtz und von Horrich, nebst dem Abtsstabe; in den Ecken rechts oben die Wappen von Horrich und unten von Wachtendonck, links oben von Bocholtz und unten von Goor. Den Rand bildet die Inschrift.

3. Wilhelm (II.) von Bocholtz, im Kloster zu Siegburg, dann Propst zu Hirtzenrath.

4. Johann (I.) von Bocholtz, im Benediktiner-Ordens-Kloster zu Siegburg, im Herzogtum Berg.

5. Godert (VII.) von Bocholtz, folgt unter B.

6. Eva von Bocholtz, im adeligen Kloster zu Heinsberg.

7. Sophie von Bocholtz, Stiftsdame zu Neuwerk.

8. Reiner von Bocholtz, besaß den Hof zu Kesseleyck, starb ohne Kinder.

9.Elisabeth von Bocholtz, Stiftsdame zu Kaisersbosch. Außer diesen Kindern seiner Ehe hatte Arnt noch einen natürlichen Sohn, nämlich:

10. Goerd v. Bocholtz, welcher 1534 genannt wird.

Goerdt (VII)von Bocholtz, (B) zu Hove, Droste zu Krickenbeck und Erkelenz , wurde am 25. Juni 1486 belehnt und starb 1532; er heiratete Maria von und zu Buschfeld, Tochter Hermanns und Hildegunda von Heym; seine Gattin starb 1530. Diese Eheleute wurden ebenfalls in der Kirche zu Lobberich begraben; ihr Grabstein ist wohl derjenige, der noch vorhanden und auf dem in der alten Pfarrkirche der Taufstein stand. 1)

(Diese genannten Eheleute verpachteten 1525 die Kaethmühle auf 12 Jahre.) Ihre Kinder waren folgende 8:

1. Johann (II.) von Bocholtz zum Hove folgt unter C.

2. Maria von Bocholtz, trat um 1535 in das Cisterzienser-Ordens-Kloster "Mariengarden" zu Roermond ein. 3. Reinhard von Bocholtz, trat 1538 in das Kloster (Abtei) St. Vitus zu M.-Gladbach ein: war 1549 im Prediger-Kloster zu Köln. Das Kloster Gladbach gab ihm die Mittel, seine Studien fortzusetzen. Im Jahre 1555 wählte ihn das freie, fürstliche kaiserliche Stift und Kloster Corvey zu seinem 51. Abte. Er regierte als solcher 30 Jahre und starb am 25. Mai 1585. Auf dem hohen Chor zu Corvey, woselbst er bei Lebzeiten selbst seinen Grabstein hatte anfertigen lassen, wurde er begraben. Sein Oelgemälde befindet sich noch in der Reihe der Abte zu Corvey²)

4. Gottfried Valentin von Bocholtz zu Lutgen-Grüning im Herzogtum Braunschweig gelegen, heiratete Anna von Kropfe. Er wurde Stammvater der Linien zu Braunschweig, Mürz und Lüder, beide in Hessen, woraus 2 Jesuiten, 1 Domherr und mehrere Nonnen entstammten, die aber heute auch längst im Mannesstamme erloschen sind.

5. Arnold (II.) von Bocholtz, Deutsch-Ordens-Komthur zu Reval, blieb in Ungarn, ist 1545 gestorben.

6. Gottfried (VIII.) von Bocholtz, Deutsch-Ordens-Landkomtur in Liefland.

7. Eva von Bocholtz, Nonne im Kloster "Mariengarden" zu Roermond, 1544.

8. Hermann (II.) von Bocholtz zu Aldenhoven, Landdroste der Grafschaft Zütphen 1547, bekommt

Anm. 1) Clemen, Kunstdenkmäler des Kreises Kempen hat irrtümlich statt Godert - Arnold, als Todesjahr der Gattin statt 1530 - 1535, und meinte der Grabstein sei nicht mehr erhalten.

Anm. ²)Es wird auch in den Urkunden vielfach Reiner genannt.

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1534 in der Teilung den Hof zu Kesseleyck u., wird 1554 genannt, heiratete Georgia Maria von den Hovelich, Erbin zu Aldenhof. /Nicht zu verwechseln mit "Rittergut Altenhof" unter Kaldenkirchen.) Sie heiratet hernach Johann Post, womit sie 1575 vorkommt.

Johann (II.) von Bocholtz zum Hove (C) war der älteste Sohn. Im Jahre 1545 war er als Ritterschaftsmitglied zum Landtage nach Roermond verschrieben. Am 28. März 1545 teilten er und seine Geschwister die elterlichen Güter; unter anderem erhielt er das Haus Ingenhoven, die auf der Nette liegende Kaethmühle und den halben Hof zu Oberbocholtz, dessen andere Hälfte Godart von Bocholtz, Peter's Sohn (Linie zu Brockerhof) gehörte, zu Lobberich. Er war Droste zu Krickenbeck und Erkelenz und wurde 1538 und 1544 belehnt. Auch war er Richter zu Arnheim und Belauzoom und starb zu Arnheim i.J. 1553, wo er in der Minoritenkirche begraben wurde. Er war verheiratet mit Johanna von Dript zu der Steegen, Tochter Dietrichs und Margaretha von Boxmer. Am 28. März 1545 war sie als Gattin Johanns bei der obengenannten Teilung zugegen; am 12. März 1546 belehnen Johann von Bocholtz und seine Ehefrau Johanna von Dript den Wilhelm Heyholz mit dem Heyholtzerhofe zu Overnbocholtz (Lobberich) als Leibgewinnsgut. Am Jakobus Aposteltage 1560 verkaufen Johanna von Dript und ihre 5 anwesenden Kinder, letztere mit für die abwesenden, an Harmen Harmkens (Harmes) und dessen Hausfrau Anna, 5 Morgen Ackerland, liegend im Heydenveldt und zwar am "Bochender Lichpad", Leibgewinngut im Hoven, welches zum Hofe "in Harmenns" gebaut wird und wovon Leibgewinn und Zins auf St. Lamberti-Bischofstag fällig sind. Reinhard von Bocholtz, Abt der kaiserl. freien Abtei Corvey, hatte mit gesiegelt.(Pergament-Urkunde, im Besitze des Herrn Rentners G. Peltzer in Lobberich mit 5 eigenhändigen Unterschriftten und 2 anhängenden Siegeln, das dritte ist abgefallen.)Im Jahre 1563 verkaufen dieselben Verkäufer an dieselben Ankäufer (Harmken, Harmanns, Harmes) - Morgen Landes (Zahl der Größe verblichen) ebenfalls in Heyenveldt gelegen und zu St. Lambtertus-Bischofstag leibgewinns- und zinspflichtig. Es siegelte mit Peter von Bocholtz, Abt zu Gladbach. (Pergamenturkunde, im Besitze des Herrn Rentners G. Peltzer in Lobberich, mit fünf eigenhändigen Unterschriften, Siegel abgefallen, auf der Rückseite: Heinrich Harmes 1730 hab ich den Brief gelesen.) Johanna v. Dript, Wittwe Johann von Bocholtz, starb am hhl. Pfingstfeste den 2. Mai 1592 und wurde zu Lobberich begraben. Aus dieser Ehe entstammen folgende neun Kinder:

1. Gottfried (VIII.) von Bocholtz, ältester Sohn, war 1571 Kanonikus zu St. Johann in Lüttich, wurde am 7. Dezember 1579 Domherr zu Lüttich, dann Domdechant daselbst. Am 3. August 1585 bestätigte Ernst, Erzbischof von Köln und Bischof von Lüttich, ihn auch als Propst der Kollegiatkirche von St.Johann in Lüttich. Er verkaufte 1575 seinem Bruder Dietrich das "Primogenitur-Recht" und starb zu Lüttich, am 28. August 1609.Seinem Wunsche gemäß wurde er in der kleinen Kapelle an der Domkirche zu Lüttich beigesetzt, in welcher er auch ein Denkmal wünschte.

2. Dietrich (I.) von Bocholtz zu Störmede in Westfalen, 2. Sohn, kaufte am 10. Oktober 1575 von seinem Bruder Gottfried, Kanonikus zu Lüttich das demselben an "Haus in gen Hove" zuständig gewesenes "Juspromigenitura" und den adeligen Vorteil und verkaufte diese Rechte im selben Jahre an seinen Bruder Jelis. (Egidius.) Am 1 Juni 1572 wurde er zum königl. spanischen Rittmeister über eine Fahne Reiter in den Niederlanden ernannt, am 2.7.1586 war er westfälischer Kriegsobrist, kurkölnischer Rat und seit dem 15. März 1581 Droste des Amtes Kogelnberg, gestorben am 8. August 1596, Morgens 8 Uhr; er heiratete 1575, kurz nach Johanni, Else von Hörde zu Störmede, Erbtochter des hohen Hauses zu Störmede, Tochter von Temme von Hörde und Anna von und zu Büren; Else lebte als Witwe noch am 20. April 1603. Er ist der Stifter der noch jetzt blühenden gräflichen Familie von Bocholtz in Westfalen. Diese Familien bestehen von ihm abwärts gezählt, bereits in 10 resp. 11 Grade. Sein Ururgroßenkel (5. Grad) Theodor Werner Freiherr von Bocholtz zu Meschede in Westfalen wurde vom Könige Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 10.Juli 1803 für sich und alle seine Nachkommen in den Grafenstand erhoben. Hyronimus Napoleon, König von Westfalen, bestätigte durch Diplom, datiert Kassel den 5. Novbr. 1813, dem Theodor Werner den ihm vom Könige von Preußen verliehenen Grafentitel. Dessen zwei Söhne gründeten die zwei noch heute in Westfalen bestehenden gräflichen Linien von Bocholtz-Alme und Bocholtz-Asseburg. Die ältere Linie (Störmede, Meschede, Alme u. führt den Titel Grafen von Bocholtz-Alme, die jüngere Linie (Hinnenburg, Asseburg) führt den Titel: Grafen von Bocholtz-Asseburg. Auch dieser Linie entstammen mehrere Domherren und Stiftsdamen.

3. Arnold (III.) von Bocholtz, nahm später die reformierte Konfession

an, war 1558 Kapitän und Kommandant zu Venlo, 1578 in niederländischen

Kriegsdiensten und 1612. Kapitän. (S.97)

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Er heiratete i. J. 1612 Maria von Spee (zu Hinsbeck) und starb vor 1614 ohne Kinder dieser Ehe zu hinterlassen. Zu seiner Eheberedung vom 23. Juni 1612 bringt er in die Ehe die Hälfte der Kaethmühle mit dabei gehörendem Kamp, sein Anteil an 24 Morgen Ackerland, ungefähr am Hagelkreuz gelegen, die Hälfte aller Leibgewinnsgüter, Lehen und Laten, ein Stück die "meinweidt" genannt, 15 Morgen Erbpachtlands, "an der Stegen", 2 Malter Roggen, wovon ihm 1 Sester gehört und sein Anteil an Wüstenhof, alles in Lobberich gelegen; sodann noch sein Anteil an den Hof zu Wilre unter Swalmen, (nicht zu zu verwechseln mit dem Hofe Wilre unter Venlo) die Gerechtigkeit von dem Hof Delimolen, mit Haus, Hof, Scheune, Schafstall und neue Erben, um den Hof liegend, zu Horst ein zütphensches Lehen, welches er angekauft, den Hof Crommentuyn geheißen, vier Tausend Goldgulden in baar, sowie alles was er im Kriege gewonnen. Ferner bestimmte er im Ehevertrage, daß 1000 Gulden für seine natürliche Tochter Jennecken von Blerich auf seinem Hof Crommentuyn aufgenommen würden. Maria von Spee heiratete hernach den Junker von Kessel, genannt Roffart. Die vorgenannten Güter, die 1612 Arnold von Bocholtz seiner Frau in Pfandschaft gegeben, (es war die Hälfte der Güter des Hauses Ingenhoven) wurden erst am 14. September 1700 von Eduard Bernhard und Johann Arnold, beide Freiherrn von Bocholtz-Bocholtz, eingelöst. Maria von Spee hatte in erster Ehe keine Kinder, heiratete in zweiter Ehe den Junker Roffart und die Kinder und Erben des Letzteren behielten die Pfandschaft an diesen Gütern, bis sie, als Ingenhoven an Bocholtz zurückgefallen, von diesen eingelöst wurden.

4. Aegidius (Jelis, II.) von Bocholtz zu Hove, folgt unter D.

5. Johanna von Bocholtz, wird 1576 und 1592 genannt; sie heiratete 1592 Jakob von Krickenbeck, war 1604 Witwe und starb (wahrscheinlich zu Lobberich) am 18. Mai 1624. Bei der Teilung, 1575, erhielt sie mit ihrem Bruder Arnold die 24 Morgen neben den Sittarder Kirchwege, neben Heythausen's Land und dem Hagelkreuz, die Kaetmühle samt dem dazu gehörigen Lande, ein Viertel der Abnutzung des Wüstenhofes und die Hälfte der Leibgewinn- Curmut- und Zinsgüter und Laten. Dagegen müssen beide ihrem Bruder Jelis die Hälfte der Lehnslasten, des Schatz und Zehnten, sowie einer Rente von 3½ Malter Roggen vergüten. 1576 erhob sich über diese Teilung eine Zwistigkeit, die damit endigte, daß Johanna und Arnold ihren halben Teil an der Abfindung Godarts (Gottfried) demselben am nächsten Andreastage wieder auszahlen mußten. 1604, am 20. Mai, erhält sie als Witwe einen Anteil am "Wüstenhof" zu Lobberich. Am 30. Juni 1604 kaufte sie für 620 leichte Thaler von Paul Heyholz ein Haus im Dorfe Lobberich.

6. Margaretha von Bocholtz; Sie verzichtet am 17. Juni 1571 für 700 Thaler Brautschatz auf die elterlichen Güter zu Gunsten ihrer 5 Brüder (ohne Gisbert). Am 2. September 1571 leihen ihre Brüder Gottfried, Dietrich und Arnold zur Abfindung ihrer Schwester Margaretha, welche im Stift Halberstadt bestattet ist, von ihrem Bruder Felis 750 Thaler, die sich dieser in dem zuletzt geführten Kriege gegen Frankreich mit "Darstreckung seines Leibes und Blutes schwerlich verdient hat" und verpfänden ihm dafür 27 Morgen im "Glockenschlage" von Lobberich gelegen, die "Meynweide" genannt. Margaretha heiratete erstens um 1571 Joachim von Borchtorff, gestorben 1583 und zweitens Wulff von der Dannen im Stift Hildesheim wohnhaft, verheiratet um 1583.

