Abschied vom Gaslicht?

ein Kulturgut  ist in Gefahr!

von Ralf Schmeink, Lobberland e.V.


Übersicht


Infoabend

Am Mittwoch, 19. Mai 2010 fand im im Hotel Stadt Lobberich ein Informationsabend statt. Die etwa 30 Besucher warren bereits am Eingang von einer Gaslichtlaterne empfangen worden, auch der vollbesetzte Raum wurde von einer Straßenlaterne aus den 1920er Jahren erhellt. Hier gaben Andreas Meßollen von Pro-Gaslicht e.V. mit Ralf Schmeink vom einladenden Lobberland e.V. dem interessierten Publikum Einblick in die Kulturgeschichte des Gaslichtes in Lobberich.

"Wir haben da nicht drüber nachgedacht"

Ein zerknirscht wirkender Stadtverordneter, brachte es auf den Punkt: "Wir haben da nicht drüber nachgedacht, und spontan gab es ja auch nur gute Presse" bekannte einer, der den Abrissbeschluss seinerzeit mitgetragen hatte.

So ging es den meisten Anwesenden, schon  Schmeink hatte in seiner Einleitung zugegeben, dass er von Außerhalb auf den Wert der Lobbericher Laternen hingewiesen werden musste. An der Gaslaterne im Pfarrhof sei er in 40 Jahren Gemeindeaktivität völlig vorbeigelaufen.

Großes "Aha!"

Die meisten der anwesenden Anwohner - unter ihnen mehrere Aktive aus Straßengemeinschaften - würden die Laternen am liebsten erhalten, sie fühlten sich nicht informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ein Anwohnerzitat: "Ich merke, ich bin kein Politiker - Also, ich würde mich am liebsten an die Laterne ketten, wenn ich sie so erhalten könnte!"

Auch Anwohner der Mühlenstraße - hier stehen bis zu 100jährige Kandelaber-Antiquitäten - zeigten sich entsetzt bei der Vorstellung dass eine auch gegen den erklärten Willen der Anwohner als Wohnumfeldverbesserung deklarierte Maßnahme umlagepflichtig sei. Vor einer Klage gegen einen solchen Bescheid schreckte die Mehrzahl aber zurück.

Kosten

Andreas Meßollen bestätigte einen höheren Wartungsaufwand bei Gaslaternen gegenüber dem Betrieb mit Strom. Ein Umrüsten der Laternen auf eine andere Betriebsart sei aber nicht möglich und wer den Abriss und Neubau betreibe, müsse sich sagen lassen, dass mit gleichem Geld an anderer Stelle deutlich größere Mengen CO2 eingespart werden könnten. Er konterte mit einer Gegenfrage: "Können wir es uns wirklich leisten, unser Wissen um Gasbeleuchtungstechnik zu vergessen? So sei es mit Licht z.B. möglich, Gas mit niedrigen Drücken direkt zu verwenden, das andernorts, auf Deponien einfach abgefackelt würde. Wolle man aber Beleuchtung mit betreiben wolle, müsse man auch ausgebildetes Personal dafür haben. Das gehe nicht mit Sub-Sub-Subunernehmern oder Ein-Euro-Jobbern.

Dass die technische Entwicklung auch hier nicht stehen geblieben sei zeigte ein Steuergerät, das mittels Photovoltaik die notwendige Zündenergie bereitstellt und die Batterien, die bislang 2x jählich gewechselt würden, überflüssig macht.

Ziel sei eine Wartung im jährlichen Rhytmus mit einem Aufwand von maximal 15 Minuten.

Anzahl Nicht weiter reduzieren

Meßollen konnte zwar Horrorzahlen von angeblichen Ersatzteilkosten weitgehend entkräften. Er machte aber darauf aufmerksam, dass bei einer noch geringeren Anzahl von Gaslaternen der Unterhalt der einzelnen Laterne deutlich steigen könnte und so letztlich der Abbruch nur herausgezögert werden würde. Wenn schon auf der Brabanter Straße das Gaslicht nicht zu erhalten sei, solle man ernsthaft prüfen ob nicht die ohnehin kleine Zahl an Lichtpunkten an anderer Stelle auszugleichen sei.

Das Feuer erhalten

Er zeigte auch kein Verständnis für gelegendlich von Denkmalschützern beschränkte Sicht auf das Äußere der Lampen. Das sei - so Meßollen - als würde Asche als Erinnerung an das Feuer konserviert. Es gehe aber keinesfalls darum, tote Laternenhüllen zu erhalten, sondern das Feuer in den Denkmalen am Brennen zu halten und das Wissen um die Technik zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Die Einzigartigkeit Lobberichs bestünde nach seiner Überzeugung darin, dass in unserem Ort Gaslicht in ununterbrochener Tradition betrieben werde. Dieser Einzigartigkeit täte es keinen Abbruch, wenn die ein- oder andere Lampe ersetzt, erneuert oder umgesetzt, oder mit aktueller Zündtechnik ausgestattet würde.

Der scherzhaften Bemerkung "Dafür müssen wir ja nur eine Lampe erhalten" wollte dann aber doch niemand zustimmen. Meßollen verwies auf die Stadt Neuß, wo die letzte Gaslaterne vor Jahrzehnten unter Beteiligung von Funk und Fernsehen feierlich gelöscht wurde und wo heute der Marktplatz seit der neuerstellten Gasbeleuchtung vor Leben brummt.

Bürgerinitiative? Förderkreis?

Von politisch erfahrenen in der Zuhörerschaft wurde die Gründung eines Unterstützerkreises angeregt. Man käme  in einer Kommune mit klammer Haushaltslage deutlich weiter, wenn  sich die Kosten irgendwie reduzieren ließen, durch Patenschaften oder Förderkreise. 20 Anwesende trugen sich daraufhin in die rundgereichte Liste ein, um weiter informiert zu werden. 

Vorschläge

Für die Brabanter Straße kam der Vorschlag auf, neue Gaslaternen mit wartungsärmerer Technik auf abgeschnittenen alten Masten (also in geringerer Höhe) zu montieren, so dass deren Wartung und Pflege über Patenschaften überhaupt erst möglich würde. Man war skeptisch, ob der hier gefasste Entschluss noch einmal revidiert werden könne.

Immer noch viel Informationsbedarf

Zur weiteren Information wurden mehrere Einladungen zur Information innerhalb von Fraktions- oder Parteigremien angekündigt.

Vertreter von Parteien machten dann darauf aufmerksam, dass  gegenüber einer klammen Zivilgemeinde am besten argumentiert werden könnte, wenn sich ein Förder/Unterstützer/Patenkreis bilden würde. Daraufhin trugen sich gut 20 Personen mit Mailadresse in eine Liste ein, um weiter zum Thema auf dem Laufenden gehalten zu werden.


Lesen Sie dazu  die Ankündigung in der Westdeutschen Zeitung

Die Rheinische Post berichtet in ihrem Nettetaler Lokalteil vom Infoabend des Lobberland e.V. mit Pro Gaslicht e.V.: "Einsatz für die Gaslaternen"


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