WESTDEUTSCHE ZEITUNG27. Januar 2004 |
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Lobberich. Die Erwartungen sind groß: Der 24. Januar 2004 könnte ein historisches Datum für die evangelische Kirchengemeinde Lobberich-Hinsbeck werden. Nicht allein, weil Sonntag nach eineinhalb Jahren Vakanz endlich ein neuer Pfarrer in sein Amt eingeführt wurde: Dr. Matthias Engelke. Sondern vor allem, weil der gleich ein Signal der Versöhnung in der zerstrittenen Gemeinde setzte: "Ich werde", kündigte er zum Abschluss des Empfangs im überfüllten Lobbericher Gemeindehaus an, "an jedem 24. eines Monats tagsüber fasten und abends zum Friedensgebet einladen." Und er hoffe, dass dann "auch die Gemeindemitglieder, die nicht einmal mehr miteinander reden, dazu kommen, sich wieder an einen Tisch setzen".
Auffällig, dass an diesem festlichen Nachmittag die gespannte Situation in der Gemeinde nicht beschönigt wurde: Noch immer dauern, wie berichtet, die Querelen um das Ausscheiden von Engelkes Vorgänger an. "Die Wunden der letzten Jahre sind noch nicht vernarbt", gestand denn auch Pfarrer Falk Neefken, Superintendent des Kirchenkreises Krefeld-Viersen, in seiner Ansprache im Gottesdienst. Bezeichnend dafür sei, dass sich "nicht genug Kandidaten für die Wahl zum Presbyterium gefunden haben". Der neue Pfarrer, gab sich Neefken "zuversichtlich", könne da "ein Botschafter der Versöhnung für alle sein".
Bange scheint Pfarrer Engelke nicht zu sein: Mit einem kräftigen und lauten "Ja!" beantwortete er die Frage des Superintendenten, ob er bereit sei, sein Amt anzutreten. Passend das Lied, das die Gemeinde von Lobberich und Hinsbeck, zwölf Pfarrerinnen und Pfarrer, Vertreter der katholischen und griechisch-orthoxen Gemeinde dann mit dem "Neuen" gemeinsam sangen: "Ich möchte gerne Berücken bauen, wo alle tiefe Gräben sehen."
Der 45-jährige Engelke, gebürtiger Hamburger, verheiratet, zwei Kinder, gilt als profilierter Theologe und Friedensaktivist. So sprach er in seiner Predigt aus Erfahrung: "Mit Widerstand zu leben ist normal." Das zeige auch das Gleichnis vom Sämann aus dem Matthäus-Evangelium: Dreiviertel des Saatguts, Sinnbild für das Wort Gottes, gehe nicht auf, erst recht nicht in der heutigen "bösen Zeit". Dennoch zeigte sich der neue Pfarrer, der seit November 2003 in der Gemeinde ist, hinterher gegenüber der WZ optimistisch: "Ich bin guter Hoffnung", griff er das Gleichnis auf, "dass die Saat hier in der Gemeinde auf fruchtbaren Boden fällt, dass es zur Versöhnung kommt."
Wie einen Kollegen begrüßte Nettetals Bürgermeister Peter Ottmann beim Empfang den neuen Pfarrer: "Uns beiden", so der Politiker, "geht es darum, dass die Werte in der Gemeinde, der weltlichen wie der kirchlichen, ihren Platz haben". Der Seelsorger geht dabei zumindest die ungewöhnlicheren Wege: Seit November 2003 bereits in Lobberich, lebte Engelke bis zur Renovierung des Pfarrhauses im Wohnwagen. Und künftig wird er, wie versprochen, fasten: an jedem 24. des Monats.
Dr. Matthias Engelke (links), neuer Pfarrer der evangelischen
Gemeinde Lobberich-Hinsbeck,
wurde am Samstag von Superintendent Falk Neefken in sein Amt
eingeführt.
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