7. Gisbert von Bocholtz, Mönch im Stifte Corvey, dann 1576 und 77 Propst des Stiftes Marsberg.

8. Wilhelm (III.) von Bocholtz - und

9. Maria von Bocholtz, Abtistin im Stift Kemnade, gestorben und begraben zu Corvey.

Aegidius (II., Felis) von Bocholtz zu Hove (D); sein Bruder Dietrich übertrug ihm 1575 das "Primogeniturrecht" und den adeligen Vorteil an "Haus In ghen Hove", bestehend aus dem Hause zu Lobberich, genannt "Ingenhoven", mit seinen Weiern, Vorhöfen, Zinsen, Pächten, Laten, Leibgewinn, Wiesen, Ackerland und Holz in dem Kirchpiel Lobberich, und die Güter zu Horst und zu Swalmen. Er heiratete 1579 Margaretha von Bocholtz, vom Hause Bocholtz zu Lobberich, Tochter Joachims und Margaretha v. Pollart, seine entfernte Stammverwandte. Gegen die Räubereien der spanischen Soldaten i. J. 1577 nahmen die Landstände, u. a. Gillis oder Felis von Bocholtz, Herrn des Hauses Ingenhoven, mit 50 Rossen theil, nachdem sie kurz vorher durch Godart (Gottfried) von Bocholtz Herrn zu Grevenbroech die Hülfe der Generalstaaten angerufen hatten. Im folgenden Jahre, 1578, wurde die Burg und die Stadt Wachtendonk dem Schutze des genannten Felis von Bocholtz, der dort ein Fähnlein befehligte, anvertraut. Am Charfreitag 1581, morgens früh, ließ Hans Philipp Frhr. von Hohensachsen, Oberst der holländischen Truppen in und um Venlo, mit etlichen Reisigen, Pferden und einer großen Anzahl Schützen der Venloer Garnison,

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Haus Ingenhoven erstürmen und plündern. Auch befahl er, dasselbe anzuzünden, was aber wohl nicht geschehen ist., Sodann ließ er den Besitzer Felis von Bocholtz, dessen Frau Tags vorher niedergekommen war, gefangen nach Venlo schleppen und dort im St. Nikolauskloster, in einem festgemauerten und mit eisernem Gitter versehenen Gemache, in Fußketten geschlossen, gefangen setzen. - Am 20. Mai 1586 machte Felis mit seinem Bruder Arnold Abrechnung über die Einkünfte, welche, seitdem sie die elterlichen Güter geteilt haben, von denen gemeinschaftlich gebliebenen Leibgewinnsgütern eingekommen sind. Sie betragen 1160 Thaler, von denen Felis die Hälfte, und Arnold und seine Schwester Johanna die andere Hälfte erhält und so soll künftig jährlich abgerechnet werden. Am 30. Mai 1581 wurde Gelis von Bocholtz zu Hove im Namen des Königs von Spanien zum geldrischen Droste und Amtmann von Krickenbeck und Erkelenz ernannt. Am 22. November 1582 errichteten die Eheleute Felis von Bocholtz-Ingenhoven und Margaretha von Bocholtz-Bocholtz gemeinsam ihr Testament, weil beide krank waren. Junker Felis von Bocholtz starb zu Lobberich am 9. März 1591, morgens zwischen 4 und 5 Uhr. Seine Witwe Margaretha von Bocholtz heiratete um 1598 Jakob Rosentritt aus Düsseldorf, substituierter Landschreiber des Amtes Krickenbeck und starb um 1608. Diese Ehe scheint anfangs zu Verwicklungen mit den adeligen Verwandten geführt zu haben, denn, datiert Gladbach den 2. November 1598, bezeugt Heinrich Cuyckius, Bischof von Roermond, daß Jakob Rosentritt aus Düsseldorf und Margaretha von Bocholtz, nach den Satzungen des Trientiner Konzils in rechtmäßiger Ehe verbunden sind und daß deshalb, und weil Rosentritt, nach dem Zeugnisse des Pastors von Lobberich und aller dortigen Pfarrgenossen für einen rechtschaffenen Mann gehalten wird, für die Freunde der Margaretha und die Anverwandten ihres ersten Mannes kein Grund vorliege, die Rechtmäßigkeit der Ehe zu bezweifeln und Rosentritt wegen Mangels des Adels anzufeinden. Später war das Verhältnis zu seinen Anverwandten ein sehr gutes. Rosentritt mit seiner Frau Margaretha von Bocholtz bewohnten bis zum 2. April 1605 das adelige Haus Ingenhoven; an diesem Tage überließen sie es an Godart (Gottfried) von Bocholtz, welcher sich mit Judith von Geldern verheiratete hatte und es fortan bewohnen sollte; Rosentritt mit seiner Gattin Margaretha bewohnten von da an den Mersenhof (Merschelshof). Nach dem Tode seiner Gattin vermählte er sich in zweiter Ehe mit Agnes von Kessel, genannt Roffart. Er blieb Landschreiber des Amtes Krickenbeck bis zu seinem Tode und errichtete auf Mersenhof am 5. September 1628 sein Testament. Er erklärt in demselben zweimal verheiratet gewesen zu sein, zuerst mit Margaretha von Bocholtz, Witwe Felis von Bocholtz und zum zweiten Male mit Agnes van Kessel genannt Roffart. Die Kinder aus beiden Ehen setzt er zu Erben ein, insbesondere soll Johann Rosentritt, sein mit Margaretha von Bocholtz erzeugter Sohn, den Mersenhof haben, dagegen sollen alle anderen Güter seinen mit der zweiten Frau Agnes von Kessel genannt Roffart erzeugten Kinder zufallen. Dann bekennt der Testator bei seiner höchsten Seligkeit: an die Kinder von Bocholtz-Ingenhoven eine Forderung von 5000 Gulden zu haben; eine dieserhalb von ihm angestrengte Klage auf Zahlung der gedachten Summe soll sein genannter Sohn Johann verfolgen. (Im Jahre 1630 wohnte am Markte Hilger Rosentritt, wahrscheinlich sein Sohn.)

Felis von Bocholtz hinterließ aus seiner Ehe mit Margaretha von Bocholtz folgende 7 Kinder:

1. Aegidius (III. Felis) Baron von Bocholtz, kommt zum ersten Male am 6. November 1607 vor, wo er mit seinem Bruder Johann ein Darlehen quittiert. Bereits i. J. wurde 1592 wurde er als Felis von Bocholtz seitens der Ritterschaft des geldern'schen Amtes Krickenbeck zum Landtage nach Roermond wegen des Hauses Ingenhoven verschrieben; ebenso im Jahre 1607 bis 1611; seit 1612 dagegen sein Bruder Godart. Am 15. Januar 1609 vermachte ihm sein Oheim Gottfried von Bocholtz, Domdechant zu Lüttich, sein halbes Haus mit der Bestimmung, daß die obere Hälfte sein Bruder Johann erhalte. Nachdem er hierauf zur Vollendung seiner Ausbildung sich nach Rom begeben hatte, wo er am 5. Mai 1612 sein Kollegium Germanikum studierte, dann 1613 zu Lüttich aufgeschworen worden war und im selben Jahre mit seinen Geschwistern die elterlichen Güter geteilt hatte, empfing er 1615 am 2. Mai eine Domherrnstelle im Domkapitel zu Lüttich, 1623 vollzieht er Geld- und Pachtgeschäfte, 1624 am 3. Juli wurde er Mitvollstrecker des Testaments der Elisabeth von Eyl, Witwe Johann von und zu Bocholtz zu Bocholtz; inventarisiert am 13. November 1624 die Mobilien des Hauses Bocholtz, wird 1625 durch Papst Urban VIII. zum Propst der Kollegiatkirche zu St. Paul in Lüttich ernannt und als solcher besonders vereidigt, erwirkt mit seinem Bruder Johann dies landesherrliche Erlaubnis, das Stammhaus "Ingenhove" teilen und verkaufen zu dürfen; ist am 8. Mai 1629 Domscholaster und Vollstrecker des Testamentes

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der Maria von Bocholtz, Ehefrau von Holthausen, seiner Schwester, entschlägt sich am 18. Juli 1635 wegen Amtsgeschäften der Verwaltung der Güter seines Vetters Arnold von Bocholtz zu Bocholtz, teilt am 21. Mai 1641 die Wohnung des Hauses Ingenhoven mit seinem Bruder Johann, ebenfalls Domherr zu Lüttich und findet seinen Bruder Joachim ab, ist am 28. März 1647 Domdechant zu Lüttich und mit seinem Bruder Johann am 24. April 1643 mit Gut "Broeck" (Brockerhof, Lobberich) belehnt, errichtet am 3. April 1649 sein Testament. Sein Erbe ist sein Bruder Johann, Domherr zu Lüttich, der verschiedene Legate an seine Verwandten und Diener und an verschiedene Klöster zahlen muß. Sein Oelgemälde v. J. 1648, früher zu Ingenhoven, ist noch auf Schloß Alme. Er starb zu Lüttich am 7. Mai 1649 und wurde, seinem letzten Willen gemäß, im Dome zu Lüttich, neben seinem Oheim, dem 1609 verstorbenen Dechanten Gottfried von Bocholtz, begraben. Sein Denkmal im Dome zu Lüttich wurde in der Revolution zerstört, die Inschrift ist noch erhalten.

2. Gottfried (X.) von Bocholtz zu Hove, geb. 1579 oder 80, bekommt den 2. April 1605 von seiner Mutter das Haus Ingenhoven, heiratete 1605 Judith von Geldern zu Arcen an der Maas und teilte am 21. Juni 1613 mit seinen Geschwistern die elterlichen Güter; Godart oder Gottfried von Bocholtz, als der älteste, bekommt nebst seinem adeligen Vorteil, den Kamp vor dem Hause zu 18 Morgen, 5 Morgen bei dem Hause usw.; Johann und Felis bekommen die "Meyenweidt" zu 12 Morgen, und das Land am Hagelkreuz zu 5 Morgen, vom Merselsbrock die Lehne und Leibgewinne usw.; Maria bekommt den Hof zu Horst, den vierten Teil des Hofes zu Swalmen, den vierten des Hofes zu Schiffler, das Land am Palmengardt, sechs Malter Roggen an Peter Bese usw., Anna und Margaretha bekommen die Erbgüter zu Kirchherten mit dem Haus zu Erkelenz usw. Godart (Gottfried) von Bocholtz errichtete am 11. März 1622 sein Testament, in welchem er in der Kirche zu Lobberich "zu ewigen Tagen" eine hl. Messe auf unserer "Lieben Frauen Abend" stiftete. Er starb i.J. 1622, seine Ehe war kinderlos. Vom Jahre 1612-24 war er als Ritterschaftsmitglied zum Landtage nach Roermond verschrieben. Seine Witwe, Judith von Gelre vom Hause Arcen, heiratete hernach Kaspar von Reverberg, und starb einige Jahre später. Die Eheleute Kaspar von Reverberg und Judith von Geldern nahmen Ingenhoven in Besitz. Infolge deshalb entstandenen Prozesses mußte Reverberg nach dem Tode seiner Gattin dasselbe gegen Zahlung von 2200 Gulden räumen.

3. Joachim von Bocholtz, ist 1619 in Kriegsdiensten zu Köln, unter dem Obersten Grafen Solms, wird noch 1622, 23, 27, 29, 1641 und 1651 genannt.

4. Johann (III. von Bocholtz wird bei der Teilung des "Wüstenhofes" zu Lobberich am 20. Mai 1604 genannt, war am 14. Mai 1612 Domherr zu Lüttich, wurde, datiert Bonn, den 29. Oktober 1618, von Ferdinand, Kurfürst und Erzbischof von Köln als Bischof von Lüttich zum kürfürstlichen Rat beim Lehnshofe daselbst ernannt, wurde am 5. Februar 1627 Propst der Kollegiatkirche zum hl. Kreuz in Lüttich. Am 21. September 1651 errichtete er, als letzter männlicher Sprosse der Familie von Bocholtz zu Ingenhoven, sein Testament. Zum Erben seiner Güter setzt er ein: Werner Egidius, ältester Sohn des Arnold von und zu Bocholtz zu Burg Bocholtz, (den Sohn seines Vetters) und wenn dieser ohne männliche Erben stirbt, so sollen ihm seine Brüder und deren Kinder nach dem "Primogenitur-Rechte" folgen, auf daß die "Burg" Lobberich in der Familie von Bocholtz bleibe. Nach Ausgang des Mannesstammes der Linie zu Bocholtz sollen die Agnaten der Linie von Bocholtz zu Störmede in Westfalen folgen. Seine sonstigen Verwandten erhielten Legate. (Egidius nahm bereits im November 1652 Ingenhoven in Besitz.) Domherr Johann von Bocholtz war am 17. Juni 1622 mit Ingenhoven und am 24. April 1643 mit seinem Bruder Egidius mit "Brock" belehnt. Johann von Bocholtz, Domherr und Propst zum hl. Kreuz in Lüttich und Rat des Kurfürsten von Köln, als Bischof von Lüttich, starb 1653; am 3. Februar 1653 fand auf dem "Hause zum Hove" zu Lobberich seine Totenfeier statt.

5. Maria von Bocholtz, wird 1624 genannt, heiratete Wilhelm von Holthausen, welcher 1644 noch lebt, sie errichtete am 8. Mai 1629 ihr Testament und hatte 1 Tochter.

6. Anna von Bocholtz, 1613 genannt, ist am 28. Januar 1610 Hofdame bei der Gräfin Metta, geborene Gräfin zu Limburg und Bromhorst, verwitwete Gräfin zu Holstein-Schaumburg und Sternberg, Frau zu Gemen, am letzteren Orte wohnend; Anna starb 1627, sie war verheiratet mit Adolf von Kessel, genannt Roffart, 1619 Leutnant unter Obrist Graf Philipp von Solms, hatten 1 Tochter, 1651; und

7. Margaretha von Bocholtz, wird 1613 und 1620 genannt, heiratete Reinhardt von Bers zu Broussem, welcher 1627 noch lebte; sie hatten einen Sohn: Ulrich von Bers von Bronssem 1651.

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Die Besitzer von "Haus Ingenhoven" seit dem Tode des Domherrn Johann von Bocholtz, gestorben 1653, bis 1820 sind unter "Haus Bocholtz" ausführlich aufgeführt; die von 1820 bis zur Gegenwart am Anfange dieses Abschnitts.

3. Das "Haus Broeck" (Brockerhof) und seine Besitzer.

In der Nähe des katholischen Pfarrhauses, am Orte Lobberich, liegt noch heute der vormalige Rittersitz und jetzige Ackerhof "Brockerhof", früher "Haus zu Broeck" genannt. Derselbe war urkundlich seit dem Jahre 1396 im Besitze der Familie von Bocholtz zu Lobberich, von welcher sich i. J. 1465 eine eigene Linie zu Broeck gründete, welche aber, den Stifter eingerechnet, im Mannesstamme bereits in 5. Generation erlosch. Sodann an die Nachkommen der weiblichen Nachkommen übergegangen, (zwischen 1555-1556,) verblieb es bei dieser, bis es 1643 an die Domherren Johann und Egidius von Bocholtz-Ingenhoven und zwischen 1653-1685 an die verwitweten Freifrauen Cäcilia Katharina Marquise von Hoensbrock, Witwe von Blancquart und Gräfin von Lannoy, sämtlich geborene Freiinnen von Bocholtz-Drey, aus der Bocholtz-Broecker Linie überging. - Diese 3 genannten, mit ihrer Nichte, Witwe Freiin von Hochsteden, verkauften i. J. 1717 das "Gut Broeck" und ihr Drittel der Herrlichkeit Lobberich, für 10,000 Pattakons, an ihre Verwandte Anna Maria Amalia, geborene von Gymnich zu Blatten, Witwe von Johann Arnold, Baron von Bocholtz zu Bocholtz und Ingenhoven zu Lobberich. (Johann Arnold, gestorben 1711, besaß zwei Drittel der Herrlichkeit Lobberich.) Die Witwe von Bocholtz, geborene Gymnich, verheiratete sich i. J. 1718 mit Gerhard, Freiherr von der Reck zu Witten, welcher nebst seiner Frau i. J. 1747 starb. Aus erster Ehe mit Johann Arnold, Freiherr von Bocholtz waren 2 Töchter, aus zweiter Ehe waren keine Kinder. Bei der Teilung der Güter, am 17. Juni 1748 fiel der "Rittersitz Broich", 49 Morgen 17 Ruten zusammen groß, nebst dem Hause Bocholtz u. a. an die älteste Erbtochter Maria Margaretha, Freiin von Bocholtz zu Bocholtz, Ehefrau von Wilhelm Ludwig Josef, Freiherr von Mirbach zu Harff. Von allen Bocholtz'schen Gütern zu Lobberich ist nur "Brockerhof" noch in Familienbesitz geblieben; er gehört noch heute einem Urururenkel der Maria Margaretha von Bocholtz, dem Grafen von Mirbach-Harff zu Harff.

