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Freitag, 28. August 1964


Ein Portrait der Firma Rokal


In diesem Jahr besteht die Firma Robert Kahrmann & Co ein halbes Jahrhundert. Der Grundstein wurde in Düsseldorf gelegt, als dort 1914 die Eintragung ins Handelsregister erfolgte. 13 Jahre später baute der dynamische Unternehmer Robert Kahrmann in Lobberich ein Werk auf, das sich der Herstellung und dem Vertrieb von sanitären Armaturen und Autoteilen widmete.

Einige Jahre später kam ein neuer Produktionszweig hinzu: Es begann der Aufbau der Druckgießerei.

Nach dem Kriege nahm der Fertigungsumfang schnell zu, insbesondere hatte sich das Fertigungsvolumen für die Automobilindustrie erheblich. erweitert. Darüber hinaus wurden in großem Maße gute Armaturen benötigt. Um den Platzbedarf zu decken, wurden große und geräumige Werkshallen errichtet. Jahr für Jahr wuchsen neue Bauten, in denen von frühmorgens bis spätabends - teilweise in 3 Schichten sogar 24 Stunden durchgehend - gearbeitet wird. Heute wird die gesamte deutsche Automobilindustrie beliefert und auch zum Teil erheblich exportiert. Alle Erzeugnisse des Werkes erfreuen sich im In- und Ausland infolge ihrer anerkannten Qualität einer treuen Dauerkundschaft.

Die in den letzten Jahren nach modernsten Gesichtspunkten entwickelten thermostatischen Geräte wie "EUROTHERM" und die Eingriffmischbatterie "MISCHKA" sind besonders hervorzuheben. Sie ermöglichen es, den Wasserstrahl mit Einem Griff auf die gewünschte Temperatur einzustellen. Der "PERLATOR", der dem Wasserstrahl Luft zuführt und das früher so lästige Spritzen verhindert, hat Eingang in jeden Haushalt gefunden. Die Weltproduktion beträgt heute rund 30 Millionen Stück. Davon wurden alleine bei ROKAL rund 9 Millionen Stück hergestellt.

Das Werksgelände umfaßt rund 80 000 Quadratmeter, von denen mehr als die Hälfte bebaut sind.

Zum juristischen Portrait der Firma müssen folgende Namensänderungen angeführt werden.

Ab 1. Januar: 1950 hieß die Firma 4 Jahre lang ROKAL, Guß- und Armarturenwerk G.m.b.H., ab 1954 dann nur noch ROKAL G.M.B.H. Längst hat sich der Firmenname zu einem Warenzeichen entwickelt.

Geschäftsführer, gleichzeitig persönlich haftender Gesellschafter der Robert Kahrmann Co., ist der 77jährige Robert Kahrmann.

Der gebürtige Balte, aufgeschlossen allen technischen Neuerungen gegenüber, schuf nach dem Kriege eine solide Grundlage für das Werk, das fast 2 000 Menschen beschäftigt.

Die Modelleisenbahnen sind der jüngste Produktionszweig. Aus dem Nichts heraus wurde nach dem Kriege damit angefangen. Von der 12 mm breiten Spur besteht ein sehr großes Sortiment, das laufend erweitert wird und Jahr für Jahr begeisterte Modelleisenbahner durch seine Neuheiten erfreut.

Bild links: Robert Kahrmann

Klein, aber bekannt, ist der Stationsvorsteher, der auf seiner Dienstmütze statt der Adlerschwingen den Namen ROKAL in das In- und Ausland trägt. Von unzähligen Kartons und Transparenten grüßt er mit einem gewinnend-verschmitzten Lächeln. In der Großstadt und auf dem Lande führen viele 'Modelleisenbahngeschäfte die kleine Modelleisenbahn aus dem großen Werk in Lobberich.

Kernzelle des Unternehmens ist eine moderne Druckgießerei für Schwer- und Leichtmetall. Hier werden Stückgewichte bis zu 15 kg - auch Messing-Kokillenguß und Warmpreßteile hergestellt. Nach Produktion und Kapazität zählt sie zu den bedeutendsten der Bundesrepublik.

Druckgußteile für die Automobilindustrie werden nach den neuesten Erfahrungen in mechanischen Anlagen vernickelt und verchromt, das macht sie haltbarer für höchste Beanspruchung.

Rund 400 t Gußmaterial werden monatlich erzeugt. In. den geräumigen und hellen Werksanlagen ermöglicht ein moderner Maschinenpark die weitere Be- und Verarbeitung.

Mit einem Druck bis zu 400 t werden u. a. aus Reinstaluminium fertige Kühler-Ziergitter und Zierleisten für Kraftfahrzeugteile gestanzt. Nachdem sie eloxiert worden sind, können sie glänzend und ohne Schramme eingebaut werden.

In der Eloxal-Abteilung können in großen Becken Aluminiumstücke bis zu 7 m Länge oberflächenbehandelt werden. Monatlich gehen über 40 000 Quadratmeter Aluminiumteile durch die verschiedensten Bäder, teilweise erfolgt die Einfärbung in rot, schwarz und sogar in gold.

Grundlage für die : verschiedenartigen Produktionszweige sind die mit Fachkräften bestens besetzten Konstruktionsbüros. Der Werkzeugbau kann alle - oftmals sehr komplizierten Formen selbst anfertigen. Er genügt auf Grund seiner ausgezeichneten maschinellen Ausrüstung größten Ansprüchen.

Die Firma Rokal

In einer eigenen Neutralisationsanlage werden die durch Säuren und Laugen verunreinigten Abwässer bis zu stündlich 200 Kubikmeter entgiftet und neutralisiert. Die Firma verbraucht jährlich über 500 000 Kubikmeter Gas und feuert über 2 Millionen Liter Öl. Dem. erst im vergangenen Jahr fertiggestellten Kesselhaus ob liegt nicht nur die Beheizung des Werkes, sondern auch die gesamte Heißwasserversorgung des Betriebes für alle technischen Belange. An weiterer Energie werden verbraucht ca. 4 Mill Kilowatt Wärmestrom.

Den bei ROKAL Beschäftigten wurden im vergangenen Jahr über 15 Millionen: DM an Löhnen und Gehältern. gezahlt. Viele der Beschäftigten kommen aus benachbarten Grenzland-Gemeinden und sogar aus Holland. Bisher wurden über 500 Jubilare für Werkstreue mit einer goldenen Uhr ausgezeichnet. Wirtschaftlich wirkt die Firma weit über. die Grenzen unserer Stadt. Auf ein stetiges Wachstum des Betriebes sind die Pläne der Unternehmungsleitung auch für die Zukunft ausgerichtet: Ständige Verbesserungen werden vorgenommen. Das gilt nicht nur für die Erzeugnisse sondern auch für die Arbeitsbedingungen.

Wirtschaft und Bevölkerung Lobberichs sind mit der Firma eng verflochten. Vielleicht ist es ein besonders sinnfälliger Ausdruck dieser Fortschritte bewirkenden Verbundenheit, wenn der grün-gelbe Firmenname: "ROKAL" dem jungen Städter in den Abendstunden schon von weit her aus dem Werksgelände entgegenleuchtet.


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