WESTDEUTSCHE ZEITUNG

9. März 2004


Kunst lässt sich nicht "kisten"

Aus Holzkisten haben niederländische Künstler Werke geschaffen, die in der Werner- Jaeger- Halle zu sehen sind.

Lobberich. Vor zwei Jahren hatte die Stiftung "Offene Atelierroute" Künstler aus Nordlimburg eingeladen, der Idee "Kunst lässt sich nicht unterkriegen" Gestalt zu verleihen. Nicht ohne Grund bekam jeder der teilnehmenden Künstler eine Holzkiste, ein mal ein Meter groß, zur Verfügung gestellt, heißt doch "unterkriegen" auf Niederländisch "kisten". Es ist ebenso erstaunlich wie interessant zu sehen, was aus diesen Kisten wurde. Zu sehen waren sie im Museum van Bommel en van Dam in Venlo. Bis zum 4. April sind in der Werner-Jaeger-Halle lediglich drei dieser Kisten im Original zu sehen. Die Ausstellung in Lobberich spiegelt die Ausstellung in Venlo größtenteils mit Fotos wider, die die in Brüggen lebende Fotografin Karin Poltoraczyk gemacht hat.

Karin Poltoraczyk, Jahrgang 1965, hatte ihre Meisterprüfung als Fotografin 1994 in München absolviert. Ihre Maxime beim Fotografieren der Kisten: "Ich wollte den Leuten, die die Ausstellung in Venlo nicht gesehen haben, den Eindruck vermitteln, den ich hatte." Sie zeigt zunächst, wie die Kisten im Raum wirken, rückt dann näher an Objekte heran, hebt interessante Details hervor. Sie hat damit nur eine dokumentarische Funktion übernommen; die entscheidet auch, was der Betrachter jetzt in Lobberich sieht. Live und in Farbe dabei: Die Werke von drei Künstlern. Ruud van der Beele hat, basierend auf der Holzkiste, einen Sessel gebaut. Die Sitzfläche ist in Zink ausgebildet ein interessanter Materialmix. Trotz kalten Metalls wirkt der Sessel erstaunlich einladend. Jos Beurskens ist mit einer Art Bauchpinselmaschine vertreten. Wenn man an einer Kurbel dreht, bewegt sich, ähnlich wie ein Hähnchen auf dem Grill, ein Torso aus Pappmaché , der von oben und unten von Pinseln berührt wird. Stacheldraht sorgt dafür, dass er nicht berührt werden kann. Hans Uffink bringt es auf den Punkt: Bei seiner monumentalen Arbeit steht der Mensch winzig klein zwar im Mittelpunkt.

Daneben sind nur Fotos weiterer Arbeiten zu sehen. Louke Timmermans verkleidete die Kiste mit Knäckebrot zu einer Art Knusperhäuschen. Anna Berendsen präsentiert eine rätselhafte Maschine, Mischung aus Mäusekino und Röntgenapparat. Wie der Teil des Grundrisses eines Hauses wirkt, was Theo Selen aus der Holzkiste gemacht hat. Mal wird Geometrisches mit organischen Formen kombiniert, mal wirkt die Kiste wie ein Vogelhaus, dann wie eine Sauna oder das Gehäuse eines Kaleidoskops.

Ausstellung "1m³": bis 4. April, Werner-Jaeger-Halle; Öffnungszeiten: mittwochs, samstags und sonntags 15-17 Uhr.


Eine Holzkiste hat Hans Uffink (l.) zu Kunst gemacht.
Weitere Werke hat Karin Poltoraczyk (r.) im Foto festgehalten. (Foto: Reimann)


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