Haus Broeck oder Brockerhof zu Lobberich ist nicht zu verwechseln mit dem längst verschwundenen Rittersitz "Niel" (Burgwaldniel, lag in Gemeinde Amern St. Anton, am Orte Waldniel), auch dieser Sitz wurde Brockerhof und Haus Bocholtz genannt und von der von Lobberich stammenden Linie von Bocholtz-Niel besessen, die 1679 im Mannesstamme erlosch; ferner nicht mit dem Rittersitz "Bruch" (Brock), in Westfalen welcher noch jetzt der gräflichen Familie von Bocholtz-Alme gehört; dieser Sitz kam erst um 1769 an die von Bocholtz. Ein anderer "Hof Bocholtz" in der Herrlichkeit Bocholtz im Brohlthale, gehörte um 1566 längst der Abteil M-Gladbach, aus der Linie von Bocholtz-Brock zu Lobberich stammend, verpachtete denselben als Abt i. J. 1566. Der Pächter dieses Hofes mußte u. a. dem Pastor und Kaplan von Wilre Kost und Trank geben. Dieses Wilre im Brohlthale ist wiederum nicht zu verwechseln mit dem "Hofe Wilre" bei Swalmen (Holland) damals den Bocholtz-Lobberich gehörig und dem Hofe Wilre bei Venlo, damals den von Nievenheim und jetzt den Armen Venlo's gehörig.

Nach dieser in etwa nötigen Abschweifung wollen wir uns dem Brockerhofe zu Lobberich speziell zuwenden. Der vormalige Rittersitz und jetzige Ackerhof Brockerhof hat seinen Namen wohl von Bruck, denn ehemals war die Gegend, worauf es liegt, Bruch und Gemeindegut; und noch heute sind sumpfige Wiesen in der Nähe; i. J. 1646 war er noch mit einem von zwei Türmen flankierten Burghofe versehen, wie er sich in den Akten des Reichskammergerichts befindet und auch auf der Karte des Gördt Heutmecher von 1646 gezeichnet steht. Heute erinnert nur noch ein über dem Hausthor des altertümlichen Hofgebäudes eingemauertes Wappen der Eheleute Joachim von Bocholtz und Margaretha von Pollart von Burg Bocholtz; diese neben einander stehenden Wappen ließ deren Tochter Maria (wie auch die Inschrift angiebt) die i. J. 1588 Nonne im Gnadenthal war, an dem Hause anbringen. Dieses Wappen soll ehedem an dem "Hause Bocholtz" zu Lobberich-Bocholtz angebracht gewesen sein. Später soll Graf von Mirbach dasselbe hier haben anbringen lassen.(Das Bocholtz'sche Wappen zeigt die bekannten 3 Leopardenköpfe, das von Pollart'sche einen aufrecht stehenden, nach links [herald. rechts] stehenden, von 8 Steinen umgebenen Löwen.) Im J. 1592 war Wilhelm von Brempt, Drossart zu Straelen, wegen des Hauses "tho Broeck" zu Lobberich als Ritterschaftsmitglied zum geldern'schen Landtage nach Roermond verschrieben; vom Jahre 1607-1611 und vom Jahre 1612 bis 1624 Engelbert von Brempt wegen des Hauses "thoe" auch "zum Broeck" genannt. Im J. 1656 war Johann Wilhelm von Bocholtz-Drey

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(der Vater der Verkäuferinnen desselben i. J. 1717), wegen "Haus Broeck" als Ritterschaftsmitglied zum Landtage nach Roermond verschrieben; ebenfalls noch 1679 und fernerhin bis zu seinem Tode i. J. 1682. Als i. J. 1724 der König Friedrich Wilhelm I. von Preußen die "rittermäßige Qualifikation" der adeligen Güter durch die Landstände untersuchen und feststellen ließ, wurde auch das Haus "ten Broeck" zu Lobberich, im Besitze der Freifrau von Reck zu Witten, (vordem Witwe Johann Arnold Frhr. von Bocholtz-Bocholtz) als "rittermäßig" anerkannt.

Nach dem Lehnregister des Herzogtums Geldern zu Arnheim mit 1326 beginnend und bis 1577 sind mit Broeck belehnt gewesen: Johann von Boickholt, mit Bockholt, Breuckel, Wilre, Hof tot Lobbroick (Ngenhofen) "item den "hoff tot genen Brocken", met synen toebehoeren in den Kerspel van Lobbroick, tot vyf marxleen te verheergeweden" anno 1398. Der "alde" empfing Bocholtz, Hof zu Lobberich, "hoff tot Broecke," zu Lobberich, Wilre, "hoff tot kaldenkircken", so verre dat een gelders leen is," und "goeden Hoppenbrouwers goet" zu Swalmen, alles zu einem "pondigen leensrechte" anno 1424. "Den hoff to Broke ende drie Laetguede opper Homolt helt Johann Spede van Wanchem (Wankum) anno 1626. Heinrich Spede ontfinck den hoff te Broiche, item den hoff oppter Hoemoilde (Holzmühle, Venlo?) anno 1402. Gadert von Bockholt ontfengt den hoff ten Broicke in den Kerspel van Lobbroick gelegen, tot enen Byff marks leen anno 1403 tot eenen gelderschen leenrechten. Item tuchtiget fyn vrou Johanna van Goor an den hoff ten Broick, gelegen in dem Kerspel van Lobbroick, met den Laten, thinsen, gewin, gewerft, ende allen tobehoor anno 1445. - Peter van Boicholt ontfengt den hoff to Broick tot gelderschen leenrechten, als hem die van synen Broeder toegedehlt is anno 1465. Item 16. Oktober 1473 nest des Pastors erue (erbe) van Lobbroick an beyden syden mede schietende op Gerrits ingen Schmytten. Erneuerte den Eid 1493. Gaert van Boicholt, Erbe seines Vaters Peter anno 1510. Item tuchtigt syn vrou Adriana van Eyll 7. Februar 1532. Erneuert den Eid 19. Oktober 1538. Erneuert den Eid 28. Mai 1545. Willem van Boicholt, Willems soon, erue (erbe) syne oldevaders Gerrits, 21. Marty 1552; syn hulder is Jan van Boicholt. Agnes van Galen, Willems Moder, crigt (kreigt) ubstel 4. September 1555. Johanna van Boickholt, Erbin ihres Bruders Wilhelm, 3. Juli 1556. Wilhelm van Bremt, Engelberts Sohn, Erbe seiner Mutter Johanna 27. November 1568. Er erneuerte den Eid als mündig 29. Juni 1577. Engelbert van Bremt, - Willem Engelbert van Bremt, als Erbe seines Vaters Engelbert. Soweit die Lehnsregister zu Arnheim. König Philipp von Spanien als Herzog von Geldern und Graf von Zütphen, belehnte, datiert Roermond, den 24. April 1634, Johann von Bocholtz-Ingenhoven, Domherr und Propst zu Lüttich und dessen Bruder Felis (Edigius) von Bocholtz-Ingenhoven, Domdechant daselbst, mit dem "Gute zu Broeck", gelegen im Amte Krickenbeck, im Kirchpiel Lobberich, welches Lehen durch Alterben des Wilhelm Engelbert von Bremt erledigt worden ist und jetzt gegen Erlegung eines "Heergewedes" von 15 Goldgulden empfangen wird. Am 21. Oktober 1743 war mit dem "goet te Broeck" Gerhard Cremer als "hulder" von A. M. A. Freiherrin von Reck belehnt.

Der "Weggenhof" oder "hoff tho Schlibbeck" im Kirchpiel Grefrath und Hinsbeck gelegen, war von dem Hause Brock im Kirchpiel Lobberich lehnrührig und mußte nach Geldern'schem Lehnrecht verhergewedet werden. Bereits 1558 war er in 2 Güter geteilt; 1723 hatte der halbe Weggenhof noch 81 Morgen Bauland. Da die Honschaft Schlibeck teilweise auf Hinsbeck und teilweise auf Grefrath liegt, so lag auch dieses große Gut in beiden Gemeinden. Eine weitere Notiz sagt uns noch: Der Rittersitz zu Broeck, neben dem Pastorat zu Lobberich, ist Lehen von Geldern. Er war rings von Wasser umgeben, hieß 1326 "Hof to Broke mit 3 Latengütern" 1398 "Hof zu Broicken," gehörte 1326 Johann Spede zu Wankum, 1402 Heinrich Spede, 1403 Godert von Bocholtz, später war er Witwensitz der Familie. Zu seinen Latengütern wird gerechnet der Weggenhof im Schliebeck mit 81 Morgen , halb im Kirchpiel Grefrath, halb im Kirchpiel Hinsbeck gelegen. 1719, am 12. Oktober, war I. C. Portmanns als "hulder" für A. M. A. Freifrau von Reck, mit "Weggenhof" belehnt. Ebenfalls war der "Schweer" oder "Schwerzhof," auch "Harbeckerhof" genannt, zu Grefrath 1615 und 1621 lehnrührig zum "Hause Broich."

Die Herren des "Hauses Broeck" (Brockerhof) zu Lobberich.

Peter (I.) von Bocholtz zu Brock, der Stifter dieser Linie zu Broeck, sowie deren Zweige zu Grevenbroich-Drey entstammte, wie vorhin bei Haus Ingenhoven erwähnt, diesem Hause als 13. und zweitjüngstes Kind der Eheleute Gottfried von Bocholtz, gestorben 1463, und dessen Gattin Johanna von Choer zu Kaldenbroich, gestorben 1464. Im Jahre 1455 am 12. Mai übertragen seine Eltern ihm das Haus und Gut zu Ilem im Kirchpiel Viersen. Er lebte indessen nicht auf diesem Gute, sondern suchte sein Glück und seine Aus-

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bildung an fernen Höfen. Nachdem er zuerst bei dem Hofe zu Sayn gedient hatte, kam er zum Hofe des Erzbischofs Diedrich von Mainz, unter dem er am 4. Juli 1460 die Schlacht bei Pfeddesheim gegen Pfalzgraf Friedrich mitmachte; in dieser Schlacht wurde er mit mehreren Rittern gefangen. Im Jahre 1465 war er aber wieder zu Hause und erhielt in diesem Jahre von seinem Bruder den "Hof zu Brock" zugeteilt, mit dem er 1465 belehnt wurde. Er heiratete 1474 Johanna von Briemershei, Tochter Wilhelms und der Bryndtswinde von der Horst, seine Gattin brachte ihm den Hof zu Wankum in die Ehe. Im Jahre 1498 wurde er auch mit dem Gute "Ingensittart" (Merschelshof) zu Lobberich belehnt. Er starb i. J. 1510. Aus seiner Ehe stammen folgende 4 Kinder:

1. Gottfried (I.) von Bocholtz zu Broick, folgt unter A.

2. Wilhelm (I.) von Bocholtz zu Broick.

3. Johanna von Bocholtz zu Broick, heiratete 1501 Steffen von Siegenhoven, genannt Anstell.

4. Arnold (I.) von Bocholtz zu Broick zu Hinsbeck, Stifter der Linie zu Hinsbeck. Dieser wird 1532 genannt, heiratete Alexandrine Franziska von der Vinck zu Langenfeld, Tochter Sanders und der Elisabeth von der Eick, welche 1545 Witwe war. Aus ihrer Ehe entsprossen 8 Kinder, von welchen sich 5 dem geistlichen Stande widmeten. Einer, das 4. Kind, Peter von Bocholtz, trat 1531 ins Kloster zu Glabbach, wurde 1538 am 3. August, daselbst zum 33. Abte erwählt, (an Stelle des 1538 verstorbenen Abtes Wilhelm von Bocholtz-Ingenhoven, eines Vetters seines Vaters.) Er bekleidete dieses Amt 35 Jahre lang und starb im 72. Jahre, am 30. Dezember 1573. Der älteste Sohn Gottfried (II.) von Bocholtz, Herr zu Grevenbroich, Drost und Pfandherr zu Wachtendonck, gewann mit Genehmigung Kaiser Karl V. die Pfandschaft an Grevenbroich, welches er später kaufte. 1547 wird er Freiherr genannt. Er war 1555 auf dem Landtage zu Roermond und Nymwegen als Ritterschaftsmitglied vertreten. 1546 erhielt er von seinem Schwager dessen Recht an das Gut Pesch abgetreten. In jenen kriegerischen Zeiten war er ein mächtiger Parteigänger. In einem Gefechte mit den Generalstaaten wurde er am 20. Oktober 1577 tötlich verwundet nach Venlo in sein Haus gebracht, wo er am folgenden Tage starb. Er war zwei mal verheiratet und hinterließ 3 Töchter: 1. Margaretha von Bocholtz, welche 1586 Arnold Freiherr von Anstenrath zu Geleen und Spaubeck heiratete. Sie war Erbin der Pfandschaft an Wachtendonck, welche ihr Sohn, der zum Grafen erhobene Arnold Wolfgang Hugo von Anstenrath-Geleen in volles Eigentum verwandelte, indem er 1649 alle Herrlichkeitsrechte an Wachtendonck vom Könige Philipp IV. von Spanien kaufte. Er zahlte zu der ursprünglichen Pfandsumme noch 72,000 Gulden baar und verzichtete auf 2000 Gulden Entschädigung für Reparaturen und Neubauten an Brücken, Mühlen u. Der ehedem auf dem Chore der Pfarrkirche zu Wachtendonck vorhandene Grabstein seiner Eltern mit deren beider Wappen liegt jetzt unten in der Kirche am Turme; 2. Johanna v. Bocholtz heiratete vor 1556 Hermann Hoen von Hoensbroeck zu Ostham und Beringen. Eine Tochter dieser Eheleute, Anna von Bocholtz, heiratete 1627 den im 4. Grade verwandten Johann Wilhelm von Hoensbroeck zu Orey-Grevenbroich, wie wir noch unten sehen werden.

Ein weiterer Sohn Arnold's war Wilhelm (IV.) von Bocholtz, er war der zweite Sohn und 1569 bis 1580 Droste zu Wageningen, 1555 bis 1586 bei der Ritterschaft Belau, war 1523 geboren und starb zu Lüttich am 20. Mai 1595; seine Gattin Oda von und zu Corentebach und Helmont starb zu Lüttich 1616. Diese Eheleute hatten 5 Kinder, von dem sich ebenfalls drei Söhne dem geistlichen Stande widmeten. Einer ihrer Söhne Gottfried (III.) von und zu Bocholtz, zu Orey, Grosstett, kurkölnischer Großmaier zu Lüttich und Geheimrat, Gubernator des Landes Grevenbroech und des Landes Peelt, starb am 24. Februar 1638. Dieser heiratete erstens Margaretha von Bredberg, Erbin zu Breberen, Tochter von Adrian und Elisabeth von Bocholtz-Tongerlo; diese errichtete 1599 ihr Testament. Im Jahre 1602 vermählte er sich in zweiter Ehe mit Margaretha von Groesbeck, Erbin zu Orey, Tochter von Theodorich und Cäcilia von Rougrave, welche am 28. Februar 1662 starb. Aus der ersten Ehe war ein Sohn, der unten folgt; aus der zweiten Ehe entstammten 17 Kinder, wovon 8 sich dem geistlichen Stande widmeten. Einer derselben, Ferdinand von Bocholtz, Herr zu Orey, Grand-Rechin, Magenee und Lambermont, Domdechant zu Lüttich, Vicedom zu Münster und Propst zu St. Peter zu Lüttich, starb 1669 zu Trier und wurde in der dortigen (jetzt zerstörten) Lambertikirche, neben seinen Eltern beigesetzt. Seine Mutter ruhete dorten, sein Vater, erst in Drey bestattet, wurde später ebenfalls dort beigesetzt.) Dieser Ferdinand war der letzte männliche Sprosse dieser Linie und stiftete 1667 mit 15000 Thalern ein adeliges Knabenseminar zu Trier, welches er zum Erben einsetzte.

