WESTDEUTSCHE ZEITUNG

16. März 2004


Comic Kitsch oder Kunst?

Arbeiten des Cartoonisten und Illustrators Ulf Keyenburg sind noch bis zum 17. April im Lobbericher Rathaus zu sehen.

Lobberich. Ulf K. ist Cartoonist und Illustrator, der schon in so illustren Printmedien wie Geo und FAZ veröffentlicht hat. Noch bis 17. April ist eine große Auswahl seiner Arbeiten im Rathaus am Doerkesplatz zu sehen. Ist Comic Kitsch oder gar Schund? Die Ausstellung beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein.

Ulf K. "K" steht für Keyenburg -, 1969 in Oberhausen geboren, studierte an der Essener Folkwangschule Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration. Der jetzt in Düsseldorf lebende Künstler weiß, dass anspruchsvolle Comics auf dem Vormarsch sind. Als auf der Frankfurter Buchmesse dieses Genre erstmals vertreten war, entwarf er für die FAZ die Figur "Exlibris", die jetzt auch in Lobberich zu sehen ist.

Wenn Ulf K. gerade keine Aufträge ausführt, lässt er gern Autobiographisches in seine Arbeiten einfließen. So werden Urlaubserinnerungen aus seiner Kindheit wach nicht zuletzt der Text sorgt dafür, dass der Betrachter nicht außen vor bleibt. Viele der akuraten Tuschezeichnungen bedürfen jedoch keiner Erklärung.

Mitunter scheint Ulf K. selber Modell gestanden zu haben für seine Figuren, seine kleinen Helden. Das Erzählerische ist ihm wichtiger als das Gestalterische was nun aber nicht bedeutet, dass er das Handwerkliche vernachlässigt.

Ganz im Gegenteil, wie etliche Vorzeichnungen beweisen. "Sternennächte" ist eine sehr romantische Serie, eine Konstante ist der Mond, und wenn nur in Form eines Luftballons. Hier sind die Menschen in trauter Zweisamkeit vereint oder auf dem besten Weg dorthin Menschen, die mit wenigen markanten Strichen gemalt wurden wie einst das legendäre "HB-Männchen".

Die Serie "Silence" wirkt mal wohltuend, mal bedrückend: Da ist ein Paar, das nur auf dem Foto eng zusammengerückt ist, sich im Alltag jedoch nicht mehr viel zu sagen haben scheint. Einmal raus aus den Alltagszwängen: Ulf K. befreit den Fabrikarbeiter, macht ihn zum Mann im Mond. Es sind Traumwelten, in der Häuser die Passanten anlachen, Refugien, um den grauen Alltag für einen Moment zu vergessen, die der Oberhausener da schafft.

Mitunter steht das Morbide im Mittelpunkt: Da türmen sich die Totenköpfe, liest der Tod im Bistro Oscar Wilde. Eine originelle Figur, die immer wieder auftaucht: Der kugelrunde Glatzkopf Hieronymus auch er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem Schöpfer

Der Comic-Zeichner Ulf Keyenburg stellt derzeit
in der Lobbericher Rathaus-Galerie aus. Foto: Kurt Lübke


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