WESTDEUTSCHE ZEITUNG

21. Mai 2004


Nur zwei Priester für 27 000 Katholiken

Die seelsorgliche Situation in Nettetal ist prekär: Die Gläubigen müssen sich auf drastische Einschränkungen einstellen. Pfarrer Kerkhoff geht in die Offensive.

Lobberich. Auf einschneidende Veränderungen in ihren Gemeinden müssen Nettetals Katholiken gefasst sein. Davon ist jedenfalls Pastor Georg Kerkhoff überzeugt. Die seelsorgliche und gottesdienstliche Versorgung sei kaum aufrecht zu erhalten. Und bald werde ganz Nettetal von der Struktur her eine Kirchenverbandsgemeinde sein. Diese neue Situation erläuterte der Pfarrer von Lobberich und Hinsbeck in allen Sonntagsgottesdiensten des letzten Wochenendes und stieß damit nach eigener Aussage auf Verständnis.

"Zurzeit sind in ganz Nettetal mit 27 000 Katholiken nur zwei Priester aktiv, nachdem Pfarrer und Kaplan von Kaldenkirchen schwer erkrankt sind. Ich werde also öfter auch in anderen Gemeinden aushelfen müssen." Die beiden "Aktiven" seien, so Kerkhoff, er und Günter Puts, Pfarrer von Breyell, Schaag und Leutherheide. Seinen Amtsbruder in Leuth habe er zwar, meinte der Pfarrer zur WZ, "mitbedacht", doch habe der eh nur eine halbe Stelle. Und die werde nach seinem Ausscheiden "definitiv nicht mehr besetzt".

Angesichts der finanziellen Situation im Bistum Aachen und des drastischen Priestermangels müsse auch das Konzept "Gemeinschaft von Gemeinden" geändert werden: "Lobberich, Hinsbeck, Leuth, Kaldenkirchen, Breyell und Schaag werden eine Gemeinschaft von Gemeinden bilden. Genauer gesagt: ab 2007 sogar einen Kirchengemeindeverband, kurz KGV." Was bedeutet: Der KGV wird Anstellungsträger für Personal und Einrichtungen wie Kindergärten sein.


Pastor Georg Kerhoff geht in die Offensive. (Foto: Reimann)

Detailliert erklärte Pfarrer Kerkhoff die schon jetzt anstehenden gottesdienstlichen Änderungen in Lobberich und Hinsbeck: Auf jährlich wechselnde liturgische Feiern an den Hochfesten in Lobberich und Hinsbeck müssten sich die Gemeindemitglieder einstellen und entsprechend pendeln; werktags häufiger Wortgottesdienste, weniger Eucharistiefeiern; samstags auch für Goldhochzeiten ab mittags nur noch Wortgottesdienste.

"Ich bitte Sie herzlich, tragen Sie diese Veränderungen mit!", warb Kerkhoff um Verständnis in den Gottesdiensten. In den letzten Wochen habe er beinahe täglich eine Beerdigung gehabt. Das könne man nur begrenzt durchhalten. Deshalb habe er jetzt den Bischof gebeten, er möge den Gemeindereferenten mit der Durchführung von Beerdigungen beauftragen; das werde wohl klappen.

Auf die Frage, warum erst jetzt, wo doch andernorts beauftragte Laien schon seit längerem beerdigen, stellte Kerkhoff klar, so käme man schon zurecht, auch der arbeitsfreie Montag ließe sich aufrechterhalten. Außerdem hätten ihn die Leute in St. Peter (Hinsbeck) gebeten, dass er dort weiterhin beerdige. Auch wenn andernorts längst Laien solche Dienste übernehmen, meinte Kerkhoff: "Ich mache das gerne, dafür bin ich ja Pastor."

Donnerstag - 20.05.2004
Von Joachim Burghardt


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