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Sohn der ersten Ehe des 1638 verstorbenen Gottfried von und zu Bocholtz-Drey war:

Johann Wilhelm von Bocholtz zu Orey-Grevenbrock, geboren den 21. Okt. 1599, gestorben 1682; er heiratete 1627 seine schon vorhin genannte, im dritten Grade Verwandte Anna v. Hoensbrock-Ostham, Tochter von Hermann und Anna von Bocholtz-Grevenbrock. Johann Wilhelm kaufte mit seinem entfernten Verwandten Egidius Werner von Bocholtz zu Bocholtz (Lobberich) 1673 vom Könige von Spanien die Herrlichkeit Lobberich. Durch Vertrag vom 20. Juni 1674 setzen beide fest, daß Johann Wilhelm 1/3 und Egidius Werner 2/3 der vom König von Spanien als Herzog von Geldern gekauften Herrlichkeit Lobberich haben sollen und daß diese in dieser Form "ein ewiges Familien-Fideikommiß" sein soll. Er war wegen Haus Broeck in den Jahren 1656, 1679-1682 als Ritterschaftsmitglied zum Landtage nach Roermond verschrieben.

Diese Eheleute hatten folgende 2 Kinder:

1. Anna Margaretha von Bocholtz, geboren den 13. Mai 1623, Stiftsdame zu Münsterbilsen, heiratet Georg Friedrich Freiherr von Renesse zu Eideren.

2. Maria Alexandrine von Bocholtz, geboren 1629, Stiftsdame zu Münsterbilsen, ist 1698 tot, stiftete sich ein Jahrgedächtniß in der Pfarrkirche zu Lobberich.

3. Agnes Ottilie Arnolde Margarethe von Bocholtz geboren 1631, Witwe 1698, heiratete Ludwig Otto v. Blanckert-Ahrweiler.

4. Cäcilia Katharina von Bocholtz, geboren 1632, Stiftsdame zu Süsteren, 1698, 1717, heiratete erstens 1670 Wilhelm Vinzenz von Wittenhorst, gestorben den 31. März 1678, zweitens 1685 Arnold Adrian von Hoensbroeck; sie war 1724 Witwe.

5. Isabella Theresia von Bocholtz, geboren 1633, Stiftsdame zu Münsterbilsen, 1698, 1717, heiratete R. Graf von Lannoy.

Gottfried (I., A.) von Bocholtz zu Broick, der älteste Sohn des 1510 gestorbenen Stifters der Linie "Bocholtz zu Broick" zu Lobberich, war Marschall des Herzogtums Geldern 1525 und 1545, heiratete Adriana von Eyll, Tochter des Marschalls des Herzogtums Geldern. Sie bekommt 1532 "Haus Broick" zu Lobberich eine Leibzucht. Sie war vorhin Witwe des Adrian v. Boedberg. Sohn der Ehe mit Gottfried v. Bocholtz war:

Wilhelm (II.) von Bocholtz zu Broick, gestorben 1551, heiratete Agnes von Galen; diese heiratete hernach Johann von Bocholtz, womit sie 1551 vermählt ist. Sie bekommt 1555 an "Haus Broick" eine Leibzucht, wohnte 1566 zu Lobberich und erbte von ihrem ersten Gatten den Rittersitz Schaphuysen zu Bracht. Sie lebte 1566 noch. Mit Wilhelm von Bocholtz hatte sie folgende 2 Kinder:

1. Wilhelm (III.) v. Bocholtz, mit "Broick" zu Lobberich belehnt, starb ohne Leibeserben zwischen Sep. 1555 und Juli 1556. Ihn beerbte seine Schwester:

2. Johanna von Bocholtz, Erbtochter zu Broick wird am 3. Juli 1556 als Erbin ihres Bruders belehnt und war 1568 tot. Sie heiratete Engelbert von Brempt zu Haus Flaßraedt bei Straelen, Droste zu Straelen, welcher 1575 noch lebte. Sohn war:

Wilhelm von Brempt zum Broich, welcher am Sonntag, den 14. Oktober 1590 selbst auf dem "Hause Broich" zu Lobberich, gemäß einer Urkunde, wohnte. Er war 1592 wegen Broick zum Landtage verschrieben.

Vordem war "Haus Broich" von Johann von Dript (gestorben 17. Mai 1592) Witwe des 1553 gestorbenen Johann von Bocholtz-Ingenhoven bewohnt gewesen. Deren Sohn Arnold von Bocholtz-Ingenhoven schreibt nämlich unterm 25. Juli 1591 aus Brüssel seiner Mutter, daß er aus ihrem Briefe ersehen, daß sie sehr krank sei gewesen, und daß "Junker brembt" selbst sein Haus eingenommen hat, er jetzt nicht wüßte, wo sie bleiben solle. Er rät ihr sodann an, sich zu ihrem Sohne, seinem Bruder Dietrich von Bocholtz-Störmede in Westfalen zu begeben. Im Jahre 1601, am Samstag, den Oktober, wohnte Wilhelm von Brempt zu Flaßraedt, Droste zu Straelen, wieder auf dem Hause Flaßraedt zu Straelen. Seine Gattin Maria von Holtmullen, war am 20. Mai 1604 tot. Seine Söhne waren:

1. Johann von Brempt, Herr zu Flaßraedt, Droste zu Straelen, 1607.

2. Engelbert von Brempt zu Flaßraedt, Droste zu Straelen am 18. März 1629, er war 1607 bis 1611 und von 1612-24 wegen "Haus thoe Broeck" zum Landtage nach Roermond verschrieben. Seine Gattin Irmgard von Blittersdorf zu Flaßraedt lebte noch am 26. Dezember 1636.1) Sohn Johannis war:

Wilhelm Engelbert von Brempt zu Flaßraedt, Drost zu Straelen, daselbst i. J. 1642 gestorben.

Nach Fahne, Bocholtz I. Bd. II. Abt. S. 208 hatten die Brempt folgende Stammtafel:

1) Peter Wittlinx, genannt Cüper, aus Lobberich, (sein Haus lag 1630 um die Kirche, mit dem Rücken an den Baumhof von Ingenhoven,) Rentmeister zu Flaßraedt bei Straelen, heiratete gegen das Jahr 1650 Katharina von Blittersdorf, wohl eine nahe Verwandte der Herrin des Hauses Flaßraedt; beide lebten noch 1661, wo sie in der Lobbericher Kirche ein Jahrgedächtnis für sich und ihre Anverwandten stifteten. Sie schenkten dazu 1200 Gulden, á 20 Venloer Stüber, welche Summe beide Eheleute dem Kirchpiel Lobberich zur Abtragung einer gleichen Schuld, die in Kriegszeiten für Militär-Executionen bei dem Kloster St. Maria Garten in Roermond aufgenommen war, vorgeschossen hatten.

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N. von Brempt, heiratete N. von Oersbeck, Tochter Engelberts und Sophia von Vossen. Deren Sohn war:

Engelbert von Brempt zu Blasrath, welches er von Engelbert von Oersbeck erbte, belehnt 1442 mit Belde desgleichen 1432, Amtmann zu Straelen, überträgt 1473 Blasrath seinem Sohne, heiratete Aleid Schenk von Nideggen. Deren Sohn:

Engelbert von Brempt zu Blasrath 1433, 1500 Drost zu Straelen, 1505 tot, heiratete N. Von Blitterswich. Deren Sohn:

Evert von Brempt zu Blasrath, 1505 belehnt, Droste zu Straelen bis 1526, 1544 tot, heiratete erstens Felicitas von Oeft 1526, gestorben 1527, zwitens Aleid von Baer gegen 1530, welche 1547 Witwe ist. Aus zweiter Ehe waren 2 Kinder:

1. Joost, 1544 minorenn, mit Blasrath belehnt, überträgt es 1556 seinem Bruder und heiratet Katharina von Westrum, deren Sohn war: Engelbert von Brempt zu Broich 1616.

2. Engelbert von Brempt, 1556 mit Blasrath belehnt, heiratete

Erstens Johanna von Bocholtz, (vom Rittersitze Broeck zu Lobberich,) Tochter Wilhelms und Agnes von Galen, 1568 tot;

Zweitens Cornelia von Eyl, Tochter Wilhelms und Sophia von Bocholtz.

Drittens Agnes von Brockhusen, gestorben (Engelbert?) 1613; seine Gattin war wieder vermählt mit Hermann von der Hell. Aus erster Ehe waren 2 Kinder:

Seite 104 Abs. 7 resp.8

1. Wilhelm von Brempt zu Blasbach, 1577 belehnt, Droste zu Straelen, heiratete Elisabeth von Isselstein.

2.R. von Brempt, heiratete Maria von Holtmüllen. Wilhelms Söhne waren:

1. Johann von Brempt zu Blasrath, Droste zu Straelen, starb an der Pest, am 6. Dezember 1617 heiratete 1613 Johanna von Berge, genannt Trips, gestorben an der Pest am 8. Dezember 1617.

2. Engelbert von Brempt zu Blasrath, Droste zu Straelen, gest. 10. Dezember 1635, heiratete Irmgard von Plittersdorf, Tochter von Wilhelm und Elisabeth von Gertzen, genannt Sintzig, welche sich 1636 wieder mit Johann Arnold von Wachtendonk verheiratete. Sohn Johannis war:

Wilhelm Engelbert von Brempt zu Blasrath, Droste zu Straelken; gestorben 4. März 1642, begraben zu Straelen; er war verheiratet mit Katharina von Erp.

Nach dem Tode Wilhelm Engelbert's von Brempt belehnte, wie schon gesagt, König Philipp von Spanien als Herzog von Geldern Johann von Bocholtz-Ingenhoven, Domherr und Propst zu Lüttich und dessen Bruder Jelis (Egidius) von Bocholtz, Domdechant zu Lüttich, am 24. April 1643 mit dem "Gute zu Broeck" im Amte Krickenbeck und Kirchspiel Lobberich, welches Lehen durch Absterben des Wilhelm Engelbert von Brempt erledigt worden ist und jetzt gegen Erlegung eines Heergewedes von 15 Goldgulden empfangen wurde.

Im Jahre 1717 war das Gut Broeck im Besitze der Kinder des vorgenannten 1682 verstorbenen Johann Wilhelm von Bocholtz zu Orey-Grevenbroech, der auch ein Drittel der Herrlichkeit Lobberich erworben hatte. Im Jahre 1717, am 4. März, bevollmächtige auf dem Hause Horst (bei Horst-Venlo) Cäcilia Katharina, geborene Freiin von Bocholtz, verheiratete Marquise von Hoensbroeck, welche beabsichtigte, das adelige Haus Broeck, gelegen zu Lobberich, ganz oder teilweise zu verkaufen, mit Genehmigung ihrer Schwester und Nichte, der Frau Gräfin von Lannoy und der Freifrau von Hochsteden-Heyden hiermit den Peter Wolters, welcher seit 1706 Lehrer in Lobberich war. (Schwester der Vorgenannten war Maria Alexandrine, Freiin von Bocholtz zu Grevenbroech Stiftsdame zu Münsterbilsen; diese schenkte am 11. Juni 1698 100 Thaler für eine Singmesse, welche auf Bartholomäus-Apostel jährlich in der Pfarrkirche zu Lobberich für die Stifterin und ihre Anverwandten durch Pastor, Diakon und Subdiakon gehalten werden soll. U.D. Witwe von Blankart, E. Witwe Marquise von Hoensbroeck und Therese Gräfin von Lannoy, wiesen auf dem Hause Horst am 11. Juni 1698 zu dieser Stiftung ihrer Schwester ein Kapital an.) Schon bald fand der vorerwähnte Verkauf des Hauses Broeck statt, denn am 3. April 1717 lieh die Anna Maria Amalia geborene von Gymnich zu Vlatten, Witwe Johann Arnolds, Baron von Bocholtz(=Bocholtz) zu Lobberich, welche sich 1718 mit Gerhard Freiherr von der Reck wiedervermählte, von der Witwe von Breugel 2000 spanische Pattakon, um einen Teil des Kaufschillings des Gutes Broeck, und eines Dritteiles der Herrlichkeit Lobberich damit zu bezahlen, welche sie für 10 000 Pattakons von der Witwe Marquise von Hoensbroeck, dem Grafen von Lannoy und der Witwe Freiin von Hochsteden angekauft hat. Ihr Schwager, der unvermählt 1696 verstorbene Egidius Werner von Bocholtz, war bereits Besitzer des Hauses Bocholtz mit seinem Zubehör und hatte Haus Ingenhoven mit seinen zugehörigen Höfen ererbt. Im Jahre 1673 hatte er die Herrlichkeit Lobberich vom Könige von Spanien angekauft, jedoch ein Drittel derselben seinem entfernten Verwandten Johann Wilhelm von Bocholtz-Orey-Grevenbroich (aus der Linie Bocholtz zu Broeck, Brockerhof) überlassen. Nach

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Werner Egidius von Bocholtz Tode gingen seine Besitzungen an seinen Bruder Johann Arnold v. Bocholtz, welcher 1711 starb und 2 Töchter hinterließ, über. Seine Witwe erwarb um 1717 von den Kindern des 1682 gestorbenen Ankäufers des letzte Drittel der Herrlichkeit Lobberich, sowie das Haus Broeck. Da ihre nun folgende zweite Ehe kinderlos blieb, so gelangte nach ihrem 1747 erfolgten Tode die ganze Herrlichkeit Lobberich, sowie die Häuser Bocholtz, Ingenhoven und Broeck und die dazu gehörigen Güter in den Besitz ihrer beiden Töchter, welche die Herrlichkeit Lobberich ungeteilt fortbehielten. Haus Broeck oder der Brockerhof gelangte bei der Teilung des Nachlasses, 1748, in den Besitz der ältesten Erbtochter Maria Margaretha Freiin von Bocholtz zu Bocholtz, welche sich mit Wilhelm Ludwig Joseph Freiherr von Mirbach zu Harff vermählte. Von all den vielen Bocholtz'schen Gütern zu Lobberich ist nur dieser sogenannte "Brockerhof" noch in Familienbesitz geblieben; er gehört noch heute einem Urururenkel der vorgenannten Maria Margaretha von Bocholtz, dem Grafen von Mirbach-Haff zu Harff. Dieser schenkte i.J. 1888 zur Vergrößerung des Bauplatzes der neuen Pfarrkirche zu Lobberich vom Gute Brockerhof 20 Ar (Ca. 1 1/5 Morgen), weshalb auch in dankbarer Pietät über dem Portale der Südseite (der geschenkten Seite) sein Wappen angebracht ist.

