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Donnerstag, 4. März 2004


Jeder kann mitmachen - das Orchester des Werner-Jaeger-Gymnasiums

Interview mit den Leiter Albert Monod


Kleines Orchester auf großen Reisen


Das Orchester des Werner-Jaeger-Gymnasiums unter der Leitung von Albert Monod: Dieses Jahr 30-jähriges Jubiläum

Von Hanna Herkenrath

Lobberich. Freitagabend, 18 Uhr. Die Musiker des Schulorchesters am Werner Jaeger-Gymnasium (WJG) finden sich nach und nach in der Aula der Schule ein. Aus jeder Ecke sind die Klänge verschiedenster Instrumente zu hören. Bis alle ihren Platz gefunden haben, ist eine viertel Stunde vergangen. Beim Stimmen der Instrumente muss Herr Monod hier und da noch nachhelfen. Unruhe. "Unterhalten könnt ihr euch in der Pause!" ruft er. Der Taktstock geht in die Höhe - die Probe beginnt.

Die Oper "Carmen" von Georges Bizet steht auf dem Programm. Das Vorspiel mit dem Torreromarsch klappt schon ganz gut, das haben sie schließlich schon oft vorgespielt. An der "Habanera" muss noch gearbeitet werden. Ein Stöhnen von Seiten der Cellisten ist nicht zu überhören. Immer nur die gleichen vier Töne. Die Geigen spielen nicht ausdrucksvoll genug. Und wieder von vorne. Wie oft hat Albert Monod das schon gesagt ...

Er nimmt sich die Geige einer Schülerin zur Hand und spielt den Abschnitt vor. Stille. Die Musiker sind von dem Klang, den er auf der Geige erzeugt, fasziniert. "Genauso sollt ihr spielen! Nicht so ..." Albert Monod spielt übertrieben schräg und monoton. Das Orchester lacht. Ein neuer Versuch. Die Geigen bemühen sich so ausdrucksvoll wie ihr Dirigent zu spielen. Einigen gelingt es, anderen nicht. Es klingt jedoch deutlich besser. Ein Hauch von spanischem Flair füllt die Aula

Von der Aula durch ganz Europa

19 Uhr, Pause. Albert Monod hat eine Ankündigung: "Im Mai werden wir für ein verlängertes Wochenende nach Frankreich fahren. Bitte merkt euch das schon mal vor und gebt es an die anderen weiter." Verwunderung ist in den Gesichtern der Orchestermitglieder zu sehen. Erneut eine Konzertreise, obwohl sie dieses Jahr schon nach Polen fahren werden.

"Kriegen wir dann schulfrei?" fragt eine Schülerin. "Natürlich kriegt ihr für eine Konzertreise schulfrei", antwortet der Dirigent. Sie freut sich. Man sieht es in ihren Gesichtern, sie denken an die Reisen, die schon stattgefunden haben: England. Italien. Polen. Jetzt kommt Frankreich noch dazu. Unglaublich, was Albert Monod in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt hat.

Spontaner Tusch für Andreas

Nach 15 Minuten geht es weiter. "Wir beginnen den zweiten Teil der Probe mit einem D" - das Orchester spielt ein D - "jetzt bitte ein G" - von jedem Instrument ist ein G zu hören. Die Tonfolge ergibt einen Tusch. Wir gratulieren Andreas Eikelberg zum ersten Platz bei Jugend musiziert", freut sich Albert Monod. Andreas hat mit seinem Klavierspiel überzeugt und sich gegen seine Konkurrenten durchgesetzt. Die Musiker applaudieren. Solche Mitteilungen sind nicht selten.

"Kinder begleiten die Wachsoldaten" heißt das nächste Stück der Oper. Ein Klarinettensolo leitet das Stück ein. Darauf folgen Pizzicati. Es klingt wie ein bunter Marsch. Sehr, sehr, schön.

Im Cello wird schon wieder getuschelt und gelacht. Langsam kehrt wieder Ruhe ein. Ein paar Feinheiten werden noch besprochen, bevor die Instrumente eingepackt werden. Das Licht in der Aula geht aus. Wochenende.

Das Schulorchester des Werner-Jaeger-Gymnmiums während der Probe.


Jedes Erlebnis mit dem Orchester ist unvergesslich



Über das Schulorchester des Werner-Jaeger-Gymnasiums
sprachen die GN mit
dem Dirigenten Albert Monod.

