Eremitage


Die Errichtung der Eremitage an der heutigen Düsseldorfer Strasse und die Stiftung einer Prozession zu den 7 Fussfällen an den Freitagen der Fastenzeit ("tot de nieuw opgerichten seven statien by het Dorp Lobberich"

Am 12.Juli 1744 erschien ein Frartziskanerbruder"Godtfried Heesen" -andere Schreibweise "Hees"- Eremit des Franziskanerordens vor der Herrin der Herrlichkeit Lobberich, sämtlichen Schöffen und Geschworenen und dem Gerichtsschreiber und erklärte, dass er "door een heyligh verlangen ende insprekinge Godts" eine Eremitage in Lobberich bauen wolle, um dort seinem Gebetsleben zur Ehre des dreieinigen Gottes und zum Besten der "genaedige Herschafft en geheele gemeente te bidden syn leven lanck" obliegen wolle.

Seiner Bitte, ihm "een platske om Godtswillen" zur Verfügung zu stellen entsprachen die Verantwortlichen der Herrlichkeit Lobberich unter der Bedingung, dass die Freifrau von Reck und ihre Nachfahren das Verfügungsrecht über die Eremitage besitzen sollten. Dem Wunsch des Eremiten die Eremitage nach seinem Tod den Armen der Herrlichkeit Lobberich zu geben wurde nicht widersprochen.

In einem späteren Brief an den Bischof von Roermond erwähnt Bruder Godtfrid, dass er bei der Eremitage "die sieben Stationes" errichtet habe, um nicht nur an Sonn- und Feiertagen nach den Gottesdiensten freiwillig junge Menschen zu erziehen, sondern an jedem Freitag in der Fastenzeit mit dem Pastor und anderen Geistlichen an der Spitze der Beter einer Prozession der Leiden Christi zu gedenken.

In der Stiflungsurkunde für die Prozession von 1754 bestimmt Hees nicht nur die zu verrichtenden Gebete bei jeder Station , sondem hebt besonders für die 7. Station hervor: "darop commende toe de grote statie bydt hy- Pastor- wederom als boven ende damar sing hy vor het crucifix drymal: "0 crux ave...""

Das heute beim Feuerwehr- Haus stehende Kruzifix ist durch ein Schutzgitter gesichert-, das die Jahreszahl 1747 trägt. Für die Lobbericher war dieses Kreuz immer Teil der Eremitage. Dieser Meinung widerspricht m.E.ein Güterverzeichnis der Gemeinde Lobberich aus dem Jahr 1820 wo unter dem Stichwort "Eremitage" ein Obstgarten, ein Haus und ein Garten verzeichnet sind. - (Katasterauszug des Regierungsbezirks Cleve über den Kanton Wankum, 1820) - Offensichtlich stammte dieser Kataster noch aus der bis 1814 dauernden Zeit französischer Herrschaft. - Lobberich war Teil des Departements Roer und gehörte zum Kanton Wankum-.

Irn Jahre 1836 wurde die Eremitage öffentliches Armenhaus genannt - Statistik und Topographie des Regierungs - Bezirks Düsseldorf, Kreis Kempen, Landgerichts- Bezirk Kleve, Bürgermeisterei Lobberich Nr.38 In diesem Zusammenhang interessiert sich an das Anliegen des Eremiten zu erinnern, der die Eremitage nach seinem Tode gerne zum Besten der örtlichen Armen genutzt wissen wollte,

Ich folgere: Das dem Kreuz Richtung Dyck nächste Wohnhaus - früher zeitweise auch Behelfsgefängnis und Polizistenwohnung (Blome) - war die Stelle, wo der Eremit wohnte - gestorben 31.5. 1758, Totenbuch, Original heute in Brühl Personenstandsarchiv, Kopie Pfarrarchiv St, Sebastian Lobberich - Das Kreuz dürfte die 7. Station der 7 Fußfälle sein. Die übrigen 6 Gebetsstätten , die ähnlich wie in Hinsbeck am selben Ort standen, wurden auf Geheiß der französischen Behörden entfernt (Dekret von 1798).. Die durch Bruder Hees gestiftete Fastenprozession fiel unter das Verbot öffentlicher kirchlicher Prozessionen und wurde in der nachfranzösischen Zeit nicht wieder belebt, Für die Annahme, die 7 Stationen seien über den ganzen Ort verstreut gewesen gibt es in den bisher bekannten Unterlagen keinen Beleg - anders Josef Budde, "Die sieben Fußfälle (Voetvälle) in der Lobbericher Feldflur", Heimatbuch des Kreises Kempen -Krefeld, 1955,52 f - , Die vorstehend genannten 7 Fußfälle vom Kreuzberg in Hinsbeck wurden von einem in Leuth geborenen Geistlichen, Mathias Xylander, gestiftet, der u.a.an seinem Geburtsort als Personator wirkte. Er stiftete 1735 ein Mess- Benefizium , das den Namen des hl. Franziskus trug und mit dem Marienaltar der Lobbericher Kirche verbunden war. Die Franziskaner gaben offensichtlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Volksfrömmigkeit am Niederrhein kräftige Impulse.

(Werner Backes)


Siehe auch: Bericht der vom 2. September 2004
über die  "Rückkehr" der Statuen aus der Restauration


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