4. Merschelshof und seine Besitzer

der "Mersenhof" war Lehen von Geldern. Im Jahre 1326 wird er "Haus zu Gripinhouele" später "Haus in der Sittart" genannt. Im Jahre 1326 wurde Gerit von Endelsdorp und 1403 Sibert von Weuelkouen (Wevelkoven) belehnt, von dessen Nachkommen es 1469 an die von Bocholtz kam, die es verasterlehnten. Die geldernschen Lehnsakten sagen über denselben: "Den hoff aen gen sittard, nue Merßelshoff genoemt tot Lobberich gelegen achter het Broeck van't huys zum Hove aen haldendeontrent negen en tachentig (89) Morgen, huys, schuyr, hoffreydonge, boomgart. Ende ist dit leen met gene andere lasten beswaert dan Schatt, Thiende, ende andere naebuerlycke lasten." Im vorletzten Jahrhundert war das Lehen im Besitz von 5 verschiedenen Personen. Das Haus mit Scheune, Baumgarten und 20 Morgen besaß die Witwe von Bocholtz. Bei der Teilung der Bocholtz'schen Güter i.J. 1748 betrug die Gesamtgröße des "Merßelshofes" 47 1/2 Morgen 36 Ruten.

Nach dem geldernschen Lehnsregister wurde von 1326 bis 1556 mit dem Haus Gripinhouele, später Ingen Sittard, oder Merßens, auch Merßelshof zu Sittard bei Lobberich belehnt:

"T' huis te Gripinhouele end 3 morgen lants ter Sittert dar by gelegen helt heer Gerit van Endelsdorp; anno 1326. Sibert von Wevelinckhouen helt den hoff ter Sittert ende aldat dar to behoort. Item ontsengt den hoff angen Sittert tot enen vyff marxleene in den Kerspel van Lobbroich anno 1403. Euert van Weuelkouen, siberths soon ontfinck tot behoeff syner moder, broederen en susteren den hoff in den sittert den wilne Rutger van Weuelkouen te besetten plagh, als dieselue met all syne tobehor in den Kerspel van Lobbroick gelegen is tot enen poondigen Leene anno 1413. Seger von Weuelkouen ontfink den hoff an der sittert tot lobbroick gelegen mit allen synen tobehoor tot

gelderschen leeenrechten anno 1423. Item anno 1424 tot enen poondigen leenrechten. Item vercoopt 21 molder roggen lobbroickscher maten erfflyck anno 1426. Grieten van Weuelckhouens son genoemt Rutger beleent anno 1429. Arnt de wilde van Meersen erheelt dat beleent as een tuchter. Arnt van Boicholt syner dochter nae wiues dood wedereruen (wiedererben) sullen. Arnt van Meeesens Eruen (Erben) des vaders Johann van Meesen, oick te vooren dit leen ongfangen hat anno 1456. Arnt van Boicholt op condition voorf. anno 1469. Item ed vernyt 4. oct. 1473. Peter van Boicholt ontfengt den hoff geheiten inden sittert met allen synrn tobehooren, in den Kerspel von Lobbroick gelegen tot gelderschen rechten, als versuymt by de. eruen (Erben) Arnts von Meersen aen, welcke hyten achters was 1498. Henrica van Meersen erfft ob hare 3 dochters Elisabetz, Barber und Fye dat goet end Erue an gen Sittert met allen synen rechten end tobehooren in den ampt van Krieckenbeeck in den Kerspell von Lobbroeck gelegen aen der eenen syde naest Remboltsgoet opter Sittert an der andere syde Rockengoet tot gelderschen leenrechten 19. ockt. 1533 haer hulder is Goertt Seueryn (Severin), Elisabeth soon, t'versuyn quit gegeuen on 400 goltgulden soo sy buten den leenheer opgenommen, sullen sy in ses (6) jaeren wieder offlosen by verließ des leeens (bei Verlierung des Lehens.) Godert van Meersen vernyt etd 10 ockt. 1538. Item eedt vernyt 20. Juni 1556. Joost feuerias genannt van Meersen erue (erbe) synere moder Elisabeth 26. Mai 1562 t'versuym quit gescholden. Item verschryfft 25 goldgulden tot 33 1/2 stuuer (stüber) den goldgulden met V (5) goldgulden to losen aen Joachim van Boicholt 12. Juli 1566, Hermann Rütter

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hy transport Joost voorn 13. May 1572. Seueryn Seueryns (Severin Severins) soon ursula, syn vrou end Henrica syn dochter transporteren op Goertgen, Jans soon, Grietgen Reinders syn stiffmoder end Egbert huerer soon syn rechte anverstoruen andeel an den hoff tho lobbroick aen gen sittert gelegen Meersenshoff geheyten tot gelderschen rechten 24. September 1566." Spätere Belehnungen besagen:

"T' Erve aen gen Zittart alias Mersenhof waermede beleent is Gerard cremeren als hulder van A.M.A. Bryheer van Reck den 21. ockt. 1743. Item is beleent Adrian Constans Bryheer van Bentinck tot Limbrich u. als helder van syne ghemalinne Anna Franzisca, Bryvrouw van Bocholdt binnen Gelder 14. Dez. 1748-1780, t. Juni is hiermede beleent Maximilian Bryheer van Bentinck." - An ferneren Nachrichten finden wir noch: "Am 12. Juli 1566 bewilligte Philipp König von Castilien und Leon (Spanien) mittelst Schreibens an den Statthalter der Lehne des Fürstentums Geldern und der Grafschaft Zütphen, das Jost Severin genannt Meersen, das Lehngut an gen Sittardt, genannt Mersenhof, zu Gunsten des Joachim von Bocholtz, mit einer Rente von 25 Goldgulden lösbar, mit 500 Goldgulden beschweren darf. Die Quittung des Jost Severin genannt Mersen, über den Empfang der 500 Goldgulden, datiert vom 16. August 1567 und die Quittung der Eheleute Joachim von Bocholtz (zu Burg Bocholtz) und Margaretha von Pollard über 500 Goldgulden nebst Zinsen, vorbehaltlich andere Forderungen, dem Hermann auf Mersenhof erteilt und von Johann von Bocholtz, Sohn von Joachim und Margaretha. Namens der beiden letzteren wegen Schreibensunkundigseins ausgestellt, ist datiert Lobberich, den 22. Juli 1582. Um das Jahr 1628 wurde der Mersenhof von Jakob Rosentritt, substituierten Landschreiber des Amtes Krickenbeck, bewohnt. Dieser hatte in erster Ehe Margaretha von Bocholtz 1) (von Burg Bocholtz), die Witwe des Jelis (Egidius) von Bocholtz (von Haus Ingenhoven) zur Gattin gehabt, in zweiter Ehe war er mit Agnes von Kessel, genannt Roffart, vermählt gewesen. Am 5. September 1628 errichtete er auf Mersenhof sein Testament. In demselben erklärt er, zweimal verheiratet gewesen zu sein, zuerst mit Margaretha von Bocholtz, der Witwe des Jelis von Bocholtz und zum zweitenmale mit Agnes von Kessel, genannt Roffart. Die Kinder aus beiden Ehen setzte er zu Erben ein, insbesondere

Ziff 1) Deren Schwiegerin, die Witwe ihres Bruders Eduard oder Egbert (II.) v. Bocholtz-Bocholtz, Namens Sibilla von Mansfeld, welche 1616 tot ist, heiratete in zweiter Ehe Joh. Eggenoy.

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..sondere soll Johann, sein mit der Margaretha von Bocholtz erzeugter Sohn, den Mersenhof haben, dagegen sollen alle anderen Güter seinen mit der zweiten Frau erzeugten Kindern zufallen. ( Im Jahre 1630 lag um die Kirche zu Lobberich ein Haus, welches Hilger Rosentritt, wohl ein Sohn des vorgenannten, gehörte.) Um das Jahr 1701 gehörte der Mersenhof wieder der Familie von Bocholtz. Am 12. Mai und 16. Juni 1701 erhielt Arnold von Bocholtz, Herr zu Lobberich, eine zweite und dritte Vorladung der Statthalter der Lehne des Fürstentums Geldern aus Roermond zur Mutung der geldern'schen Lehne: das Haus zu Bocholtz, das Haus Ingenhaeff hinter der Kirche, Mersenshof genannt in gen Sittardt und zwei Drittteilen der Herrlichkeit Lobberich. Bei der Teilung der Bocholtz'schen Güter unter die beiden Erbtöchter fiel der "Merselshof" (jetzt Merschelshof genannt) an die jüngere Erbtochter Anna Franziska Freiin von Bocholtz, die Gemahlin des Adrian Konstantin Freiherrn von Bentinck zu Limbrecht, deren Sohn, der 1831 in hohem Alter verstorbene Freiherr Maximilian von Bentinck, denselben aber, durch Not gezwungen, zu seinen Lebzeiten noch verkaufen mußte.

5. Das Lehngut "zu Heythuysen" und seine Besitzer

( Bengmannshof.)

Ueber dieses Gut schreibt Fahne 1): " Hof zu Heithausen, an Haus Ingenhoven grenzend (das Hagelkreuz steht auf seinem Boden,) wurde 1497 von Goert von Heithuysen besessen und wird als ganz frei bezeichnet, Er läßt sich jetzt nicht mehr ermitteln." - In letzterem Falle hat Herr Fahne sich aber geirrt, denn seine Lage und Größe ist noch genau bekannt. Daß das Hagelkreuz auf seinem Boden steht, besagt eine Urkunde vom Jahre 1643 mit den Worten: "daß der Platz herkommende aus heithausen gutt, daß creutz aber erbauwet von die Erbgenamen des Hauß Bocholtz." - In der Nähe des Bengmannshofes, dem Herrn Gerhard Heythausen gehörig, liegt ein jedoch nicht zu diesem Hof gehörendes Stück Ackerland welches noch heute "op de Borg" hießt und wo ehedem das adelige Haus gelegen hat. Auch der genante Bengmannshof der spätere Familiensitz, besitzt noch 20 Morgen seines Ackerlandes von jedem Gute. Das Lehngut zu Heythausen besaß ca. 50 Morgen Ackerland, welche nach einer Urkunde vom Jahre 1720²) folgende Lage hatten:

Ziff 1)Bocholtz, I.Bd. I. Abtl, S288.

Ziff 2)Urkunde im Besitz des Herrn Gerhard Heythausen auf Bengmannshof zu Lobberich

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"Extract uyt het Denumbrement vant leen verscheyde parceelen uyt t' leen toe heythuysen, gelegen binnen de Herrlyckheyt Lobberich.

Het goedt off te leen toe Heyhuys aen Syne Conigl. Mejesteyt als Herzogh van Gelre met vyffthien goltgulden te verhergewaeden leenroerigh waerven den ondergsch. tegenwoordigen leendraeger is, betaelt in ontrent des vyfftigh morgen Bouwlandt Synde verdeylt ende gelegen als volgth:

1. De besitters vant Adelyck huys Bocholtz tot Lobberyck hebben hiervan negenthien morgen, gelegen ter eenere neffens Tilman Smitter landt ter andere syde neffens de Erffgenaemen van Peter Rölkens landt Schietende op en Kerckwegh vant huys bocholtz ende of jet land van paulus Kessels.

2.jochim Bengmans twintigh morgen waervan tweelf morgen syn gelegen ter eenere neffens Theisken Deurckens landt ter andere syde neffens Steger kerckwegh Schietende op het landt van Theisken Bux (Bex?) ende van Hein Huysers. Des resteerende acht morgen gelegen ter eenere neffens des Steger kerckwegh ende ter andere syde neffens de beecke schietende op het land vant huys bocholtz.

3. Theisken Deurckens seven morgen gelegen ter eenere neffens jochim bengmans landt ter andere syde neffens synen mistweg schietende ob het landt van jochim Bengmans ende syn eyen landt.

4. De Erffgenaemen van Peter Rölkens vier mogen gelegen te eenere neffens het landt van Teves heunckes ter andere syde neffens hun eygen landt, schietende op den kerckwegh vant huys Bocholtz ende Bengmans Stratien.

In oircone is dese geteekent tot Lobberich, den 20. uny 1720, was onderteekent: Gerrit Heythausen.

Eine weitere noch vorhandene Urkunde besagt und über die ehemalige Größe des genannten Lehens, übereinstimmend mit der genannten, ebenfalls folgendes: 1)

"Copie "Denombrement Van het Leen toe heythuyen, gelegen binnen De Herrlyckheyt Lobberich als volght:

Het Goedt ofte Leen Toe Heythuysen, an syne Coneckl: Majesteyt als Hertogh van Gelre, met vyffthien Goldgulden te verhergewaaden, Leenverigh, Waervan den.ondergeschweven Leendraeger is, bestaet in omtrent De vyfftigh morgen bouwlandt, zynde verdeylt ende gelegen als volght:

Eerstens De besitters Van't Adelyck Huys boeckholtz tot Lobberich hebben hievon negenthien morgen, waervan

Ziff 1) Urkunde im Besitze des Herrn Gerhard Heythausen auf Bengmannshof zu Lobberich.

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Teghens woordigh den vryheere van Bentinck besitt De helffte ad negen ende eenen halven morgen, gelegen acht morgen tüschen Den Veheweg (Viehweg) Den Kerckwegh van den Huyse Boeckholt, Der Wedue en Erffgen: Jan Kessels (Pauelshof) Landereyen, ende die von Peter Rölkes; Den eenen ende eenen halven morgen tüschen De Landereyen van den Huyse Boeckholt; - ende D' andere helffte ad negen ende eenen halven morgen besitt den vry Heere van Mirbach, gelegen tüschen Den Moelenweg (Mühlenweg) van't Neerboeckholt, De Erffen van den andergesch: Leen:=draeger, ende von dem Huyse Boeckholt.

Twedens besitt Joannes heithausen toegenoemt (zugenannt) Bengmans Twintigh morgen, Waervon twelf morgen Zyn glegen Matthias Dörckes ter eene ende neffens Den Steeger Kerckwegh, ende ter andere Syden neffens de beeke aldaer, schietende o 't Land van't huys Bockholt.

Derdens Matthis Dörckens seven morgen gelegen ter eenre neffens Joannes heithausen toegenoemt Benmans Land, ter andere Syden Synenen Mitwegh, Schitende ob het Land van Joannes heithausen ende syn eygen Landt.

Vierdens des Wedue en Erffen: van Cryn Roelikens vier morgen, gelegen ter eenre Philip Cremers Land ende ter andere Syden hun eygen Land, schitende op den kerckwegh van't huys Bockholt ende Dyen van Bengmans; in oirconde is dese geteeckent Tot Lobberich den 9den Decemb: 1782. was onderteckent Johannes Heithausen.1)

Fernere Urkunden besagen uns noch: Der (später in der Stammtafel noch vorkommende) Tilman von heythuysen seine Ehefrau Cunigunge von Wewort; (Weverden) Dries von heythuysen und Baets (Beatrix) seine Ehefrau und Ida von Heythuysen, "vererbpachten" mit den Erbgenamen von Krickenbeck am 6. Januar 1441 die "Kaethmühle" zu Lobberich.²)

Anm. 1) Die in dem Denobrement v.J. 1720, sowie in diesem v.J. 1782 genannten 20 Morgen des Hauses Bocholtz sind wohl das Drittel des "Lehngutes Heythausen, welches Goert von Heythausen 1497 verpfändete; diese Pfändung verlängerte sein Sohn Wilhelm von Heythausen und seine Erben überließen dieses Drittel i.J. 1590 an von Bocholtz, wie wir noch sehen werden. Die in den vorgenanten Denobrementen genannten 11 Morgen von Dörkens und Roelkens werden ebenfalls wohl durch Geschwister, die in Lobberich heirateten, von Heythausen oder Bengmannshofe abgetrennt worden sein.

