WESTDEUTSCHE ZEITUNG7. Juni 2004 |
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Lobberich. Alles ist anders als sonst: Keine Damen und Herren in schicker Abendgarderobe, die Sekt schlürfen und an Käsehäppchen knabbern. Das Theaterfoyer der Werner-Jaeger-Halle macht eher den Eindruck eines Wartesaals. Es riecht nach Kaffee und Jugendherberge. Überall Thermoskannen, Bücher, Decken, Sporttaschen. Da hängen, eingemummt in Winterjacken und Decken, Männer und Frauen zusammengesunken auf Stühlen. Gedämpftes Licht und doch heller als draußen, wo die aufgehende Sonne am Samstagmorgen keine Chance hat, Wolken und Dunst zu durchdringen und die Lebensgeister der wartenden Menschen zu wecken. |
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Das schafft eine Stunde später Michael Schmitz: Punkt sechs kommt der Mitarbeiter der NetteAgentur ins Foyer, fragt nach den Nummernzetteln. Plötzlich keine Spur von Müdigkeit mehr, die Leute strömen flott herbei, halten kleine Zettel mit Nummern darauf in den Händen: Ihre Eintrittskarten ins Theaterglück. Schmitz tauscht die Zettel, die sich die Leute beim Eintreffen von der Auslage genommen haben, gegen nummerierte Wartekarten aus die offizielle Berechtigung, Theaterabonnements bestellen zu dürfen.
Nummer 1 hat Siegfried Banck: Er sei seit Freitag um 16 Uhr vor Ort, erzählt der 54-jährige Nettetaler. "Gestern habe ich mich mit Freunden abgewechselt, dann aber die ganze Nacht hier gewartet." Zeitvertreib: zwei Flaschen Wein, plaudern, zwischendurch was schlafen. Er lobt das Theaterprogramm: "Das ist ein gutes Angebot, so eins hat kein Theater in der Umgebung!" Acht Abos will er bestellen. Am meisten freut sich Banck auf "Nathan der Weise" und auf den Schauspieler Herbert Herrmann: "Den sehe ich sehr gerne."
Lob fürs Programm kommt auch von Wilfried Fabian aus Viersen und Petra Naus aus Brüggen, beide seit dem frühen Morgen da. Und von der wohl Jüngsten in der Runde: Katrin Optendrenk. Die 26-jährige Grefratherin wartet seit 1 Uhr: "Da habe ich meine Mutter abgelöst." Sie fühlt sich "einigermaßen fit", hat "viel gelesen und mit den anderen geklönt".
Kurz nach sechs sind 31 Wartekarten weg; zwei Stunden später fast doppelt so viel. Und um acht heißt es endlich: "Die Nummer eins, bitte!" Roger Dick von der NetteAgentur ruft übers Mikrofon die Nummern auf; er trägt im Raum hinterm Foyer zusammen mit seinen Kolleginnen Ursula Bones und Sigrid Lohmann die Bestellwünsche in den Sitzplan des Theaters ein; die Bestellkarten werden registriert, sortiert.
Und der Erste wird sogar mit Namen begrüßt: "Guten Morgen Herr Banck! Sie sind ja fast jedes Jahr die Nummer eins!" Danach bearbeiten Dick & Co auch die telefonisch und schriftlich eingegangenen Bestellungen.
Mittags strahlt Dick: "Über 900 Bestellungen sind durch! Für beide Abos mit je 500 Plätzen bleiben noch je rund 50 Restkarten."
Die gibt`s bei der NetteAgentur, Doerkesplatz , 02153/95 880. Und im Herbst werden sich Banck, Optendrenk, Fabian, Naus und alle, die Stunden lang hier ausgeharrt haben, im "Kleinen Theater mit großen Gästen" wieder sehen. Dann vielleicht mit Abendgarderobe, Sekt und Käsehäppchen.
Montag - 07.06.2004
Von Joachim Burghardt
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