WESTDEUTSCHE ZEITUNG

Mittwoch, 31.März 2004


Lobberich: Krankenhaus rutscht ins Minus

150 000 Euro fehlen in der Klinik-Kasse, dies teilten Verwaltung und Aufsichtsrat mit. Bei Operationen mit Knieprothesen setzt das Haus aber positive Signale.

Lobberich. "Auf keinen Fall!" Energisch trat Andreas Bartsch Mutmaßungen entgegen, im Städtischen Krankenhaus Nettetal könne es Entlassungen geben. Doch der Vorsitzende des Aufsichtsrats weiß, dass solche Sorgen so unberechtigt gar nicht sind: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist ganz offen von roten Zahlen die Rede, konnte "kein ausgeglichener Wirtschaftsplan" vorgelegt werden. Rund 150 000 Euro fehlen in der Kasse für 2004, gaben Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Klinik gestern bekannt.

Ein schwieriges Unterfangen für Verwaltungsdirektor Herbert Wans, größere Vorhaben wie eine Zentrale Patientenaufnahme in diesem Jahr abzuwickeln: "Aber", klagte Wans, "die gesetzlichen Bestimmungen schränken uns ein, erlauben nur eine Budgetsteigerung vom 0,02 Prozent, das macht bei einem Etat von elf Millionen lediglich 3000 Euro." Dem stünden allein rund drei Prozent gestiegene Personalkosten gegenüber. Bartsch, Wans und Beigeordneter Christian Wagner beeilten sich freilich, auf die Rücklagen aus den letzten Jahren zu verweisen: "Darauf können wir zurückgreifen", so Wans. Und nach dem "Prinzip Hoffnung" solle die Unterdeckung bald aufgefangen sein. Ausbluten werde die Krankenhauskasse nicht.

Wenig Blut nur, "vielleicht fünf Konserven im Jahr", braucht Enno Steinheisser bei seinen Operationen. Dabei setzt der Spezialist für "Knie-Total-Endoprothesen" 150mal im Jahr künstliche Kniegelenke ein. Gestern stellte der Chefarzt den eher negativen Bilanzen des Krankenhauses ein positives Signal gegenüber sein neues "wohl recht einmaliges" Behandlungskonzept: "Von der ersten Patienteninfo über die vorstationäre Behandlung und die Operation bis zum Abschluss der Reha liegt alles in einer Hand". Nämlich in der von Steinheisser und seinem Team. Steinheisser: "Nach zehn Wochen ist dann, wenn`s gut geht, alles vorbei." Das neue System spare Zeit und Kosten und bringe den Patienten, zumeist in Gruppen "eine Rundumversorgung aus einem Guss."


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