²) Fahne, Bocholtz, II. Bd. Köln, 1860

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August 1497 genehmigte Karl Herzog von Geldern und Jülich, Graf zu Zütphen, als Lehnsherr , daß die Verpfändung des Hofes zu Heithusen im Kirchspiel Lobberich, welche Goert von Heithausen dem Peter von Bocholtz eingeräumt hat und die jetzt abgelaufen ist, durch Wilhelm von Heithausen verlängert werden darf.1) Der vorgenannte kommt als Goert von Heythauß noch i.J. 1481 vor.²) Am 17. Mai 1523 verkaufte Aelet (Adelheid) von Heithausen, die Tochter des verstorbenen Goert, 4 Sester Roggen aus der "Kaetmühle" zu Lobberich und ihren Latenzins aus der Laytschaft Bleen an Goert von Bocholtz (Ingenhoven) und dessen Ehefrau Maria von Buschfeld.³) Im Jahre 1561 stiftete Johann von Waldoß, genannt Heithausen, ein Aniversar für sich in der Kirche zu Lobberich. 4)Derselbe Johann von Waldoß, genannt Heythauß, stiftete 1561 auf St. Andreasabend eine Armenrente mit 73 Goldgulden und beschwerte damit "Heyteserhof" zu Lobberich. (Am 12. März 1682 wurde diese Rente von der Familie abgelegt, und zahlten hierzu: Joachim tho Heithausen (Bengmannshof) 50 Goldgulden und Merten Dörkes 25 Goldgulden.5) Am 23. Oktober 1579 zu Gladbach bekennt Maria Knops, Witwe des Wilhelm von Heithausen, Schultheiß zu Oedt und ihr jetziger Bräutigam Georg Klaett von Diedrich von Bocholtz zu Störmede (Westfalen) 500 Thaler, mit jährlich 25 Thaler Zinsen, darlehnsweise empfangen zu haben.6). Am 27. Juli 1589 quittieren Wilhelm von Waldorf, genannt Heithausen, und seine Frau Magdalena von Amstel dem Droste Diedrich von Bocholtz zu Störmede (gebürtig aus Ingenhoven-Lobberich) 400 Reichsthaler.7) Nachdem am 6. Dezember 1590 Anton Knops und seine Frau Aleydt (Adelheid) von Walter auf ihr Drittteil des Lehngutes "zu Heethuysen" im Amte Krickenbeck, Kirchspiel Lobbroich, vor dem Lehnsgute des Fürstentums Geldern und der Grafschaft Zütphen in Gegenwart der Lehnsmannen: Dietrich von Westrem und Johann von Bocholtz verzichtet haben, wir auf Antrag derselben genannten Eheleute, Daem von Bocholtz mit dem gedachten Hofe, nach Geldrischen Lehnrechten, gegen 15 Goldgulden, "Heergewede" belehnt. Ergeben Roermonde, 11. August 1593, unter dem Siegel des Königs Philipp von Spanien. 8) (Unter Grefrath lag ebenfalls ein "Hof Heithausen", 1394 schon genannt; dieser war gleichfalls in adeligen Besitz

Anmerk.

1)und 3) Fahne, Bocholtz, II. Bd. Köln, 1860.

2) Kirchenbuch, Lobberich II S. 47 b

4) Kirchenbuch Lobberich,I., S. 20.

5) Kirchenbuch Lobberich II, S. 17-19

6) 7) und 8) Fahne Bocholtz, II. Bd., Köln, 1860.

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und wurde später Heitzerhof genannt. Das Grefrather Gut Heithausen, von welchem noch das Heitzerend bekannt ist, war im Besitze der dortigen Familie von Spee.) Zu Lobberich am 31. März 1634 verkauften die Eheleute Tiß (Mathias) Mantteua (auch Mantua und Mantewa geschrieben, er selbst schrieb die erste Weise) und Elisabeth von Heithausen mit Erlaubnis des Lehnhofes zu Arnheim und des Engels Bengmanns und Pawelß Hegholz als Vormünder von Magdalena der genannten Elisabeth Vorkind, auch Vollmacht habend von Franz, seiner Gattin Bruder, 2 1/2 Morgen Land, gelegen neben der Kirche und Erben von Bocholtz Land, an Thisken Bengmanns 1) und Entgen, dessen Ehefrau, für 1050 Gulden venlosch, und als Erbzins 1/2 Malter Roggen und 4 Steine Flachs. Auch sollen Ankäufer 6 Reichsthaler zum Verzeichnis (Lehnsregister) zahlen.²)(Im Jahre 1673 war Jakob Mantewa, wohl ein Sohn des vorgenannten Thiß, König der St. Marien-Junggesellen-Schützenbruderschaft zu Lobberich; seine Platte ist noch vorhanden. Zu Lobberich am 25. April 1641 bekennt Mattiß Mantua, Gemahl der Elisabeth von Heithausen, vor dem Edlen und ehrenhaftesten Joachim von Bocholtz zum Hove (Ingenhoven) und Gerhard Doerckens, als beide Mannen der geldernschen Lehen, daß er sein Gut verkauft hat an Gerhardt Heithausen 3) mit wissen und willen seines Vormünders, des edlen und festen Adolf von fourdt, daß er aber jetzt durch "Beschutrecht und guter Leute Zwischensprechen,4) durch Heimlichkeit dasselbe dem Wohledlen und festen Arnold von und zu Bocholt (zu Burg Bocholtz) und dessen Ehefrau Eva von Alden-Bruck genannt Velbruck überläßt, dem ihm zustehenden Rechte gemäß. Bocholtz soll den Kaufpreis in der Hand halten und ihm bloß 500 Gulden venloer Währung, sowie 2 Malter Roggen und 1/2 Malter Weizen in Baar geben. Die Urkunde unterschrieben: Mattyß Manteua, Joachim van Bocholt zum Hove, Gerret Doerkens und Jans Reiners.5)

Anm.

1) War wohl der Bengmanns genannte This Schiffeler, der auf Bengmannshofe wohnte

2)5) Urkunden im Besitze des Herrn Gerh. Heythausen auf Bengmannshof, zu Lobberich.

3)War wohl ein Neffe seiner Gattin vom Bengmannshofe, wo die Urkunde noch vorhanden.

4)Wurde in alter Zeit ein Gut oder ein Stück Ackerland öffentlich oder aus der Hand verkauft, so wurde dies an drei nach einander   folgenden Sonntagen von der Kanzel publiziert, weil Jemand aus der Verwandtschaft des Verkäufers kommen konnte, der es "beschöddete", d.h. noch ein Aufgebot that. Kam wirklich ein solcher, so wurde der erste Verkauf ungültig.

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Soweit mir bekannt, wurden mit dem Gute tho Heithausen zu Lobberich belehnt: Tilman von Heithusen i.J. 1405 vom Herzoge von Geldern; sein  Sohn Tilman von Heithusen i.J. 1415; dessen Sohn Goddert (Goert) von Heithusen i.J. 1456; und dessen Kinder Aleid von Heithusen 1497 und Wilhelm von Heithusen i.J. 1525.1) Ferner wurden noch mit dem Gute belehnt: Daem von Bocholtz zu Roermond am 11. August 1593,²) Lennert (Leonhard) to heythausen zu Roermond am 15. April 1605,³)Theiß Scheiffeler4) zu Arnheim vor dem Statthalter der Lehne des Fürstentums Geldern, für sich und seine Mitkonsorten mit dem "gute tho heythausen" am 19. Februar 1633, 5) Gerrit (Gerhard) Heythauseni.J. 1720 6) und Johannes Heithausen genannt Bengmanns mit dem Lehen Heythausen i.J. 1782.7)

Der vorgenannte Lehensträger Theiß Scheiffeler gab am 25. Mai 1634 vor den Scheffen Gerhard Doerckens und Johann Scheiffeler zu Lobberich die Erklärung ab, daß der Lehnschreiber des Jahres 1605 nur 8 Morgen im Vierkant für Haus Bocholtz verzeichnet habe, welche mit einer Seite auf "den weg so vom Palmz Gardt op heythauser hausß geht", die andere Seite neben Daem Doerckens Land, ein Vorhaupt schließend auf den Bocholtz Kirchweg, so von dem Hagelkreuz auf dem Haus von Bocholtz geht und das andere Vorhaupt schließend auf Jan in der Schmitten und Theiß Roelkens Land. Die anderen 12 Morgen seien darin nicht aufgenommen. Dagegen seien jetzt (1633) 20 Morgen für Junker Johann von Bocholtz im Vierkant eingeschrieben.8) Wie die Frage gelöst wurde, ist mir nicht bekannt, aber i.J. 1720 und auch noch i.j. 1782 besaß Haus Bocholtz 19 Morgen des "Lehens to Heythausen" im Vierkant.

Nach Fahne 9) führte die Familie von Heithausen zu Lobberich auf dem Gute Heithausen eine Gleve (Lilie) im Wappen. Darnach haben sie zu der großen Familie gehört, aus der die Krickenbeck, Wachtendonk, Asselt, Donc, Eyl u. hervorgegangen sind.

Im Hotel Heythausen (Kox) in Lobberich befindet sich noch heute als Aufsatz der Schenktheke das Oberstück eines Herdes, das wohl vom Bengmannshofe, von welchem sowohl der Vater als auch der Urgroßvater

Anm. 1) Fahne, Bocholtz, I. Bad. II. Abt., Köln, 1859, S 227.

2) Fahne, Bocholtz, II. Bd. (Urk-Buch), Köln 1860

3)5)6)7)8) Urkunden im Besitze des Herrn Gerh. Heythausen auf   Bengmannshof zu Lobberich.

4)Seine Gattin war Anna tho Heythausen, welche Besitzerin von  Bengmannshof war.

9)Fahne, Bocholtz, I. Bd., II. Abt.,Köln 1859, Vorwort

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des jetzigen Hotelbesitzers Louis Heythausen gebürtig war, herstammt - und wohl dem in der Nähe des genannten Hofes ehedem gelegenen Hause Heythausen entstammt. Unter dem von vier einen Fruchtkranz haltenden Engeln gekrönten Kopfe dieses Aufsatzes (Guß) steht recht (herald.links) eine gepanzerte Frauengestalt, mit der rechten Hand auf das Schwert und mit der linken auf ihren Wappenschild gestützt, welcher 3 ( 2,1) Gleven zeigt und wohl sicher das Wappen der Heythausen ist; zur linken (herald.rechts) steht ebenfalls eine gepanzerte Frauengestalt, mit der linken Hand auf das Schwert und mit der rechten Hand auf ihren Wappenschild gestützt, welcher einen aufrecht stehenden, nach rechts sehenden Löwen zeigt und wohl das Wappen des Herzogtums Geldern ist. Leider fehlt das Mittelfeld dieses Stückes, welches durch ein modernes ersetzt ist.

Außer den bereits früher genannten Mitgliedern dieser Familie Heythausen sind mir noch folgende vorgekommen:

Johannes de Heidhausen, um das Jahr 1326 Benediktinermönch der Abtei M.-Gladbach;1) und Cäcilia von Heidhausen,um das Jahr 1534, zweite Gattin Eduard's von Bocholtz zu Burg Bocholtz zu Lobberich, welche als Witwe i.J. 1538 noch lebte.²) Sodann i.J. 1556 waren Quirin von Heithuesen und Marten von Heytheusen zu Lobberich in der Nähe des "Gutes Wolfsbosch" mit Grundstücken begütert. (Norrenberg, Gesch. Grefrath's Viersen 1875, nach dem Krickenbecker Rentbuche, S. 119.)

Sodann hat Fahne über das Geschlecht der von Heythausen ³) zu Lobberich vom Gute Heithausen folgende Stammtafel 4):

1236. Theodericus de Hethusen, Kanonikus zu Xanten. 1418. Ritter Andreas von Heithuysen vom Hofe Heithuysen bei Lobberich besiegelt mit vielen anderen Rittern den Verbund der Ritterschaft des Oberquartier von Gelderland.(Quartier Roermond; in dem Exemplare, welches davon in Zütphen beruht, heißt er Friedrich) 1460. Andreas von Heithausen bei der Geldrischen Ritterschaft. 1530. Hermann von Heithausen, Pfandinhaber des Zoll's zu Lobith. 1545,

Anm. 1) Fahne, Bocholtz, III.Bd.,Köln,1856, S.40.

2)Fahne, Bocholtz, II. S. 116 und Fahne, Bocholtz IV. Bd.

im Register der Familie zweimal.

3)Fahne hat hier folgende Schreibweisen: Heidhausen, Heithusen

und Hethusen zu Lobberich vom Gute Heithausen. Im Vorwort dieser Abteilung bei Angabe des Wappens, hat er die Schreib-

weise Heidhausen.

4)Fahne, Bocholtz, I. Bd. II. Abt., Köln, 1859, S. 227.

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1553 bis 1579.Johann von Heithausen zu Lobberich bei der

Ritterschaft des Oberquartiers von Gelderland.1) Johann von Heithausen war um 1550 mit Elisabeth von Stallbergen verheiratet.²)

Ferner hat Fahne noch folgende zusammenhängende Stammtafel ³): Tilman von Heithusen, wird 1405 von dem Herzoge von Geldern mit dem Hofe Heithusen zu Lobberich belehnt; heiratete R., sein Sohn war: Tilman von Heithusen; derselbe wird 1415 mit dem Hofe zu Heithusen belehnt, an welchem er 1421 seiner Frau die Leibzucht einräumt; er heiratete Kunigunde von Weverden, 1421; sein Sohn war:

Goddert (Goert) von Heithausen, 1456 mit Heithausen belehnt, welches er 1464 und 1473 an This von Kessel verpfändet; er heiratete R. und lebte noch i.J. 1481 4)Seine Kinder waren:

1. Wilhelm von Heythusen 1497, mit Heythusen belehnt 1524; und

Aleyd von Heithusen, 1497 mit Heithusen belehnt, 1523, heiratete R. (Hoefschleger?) (In genanntem Jahre 1523 verkaufte sie nämlich, wie früher schon bemerkt, 4 Sester Roggen aus der Kaethmühle zu Lobberich an Goert von Bocholtz. Aus diesem niederdeutschen (bei Fahne, Bocholtz II, Seite 95 abgedruckten) Aktenstücke sei folgendes übersetzt mitgeteilt (Teil der Urkunde):

"Ich Aelet von Heythüsen thue kund und bekenne mit diesem offenen Briefe für mich und meine Erben und Nachkommen, daß ich verkauft habe in einen festen Erbkauf Goert van boecholt und joffer marie van busfelt seiner Hausfrau und deren beider Erben und Nachkommen die 4 Sester Roggen Erb-Jahr-Pacht, die ich jährlich habe an eine "moelen gebeiten die kaertmoelen" und einen Teil von den laeten, thyus (Zins), hühner, gewinn, gewerff, koermoede, wie meine Voreltern das aus der "laytschop" von vleen (zu Lobberich) gehabt haben und mein Vater Goert van Heythusen selig das eine lange Zeit gebraucht hat,

Anm. 1)Fahne, Bocholtz, IV. Bd. Ausschwörungen und Gabdenkmale, Köln 1857, S. 74. Hier heißt er Heythuysen zu Lobbricht.

