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Donnerstag, 21. Februar 2002


Wohnte hier Karl der Große?

Burg Bocholtz wurde erstmals im Jahre 1096 urkundlich erwähnt

Nettetal (cle). Kaiser Karl der Große soll hier gewohnt haben, Reiner von Bocholtz, Fürstabt von Corvey wuchs hier auf. Jetzt wohnt Walter Grieger, größter Soundkartenproduzent Europas in der Burg Bocholt: Von der früheren Burg Bocholtz, erstmals 1096 urkundlich erwähnt, ist nicht mehr viel erhalten: Reste des 1987 haltbar gemachten Kaiserturms und die Vorburg, die noch nach dem zweiten Weltkrieg landwirtschaftlich genutzt wurde.

In der Burg Bocholtz soll der Sage nach Karl der Große gewohnt haben, wenn er auf der alten Römerstraße nach Kleve oder Nijmegen reiste. Der Ursprung der Bezeichnung Kaiserturm konnte bisher noch nicht eindeutig geklärt werden.

Allerdings wird die erste Gründung der Burg Bocholtz von Historikern mit dem Bau der Karlstraße in Verbindung gebracht und erstmals 1096 erwähnt.

So erscheint es durchaus möglich, dass der südwestliche Turm in der ursprünglichen Burganlage zur Erinnerung an einen Besuch des Kaisers Karl des Großen oder zu dessen Ehren "Kaiserturm" genannt wurde. Diese Bezeichnung wird sich dann auf den im 14. Jahrhundert erbauten Turm übertragen haben.

Das Stammschloss derer von Bocholtz war eine alte Wasserburg an der römischen Heerstraße, der späteren Karlsstraße, die von Herongen über Hinsbeck durch die Lobbericher Honschaft Bocholt führt. Von der Burg Bocholtz aus wurde über viele Jahrhunderte Lobberich regiert. Die Familie von Bocholtz war mächtig. Die eigentliche Burg ist seit über 200 Jahren zerstört. Von der Hauptburg mit Kaiserturm ist eine Zeichnung aus dem Jahre 1646 überliefert, die der Landmesser Goeurdt Heutmacher zeichnete.

Wie die meisten Wasserburgen des Mittelalters hatte auch die Burg Bocholtz einen Torbau. Zu diesem Torbau gelangte man erst, nachdem man die zweibogige Brücke über den Wassergraben passiert hatte. Der Torbau mit seinen festgefügten Quadern ist auch heute noch relativ gut erhalten. Er stammt wohl aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. An den Kopfseiten sind die heutigen Wirtschaftsgebäude, die jetzt Wohnzwecken dienen, eingebaut.

Alle mittelalterlichen Burgen hatten Warttürme. Diese dienten zu Beobachtung der Umgebung, um sich vor plötzlichen feindlichen Überfällen zu sichern. Vielfach standen diese Warttürme mit der Burg in Verbindung, abgesehen von den Burgfrieden. Der Leuther Oeconom Johann Finken hat in seinem Werk "Herrlichkeit Lobberich" die Burg Bocholtz abgebildet. Darauf sind vier Türme zu sehen, von denen aus die ganze Gegend in alle vier Himmelsrichtungen zu überblicken war.

Diese Türme waren auch geländebedingt, da die Burg Bocholtz in einer kesselartigen, 200 Meter langen und 150 Meter breiten Mulde liegt. Von den vier Wachtürmen sind die drei runden, nicht so wichtigen, wahrscheinlich Mitte des 18. Jahrhunderts, als die eigentliche Burganlage abgerissen wurde, ebenfalls niedergelegt worden. Nur der Kaiserturm, ein Backsteinbau aus dem 14. Jahrhundert, blieb stehen.

Der "Kaiserturm" verfiel im Laufe der Jahrhunderte. Um 1860 waren seine Zinnen noch vorhanden. Die Witterung nagte aber an dem Turm, so dass heute nur noch der südwestliche Teil des früher wehrhaften Kaiserturmes erhalten ist. Die Stadt Nettetal investierte 1987 rund 60.000 Euro in die Sanierung des alten Turms, so wurde der weitere Verfall gestoppt.

Wesentlichen Anteil an der Besiedlung und Entwicklung Lobberichs hatte auch der Bau von Haus Ingenhoven, einem Rittersitz, der oft nur "der Hof" genannt wurde.

Ingenhoven wird 1403 erstmals in den Lehensregistern des Herzogtums Geldern, zu dem Lobberich bis zum Ende des "Ancien Regimes" gehörte, genannt 1798 kommt mit der Besatzung durch die Franzosen auch das Ende der Herrschaft der Familie von Bocholtz durch Aufhebung der Feudalrechte, Trennung von Verwaltung und Gerichtsbarkeit


Siehe: Burg Bocholt


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors Eberhard Lange

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