Sie leiten nun schon seit fast 30 Jahren das WJG-Orchester Wie sind Sie denn überhaupt zur Musik gekommen?

Albert Monod: Erst mit 14 Jahren habe ich angefangen, Geige zu lernen. Früher war das gar nicht möglich. Wir lebten auf dem Land, da gab es so etwas nicht. Im ersten Schuljahr, als unser Lehrer auf seiner Geige vorgespielt hat, war ich so fasziniert, dass ich das Instrument unbedingt lernen wollte. Aber erst spät wurde an unserer Schule Geigenunterricht angeboten. Als es soweit war, ging alles relativ schnell. Ich wurde schon früh Konzertmeister an unserem Schulorchester. An der Hochschule habe ich dann Bratsche gelernt.

Albert Monod

In der langen Zeit als Dirigent, gibt es ein Lieblingsstück dass Sie mit dem Orchester vorspielen bzw. einüben?

Albert Monod: Nein, ein Lieblingsstück gibt es für mich nicht. Ich übe gerne Stücke aus der Romantik ein, da sie melodisch gut klingen. Außerdem probiere ich oft neue Sachen aus der Moderne, was bei den meisten Orchestermitgliedern nicht so gut ankommt. Ich habe schon oft beobachtet, dass zuerst niemand diese neuen Stücke mag und nach ein paar Proben die Musiker immer mehr Gefallen daran finden und sich sogar darauf freuen.

Zum Abschluss, können Sie sich an ein schönstes Erlebnis mit ihrem Schulorchester erinnern?

Albert Monod: Also dazu kann ich nur sagen, dass jedes Erlebnis mit dem Orchester schön war und ist. Ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht. Woran ich mich gerne zurück erinnere, war unsere erste Konzertreise nach Österreich. Die Pensionen, in denen wir übernachtet haben, haben kein Geld von uns verlangt. Als ich das Dorf noch einmal zum Urlaub besuchte, haben mir die Einwohner erzählt, dass unser Orchester eine so große Wirkung hinterlassen hat, dass viele Jugendliche und Kinder ein Streichinstrument lernen wollten. In Österreich spielen die meisten nur Blasinstrumente wie Trompete oder Horn. Ein besonderes Erlebnis war natürlich auch unsere Toskanafahrt zum 25-jährigen Jubiläum. Wir haben in wunderschönen Kirchen gute Konzerte gegeben und viel miteinander erlebt.


Mitmachen kann jeder


Das WJG-Gymnasium probt freitags von 18 bis 20 Uhr in der Werner-Jaeger Halle. Die Mitlieder haben keine Beiträge zu zahlen. Zurzeit zählt das Ensemble 45 Musiker. Geleitet wird das Orchester von Albert Monod, der auch Ansprechpartner ist. Egal, ob jung oder alt, jeder, der ein Orchesterinstrument spielen kann, ist eingeladen, an den Proben teilzunehmen. Es ist demnach keine Pflicht. Schüler oder Lehrer am WJG zu sein.

Dieses Jahr feiert das Orchester 30-jähriges Jubiläum. 1971 kam Albert Monod nach Lobberich, um am WJG Musik zu unterrichten. Auf Wunsch der Schulleitung und auch von Seiten des heutigen Dirigenten sollte eine Arbeitgemeinschaft "Orchester am WJG" gegründet werden. Anfangs gab es kaum Interesse an dem Projekt, bis Albert Monod eine AG "Geige" gründete und einen ersten Stamm, bestehend aus acht Geigen, vorzeigen konnte. Das Interesse wuchs, und die Mitgliederzahl stieg. Das erste Konzert fand 1974 zur Einweihung der Werner-Jaeger-Halle statt. Heute fehlen dem Orchester Posaunen, Trompeten und ein Kontrabass. Streicher werden immer gesucht. Neueinsteiger, denen die Anforderungen zu hoch erscheinen, erhalten vom Dirigenten eine überarbeitete Stimme des jeweiligen Stückes.

Das Orchester hat schon Konzertreisen nach Frankreich, Österreich, England, Polen, Norddeutschland und in die Toskana veranstaltet. Dieses Jahr steht im September die Nettetaler Partnerstadt Elk/Masuren in Polen auf dem Programm.


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