2)Henrichs und J. Finken, Gesch. Leuth's Kempen 1884, S. 259. Von welchem Gute war dieselbe ? Vom Stallbergerhofe, jetzigen Mühlenhofe zu Lobberich-Dyck; vom Stallber'schen Gute Töschenmöhles zu Leuth, von dem der Familie gehörigen Stallberghofe zu Herongen oder vom Stallberghofe zu Venlo?

3)Fahne, Bocholtz, I. Bd., Abt. S 227.

4)Als Goert von Heythauß, 1481 nennt ihn das Kirchenbuch Lobberich II. Seite 47b.

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und ich nach Tode meines Vaters, gelegen in dem "kyrspel van Lobbroick" in den "dynkhoff to Vleen" unter der Pforte, auf St. Lambertustag. Doch habe ich ausgehalten und nicht verkauft: Leibgewinn, gulden tzyns (Zins), hühner, korngulden, gewinn, gewerff, welches von alters her in den "hoeff to Heythusen" gehört hat und noch gehört - und ich habe nichts verkauft, als die "laetschap van vleen und in den dynckhoff verbracht und verdanckert muß sein, und zwar mit Wissen und Willen meines Schwiegersohns Goert's und belen, meiner Tochter. Gegeben 1523 auf St. Gertrudentag, der hl. Jofferen" (17. März). Nebst Bescheinigung, daß die Kaufsumme richtig bezahlt sei. (Im Jahre 1612, bei der Erbteilung, erhält, wie wir noch sehen, Maria zu Heythausen, Ehefrau L. von Randenraidt, von ihrer Mutter Beelen, der Enkelin der vorgenannten Beelen und Urenkelin Aleids, diese vorerwähnten Gewinn- und Zinsgüter nach deren Tode zugedacht.) Ihre Tochter war:

Bela (Sibilla), welche Goddert von Heithusen heiratete, welcher 1529 tot ist.-

Soweit nach Fahne. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, waren dem berühmten Forscher Anton Fahne keine weiteren, als die bis hier mitgeteilten Nachrichten über diese Familie von Heythausen bekannt. Der Anschluß an vorgenannte Familie von hier aus bis zur Gegenwart befindet sich in den Familienpapieren der Familie Heythausen auf Bengmannshof zu Lobberich, denen wir von nun an folgen. 1)

Diesen Akten zufolge hat obengenannter Goddert von Heithausen²) und seine Ehefrau Bela (Sibilla) mindestens einen Sohn, R. von Heithausen, gehabt, welcher mit R.R. verheiratet war. Bekannte Kinder dieser Eheleute sind:

1. Beela zu Heythausen, folgt unter A.

2. Engel tho Heythausen, genannt Bengmans, heiratete Merken (Maria R.

3. Franz zu Heithausen. 4. R. (Tochter).

5. Elisabeth von Heithausen, i.J. 1634 Ehefrau von Mathias Mantua. Sie war vor ihrer Heirat mit Mantua bereits Witwe und hatte aus erster Ehe ein Kind, Namens Magdalena. Im Jahre 1641 scheint sie verstorben zu sein, dagegen tritt ihr Gatte in diesem Jahre noch als Verkäufer auf. (Bei dieser Gelegenheit wird auch der edle Adoplh von fourdt als sein ehemaliger Vormund erwähnt.) Mathias Mantua, der sich auch Manteua und Mantewa nannte,

Anm. 1) Sämtliche Urkunden im Besitze des Herrn Gerh.Heythausen

auf Bengmannshof zu Lobberich.

2) Goddert ist Goert - Gottfried

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hatte mit Elisabeth von Heithausen wenigstens einen Sohn: Jakob Mantewa, wieder i.J. 1673 König der St. Marien-Jungesellen-Schützen-Bruderschaft zu Lobberich war.

Beela (Sibilla) zu Heithausen (A) die Enkelin der Beela und des Goddert von Heithausen, welcher 1529 tot war, heiratete Leonhard tho Heythaußen, 1) welcher 1605 belehnt wurde, 1612 bereits verstorben war; seine Gattin lebte i.J. 1612 noch. Kinder dieser Eheleute waren:

1. Johann von Heithaußen ²), folgt unter B.

2. Gerhard Heithausen.

3. Maria zu Heithausen, welche den Leonhard von Randenraidt heiratete, welcher 1626 noch lebte.³)Diese Eheleute hatten einen Sohn: Jürgen (Georg) von Randelradt.

Johann zu Heithaußen (B) war verheiratet mit Enken (Anna) R. Im Jahre 1612 fand eine Erbteilung der Kinder des verstorbenen zu Heithausen und der noch lebenden Beelen zu Heithausen statt. Johann zu Heithauen, der Sohn und seine Ehefrau Enken erhalten die Erbgüter zu Lobberich, wie ihre Mutter Beela sie zufolge des zwischen ihr und ihren Brüdern und ihren Schwestern aufgerichteten Erbteilungsbriefes übernommen hat; Leonhard von Randenraidt und seine Ehefrau Maria zu Heithausen erhalten 700 Thaler, den Thaler zu 30 Stüber; ferner erhält Maria noch einen Rock oder dafür 25 Thaler und war ihr Leibegwinns-, Curmuts- und Zinsgüter nach dem Tode der Mutter Beelen zu Heithausen, gemäß zwischen dieser und deren Geschwistern errichteten Erbteilung ihr noch zusteht.4)Im Jahre 1621 am 3. April, verpachtete Johann zu Heithausen seinen Hof auf 6 Jahre an Theis Breiendoncks und Margaretha, Eheleute.5) Im Jahre 1626 waren die Eheleute Johann zu Heithausen und Enken verstorben. Sie hinterließen 2 Töchter:

1. Entgen (Anna) zu Heithausen.

Anm. 1)Ob er aus der Familie Heythausen stammte und Verwandter

seiner Frau war,- oder den Namen Heythausen später angenommen

ist mir nicht bekannt; letzteres war zu jener Zeit und noch über 100 Jahre später nicht selten, wie wir noch sehen werden.

2)Im Jahre 1626, nach seinem Tode, wird er Johann tho Heythausen genant.

3)Im Jahre 1626 heißt er Leonhard von Randenrath, an anderer

Stelle auch Leonhard von Brüggen.

4)Die Urkunde dieser Teilung ist nicht mehr vorhanden; dagegen

ist die vom Jahre 1612 noch im Besitze des Herrn Gerhard

Heythausen auf Bengmannshof.

5)Urkunde auf Bengmannshof

2. Trinken (Katharina) zu Heithausen, folgt unter C.

Am 22. März 1626 trafen die Kinder der verstorbenen Eheleute Johann tho heythaußen eine Erbteilung.1) Es waren die vorerwähnten 2 Töchter: Entgen, die ältere, erhielt den "Bengmans oder heithaußenhof"; Trinken, die jüngere, erhielt 1000 Thaler Lobbericher Währung und eine Aussteuer. Hierbei waren zugegen: Johann Pawleß, Goert Meweiß, Engel (Engelbert) tho Heythausen, genannt Bengmans und Leonhard von Randenrahdt, der Kinder Bestevater (Großvater) und Ohmen.²)

Entgen (Anna) tho Heythausen, die Besitzerin des Gutes, heiratete Theiß Schiefeler, welcher 1633 mit dem Gute belehnt wurde. Er wird zuweilen, so 1634 u.m. Theiß Bengmanns genannt. Es scheint, daß dieser Ehe keine Kinder entstammten. Beide Eheleute waren i.J. 1650 schon verstorben und hatten vordem das Heythausen-Gut ihrer Schwester und Schwiegerin übertragen.

Trinken (Katharina) tho Heythausen (C) die nunmehrige Besitzerin des Gutes, war verheiratet mit R.R. und war 1650 bereits im besitze des Bengmannshofes. Um das Jahr 1662 scheinen beide Eheleute verstorben zu sein. Mit der Uebernahme des Gutes nach dem Tode ihrer Schwester steht folgendes, nicht datierte Verzeichnis in Verbindung:

"Extrackt oder Ausgab-Rechnung, war Treincken Bengmanns ob Benmansgut außgelacht und bezahlt, oder noch muß bezahlen, als folgt:

It. in dem Ersten betalt oder angenohmen zu bethalen von Heiteser gut ter somme ad vier Dousent gld. und sechs Rthlr......(Worte ausgefressen) zum verkauf-pfennig.

It. Darbeneben zwei malder roggen und ein halb malder weitz ahn Matis Mantua betalt.

It. ahn dem Woll Edell Gebohren Arnoldt von und zu Bocholtz ein Pferdt, Geliebert Gemeint der somme ad ein hondert Reichs-thlr.

Ite. noch betalt an dem vurß. Bocholt von onrath Pfennige ter somme ad siebenzig zwei Reichs-thlr.

It. Darbeneben zu Rurmundt betalt vor ein Dobbel Lehn te winnen, ter somme ad Achtzig zwey Goldgulden.

It. noch Darbeneben betalt ahn "obdracht und octroy" breyf ter somme ad dreißig sechs Reichts-Thaler.

Anm. 1) Urkunde auf Bengmannshof.

2) Nach diesem wäre die Ehefrau Enken eine geborene Pawelß gewesen; Engel und Leonhard dagegen Großonkel und Goert Oheim.

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I. an Zehrungs kosten zu Rurmundt damals verdahn ihn der herbergh und mit Perd ad 18 gulden.

It. noch an "Liecop" betalt ad 60 Gld.

Ite. ahn Armen gelt betalt ad 10 gld.

Ite. ahn dem Lehn Pondt betalt von wegen des hauß Heithaußen vor seine Jura ad 7 Reichs-Thlr.und ein fett schauff (Schaf).

Ite. Darbeneben betalt zu Arnheim ahn Het Lehn zu winnen die halbscheidt von dreißig zwey Reichs-Thlr. ad 16 Reichs-Thlr.

Ite. noch ein Lehen zu Rurmundt Gewonnen ad siebenzig einen gulden brabantz.

Ite. ahn Jaryen (Jurgen, Georg) von Randelradt, unsen Reff, betalt ad ein hondert fünfzig gulden.

Ite. ahn Engel Benmanns zur Dochter Illiger ... (Worte ausgefressen) siebenzig gld.

Ite. ahn ...(Zeile ausgefressen) zwanzig fünf Reichs-Thaler.

Ite. ahn Lenß Wanß betalt von Enken Wanß von verdiente lehn welches unsere bestmutter noch schuldig was, ad 50 gulden.

Ite. betalt von unser bestemutter (Großmutter)wegen Jahn einen Fenderich zu Venlo in beywesens Theißken Knaups ad 10 Reichs-Thlr.

Ite. ahn Engel Bengmans huißfrouw Merken (Maria) betalt von zehrungs Costen ad 40 Gulden.

Ite. ahn hauß Jochems (Bocholtz) Kinder betalt verlaupen Pension welches in Theiß bengmans Zeit verlaupen sein ad 25 gulden. 1)

Von den Kindern der Eheleute Trinken tho Heythausen und R.R. erhielt ihre Tochter Trinken (Katharina) tho Heythausen den Bengmannshof. Diese heiratete Clauß (Nikolaus) Doerkens, welcher aber den Namen Claß tho Heythausen annahm.²) Die Kinder dieser Eheleute führten alle den Familiennamen Heythausen. Die Eheleute Claß und Trinken to Heythausen waren i.J. 1662 bereits im Besitze des Bengmannshofes. Claß lebte noch i.J. 1678, war dagegen 1681 verstorben; in letzerem Jahre lebte seine Gattin noch. (Eine Verwandte dieser war Trinken Bengmanns, welche am 7. Mai 1674 zu Lobberich Arret (Arnold) Theunissen, genannt Ebbertz, heiratete; beide

Anm. 1) Urkunde im Besitze des Herrn G. Heythausen auf Bengmannshof.

2) Im Jahre 1662 wird er Claß Doerkes genannt tho heithausen - i.J. 1672 Claß to Heytesen genannt.

waren verheiratet und hatten auch beide Kinder 1) Die vorgenannten Eheleute Claß tho Heythausen und Trinken tho Heythausen hatten folgende Kinder:

1. Joachim Heythausen, folgt unter D.

2. Jelis (Egidius) Heythausen, später verheiratet mit Drutgen (Gertrud) Brucker (te Broeck) auf Brockerhof, jetzt Hartges) zu Sassenfeld bei Lobberich, wo er am 2. Mai 1713 starb; seine Gattin überlebte ihn. Sein Grabkreuz auf Blaustein ist auf dem alten Friedhofe zu Lobberich noch erhalten und hat als Inschrift: 1713 den 2 May starb Gilles te bruck; seine Hausfrau Treukten (Gertrud) te broeck ist gestorben 17. Andreas te bruck. Bereits bei seiner Heirat hat Jelis den Familiennamen "Heythausen", den er im Jahre 1681 noch führte, fallen gelassen und nennt sich Jeis Bengmanns. Seine Kinder führen alle den Familiennamen der Mutter und des Hofes, nämlich Brucker oder auch Brocker, wie ja auch er auf seinem Grabkreuze "te bruck" genannt wird. (Diese Veränderungen des Famliennamens waren damals, wie schon früher bemerkt, nicht selten; z.B. in der Stammtafel unserer Familie betreffs der Studienstiftun Weyer oder Weyers (aus Viersen) kommen außer dieser und zwar noch früher, ebenfalls 2 Veränderungen des Familiennamens vor, die aber alle seitens der königl. Studienverwaltung bei Verleihung dieses Stipendiums, nicht beanstandet werden.) Jelis gründete 6 zum größten Teile noch bestehende Linien. Eine seiner Töchter, Entgen (Anna) Brucker, heiratete den Schöffen und Ackerer Heinrich Schinck zu Leuth; sie starb i.J. 1728, ihr Gatte 1758. Diese war die Urgroßmutter von A. Margaretha Bontenakels, (gestorben 1850,) Ehefrau Heinrich Finken, (gestorben 1847) und meiner (des Verfassers Johann Finken's) Großmutter.

3. Jan (Johann) Heithuysen.

4. Stinken (Christina) Heythausen.

5. Gerardt (Gerhard)Heythausen.

Am 7. November 1681 übergab Trinken to Heythausen, Witwe von Klaß to Heythausen, ihrem Sohne Joachim Heythausen und dessen Ehefrau Metgen Meuißen ihr Erbe "to heithausen". Die anderen Kinder, als Jeles und Jan, beide mündig, Stinken und Gerret, beide mündig, erhielten ihre Abfindung in Geld.²)

Joachim Heythausen (D) war verheiratet mit Metgen Meuißen, welche 1741 noch lebte. Am 26. März 1695 kauften die Eheleute Joachim Bengmanns, genannt zu Heythausen und Metgen Meuißen von Leonhard Spillmanns und Grietgen zu Nelßen, Ehe-

Anm. 1 + 2 Urkunde im Besitze des Herrn G. Heythausen auf Bengmannshof.

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leute, daß 6. Teil von Kreinen genannt Heithausengut zu Lobberich, für 900 Gulden, den Gulden zu 20 Stüber Lobbericher Währung und 4 Reichsthaler, sowie 1 Paar auf "Rewer Mühle", ausgenommen war die Wiese zu Grefrath, die Heinrich Merten, Jan zu Heithausen und Peter Wolters vor diesem Datum gekauft hatten.1) Er war ungefähr 18 Jahre Geschworener der Gemeinde Lobberich, wurde als solcher im Juli 1695 von den Franzosen als Geißel gefangen genommen und saß 19 Monate, bis 1697, in Luxemburg.²) Er wird 1700, 1709 und 1715 Jochem Bengmans genannt, nannte sich aber selbst 1708 Jochem Heythuysen, Besitzer des Heythuyser Gutes³). Seiner Ehe entsprossen folgende 9 Kinder:

1. Gerhard Heythausen, folgt unter E.

2. Heinrich Heythausen, war 1773 zu Lobberich mit Gertrud Heesen verheiratet, lebte noch i.J. 1784 und verkaufte in diesen Jahren den Eheleuten Johann Heythausen, seinem Neffen und Helene Bitges 1 Morgen Ackerland; ein Sohn der Eheleute Heythausen und Gertrud Heesen war: Joachim Heydhausen, geboren am 5. Mai 1775; dieser heiratete erstens Katharina Ingendresch und zweitens deren Schwester Maria Gertrud Ingendresch zu Lobberich-Sittard. Aus der ersten Ehe entstammen 2 Söhne: Heinrich Mathias Heydhausen, geboren den 18. August 1815; und Heinrich Heydhausen, geboren den 8. März 1818; aus der zweiten Ehe entstammten 3 Söhne: Conrad Heydhausen, geb. im Oktober 1826, Peter Gerhard Heydhausen, geboren am 3. November 1828 und Mathias Thomas Heydhausen, geboren im September 1824; letzterer hatte mit seiner Ehefrau, einer geb. Bosch, eine Tochter: Gertrud Heydhausen, welche Franz Wolf zu Süchteln heiratete, aus welcher Ehe 2 Töchter und 1 Sohn stammen.

3. Jan ( Johann) Heydhausen i.J. 1741 schon verstorben; hinterließ unmündige Kinder.

4. Niklas (Nikolaus) Heythausen.

5. Peter Heythausen.

6. Jeles (Egidius) Heythausen, welcher 1739 noch lebte.

7. Jakob Heythausen, verheiratet zu Lobberich mit Maria Elisabeth von Schellbergen (auch Schellberghen) er war König der St. Sebastianus-Schützen-Bruderschaft zu Lobberich i.J. 1754.

8. Trinken Heythausen, bereits i.J. 1720 verheiratet mit Jan (Johann Konings in Hinsbeck, war 1741 bereits verstorben und hinterließ Kinder.

Anm. 1)2)3) Urkunden auf Bengmannshof. Herrlichkeit Lobberich.

9. Anna Heythausen.

Am 26. November 1721 übertrugen die Eheleute Joachim te Heythausen und Metgen Meuißen ihrem Sohn Gerhard ihr Erbe genannt "den hof te heytheußen", wobei die anderen 8 Geschwister anderwärts abgefunden wurden.1).

Gerhard Heythausen (E) war 1741 bereits verstorben und verheiratet mit Enken (Anna) Weyer, die ihn überlebte. Sein Neffe war Leonhard Friedrich Heythausen, i.J. 1735 Vikar B.M.V. in Köln ²)Kinder dieser Eheleuten waren:

1. Johann Heithausen, folgt unter F.

2. Maria Katharina Heithausen, heiratete zu Lobberich Johannes Bruster (Broußtes), welcher 1786 König der St. Sebastianus-Schützen-Bruderschaft zu Lobberich war und nebst einer Gattin 1792 noch lebte.

3. Joachim Heythausen, gestorben 1813, König der Sebastianus-Schützen-Bruderschaft zu Lobberich 1779, heiratete Sibilla Kox, gestorben 1814; im jetzigen Hotel Heythausen, auch noch Kox genannt. Diese Eheleute hatten mehrere Kinder; während 3 Töchter im Heimatshause verblieben, waren 2 Söhne in Lobberich verheiratet und zwar:

1. Joh.Jak. Heythausen, Kaufmann geb. 1769, gestorben 1838; seine Gattin, die vor ihm starb, war eine geborene Basels aus Kempen. Sie hinterließen 8 Kinder. Ein Sohn, Heinrich Heythausen, geb. 1819, starb als Pater Apolinaris im Franziskanerkloster zu Werl i.J. 1864.

2. Joh. Quirin Jos. Heythausen, geb. 1785, gest. 1860, Kaufmann in Lobberich, heiratete Maria Agnes Haanen, die Tochter des damaligen Lobbericher Bürgermeister Johann Heinrich Haanen, geboren 1789, gestorben 1849. Kinder dieser Eheleute sind:

1. Josephine Heythausen, geb. 1830, gest. 1882, heiratete 1854 Mathias Kessels, Sohn des Bürgermeister Kessels, geb. 1819) deren Kinder:

a) Lonis Kessels, heiratete Agnes Mertens, deren Sohn: Louis Kessels.

Anm.1) Urkunde auf Bengmannshof; 1662, Kirchbch. 2, Seite 19, heißt er Joachim tho Heithausen.

2) Urkunde auf Bengmannshof; Gerhard wird 1725 Geret Heythuysen, genannt Bengmanns, 1726 Gerh. toe heythuysen und 1735 Gerit Bengmanns, gen Benghmans genannt. Bei seinem Tode waren seine Kinder noch unmündig.

3) Auch er entstammte selbst der hier genannten Familie Heythausen ; seine Großmutter Adelg. Bontenakels, Ehefrau Joh. Kessels, war nämlich eine Enkelin von Anna Brocker, Ehefrau Schink, gest. 1728, welche eine Tochter des Jelis Heythausen genannt Bengmanns war ( vergl. am Schluß dieses Kapitels bei seiner Schwester). Seine Großmutter stand mit dem Vater seiner Gattin im 4. Grade der Verwandtschaft.

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b) Quirin Kessels, geboren 1861, gest. 1885, war 1879 König der St. Marien-Junggesellen-Schützen-Bruderschaft zu Lobberich und

c) Maria Kessels, geboren 1857, gestorb. 1881, heiratete 1876 Theodor Stankeit, Bürgermeister zu Lobberich (zur Zeit Bürgermeister in Altenessen). Kinder: Theodor und Maria Stankeit, letztere vermählt mit dem Apotheker Schäfer in Essen a.d. Ruhr.

2. Sibilla Gertrud Heythausen, geboren 1819, gestorben 1889, heiratete 1845 ihren Halbvetter Johann Heinrich Heythausen, geboren 1808, gestorben 1878. Von ihren Tanten erhielt sie das jetzige Hotel Heythausen, auch Kox, genannt. Kinder sind:

a) Louis Heythausen, Hotelbesitzer, verheiratet mit Mathilde Gartz.

b) Maria Heythausen, unverheiratet.

c) Mathilde Heythausen, heiratete Norbert Stinshoff, früher Amtsrichter zu Lobberich, zur Zeit Oberlandesgerichtsrat zu Köln; deren Sohn Robert. Johann Heithausen (F) war geboren auf Bengmannshof den 19. Februar 1731 und starb daselbst den 30.

Januar 1798. Er war verheiratet mit Helena Bitges , welche i.J. 1802 noch lebte. Er war i.J. 1780 König der St. Sebastianus-   Schützen-Bruderschaft zu Lobberich. 1)

Kinder dieser Eheleute waren:

  1. Gerhard Heythausen, folgt unter G.

  2. Maria Agnes Heythausen, geboren 1777, gestorben 1859, heiratete zu Leuth 1805 Peter Wilhl. Nooten, geboren 1778, gestorben 1862; deren Sohn war Joh. Math. Nooten, geboren 1806, gestorben 1880, heiratete 1844 Adelgunde Gartz, geboren 1814, gest. 1845, Sohn dieser Ehe: Peter Wilhelm Nooten, geb. 1845, gestorben 1875, heiratete 1870 Josefine Bötzkes, geboren 1842, gestorben 1878; aus dieser Ehe waren 3 Kinder, von denen war das älteste und letztlebende Mathias Nooten, geboren 1870, gestorben 1883.

Gerhard Heythausen (G) der Besitzer des Bengmannshofes, war verheiratet mit Maria Katharina Wittlings; dieser Ehe entsprossen 3 Kinder:

  1. Math. Egid. Jak. Heythausen, folgt unter H.

  2. Johann Heinrich Heythausen, geboren 1808, gestorben 1878, heiratete seine Halbnichte Gertrud Heythausen und wurde Hotelbesitzer in Lobberich.

  3. Maria Anna Katharina Heythausen, gestorben im Alter von 59 Jahren, nach 24jähriger Ehe,

Anm. 1) Seine Paten waren Johann Weyer und seine Großmutter Metgen

Heythausen; der Name seiner Gattin wurde auch Fittges und Fitges geschrieben.

1865; sie war vermählt mit Tilmann Schmitter, Ritter des Roten Adlerordens und langjähriger erster Beigeordneter zu Lobberich, geboren 1805, gestorben 1883. Von seine Nachkommen lebt noch ein verheirateter Sohn, Wilhelm, und dessen Kinder.

Mathias Egidius Jakob Heythausen (H) war geb. den 12. August 1811, wurde Besitzer seines Heimatshofes und starb daselbst den 26. Februar 1857. Seit November 1838 war er vermählt mit Adelgunde Kessels, Tochter des Bürgermeisters und Rittergutsbesitzers Kessels zu Lobberich. Sie war geboren i.J. 1814 und starb i.J. 1889.1) Ihre Ehe war mit folgenden 10 Kindern gesegnet:

  1. Peter Johan Heinrich Egidius Heythausen, stud. theol. geb. 1839, gestorben 1859.

  2. Max. Kath. Balb. Agnes Heythausen, geb. 1846, gest. 1867.

  3. Mar. Margd. Heythausen, geb. 1842, gest. 1868.

  4. Julius Heythausen, geb. 1850, gest. 1878.

  5. Louis Heythausen, als Kind gestorben.

  6. Mathilde Heythausen, heiratete Hermann Grünenwald in Crefeld; haben Kinder.

  7. Johanna Heythausen, heiratete Georg Grünenwald in Rheydt; letzterer gestorben 1896, 53 Jahre alt; hatte ebenfalls Kinder.

  8. Egidius Heythausen, heiratete Maria Katharina Bongartz in Helenabrunn; haben Kinder.

  9. Wilhelm Heythausen, heiratete in Lobberich Elisabeth Pelters. Kinder dieser Ehe sind: Joseph, Wilhelm, Julius, Quirin und Maria Heythausen; letztere heiratete in Lobberich Wilhelm Kauertz; ihr Sohn ist Wilhelm Kauertz.

  10. Gerhard Heythausen, Besitzer des Bengmannshofes, verheiratet mit Agnes Winkels. Kinder dieser Ehe sind: Egidius und Maria Heythausen.

Durch vorstehende Nachrichten glaube ich es als erwiesen erachten zu können, daß die von dem Bengmannshofe abstammenden Familien Heythausen direkt dem altadeligen Geschlechte der von Heythausen direkt abstammen, und daß nicht diese Familie Heythausen den Namen des "Lehngutes Heythausen" angenommen hat.

Anm. Die Gattin Adelgunda Kessels, entstammte ebenfalls der Familie Heythausen; ihre Großmutter Adelg. Bontenakels, Ehefrau Johann Kessels, war nämlich eine Enkelin von Anna Brocker gest. 1728, Ehefrau Heinrich Schink, gest. 1758, welche eine Tochter des Jelis Heythausen, genannt Bengmanns, war. Ihr Gatte war der Enke Johann's des Enkels von Joachim Heythausen, welch letzterer Bruder des vorgenannten Jelis war. Somit standen der Vater des Edigius Heythausen mit der Großmutter der Adelgunde Kessels im 4. Grade der Verwandtschaft.


Es folgen die Seiten 115 und 116 Stammtafeln


6. Das Hofgut "Wolfsbosch."

Wolfsbosch, unmittelbar bei der Hondschaft Sittard gelegen, ist jetzt ein Ackerhof, und war früher ein adeliger Sitz. Wolfsbosch wird heute "Buschhof" genannt, und ist im Besitze des Herrn Joachim Gartz. Seine Umgebung wird heute noch "am Busch" und "Buschhöfe" genannt. Wolfsbosch war schon 1456 von der Familie von Bocholtz zu Burg Bocholtz erworben, und 1615 bereits zersplittert. In der Teilung vom 7. Oktober 1456 zwischen den Kindern Wilhelm von Bocholtz und Mechtilde von Spee, erhielt Johann von Bocholtz außer dem Hause Bocholtz auch "den hoff gehyten Wolfsbosch", der ein angeworbenes und gekauftes Gut ist und nicht zu Bocholtz gehört. Am 22. Oktober 1562, bei der Erbteilung Joachim v. Bocholtz und Jürgen von Hatzfeld über den Nachlaß ihres Vaters resp. Schwiegervaters, Egbert von Bocholtz, setzte Joachim von Bocholtz und seine Frau den ganzen "Hof zu Wolffsbosch" mit allem Zubehör, welcher ein Bankgut zu Lobberich ist, zum Unterpfande für 30 kurfürster Thaler, welche Joachim dem Hatzfeld und dessen Frau lebenslänglich zahlen wolle. Bei der Teilung des Nachlasses des Joachim von Bocholtz unter dessen Kinder i.J. 1584 erhielt der älteste Sohn Eduard oder Egbert II. das Gut Wolfsbosch, wogegen der jüngere Bruder Johann das Haus Bocholtz erhält. - Jan van Egnoy und seine Frau Sibilla van Mansfeld, die Witwe des vorgenannten Evart oder Eduard von Bocholtz, verkaufen mit Vorwissen des Johann v. Bocholtz zu Bocholtz, Vormund der Kinder des genannten Evart und der Sibilla, dem Dahm v. Bocholtz und dessen Ehefrau Dreutgen für 900 Thaler Darlehen, womit sie Margaretha von Bocholtz, Witwe des Jelis von Bocholtz, wegen ihres Brautschatzes befriedigen und die Pfandschaft auf Wolfsbusch und Wüstenhof einlösen wollen, eine Rente von 140 Thaler und stellen vierzig

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Morgen Land in Nieder-Bocholtz zu Pfand, am 2. Februar 1597. (Es liegt Quittung von Dreutgen, Willem und Dahm von Bocholtz bei, welche den Eheleuten Adrian von Erp und Anna von Bocholtz 475 Thaler auf obige Summe am 2. Mai 1616 zu Lobberich quittierten.) Zu Lobberich am 16. März 1597 vergleicht Margaretha von Bocholtz, Witwe des Jelis von Bocholtz-Ingenhoven, sich mit Joh. Eggenoy, dessen Frau Sibilla von Mansfeld und Johann von Bocholtz zu Bocholtz, Vormund der Kinder des verstorbenen Edward von Bocholtz, wegen 3500 Gulden rückständigen Brautschatzes und der dafür verpfändeten Höfe Wolfsbusch und Wüstenhof. Die Eheleute Anton von Erp und Anna von Bocholtz verkauften sodann zu Lobberich am 26. November 1615 2 1/2 Morgen Land vom Wolfsbusch an Jenken an der Stiegen.

Wie lange das Gut Wolfsbusch noch im Besitze von Gliedern der Familie von Bocholtz geblieben, ist nicht bekannt; aber wohl nicht mehr lange, da spätere Urkunden Wolfsbusch nicht mehr im Familienbesitz aufführen.


Aktuelle Anmerkungen

1) Die Webseite der Familie Mirbach-Harf gibt die Erhebung des Wilhelm Frhr. v. Mirbach auf Harff, in den Grafenstand mit 1804 an: "Der Titel, gebunden an den Besitz von Schloß Harff, ging durch Adoption 1849 auf seinen Schwestersohn Frhr. v. der Vorst-Lombeck-Gudenau über"


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